Mein Strongbow
Verfasst: 08.10.2011, 17:03
Hallo zusammen,
Im Sommer 2006 habe ich in Eisenbach für 120 € einen Eiben Stave von Konrad Vögele gekauft. Das Holz war gerade gewachsen, 220 cm lang. Der Durchmesser des Stammes war groß (> 20 cm), hatte aber einige Astknoten. Aus dem 10 cm breiten Stave habe ich 2 Bögen gemacht, einen davon möchte ich hier vorstellen.
Der Eibenbogen im Bild ‘’Schifffahrt der Hl. Ursula“ von Hans Burgkmair dem Älteren (1504) hat mich inspiriert, einen solchen Bogen zu bauen.
http://tarvos.imareal.oeaw.ac.at/server ... 016970.JPG
Die nötigen Daten kommen von sehr ähnlichen Bögen aus England von 1545 – den Mary Rose Bögen. Als Referenz war mir “Weapons of Warre – The Armements of the Mary Rose” eine große Hilfe.
Der Bogen
Die Länge zwischen den Nockkerben beträgt 206 cm. Das entspricht den größeren Werten der historischen Daten. Die größere Länge macht den Bogen stabiler und sanfter zu ziehen. Ganz bewusst weiche ich mit 110# bei 32’’ (10 °C) von den errechneten Zuggewichten der Mary Rose Bögen ab – ich will den Bogen schließlich schiessen. Wie in den Bildern zu sehen ist, muss ich mich auch an dieses “moderate’’ Zuggewicht erst noch herantasten. Die Zahl der Jahresringe pro Zoll in meinem Holz liegt bei ca. 30 bis 35. Laut Robert Hardy in “Weapons of Warre’’ ist das ‘’coarse grained’’, also eher grob. Ich muss aber anmmerken, dass ich selbst bisher nur Eibenbögen mit noch gröberen Ringen in der Hand hatte. Die Form des Querschnitts liegt zwischen ‘’Flat D’’ und ‘’Deep D’’ (Weapons of Warre). In der Mitte misst das Holz 35 auf 35 mm, in den Wurfarmmitten ca. 30 (Breite) auf 25 mm (Tiefe). Einige Astknoten verursachen teilweise deutliche Abweichungen. Das Finish ist grob belassen, auch die Mary Rose Bögen zeigen noch Facetten der Zugmesser. Im Finish aus Bienwachs und Fett kleben schon Gras und Erde. Gefällt mir.
Die Nocken
Auf dem Bild der Hl. Ursula sind Hornnocken zu erkennen, die Untere ist kürzer als die Obere. Ob Sidenocks oder symmetrisch ist kaum zu erkennen. Ich sollte das Bild in Augsburg mal selber ansehen. Die Sehne besitzt oben ein vorgefertigtes Öhrchen, unten ist sie mit einem Knoten befestigt.
Die Befunde der Mary Rose weisen ein Objekt auf, das als Sidenock aus Rinderhorn interpretiert wird. Diese ist 65 mm lang, 16 mm dick und besitzt einen Innendurchmesser von 13 bis 14 mm. der Nockschlitz ist 3 bis 4 mm breit und schien bis auf das Holz durchzugehen. Die ehemalige Position der Hornnocken ist an den Bogenenden der Mary Rose noch zu erkennen. Die Nocken waren mindestens um die 40 mm tief und ‘’vermutlich’’ (Weapons of Warre) mit Hautleim befestigt. Der obere Nockschlitz lag links, der untere rechts. Zudem war der obere nach unten vertieft, der untere nicht, dafür war er breiter und und flacher. Manche Bögen weisen an der oberen Nock eine zweite Kerbe über der ersten auf. All diese Eigenheiten werden so interpretiert, dass die untere Nock mit Sehenknoten versehen war, die obere mit Öhrchen. Die zweite Kerbe könnte für eine Spannschnur gedient haben. In so einem Fall wären beide Sehnen unten an der gleichen Kerbe befestigt worden, nur oben wäre dann eine zweite nötig. Ich habe diese Interpretationen in meinen Bogen einfliessen lassen. Es funktioniert wunderbar. Die Nocken sind 50 und 70 mm lang und aus Rinderhorn. Befestigt sind sie mit Hautleim
Die Sehne
Die Sehne besteht aus 45 Strang gewachstem (Bienenwachs) Leinen (Barbour, 25/3).
Es ist eine komplexe (3 Hauptstränge mit jeweils 3 Primärsträngen aus jeweils 5 Fäden mit 5-8 Kilo Bruchlast) Sehne mit flämischem Öhrchen/Loop und Knoten am anderen Ende. Allerdings ist sie mit 5 mm dicker als die 3 mm die nach den historischen Befunden für warscheinlich gehalten werden. Ich möchte die Nockkerben ungern über das historische Maß hinaus vergrößern. Warscheinlich bleibt mir nichts anderes übrig, als die Zahl der Stränge zu verringern. Beispielsweise könnte ich auf 3 Hauptstränge mit jeweils 3 Primärsträngen aus jeweils nur 4 Fäden umsatteln. Das wäre dann ein ca. 3- bis maximal 4-facher Sicherheitsfaktor. Ich riskiere nur ungern einen Sehnenriss. Anregungen sind willkommen.
Momentan benutze ich einfach eine Sehne mit 21 Strang Dacron ähnlicher Bauart.
Der Bogen ist fertig, ich bin glücklich. Habe viel gelernt und es geht weiter.
Beste Grüße,
Kerner
Im Sommer 2006 habe ich in Eisenbach für 120 € einen Eiben Stave von Konrad Vögele gekauft. Das Holz war gerade gewachsen, 220 cm lang. Der Durchmesser des Stammes war groß (> 20 cm), hatte aber einige Astknoten. Aus dem 10 cm breiten Stave habe ich 2 Bögen gemacht, einen davon möchte ich hier vorstellen.
Der Eibenbogen im Bild ‘’Schifffahrt der Hl. Ursula“ von Hans Burgkmair dem Älteren (1504) hat mich inspiriert, einen solchen Bogen zu bauen.
http://tarvos.imareal.oeaw.ac.at/server ... 016970.JPG
Die nötigen Daten kommen von sehr ähnlichen Bögen aus England von 1545 – den Mary Rose Bögen. Als Referenz war mir “Weapons of Warre – The Armements of the Mary Rose” eine große Hilfe.
Der Bogen
Die Länge zwischen den Nockkerben beträgt 206 cm. Das entspricht den größeren Werten der historischen Daten. Die größere Länge macht den Bogen stabiler und sanfter zu ziehen. Ganz bewusst weiche ich mit 110# bei 32’’ (10 °C) von den errechneten Zuggewichten der Mary Rose Bögen ab – ich will den Bogen schließlich schiessen. Wie in den Bildern zu sehen ist, muss ich mich auch an dieses “moderate’’ Zuggewicht erst noch herantasten. Die Zahl der Jahresringe pro Zoll in meinem Holz liegt bei ca. 30 bis 35. Laut Robert Hardy in “Weapons of Warre’’ ist das ‘’coarse grained’’, also eher grob. Ich muss aber anmmerken, dass ich selbst bisher nur Eibenbögen mit noch gröberen Ringen in der Hand hatte. Die Form des Querschnitts liegt zwischen ‘’Flat D’’ und ‘’Deep D’’ (Weapons of Warre). In der Mitte misst das Holz 35 auf 35 mm, in den Wurfarmmitten ca. 30 (Breite) auf 25 mm (Tiefe). Einige Astknoten verursachen teilweise deutliche Abweichungen. Das Finish ist grob belassen, auch die Mary Rose Bögen zeigen noch Facetten der Zugmesser. Im Finish aus Bienwachs und Fett kleben schon Gras und Erde. Gefällt mir.
Die Nocken
Auf dem Bild der Hl. Ursula sind Hornnocken zu erkennen, die Untere ist kürzer als die Obere. Ob Sidenocks oder symmetrisch ist kaum zu erkennen. Ich sollte das Bild in Augsburg mal selber ansehen. Die Sehne besitzt oben ein vorgefertigtes Öhrchen, unten ist sie mit einem Knoten befestigt.
Die Befunde der Mary Rose weisen ein Objekt auf, das als Sidenock aus Rinderhorn interpretiert wird. Diese ist 65 mm lang, 16 mm dick und besitzt einen Innendurchmesser von 13 bis 14 mm. der Nockschlitz ist 3 bis 4 mm breit und schien bis auf das Holz durchzugehen. Die ehemalige Position der Hornnocken ist an den Bogenenden der Mary Rose noch zu erkennen. Die Nocken waren mindestens um die 40 mm tief und ‘’vermutlich’’ (Weapons of Warre) mit Hautleim befestigt. Der obere Nockschlitz lag links, der untere rechts. Zudem war der obere nach unten vertieft, der untere nicht, dafür war er breiter und und flacher. Manche Bögen weisen an der oberen Nock eine zweite Kerbe über der ersten auf. All diese Eigenheiten werden so interpretiert, dass die untere Nock mit Sehenknoten versehen war, die obere mit Öhrchen. Die zweite Kerbe könnte für eine Spannschnur gedient haben. In so einem Fall wären beide Sehnen unten an der gleichen Kerbe befestigt worden, nur oben wäre dann eine zweite nötig. Ich habe diese Interpretationen in meinen Bogen einfliessen lassen. Es funktioniert wunderbar. Die Nocken sind 50 und 70 mm lang und aus Rinderhorn. Befestigt sind sie mit Hautleim
Die Sehne
Die Sehne besteht aus 45 Strang gewachstem (Bienenwachs) Leinen (Barbour, 25/3).
Es ist eine komplexe (3 Hauptstränge mit jeweils 3 Primärsträngen aus jeweils 5 Fäden mit 5-8 Kilo Bruchlast) Sehne mit flämischem Öhrchen/Loop und Knoten am anderen Ende. Allerdings ist sie mit 5 mm dicker als die 3 mm die nach den historischen Befunden für warscheinlich gehalten werden. Ich möchte die Nockkerben ungern über das historische Maß hinaus vergrößern. Warscheinlich bleibt mir nichts anderes übrig, als die Zahl der Stränge zu verringern. Beispielsweise könnte ich auf 3 Hauptstränge mit jeweils 3 Primärsträngen aus jeweils nur 4 Fäden umsatteln. Das wäre dann ein ca. 3- bis maximal 4-facher Sicherheitsfaktor. Ich riskiere nur ungern einen Sehnenriss. Anregungen sind willkommen.
Momentan benutze ich einfach eine Sehne mit 21 Strang Dacron ähnlicher Bauart.
Der Bogen ist fertig, ich bin glücklich. Habe viel gelernt und es geht weiter.
Beste Grüße,
Kerner