Ulme 60# @ 27"

Hier kann man seine selbstgebauten Sachen zeigen. Nicht für Händler zum Vorstellen neuer Artikel gedacht.
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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von Neumi » 30.01.2019, 16:01

Tach, wenn Du den Bogen schießt ziehst Du die Sehne an einem Punkt ca. 2 cm höher als an der Tillerwand (hier ziehst Du senkrecht zum Druckpunkt). Daraus ergibt sich, dass der untere WA beim schießen etwas mehr gegenüber dem Auszug auf der Tillerwand biegt und eben für den oberen WA umgekehrt. Vorausgesetzt, dass beim ziehen auf der Tillerwand der Zugpunkt an der Sehne nicht nach links oder rechts von der Senkrechten abweicht, sondern sich in einer senkrechten Linie nach unten bewegt (ich hoffe, dass man das verstehen kann ??? :D ).

full_draw_fc.jpg
Ich habe den Zugpunkt mal eingezeichnet
Ich hatte mich am Anfang und überhaupt eine lange Zeit immer darüber gewundert, dass auf der Tillerwand alles gut aussieht und beim schießen eben nicht mehr. Mittlerweile schaue ich, dass auf der Tillerwand der Zugpunkt an der Sehne beim ziehen eine leichte Abweichung von der senkrechten Richtung unterer WA hat. Dann passt das besser.
Aber der starke Unterschied in der Biegung der beiden WA (beim Vollauszugfoto) resultiert meiner Meinung nach aus der perspektivischen Verzerrung. Deswegen habe ich zum Tiller auch nichts geschrieben, den finde ich nämlich OK.
Grüße - Neumi
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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von Wazuka » 31.01.2019, 09:48

Neumi, danke dafür! Jetzt wird mir auch langsam klar, woher der Unterschied kommen kann. Aber nicht so ganz. Du hast recht, der Zugpunkt auf dem Tillerstock ist etwas weiter Richtung unterer WA als wenn ich mit der Hand ziehe. Aber warum zur Hölle biegt dann der untere WA stärker? Ich würde gefühlsmäßig das Gegenteil erwarten ... oder ... ? Nee, der Sehnenwinkel ist dann kleiner für den unteren WA, weshalb er mehr Richtung Mitte gezogen wird als der obere. Deshalb die stärkere Biegung. Rischtisch?

Sprich, ein leichtes Kürzen des unteren WAs würde es wieder ausgewogener machen, oder?

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von Wazuka » 31.01.2019, 14:24

Ich versteh es eigentlich immer noch nicht. Rein von der Verteilung der Zugkräfte auf die Wurfarme müßte es doch andersrum sein. Hier mal was zur Veranschaulichung:
Kraftverteilung_WA_1.jpg
Symmetrischer Bogen, Zugkraft exakt mittig.
Kraftverteilung_WA_2.jpg
Gleicher Bogen wie oben, Zugkraft Richtung oberer WA verschoben.
Wenn ich also die Sehne etwas höher abgreife, sollte sich die Kraft auf den unteren WA reduzieren, sprich, er sollte weniger biegen. Warum also beobachten wir bei meinem Bogen genau das Gegenteil? Mache ich irgendwo einen Denkfehler?

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von Neumi » 31.01.2019, 14:57

Also ich kann mit Deinen Skizzen absolut nix anfangen. Du must aber bedenken, dass der Druckpunkt (was in der Skizze dann wohl als Drehpunkt darzustellen wäre oder? und der fehlt) bei beiden Varianten gleich ist, wenn mich nicht alles täuscht sind da auch Hebelkräfte im Spiel. Aber Physik iss nicht meine Baustelle. Die Praxis zeigt mir aber, dass es so ist.
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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von Wazuka » 31.01.2019, 15:29

Der Zugpunkt in der zweiten Skizze ist natürlich übertrieben weit nach außen hin verschoben, um graphisch die Veränderung der Kräfteverhältnisse zu verdeutlichen.

Ich hab mal bei Rabe angefragt und hoffe auf externe Erleuchtung ;D .

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von schnabelkanne » 31.01.2019, 16:20

Servus, miss bei deinem Bogen mal auf Standhöhe den Max. Sehnenabstand je WA, der sollte dann beim Oberen etwas größer sein.
Lg Thomas
The proof of the pudding is in the eating!

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von Wazuka » 01.02.2019, 14:13

Hey Thomas, Du hattest recht, der Sehnenabstand war unten tatsächlich etwas höher als oben. Warum nur hab ich das nie kontrolliert? Mea culpa.

Hab den unteren WA um etwa 1/2" gekürzt und beide Tips etwas verschmälert. Der Sehnenabstand ist jetzt auf beiden Seiten fast gleich, tendentiell unten etwas weniger. Hier der Vergleich (es ist nicht viel, aber doch ein wenig ausgewogener, oder?):
full_draw_fc.jpg
vorher
FullDraw_neu.jpg
nachher

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von Aqueiro » 04.02.2019, 13:19

Ein rundum sehr gelungener Bogen.
Wie schon sehr viele hier anklingen lassen haben.
Wie findest du die Verabeitung mit dem true oil.
Arbeitest du da zwischendurch mit Stahlwolle.
Hättest du einen Vergleich zu Danish oil, was besser ist.
Grüße aus dem BayerWald

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von Wazuka » 04.02.2019, 15:30

Danke!

True Oil finde ich sehr gut. Hab es aufgrund eines Tips einfach mal bestellt und ausprobiert und bin bisher rundum zufrieden. Es ist auf Basis von Leinöl, gemischt mit einigem anderen Zeugs. Vorteile gegenüber Leinölfirniß sind: 1) Härtet wesentlich schneller aus. 2) Macht keinen Gelbstich. Einziger bisher festgestellter Nachteil gegenüber Leinölfirniß: Es feuert nicht so intensiv an. Ich mach meistens zwischen 3 und 6 Lagen, jeweils mit Stahlwolle poliert, bis es matt wird. Trocknungszeit im Keller (relativ kühl) ein paar Stunden. Im Wohnzimmer bei über 20°C max. 1-2 Stunden. Sprich, man kann innerhalb von einem Tag mit dem Finish fertig sein. Wie gut es in Bezug auf Wasser abdichtet, kann ich noch nicht sagen, da zu wenig Erfahrung.

Einen Vergleich zu Danish Oil kann ich nicht machen, da ich das noch nie verarbeitet habe. Bisher nur Leinölfirniß und Schellack.

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von Aqueiro » 05.02.2019, 10:01

Super, danke für die ausführliche Antwort hilft mir weiter.
Grüße aus dem BayerWald

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von Wazuka » 21.05.2019, 13:24

So, jetzt bin ich mit meiner Weisheit am Ende ... und brauche eure Expertise!

Am Anfang war ja der untere WA etwas zu schwach, weswegen ich ihn etwas gekürzt hatte. Und siehe da, der Tiller wurde ausgewogener. Danach habe ich ihn sogar noch mal ganz leicht (weniger als 1 cm) gekürzt, und er schien perfekt zu passen. Schußverhalten auch perfekt, alles bestens. Die Standhöhe des unteren WAs war minimal kleiner als die des oberen WAs. Jetzt geh ich am Wochenende auf ein 3D-Turnier, spanne den Bogen auf und bemerke leichte Stauchrisse am oberen WA, von Mitte WA bis ins obere Drittel relativ gleichmäßig verteilt. (Noch) nicht gravierend, aber die waren NEU. Zusätzlich ist mir aufgefallen, daß die Standhöhe am unteren WA wieder ordentlich zugenommen hat und jetzt wieder deutlich größer ist als am oberen WA. Der Bogen hat die Runde durchgehalten, die Stauchrisse wurden weder mehr noch größer. Die Pfeile hoben nicht mehr so schön von der Bogenhand ab wie gewohnt (was zu erwarten war).

Frage an euch: Was ist passiert? Warum ist der untere WA wieder schwächer geworden? Und vor allem: warum sind die Stauchrisse am oberen WA, der ja jetzt wieder stärker ist als der untere? Am unteren WA ist nix zu sehen. Tillermäßig keine Schwachstellen, alles nach wie vor schön rund. Hab leider keine Bilder, aber ich denke, daß auch so klar ist, was ich meine.

Zweite Frage: Oberen WA schwächen, um die Balance wieder herzustellen? Trotz der Stauchrisse?

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von fatz » 22.05.2019, 07:20

Ich wuerd sagen, wenn ein Bogen ohne Schwachstellen und sonstige Misshandlungen vom normalen Schiessen Knautschfalten kriegt, ist das Holz nix. Da hilft nur die Saege oder ignorieren.
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von Wirrwarr » 22.05.2019, 18:45

Kann man vielleicht Epoxid einföhnen?
(Habe ich bisher selbst nicht gemacht, kenne es aber als Prävention gegen Falten auf dem Bauch ...)

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von fatz » 22.05.2019, 21:49

Klar geht das. Wenn du noch eine gute Portion Glasfasermatte dazulegst... ;D
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Ulme 60# @ 27"

Beitrag von vEngel » 22.05.2019, 23:13

Wie oft hast du den Bogen denn vor dem Turnier geschossen? Wenn der untere WA auch schon nachlässt ist das Holz wohl wirklich nicht stark genug. Wenn oben keine Stauchrisse wären hätte ich es mit Tempern versucht, aber so bin ich auch ratlos... Der einzige Trost ist das es bis zum SDBBT nicht mehr lange dauert.

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