Bei
Roger ASHAM (1545) findet sich
nichts, was einem Spinetester gleichkommen würde! Asham ist sich aber durchaus der Bedeutung des "Spines" bewußt gewesen hier sinngemäß auf dt. wiedergegeben:
p. 118: "darum ist ein Stab, der der Kraft des Bogen widerstehen kann [...] am besten geeignet einen Schaft daraus zu machen". Aber mit keinem Wort wird erwähnt, wie man die Steifigkeit eines Schaftes ermitteln könnte.
Von Asham an klafft dann eine über drei Jahrhunderte reichende Lücke, in der das Bogenschießen im Abendland allgemein verfallen ist bis es schließlich in victorianischer Zeit wieder aufzuleben begann. Jetzt erst wurden umfassende Werke darüber verfaßt (
FORD,H.A. (1880); LONGMAN,C.J. & WALROD,H. (1894)) in denen sich
wiederum nichts findet, was einem Spinetester gleichkommen würde! Die
Notwendigkeit einer Klassifizierung hinsichtlich unterschiedlich starker Bogen ist aber natürlich bekannt gewesen und wurde grob nach dem Pfeilgewicht vorgenommen. Die entsprechende Stelle habe ich vor einem halben Jahr schon einmal zitiert - da schaut ihr hier nach:
alte engl. Gewichte etc.
Der wohl erfolgreichste Turnierschütze des 19.ten Jahrhunderts -
Horace A. FORD - gibt in seinem Kompendium über das Bogenschießen lediglich folgenden Hinweis: FORD (1880: 41; Dt. Übersetzung von mir)
Zwei Dinge sind für eine guten Pfeil von besonderer Wichtigkeit, nämlich, daß er absolut gerade ist und eine Steifigkeit besitzt die ausreichend ist, um der Kraft des Bogen zu widerstehen, d.h. die volle Wucht des Bogen auszuhalten ohne zu ruckeln oder zu schlagen, denn ein schlagender Pfeil ist noch schlimmer als ein krummer .... Ein Spinetester findet im Text keine Erwähnung.
Es ist wohl richtig, daß im MA häufig nur die kriegswichtigen langen Distanzen geschossen wurden. Eine gute Bestätigung findet sich im Lageplan des Parcours der
Finburie Archers (London) aus dem Jahre 1594, siehe
ELMER,R.P. (1926). Hier lag von 45 Zielen überhaupt nur eines unter 80 yards - mit 49 yards! Die große Mehrzahl aller Ziele stand zwischen 180 und 200 yds., die Maximalentfernung bei 244 yards! So gesehen ist etwas dran an der Vermutung von
Broken Arrow.
Nun weiter in der Indizienkette:
Wer war der größte Bogenschütze aller Zeiten?
Richtig:
Howard HILL (1899-1975).
Also, wie hat es der große Hill noch Mitte letzten Jahrhunderts gemacht, wenn er zur Jagd fuhr, jemandem einen Apfel vom Kopf, einen Teller aus der Hand oder einfach ein paar Dollar-Münzen aus der Luft geschossen hat? Man darf wohl annehmen, daß dazu nicht nur ein gerüttelt Maß an Können, sondern auch ein "perfektes" Setup notwendig ist:
EKIN,C. (1982: 80) schreibt dazu (Dt. Übersetung von mir):
Weil sie keine Spinetester hatten, um zu bestimmen welcher Pfeil zu welchem Bogen paßt, mußte Howard jeden seiner Pfeile auf seine Weise testen ..... , dann schoß er alle Pfeile auf diesen Karton. Eine Gruppe Pfeile würde links vom Karton landen, eine ander Gruppe würde genau in der Mitte sitzen, während das nächste Grüppchen noch rechts liegt. ... die einzelnen Gruppen wurde mit Gummibändern zusammengefaßt. Von nun an ist alles was Howard tun mußte, um zu wissen ob er etwas links, rechts oder genau drauf halten mußte - ein oder zwei Pfeile eines solchen Bündels auszuprobieren ... Das war Spinetesting nach Howard Hill's Art und Weise..
Der mittlerweile 92 Jahre alte
Glenn ST.CHARLES - die letzte "lebende Legende" des traditionellen Bogensports - hat in seinem Buch Billets to Bow (1996: 124) über die Herstellung von Schäften in den 30er und 40er Jahren des 20.ten Jahrhunderts geschrieben (Dt. Übersetzung von mir):
das richtige Zeug im Wald zu finden [für Pfeileschäfte]
war immer etwas was wir nur ausprobieren konnten ..... Ein etwa 8mm starker Span wurde dann abgespalten und von Hand auf den Spine getestet.
Resumierend kann man annehmen, daß
der Spinetester wirklich eine recht jung Erfindung ist. Mir ist leider derzeit nicht bekannt von wem und wann unternommen - aber unsere "Altvorderen" hatten nichts dergeleichen. Sie mußten sich auf ihr Gefühl oder eben "trial and error" verlassen ...
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Gegen meine Überzeugung - jeweils die deutsche Übersetzungen an Stelle des originalen Textes - auf vielfachen Wunsch einzelner Personen!
Literatur :
ASCHAM,R. (1545): Toxophilus; The School of Shooting.- 168 p.; London. --- Facsimile 1992 - Lyon, Mississippi (Derrydale).
EKIN,C. (1982): Howard Hill The Man and the Legend. - 231 p., 105 figs.; Montana (Charger Productions).
ELMER,R.P.(1926): Archery. -
ich besitze leider nur diese eine Graphik aus dem Werk
FORD,H.A. (1880): Archery: Its Theory and Practice. - 175 p., 15 figs., 6 pls.; Toledo, (Barkdull) --- American Ed. by MANLEY,D.V.R. (Ed.): Facsimile 1992 --- Lyon, Mississippi (Derrydale).
LONGMAN,C.J. & WALROD,H. (1894): Archery. - 589 p., 194 figs.; Badminton Library of Sports and Pastimes; London (Longmans, Green & Co.).
ST.CHARLES,G. (1996): Billets to Bow . - 195p., 192 figs.; Seattle (St.Charles).