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Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 15.08.2010, 17:30
von Snake-Jo
Wir hatten schon einen Sehnenbelags-Thread im Kompositbogenbau eröffnet. Ich möchte aber das Thema etwas abseits vom Kompositbogenbau diskutieren, weil in letzter Zeit doch einige Nachfragen zu Sehnenbelägen auch bei anderen Bogentypen kamen.
Auch wenn hier im Forum nicht so ganz viele Bogenbauer Erfahrung mit einem Sehnenbelag aus Tiersehnen haben, es gibt vielleicht interessante Aspekte, Fragen und Diskussionen.

Ich werfe mal einen gravierenden Nachteil ins Rennen:
Das Belegen eines Bogens mit Tiersehnen ist eine Sch...Arbeit: Es dauert lange, es strengt an, es klebt fürchterlich und es ist eine nicht ganz einfach Fummelei.  ;D

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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 15.08.2010, 17:38
von Mormegil
Snakejo, es trifft sich gut, das Du dieses Thema hier wieder ansprichst!
Ich bin gerade dabei mir Sehnen herzurichten.
Ich zerreisse und zerrrupfe sie bis jetzt nur.
Es sind Beinsehen, ich finde die Hammerbehandlung hier nicht nötig...

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 15.08.2010, 17:52
von kra
Vorteile:
-- Man kann einen "verlorenen" Bogen nochmal retten
-- Das Zuggewicht läßt sich bei nem fertigen Bogen noch erhöhen
-- man kann auch noch schlechtere Staves verwenden (Jahresringe verletzt, seitlich auslaufende Fasern...)
-- man kann einen Bogen auch noch nachträglich "designen", ohne das Zuggewicht verloren geht
--  zusätzlicher Reflex

Nachteil:
-- man gewinnt nur bei sehr kurzen Bögen an Speed
-- Gewicht geht überproprtional in die höhe
-- es macht ARBEIT
-- und es ist nicht ganz trivial, durch ein Sehnenbacking nicht die Wurftgeschwindigkeit zu verringern 

Aber trotzdem:
ein Sehnenbelag ist ne gei.. Sache, weicher Auszug, weniger Set und, fast das wichtigste, man lernt Geduld  :o

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 15.08.2010, 17:59
von Snake-Jo
Mormegil hat geschrieben: Snakejo, es trifft sich gut, das Du dieses Thema hier wieder ansprichst!
Ich bin gerade dabei mir Sehnen herzurichten.
Ich zerreisse und zerrrupfe sie bis jetzt nur.
Es sind Beinsehen, ich finde die Hammerbehandlung hier nicht nötig...
Ach? Selbst aus dem Bein geschnitzt oder fertig geliefert bekommen? Eine Sehne trocknet zu einem knüppelharten Stang aus, der sich mit nichts aufbrechen läßt, außer mit einem sehr kräftigen Hammerschlag und selbst dann brauche ich noch eine Ahle, um dazwischen zu kommen bzw. die ersten Stränge zu trennen.
Das wäre so, als wenn man versucht, einen fertigen Sehnenbelag am Bogen mit den Fingern zu zerfasern....geht nicht.

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 15.08.2010, 18:01
von skerm
Mormegil hat geschrieben: Ich zerreisse und zerrrupfe sie bis jetzt nur.
Es sind Beinsehen, ich finde die Hammerbehandlung hier nicht nötig...
Wie geht das denn?  ???
Ich hab kürzlich ein paar Hirschbeinsehnen zerlegt, aber ohne Hammer ging da gar nichts. Kaust du sie weich oder wie?  ::)

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 15.08.2010, 18:14
von Mormegil
Es sind getrocknete Hirschsehnen von einem Bogensporthändler,20cm lang.
Ich biege sie hin und her verdreh sie, irgendwann gehn sie dann in der mitte auseinander...

Soweit ich das noch weis hat Ishi sie gekaut vorm verleimen.
Ich steh da aber ned so drauf!

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 16.08.2010, 11:08
von Ravenheart
...Du hast es doch noch gar nicht probiert! Wär doch was, am Abend zum Fernsehen:

"Schatz, möchtest Du was knabbern?"
"Nö, danke, ich kau ein paar Sehnen!!"

:D :D :D

Rabe

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 16.08.2010, 11:24
von Merha
Jo, zum ersten Bild, 1.Seite: könntest du eine gute Aufnahme (Makro ev.) dieser Sehne in ihrem Ausgangszustand hochladen. D.h. getrocknete Sehne bevor du mit dem Klopfen beginnst.

Danke.

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 17.08.2010, 12:19
von sgrimm
Hallo Jo,

habe mal einen reinen Horn/Sehnen Bogen gebaut ohne Holzkern - also indianischer Stil, was aber bei den folgenden Agrumenten keine Rolle spielen dürfte.

also was ich als Nachteil empfand:
- Reaktion auf Witterung Feuchtigkeit - je nachdem wie die oberste Schicht behandelt wurde (Schlangenhaut, Rinde etc. - was gibt es sonst noch??)
- Veränderung des Zugewichtes für Anfänger schwer einschätzbar (typische Frage - wieviele Lagen Sehne soll ich aufbringen hängt vom Material und von der Bearbeitung ab)
- Trocknungszeiten
- die Sehnen sollten gleichmäßig verteilt und an kritischen Stellen unbedingt mit Querwicklungen gesichert werden.
- Herstellung bzw. Beschaffung von Fischleim ist aufwendig/teuer

viele Grüße
Stephan

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 19.08.2010, 16:08
von Snake-Jo
@Mehra: Bild kommt demnächst, war eine Woche off-line.

@Stephan: Da ich alle meine Bogen lackiere, sehe ich es nicht als Nachteil, wenn ich den Sehnenbelag und/ oder die Rohhaut auch lackiere. Rohes Holz ist sicher auch sehr empfindlich gegen Witterung.
Veränderung vom Zuggewicht: Das ist eher ein Vorteil, weil ja das Zuggewicht nur steigen kann. Dazu im Gegensatz der einfache Holzbogen: Was ab ist, ist ab. Das Einschätzen ist m.M. nach nicht notwendig, weil man ja beliebig weiter auftragen kann (bis 3 mm Gesamtdicke). So kann man seinen Holzbogen von 20 lb auf 40 lb steigern. Man sollte einfach zwischendurch mal das Zuggewicht messen. ;)

Das gleichmäßige Verteilen der Sehnen ist nur über die Breite nötig, ansonsten kann man den Bogen auch über den Sehnenbelag tillern, also ein weiterer Vorteil. Das Sichern mit Querwicklungen habe ich nie gemacht und nie als notwändig empfunden, trotz enormer Rückspannungen beim Reiterbogen.

Hautleim kostet 3,10 Euro für 250 g. Da kommt man lange hin und das ist wesentlich billiger als manches Epoxy oder auch Ponal. Fischleim ist für einen Sehnenbelag der Ferrari für die Oma. ;D

Den reinen Horn-Sehnen-Bogen würde ich gerne mal sehen. Sowas wird ja extrem selten gebaut. :)

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 19.08.2010, 17:28
von Snake-Jo
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Links eine große Beinsehne vom Reh, Hinterhand. Rechts eine aufgedrehte. Dies geht (wie Mormegil schrieb), allerdings nur, wenn die Sehne nicht knüppelhart trocken, sondern schon leicht feucht ist. Bei den Enden besteht allerdings die Gefahr des Abreißens, wenn man nicht vorher klopft.

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 22.08.2010, 07:39
von sgrimm
Hallo
hier mal die Seitenansicht des Hornbogen. Basis war Mufflonhorn - zwei Hörner für die Wurfarme plus ein Stück für den Griff. Auf dem Bild fehlen noch die Querwicklungen und die Nockenwicklung. Was ich nicht bedachte war, dass bei gezogenem Bogen der Sehenwinckel über 90 Grad kam und mir dann die Sehne vom Bogen gesprungen ist. Damit mußte ich das Handteil nach Ablösen der Sehne nochmals neu aufbauen.

Gruss Stefan

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 03.09.2010, 09:19
von Steilpassfaenger
Wie schon geschrieben, macht ein Sehnenbacking einen Haufen Arbeit.

Meine Lieblingsvorteile sind:
1. Sehnenauffasern ist eine sehr beruhigende Arbeit.
2. Hautleim riecht gut, ist nicht giftig und lässt sich wunderbar berarbeiten.
3. Sehnenbacking hält besser am Bogen als Rohhaut.
4. Zuggewichtssteigerung

Nachteile:
1. Der Bogen kann sich beim Trocknen der Sehne seitlich verziehen, sodass die Bogensehne nicht mehr mittig über den Griff läuft. Wenn die Sehne drauf ist, gibts kein Richten mehr mit Dampf oder Heißluft.

Gemischte Gefühle:
Sehnenbacking auf stark astigen oder krummen, verdrehten Staves mit auslaufenden Fasern. Die Sehne macht da viel wieder gut und der Bogen wird auczh schießen.
Aber, ich würde Sehne nur auf wirklich einwandfreien Staves mit sehr wenigen Pinknots verwenden. Ein sehnenbelegter Bogen soll stäker belastet werden und schneller schießen als ein Selfbow, da stören die Astknoten oder auslaufende Fasern.
Wär doch ewig schade drum, wenn sich ein sehnenbelegter Osage in seine Einzelteile zerlegt, weil in der Mitte des Wurfarms ein großer Ast war.
Ein so aufwändig herzustellender und performanter Sehnenbelag sollte auch auf dem besten Holz verwendet werden, dann kann man die Power solch eines Bogens genießen.

Matthias

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 03.09.2010, 12:15
von Galighenna
Steilpassfaenger hat geschrieben:Wie schon geschrieben, macht ein Sehnenbacking einen Haufen Arbeit.

Meine Lieblingsvorteile sind:

2. Hautleim riecht gut, ist nicht giftig und lässt sich wunderbar berarbeiten.

Matthias
Ähm Hautleim riecht gut? Als ich das erste mal an dem Zeug erochen hab, war ich unvorsihtig und hab ne richtig volle Nase genommen. Ich hätte fast gek****
Es riecht nach... Na ich weiß es nicht, ich fidne es grauenhaft ::)

Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Verfasst: 03.09.2010, 12:26
von Steilpassfaenger
Riecht ein bisschern süß und warm. Ist mir viel lieber als Cyanacrylat oder Epoxy, da hauts mich um.
Vielleicht hattest du einen schlechten Hautleim?