Kompositbogenbau: Die Handhabe

Sättel, Zaumzeug, Reiterbogen, Kompositbogenbau, usw.
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Snake-Jo
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Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von Snake-Jo »

Die "Handhabe" am Kompositbogen (also der Griffbereich einschließlich der Fade-Outs und der Wicklungen) wurde in historischer Zeit und auch heute bei den modernene Reiterbogen unterschiedlich konstruiert.
Es gab vor- und rückgesetzte Griffbereiche, die Griffhölzer zur Verstärkung wurden bauch- oder rückseitig angeleimt und daneben gab es auch Verstärkungen seitlich und bauchseitig aus Knochenmaterial.
Die Länge der Handhabe variiierte von ganz kurzen Teilen bei den Koreanischen Flightbogen bis hin zu überlangen Griffbereichen bei den Hunnenbogen. Dazu kamen noch Wicklungen und Lederbezüge für einen exakten Griff am Bogen, z.B. auch bei den heutigen Mongolenbogen.

Bitte hier also alle Fragen und Antworten zur "Handhabe".
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skerm
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von skerm »

Warum gibt es die Konstruktionen mit rückenseitig verleimten Griffhölzern? Mir leuchtet nicht so recht ein, wieso man das so machen sollte. Für ein Beispiel, siehe http://atarn.org/islamic/akarpowicz/turkish_bows.htm

Wenn ich mir den Griff so ansehe, denke ich mir, daß man da einfach gut einen Zoll (nämlich die Griffstärke) an Auszugslänge herschenkt. Warum sollte man das machen? Hat dieser Griff vielleicht Vorteile beim Halten?

Gruß,
Daniel
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Snake-Jo
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von Snake-Jo »

Nein, ich denke, das war konstruktionsbedingt. Man wollte  einen Reset (Rückbiegung) in den Bogen bekommen. Am einfachsten ging das über eine winklige Verleimung im Griffbereich. Dadurch ergab sich ein Winkel am Bogenrücken, der nun mit Griffholz aufgefüllt wurde. Auf der Bauchseite wäre es schwierig geworden, die Form des Griffholzes  mit einfachen Sägen hinzubekommen.
Und ohne Wicklungen hat das nicht viel gehalten, weil die Scherrkräfte dieses Griffholz losgescherrt hätten.
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skerm
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von skerm »

Du meinst sowas? Daran hatte nicht gedacht. Aber ja, bei dieser Konstruktion ist es rückenseitig sinnvoll.

Bild

Sowas geistert bei mir auch schon im Kopf rum. Sowas wie Setback. Mit zusätzlichem Holz (schwarz) drüber für Fadeouts und ein sichereres Gefühl. Ich hab es nicht so mit Wicklungen, aber da würde ich auch auf jeden Fall wickeln.
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Snake-Jo
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von Snake-Jo »

@Daniel: Bin ich ja schon gewohnt: Alles sehr steil bei dir!  ;D

Hier ein paar Möglichkeiten der Griffanordnung. Wobei ich persönlich fast nur den dritten Typ verwende.

Bild
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skerm
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von skerm »

War ja nur eine Skizze! ::)

Bei Verwendung eines flachen Griffs stellt man den Reflex durch Rückspannen ein. Hier kann man sich das zumindest am Anfang sparen, weil man ihn schon eingebaut hat. Bietet das Vorteile? Oder hat es Nachteile? Der Kern muss eine größere Deformation aushalten als bei der Rückspannkonstruktion, aber macht das am Ende einen Unterschied?

Daniel
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Snake-Jo
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von Snake-Jo »

Klar macht das einen Unterschied: Der Bogen hat mehr Reflex eingebaut und speichert daher mehr Energie.
Ja, die Fasern müssen mehr Deformation aushalten. Aber das müssen sie eben.
Dafür gibs ja auch den Sehnenbelag und den Hornbauch.
Zudem sind solche eingebauten Winkel durchaus authentisch bei verschiedenen Reiterbogentypen.
Nachteil: Durch den Winkel kann das Griffholz nicht mehr gerade gebaut werden, sondern muss angepaßt werden.
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Snake-Jo
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von Snake-Jo »

Hallo Snake-Jo!

Toller Reiterbogen den du da aus Rattan gebaut hast! Danke für die tollen Bilder!

Habe da gleich mal 3 Fragen zu:

1. Was hast du als Grifflaminat benutzt, und wie biegt man Grifflaminat vor?
2. Die Siyahs die der Bogen hat, sind die mit einem V Spleiss befestigt, oder auf den Wurfarmn aufgeklebt?
3. Wie bearbeitest du beispielsweise Grifflaminate, oder Siyahs damit sie passgenau sitzen? Mit dem BAndschleifer?

Mfg
Grachus der viel Fragende

@Grachus: Das sind ja allgemeine Fragen zur Handhabe, die ich lieber öffentlich beantworte als in einer PM.

1. Als Grifflaminate verwende ich vorzugsweise Kirschbaum- oder Pflaumenbaumholz in 4-5 mm Stärke. Es wird mit der HLP vorgebogen und dann mit Zwingen auf den Bogen "gezwungen".

2. siehe unter "Siyahs -Herstellung und Befestigung"
http://www.fletchers-corner.de/index.php?topic=7578.0

3. Mit Bandschleifer plan machen, dann biegen und mittels Zwingen anpassen.
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laurin
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von laurin »

Hallo Fachleute,
Ich hätte da eine Frage zum Griffspleiss. Ich habe mal was aufgeschnappt, dass eine "tapered finger joint" Verbindung stabiler als ein W- oder Z-Spleiss sein soll. Kann mir jemand erklären (besser skizzieren) was darunter zu verstehen ist?
vorab herzlichen Dank
just do it
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von acker »

Der junge Mensch lernt, was die Erwachsenen wissen und verlernt was er als Kind gewusst hat.
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von Firestormmd »

Im Prinzip geht es ja darum, die Klebefläche zu verlängern. Ein gerader Schnitt hat zB. 4cm² Klebefläche, ein V-Spleiß schon 8cm² und ein W-Spleiß 16cm². Wenn du jetzt einen Fingerspleiß mit 5 Fingern hast, ergibt das 40cm². Das hält natürlich offensichtlich besser. Allerdings ist es nicht unbedingt sinnvoll, weil die Klebung irgendwann sowieso stabiler als das Holz ist. Ein Fingerspleiß ist also überdimensioniert.

Grüße, Marc
bitte nicht auf den Zahlen herumreiten, die sollen nur als Beispiel dienen
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laurin
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von laurin »

ok. hab`s kapiert.
Wobei ich jetzt nicht unbedingt davon überzeugt bin, dass dies besser hält. - an den Klebeflächen sicherlich, die ist ja auch vervielfacht. Aber Anfang und Ende der Finger / Zapfen sind doch dann schon sehr geschwächt, weil jeweils nur 8 - 10 mm je Zapfen verbleiben.
just do it
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von Firestormmd »

Dafür hast du dann aber viele "schwache" Zapfen, die sich unterstützen. Auf die Spitze getrieben könnte man eine Nano-Verbindung machen, wo sich einzelen Moleküle verbinden. Ein Molekül hält nichts, aber Millionen Moleküle sind sehr fest.

Beim Leimen ist die Klebung in der Regel meist stärker als das Holz. Ich habe mal ein Hornoverlay auf einen Haselbogen mit Epoxy geklebt. Davon habe ich 1cm abgesägt, um die Festigkeit der Leimfuge zu prüfen. Ich war nämlich sehr skeptisch. Die Scheibe habe ich mit dem Horn nach unten in den Schraubstock gespannt und mit einem Hammer dagegen geschlagen. Es hat einen Jahresring zerlegt, die Leimung hat gehalten. Als ich es spaßenshalber umgedreht habe, hat es das Horn zerlegt. Zum Schluss hatte ich eine Leimfuge mit jeweils 1mm Material an jeder Seite.

PS: Sauberes Arbeiten und der richtige Leim sind natürlich Vorraussetzung für gutes Gelingen!
Grüße, Marc
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von Grachus »

@ Snake-Jo 
Du zeigst vorher im Thread eine Skizze mit verschiedenen Griffanordnungen, wobei auf der Skizze zu sehen ist, das einige "Bögen" unterteilte Wurfarme haben, die einzeln an den Griff geklebt werden, seh ich das richtig?
Also das man beim Bau 2 Wurfarme seperat fertigt und an einen Griff leimt, und es erst dadurch zur "Einheit" kommt?

Mfg
Grachus
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Das Gleiche lässt uns in Ruhe, aber der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht
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Markku
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Re: Kompositbogenbau: Die Handhabe

Beitrag von Markku »

Hallo Leuts,

ich würde gerne wissen, ob es hier noch weiter geht ?
Ich fange am Wochenende mit meinem Reiterbogen an. Das Holz für den Rahmen ist Ahorn und jeweils 600mm lang. Also werde ich im Griff spleißen. Nun habe ich vor, den Griff mittels Laminaten (Kirsche oder Pflaume) aufzubauen, wie es im Reflexbogenbuch gemacht wird. Ist es denn ausreichend, die Ahorn Laminate auf Stoß zu verkleben und noch ein Laminat Rückenseitig drauf zu leimen oder sollte es eher ein V Spleiß sein ?
Ich nehme an, das ein V Spleiß mit dem biegen nicht so gut klar kommt als eine verklebung auf Stoß.
Dazu muß ich noch erwähnen, das ich den Griff eben gerne mit Laminaten aufbauen möchte. Die Variante, bei der die "Wurfarme" an ein Griffstück gespleißt werde möchte ich eher nicht anwenden.

Gruß

Markku
Konsequenz ist, auch den Holzweg zu Ende zu gehen (FH)
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