Fragen zu laminierten Bögen

Themen zum Bogenbau
Atheandor
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Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Atheandor »

Hallo zusammen,

ich bin neu hier und möchte mich daher kurz vorstellen;

Ich heiße Stephan, wohne in Oberhausen NRW bin 31 Jahre alt und habe vor ca. 3-4 Jahren das Bogenschießen auf einem Mittelaltermarkt für mich entdeckt und lese aus gegebenem Interesse seit geraumer Zeit hier mit.

Ich habe nun eine kleine Sammlung von Problemen...
Ich habe damals im Wahn und befreit von jeglicher Ahnung auf besagtem Mittelaltermarkt einen Bogen gekauft,
(Langer Flachbogen pyramidal, 56# @ 28", Esche mit Hickorybacking, inzwischen einiges an Set und daher wahrscheinlich auch keine 56# mehr)
der für mich prima handhabbar ist, WENN ich nur mal so n paar Schüsse auf diversen Mittelaltermärkten mache. Aber ich musste leider letztens feststellen, dass wenn ich mal nen ganzen Tag die Gelegenheit zum Schießen habe und diese auch nutze, mein rechter Arm danach leider für eine knappe Woche für nix mehr zu gebrauchen ist...

Nach eingehender Rechereche in diesem Forum also hier meine Problemsammlung:

- Bogen zu stark
- dadurch Schütze zu schnell überlastet
- dadurch Haltung versaut
- Mangel an Regelmäßigem Training

Lösungsansatz:

- Neuer Bogen muss her
- ich muss regelmäßiger üben

Der erste Teil des Lösungsansatzes bringt mich dann auch endlich zum Thema des Threads;

Ich würde gerne einen Bogen selber bauen. Von der Form her sollte er an einen Reiterbogen angelehnt sein, irgendwas um die 35# @ 28" haben und schön flink werfen.

Abgespannt sollte das ganze ungefähr so aussehen:

Bild

Die Wurfarme sollen in der Breite von den Fadeouts bis zum beginn der Recurves(steif) von ca 50mm auf 10mm gehen.

Als Rückenmaterial wollte ich Bambus verwenden... und jetzt kommen wir zu den im Threadtitel erwähnten Fragen

1. Macht es überhaupt Sinn, diesen Designansatz weiterzuverfolgen?

2. Habe mehrfach hier im Forum gelesen, dass Massaranduba als Bauchlage prima mit Bambus zusammenspielt... Aber gibts für einen 35# Bogen nicht eine ähnlich leicht zu beschaffende Alternative, bei der ich mir das Entfetten und den Spezialkleber sparen kann?

3. Was für Richtwerte sollte ich bei den Laminatdicken anpeilen um auf das gewünschte Zuggewicht zu kommen?

Ich bin gespannt wie n Flitzebogen auf eure Antworten,

Stephan
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Squid (✝)
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Squid (✝) »

Moin!
Zunächst mal ne Frage: Was machst du beruflich? Hast du handwerkliche Kenntnisse und entsprechendes Gerät? Hast du schon mal einen Bogen gebaut und sei es auch nur ein einfacher Selfbow?

Wenn nicht, dann ist das Konzept für den Eimer. Das klappt nicht, das bekommste nicht hin. Allein die Probleme, die die starken Recurves machen sind übel, die verwinden sich nämlich gerne zur Seite.
Der starke Reflex bringt Holzwurfarme umgehend um.

Das wird so nichts. Das is wie gleich nen Ferrari zu bauen, statt erst mal am Golf zu üben...

Ich würde sagen, wenn es denn ein Laminierter als erster Versuch sein soll, dann bist du mit Massa und Bambus oder mit Osage und Bambus auf dem richigen Weg. Mit 15 cm Perryreflex verleimt und schmalen Enden (8 mm) wird das Teil bei einer Länge von 150 oder 160 cm eine flotte kleine Wurfmaschine.

Zu der Leimsache: "Bogenbau light" gibt es nicht. Du wirst in jedem Falle Epoxykleber brauchen und dich auch mit den Problemen des Entfettens vertraut machen müssen. Das muss bei allen Hölzern sein. Massa kann man auch mit Seifenlauge waschen, das führt ebenfalls zu guten fettfreien Ergebnissen.

Maße für meinen Vorschlag: 3 mm Bambus, zu den Tips hin auf 1,5 mm abnehmend auf einer 4 cm breiten Osage- oder Massaleiste von 15 mm (plus Griffstück) in der Mitte und 9 mm an den Enden. Der ist bretthart und kann dann langsam heruntergeschliffen werden (Bandschleifer) bis er anfängt, sich zu biegen.

Material fürs Verleimen sollte vorhanden sein: Ein stabiles langes Brett und Holzklötzchen sind Minimum für die Form, 15 Schraubzwingen sind eigentlich auch nötig, wenn du nicht die Schnurwicklung mit Keilen zur Straffung machen möchtest.

Das kann dann z. B. so aussehen:
Das Backing
Backing.jpg
Das Verleimen (hier mit Osage)
Verkleben.jpg
Der verleimte Rohling
Rohling.jpg
Zuletzt geändert von Squid (✝) am 30.07.2012, 23:16, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.
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Eberesche
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Eberesche »

Hallo,
vom Bau von laminierten Bögen verstehe ich nichts, nur eine allgemeine Frage:
Ist Selbergemacht wichtiger oder willst du bald zu trainieren anfangen? Bogenbau macht Spaß (und süchtig ;) ), aber es gibt für den Anfang einfachere Projekte. Und einen Reiterbogen mit akzeptabler Leistung (nicht die lederummantelten Knüppel vom MA-Markt) bekommt man schon für um die 150 Euro.

Gruß
Anna
Atheandor
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Atheandor »

Danke für die schnellen Antworten.

@Squid:
Hatte schon befürchtet, dass meine Idee für ein erstes Bogenbauprojekt zu ambitioniert ist, aber ich will mir ja nicht nachsagen lassen, dass ich beratungresistent sei :)

Habe im Bogenbau bisher keine Praxis, bin aber handwerklich nicht unbedarft. Technisches Verständniss ist auch vorhanden. Ich bin gelernter Veranstaltungstechniker und hab vorher ein paar Semester Maschinenbau studiert(mein Kopf ist voll mit gefährlichem halbwissen, und vagen Erinnerungen, wo ich nachschlagen muss, wenn dieses nicht ausreicht :) )

Also, zusammenfassend: Ich nehme erstmal abstand von meiner idee und mach mich dann doch mal mit klebern wie URAC oder ähnlichem vertraut.(hatte halt gehofft, dass man bei 35# was alternatives zu Massa anehmen kann, das sich dann mit "normalem" Leim mit dem Bambus verbinden lässt)

@Eberesche:
Danke für die hinweise, aber es geht mir schon hauptsächlich ums Selbstbauen


Stephan
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Squid (✝)
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Squid (✝) »

Die Alternativen sind beispielsweise Osage, Eibenkern, Ulme, Schwarznuss oder Hollunder.
Die Kosten gehen auch nicht in die Hunderte - soweit du kein dickes Bambusrohr im Baumarkt kaufst, gibt es Anbieter, die Backingstreifen schon für einen Zerhner verkaufen.
Osageleisten oder auch Eibenkernleisten sind auch durchaus erschwinglich wobei Eibe dann doch schon mal 40 Kröt kosten kann.

Es ist weniger das Material, als die Technik, die man beherrschen muss. Und sorry, aber dein reflexes bzw. recurves Design mit Setback im Griff ist wahrscheinlich ausserhalb der Grenze des Machbaren, wenn man nur mit Holz arbeitet.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.
Atheandor
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Atheandor »

Alles klar,

erstmal keine Recurves und kein Setback sondern 15cm reflex. Dann gehts jetzt an die Materialbeschaffung. Ich halt euch auf dem Laufenden, was die Fortschritte anbelangt und werd euch im weiteren Verlauf mit sicherheit noch mit vielen weiteren Fragen löchern.

Danke soweit,

Stephan
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eddytwobows
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von eddytwobows »

@Atheandor...

Also, ersteinmal ein Herzliches Willkommen hier im FC... :)

Ansonsten gebe ich Squid da in vollem Umfang recht...
Ein laminierter RB gehört mit zu so ziemlich den Anspruchvollsten Sachen, die es im Bogenbau überhaupt gibt...
Wenn Du bis jetzt noch keinen Bogen gebaut hast und / oder noch dazu über wenig bis keine Handwerklichen Fähigkeiten / Erfahrungen verfügst, wird es Dir bei einem solchen Projekt ähnlich ergehen, wie es Dir mit dem für Anfänger viel zu starken Bogen ergangen ist... es wird mit zu 99% Wahrscheinlichkeit gnadenlos in die Hose gehen...:)

Frage ist jetzt, was soll es sein, bzw. auf was legst Du Wert...?
Ein laminierter "normaler" Bogen ODER ein Bogen im RB-Design...?
Laminierte hat Dir Squid ja schon einige sehr gute Combos genannt, wenn Du allerdings unbedingt einen Bogen im RB-Design bauen möchtest, würde sich da als Anfänger Manau (Rattan) hervoragend eignen.

Es ist günstig, leicht zu bearbeiten, äußerst Fehlerverzeihend und es läßt sich sehr gut mit trockener Hitze in Form bringen (Recurves / Sihyas, Setback, etc. ...) UND, richtig gebaut, kriegt man da einen nicht nur optisch gutaussehenden sondern auch schnellen Bogen gezaubert... ;) :)

LG
etb

Edit...:
Upps, ich muß wohl mal was schneller Tippen... :D :D
Das Volumen einer Minute ist gleich Universal ist gleich die liegende Acht. A. Be.
Die Perversitaet des Universums strebt einem Maximum zu.
Alles was schiefgehen kann wird auch zwangslaeufig schiefgehen. Larry Niven
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Squid (✝)
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Squid (✝) »

Übrigens: 15 cm Perryreflex sind schon eine ganze Menge. Davon bleiben im Rohling nach dem Abspannen etwa 7 - 10 cm übrig.
Gleichzeitig muss man natürlich beim Verleimen vorsichtig vorgehen - sonst hoppst einem der Mist vom Brett.
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Heidjer
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Heidjer »

Die Vorschläge von Squid und Eddy sind beide gut!
Willst Du das Laminieren lernen, besorge Dir Eschen und Hickoryleisten für 3 Bögen und klebe sie im R/D Design nacheinander zusammen, bei 35# reicht dazu noch Holzleim, der dritte wird dann was.
Willst Du einen Reiterbogen, besorge Dir 3 Rattanstangen, schneide bei der ersten alles weg was nicht an einen Reiterbogen paßt und biege die Form mit der HP. Aus der dritten Stange wird dann der Bogen genau so, wie Du ihn haben willst.

Wenn Du beide Vorschläge ab arbeitest, kannste bei Bogen Nr. 7 mit Deiner Idee anfangen, Bogen Nr. 9 dürfte dann schon sehr ansehnlich werden. ;)

PS. Bogenbauen lernt man nicht aus Büchern oder aus dem I-Net, auch wenn die sehr Hilfreich sein können, sondern nur mit dem Werkzeug in der Hand und dem Holz auf dem Werktisch!


Gruß Dirk
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von MoeM »

Atheandor hat geschrieben:Habe im Bogenbau bisher keine Praxis, bin aber handwerklich nicht unbedarft. Technisches Verständniss ist auch vorhanden. Ich bin gelernter Veranstaltungstechniker und hab vorher ein paar Semester Maschinenbau studiert(mein Kopf ist voll mit gefährlichem halbwissen, und vagen Erinnerungen, wo ich nachschlagen muss, wenn dieses nicht ausreicht :) )
Hm kommt mir bekannt vor... ;D
Bogenbauen lernt man tatsächlich nur beim Bogenbauen- aber vorher zu wissen/vermuten was man tut ist ungemein hilfreich ;D
Grüße Moe
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Mike W.
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Mike W. »

Erstmal Willkommen!
Dein Projekt wäre Hammer, ist ohne Erfahrung aber utopisch.
zum Üben wäre mein Rat: baue einen geraden LB, zB. 3mm Bambus(Taper 2mm/m) auf 10mm Holunder( kostet nix)
wenn das passt : baue einen D/R LB
wenn Der funktioniert : baue den Bogen den du bauen wolltest

So wächst du in die Sache rein.

Gruß Mike

PS.: Bei der oben gezeigten Form muß der Bogen nahezu perfekt getillert werden, sonst lebt er nicht lange.
55" Hybrid 54#@29"
56" Hybrid 52#@29"

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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von MoeM »

Mike W. hat geschrieben: PS.: Bei der oben gezeigten Form muß der Bogen nahezu perfekt getillert werden, sonst lebt er nicht lange.
Getaperte Leisten unter Glas?
Grüße Moe
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Mike W.
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Mike W. »

Nö, von Glas war hier keine Rede.
Von der innenseite kann man doch Bambus tapern.
wenn ich ohne Glas baue, dann mache ich auch keine 3mm Bambus durchgehend drauf.
Dabei messe ich die Dicke an den schwächsten Stellen zwischen den Nodien und den Abstand der Messpunkte.................

Gruß Mike
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Squid (✝)
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Squid (✝) »

@MoeM: Ja, eher denkbar. Aber ohne Hobelbank, Dickentaper-Lade und Erfahrung im Glasbogenbau praktisch unmöglich. Denn du kannst ja doppelseitiges Glas kaum tillern, nur ein wenig über die Breite.

@Mike: Nee, nur mit Holz / Bambus undenkbar. Zu viel Vorspannung durch Reflex und Recurves. Frag mal Snake-Jo, der hat sich an die Grenzen der Machbarkeit bei Holzbögen im Reiterbogenstil herangetastet.
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Mike W.
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Re: Fragen zu laminierten Bögen

Beitrag von Mike W. »

Ok, die Form ist zu krass.

Aber mit Glas wird das auch schwierig!
Vor allem wegen des niedrigen Zuggewichtes. Bei der Vorspannung bleibt wenig Material und dann neigt der Bogen zum Verdrehen der WAe.

Gruß Mike
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