Wie das ganze aussehen soll ? Keine Ahnung.
Aber eins weiß ich genau: Ich will eine Armbrust bauen !
Aber wie fängt man am besten an ?
Ok, Internetrecherche und zuerst mal schauen wie der Verschluss aussehen könnte. Schnell wird mir klar: es gibt zwei häufig verwendete Konstruktionen. „Nuss“ und „Schloss“. Also Nuss ? Aber wo bekomme ich einen 5 cm Rundstab aus Vollmaterial her ? Vielleicht doch lieber Schloss ? Wie muss da wohl die Mechanik beschaffen sein und vor allem wird sie die zu erwartende Zugkraft aushalten ? Ach ja, wie groß sind eigentlich die Zugkräfte ?? Fragen über Fragen.
Gefühlt ändere ich etwa 20 mal meine Entscheidung und lande schließlich bei der Schloss-Variante. Am besten erst mal auf Papier anfangen. Aufzeichnen, ausschneiden, mit Stecknadeln auf Styropor „pinnen“, ausprobieren, verwerfen und dann wieder von vorne.
Mittlerweile habe ich auch nahezu alle Baumärkte im Umkreis abgefahren und decke mich für Schloss und Abzug mit einer 8 mm Eisenstange ein. Leider ist die Stange nur 4 cm breit und ich muss die Form des Abzugs noch ein wenig anpassen, aber letztlich sieht es vielversprechend aus. Ok, Papier ist geduldig sagt man – also alles auf dünne Hartfaserplatten übertragen und die Bewegungsabläufe in der Praxis testen. Nach etwas Feintuning und ein paar Varianten später steht die geplante Konstruktion fest.




Gerade der „Haken“ zwischen Abzug und Schloss erweist sich als sehr gut. Man muss schon mehrere Millimeter am Abzug ziehen, sodass der Kontakt zwischen den beiden lange gegeben ist, und das alles ohne dass sich das Schloss merklich nach vorne oder hinten bewegt. Das sollte doch ein Auslösen ohne Kraftaufwand ermöglichen, oder ?
Nun nur noch schnell die Formen auf das Metall übertragen, ausschneiden und fertig, oder ?
Ohjeh, wie man sich doch täuschen kann. Die Formen aus der 8 mm Eisenstange mal eben mit der Stichsäge ausschneiden ?? Gerade wird mir klar: Ich bin nun mal ein „Holzwurm“ und kein „Eisenbieger“. Doch mit viel Geduld und gar nicht mal so vielen abgebrochenen Sägeblättern liegen dann die Rohlinge vor mir auf der Werkbank.
Nun geht’s an die Feinarbeit. Die nächsten Stunden bieten mir ausreichend Möglichkeit, mehr über Metallbearbeitung zu lernen und meine Technik im Feilen deutlich zu verbessern.

Prima, Haken und Abzug sind fertig, aber wo sollen sie hinein ?
Hinsichtlich des Materials für ein potentielles Gehäuse ist das Baumarkangebot wirklich ernüchternd. Ich finde einfach nichts Passendes. Zum Glück fällt mir noch der ortsansässige Wertstoffhof mit seinem gut gefüllten Metallcontainer ein und prompt werde ich hier fündig. Naja, das Gehäuse hätte zwar etwas dicker sein können, aber dafür lässt es sich einfacher schneiden und bearbeiten. Und 1 Euro halte ich für keine schlechte Investition.

Um Schloss und Abzug innerhalb des Gehäuses Halt zu geben, entscheide ich mich mal wieder für die Holzvariante. Außerdem lässt sich hier auch eine Rückholfeder für den Abzug ganz gut verbauen.

Die Mechanik ist also fertig. Und nun … ?
Ach ja, eine nicht ganz unerhebliche Frage: Wo bekomme ich denn eigentlich einen Bogen her ?
Mit dem Kennwort „Ersatzbogen Armbrust“ führt mich Google direkt zu www.armyshop-Dresden.de und ganz nach dem Motto „the bigger - the better“ entscheide ich mich für den 175lbs Bogen der Armbrustserie „Jaguar“. Sehne und Wachs auch gleich mitbestellt, kommt die Lieferung auch schon wenige Tage später zu Hause an. Was allerdings 175lbs wirklich bedeutet wird mir erst beim Aufziehen der Sehne klar. Auweihjah, ob das meine Mechanik wirklich aushält ? Und wie ist eigentlich die optimale Auszugslänge, in welcher Entfernung muss der Bogen denn zum Schloss eingebaut werden ?
Keine Ahnung von Theorie ? Also muss es die Praxis wieder richten. Bogen auf den Boden, beide Füße reinstellen und einige Male kräftig an der Sehne ziehen. Upps, ist das alles ? Gerade mal etwa 28 cm (maximale Entfernung der Sehne vom Bogen) sind machbar, mehr Kraft habe ich nicht. Da hatte ich aber mit mehr gerechnet. Na gut, dann wird eben die ganze Armbrust etwas kürzer als geplant. Auch erscheint mir der bereits gekaufte Pfeil (52 cm) etwas zu lang, der wird wohl vorne deutlich überstehen.
So, nun endlich wieder Holzbearbeitung !
In meinem Holzfundus finde ich ein schönes Stück Eschenholz, das ich mir beim Schreiner auf eine Stärke von 45 mm hobeln lasse. Um ein Gefühl für Länge, Form und Anordnung der einzelnen Komponenten zu bekommen, baue ich mir erst mal mit Pappe und viel Klebeband einen Rohling. Immer wieder korrigiere ich die Griffposition, diverse Abstände, Formen und Design und dann werden die Maße auf das Holz übertragen:

Stichsäge, Bandschleifer, Dremel und Oberfräse - das sind einfach die wahren Werkzeuge. Und einige sägende, schleifende und staubige Stunden später sieht das ganze so aus:

Zugegeben, die Form ist vielleicht etwas eigenwillig, aber es sollte nun mal nicht „normal“ sein. Um den Bogen zu fixieren verwende ich zwei „Einschraubgewinde“. Innen Metall-, außen Holzgewinde. Damit der Fieberglasbogen nicht beschädigt wird, schiebe ich sicherheitshalber noch eine dünne Metallplatte zwischen Schrauben und Bogen, dann aber wird ordentlich zugedreht.

Da auf nahezu allen Bildern von Armbrüsten ein Halter für die Fixierung der Pfeile zu sehen ist, darf der bei mir natürlich auch nicht fehlen. Also wieder ab in die verschiedenen Baumärkte. Durch Zufall entdecke ich „Tischdeckenhalter“. Das sind diese mit einer Feder verbundenen Metallwinkel, die eigentlich kein Mensch braucht, quasi Ladenhüter. Egal, ich habe endlich meinen Halter aus Federstahl gefunden!

Mit viel bohren und fräsen arbeite ich einen Schacht aus, in den ich das mittlerweile schwarz lackierte Gehäuse mit der Mechanik stecken kann. Zwei durchgehende Schrauben - natürlich an solchen Stellen, wo weder Abzug noch Schloss in ihrer Funktion gestört werden - und fertig ist der Einbau. Das Ganze sitzt prima und macht einen guten Eindruck. Aber wird die Mechanik die Sehne auch wirklich zuverlässig halten ? Und wieder wird es erst die Praxis zeigen …
Ich habe mir sagen lassen, „man darf auf seinem eigenen Grundstück eine Armbrust abschießen, solange der Pfeil das Grundstück nicht verlässt“. Eine sehr gelungene Formulierung eines Frankonia-Mitarbeiters, wie ich finde …
Um etwaige Katzen aus der Nachbarschaft nicht zu gefährden, fahre ich für „das erste Mal“ dann doch lieber zum Ortsrand auf ein freies Feld. Etwas aufgeregt spanne ich die Sehne. Ja, da ist wirklich einiger Kraftaufwand nötig, aber die Sehne rastet zuverlässig im Schloss ein. Auch beim Einlegen des Pfeils kommt es zu keiner vorzeitigen Entladung. Ohne jegliches Zielen, einfach die Armbrust mal leicht nach oben gehalten, drücke ich ab. Flopp. Ein herrliches Geräusch ! Fasziniert schaue ich dem Pfeil hinterher. Die Flugkurve ist beeindruckend und die zurückgelegte Entfernung mehr als ordentlich. Aber schon nach dem zweiten Schuss packe ich das Gerät lieber wieder ein, schließlich möchte ich bei den Spaziergängern nicht weiter unangenehm auffallen.
Zwischenzeitlich habe ich noch ein einfaches Zielfernrohr (www.kotte-zeller.de) und einen umklappbaren Fußbügel verbaut, der ein vernünftiges Spannen erlaubt. Und so sieht die Armbrust nun final aus:

Fazit:
Der Bau hat mir super viel Spaß gemacht. Ich war tagelang gedanklich gefesselt und fasziniert, habe immer wieder für kleine Problemchen kreative Lösungen gefunden und kann abschließend voller Stolz sagen:
JA, ICH HABE EINE ARMBRUST GEBAUT !
Aber was ich meiner Frau bis heute noch nicht erklären konnte:
WARUM eigentlich ?
Peter
