Herstellung eines Flot

Sammlung von Bauanleitungen zum Thema Werkzeuge
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Herstellung eines Flot

Beitrag von Snake-Jo » 30.01.2011, 18:26

Abb.1 Einsatz.jpg

Der Flot (von engl.: float) ist eine Art Hobel mit mehreren Messerklingen am Fuß und nennt sich auch Mehrfachziehklingenhobel, was ja auch sinnig, aber viel zu lang ist. ;D
Es ist das perfekte Werkzeug für den Bogenbau und für die Feinbearbeitung von flachen oder gewölbten Flächen gut geeignet. In der Funktion ist es vergleichbar mit einer Ziehklinge, hat aber den Vorteil, dass kein Welleneffekt bei der Bearbeitung stark strukturierter Holzoberfächen auftritt.
Ein Flot kostet 28,- bis 36,- Euro plus Versand, eine Menge Geld für einen Griff mit ein paar Klingen. Aber heh, es ist Winter- und damit Bastelzeit, wir haben eh nichts anderes zu tun, also laßt uns ein Flot bauen und zwar erst einmal die gerade Version für gerade bzw. schwach gewölbte Oberflächen.

Als Holz für die Herstellung eignet sich vor allen Dingen dichtes Obstbaumholz; Ahorn, fette Esche u.a. sind aber auch geeignet. Das Holz sollte hart, dicht und fein strukturiert sein. Ich habe mich für ein Apfelbaumholz entschieden, weil es gerade dumm herum lag und mich angrinste.
Wir benötigen ein kurzes Stück von 185 mm Länge, 60-70 mm Höhe und 35 mm Breite. Zuerst werden mit Hilfe eines Kurvenlineals die Umrisse aufgezeichnet.
Abb.2 anzeichnen.jpg



Danach wird mit Stichsäge oder Bandsäge der Umriss herausgesägt.
Abb.3_Flot aussägen.JPG
Zuletzt geändert von Snake-Jo am 02.02.2011, 16:16, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Herstellung eines Flot

Beitrag von Snake-Jo » 30.01.2011, 18:47

Die ausgesägte, grobe Form stellt sich so dar:
Abb.4_grobe Form.JPG

Da der Flot in der groben Form noch eckig und gut spannbar ist, werden zu diesem Zeitpunkt die Linien für die späteren Sägeschlitze für die Klingen aufgezeichnet und gesägt. Die Klingen stehen später in einem Winkel von 10° zur Senkrechten.
Die Klingen haben einen Abstand von 9 mm zueinander und stehen exakt 5 mm raus.
Abb.5_Sägelinien.JPG

Für das Sägen der Schlitze eignet sich eine kleine Haushalts-Bügelsäge. Die Sägeblätter dieser Säge haben genau die Schlitzbreite, die man für die Klingen benötigt. Als Klingen verwende ich 5-8 Stanley Klingen Nr. 1992 in der Stärke 0,61 mm.
Diese Klingenstärke ist unbedingt einzuhalten, damit später kein Flattern oder Rattern bei Benutzung des Flots auftritt. Ich säge die Schlitze 15 mm tief. Damit haben die Klingen später optimalen Halt im Holz und flattern nicht.
Abb.6_Klingenschlitzesägen.JPG

Abb.7_Klinenschlitze.JPG

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Re: Herstellung eines Flot

Beitrag von Snake-Jo » 30.01.2011, 19:01

Die schwachen Sägeblätter der Haushaltssäge wandern gerne aus der Schnittlinie und es kommt zu sogenannten "versoffenen" Schnitten. Dies ist aber nicht schlimm, denn die Klingen sitzen später umso fester im Schlitz und für die Funktion hat das keinen Einfluss.
Mit der Kreissäge (es reicht auch eine Feinsäge) wird die Breite für den Griff reduziert. Dadurch entsteht ein Absatz, den ich auch später stehen lasse für Einspann-Möglichkeiten.
Abb.8_Kreissäge.JPG


Bis hierher hat die Herstellung des grob zugerichteten Werkzeugs rund eine Stunde gedauert. Die Feinarbeit dauert sicher nochmals eine Stunde.
Abb.9_Absatz.JPG

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Re: Herstellung eines Flot

Beitrag von Snake-Jo » 31.01.2011, 15:26

Mit Raspel und Bandschleifer werden jetzt die Rundungen für den Griffbereich herausgearbeitet.
Im Schraubstock wird mit Sandpapier weiter gearbeitet und das ganze Werkstück sauber verschliffen.

Erst jetzt sollte man die Klingen zur Probe einsetzen. Sie werden später mit UHU Endfest verklebt. Mit einem Hartholz-Block werden die Klingen plan geschlagen. Falls dies nicht ganz gelingt, müssen einzelne Schlitze nachgearbeitet werden. Unten zeige ich noch einen weiteren Trick für die absolute Planstellung der Klingen.
Nach dem Feinschliff werden die Klingen eingebaut. Dazu die Klingen vorher mit Nitroverdünner oder Ähnlichem entfetten und mit UHU Endfest einschmieren.
Abb.10_Klingen.JPG


Der Einbau der Klingen geht mit dem Kleber als Schmiermittel leichter als beim Probeeinbau. Mit der Heißluftpistole werden die Klingen erwärmt und der Kleber fließt besser in die Fuge. Überschüssigen Kleber gleich abwischen.
Abb.11_Klingenleimen.JPG


Nach dem Einsetzen der Klingen den Seitenanschlag (die Seitenflucht) nicht vergessen: Auch hier wird mit einem planen Holzklotz und Hammerschlag gerichtet, u.U. mehrfach von jeder Seite, bis alles schön plan sitzt.
Abb.12_Klingen fönen.JPG

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Re: Herstellung eines Flot

Beitrag von Der Wanderer » 01.02.2011, 14:12

Einfach genial gemacht. Dake für die Anregung!!!
Martin

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Re: Herstellung eines Flot

Beitrag von Snake-Jo » 01.02.2011, 15:16

Nun fluchten die Klingen auf den Zehntelmillimeter in Höhe und Seite und das Epoxy kann aushärten.
Abb.13_fluchten.JPG


Nach dem Aushärten werden die seitlichen Spitzen der Stanley-Klingen abgerundet. Sie bergen ein hohes Verletzungsrisiko, daher weg damit. Wer eine konkave Schneidfläche benötigt, kann diese problemlos an der Walze des Bandschleifers, aber auch an anderen Schleifscheiben herstellen. Vorsicht, bitte Schutzbrille und Handschuhe tragen!
Abb.14_konkav.JPG


Danach müssen die Klingen allerdings geschliffen werden. Dies geht z.B. mit der kleinen Flexscheibe an einem Dremel oder auch mit einem feinen Schleifstift an der Bohrmaschine. Den Flot dazu fest in einen Schraubstock spannen.
Abb.15_schleifen.JPG
Zuletzt geändert von Snake-Jo am 02.02.2011, 15:11, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Herstellung eines Flot

Beitrag von Snake-Jo » 02.02.2011, 15:14

Ich habe oben im letzten Bildpost noch zwei Bilder zum Schleifen eingestellt.

@Heimwerker: Hier kommt die lange Einkaufsliste:
aus dem Baumarkt: eine Packung Stanley-Klingen No. 1992 in 0,61 Stärke (5 Stück zu ca. 2,59 Euro)
ein paar Tropfen PU-Lack, Schleifpapier und etwas Endfest von UHU ::)

Abschließend kommt noch ein Test zur Funktionsfähigkeit, dann bin ich fertig.

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Re: Herstellung eines Flot

Beitrag von Snake-Jo » 02.02.2011, 16:14

Nun noch der Funktionstest, ich war selbst gespannt, schließlich ist das Teil erst heute fertig geworden; es war ein Versuch.
An einem Eiben-Langbogen: Sehr schöne, glatte Oberfläche, kleine Astlöcher werden auch schön glatt.
Abb.16_Flot_Eibe.JPG


An Robinie, einem bekanntermaßen sehr hartem Holz: Geht ebenfalls gut, auch mit kleinen Astlöchern.
Abb.17_Flot Robinie.JPG


Also insgesamt: Der Flot ist nicht nur ein flottes, sondern auch ein sehr griffiges Teil. ;D
Abb.18_scharfes Teil.JPG


Man könne noch ein wenig mit dem Anschleifwinkel und der Breite der Anschleif-Fase experimentieren. Ich bin nun fertig, bitte Kommentare oder Fragen, falls noch nötig. ;)

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Re: Herstellung eines Flot

Beitrag von Snake-Jo » 22.01.2012, 12:35

Die verloren gegangenen Bilder wurden nun endlich neu eingestellt. :)
Abschließend stelle ich noch eine PDF für den Download zur Verfügung.
Hierbei bitte die Urheberrechte beachten: Die Bauanleitung ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Der Nachbau von allseits bekannten Werkzeugen unterliegt keinen Beschränkungen. Allerdings ist die Bauanleitung incl. Bilder geistiges Eigentum des Verfassers.
Viel Erfolg beim Nachbau!
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