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Re: Entstehung eines Bambus Langbogen

Verfasst: 13.04.2008, 13:53
von Squid (✝)
Oha, JETZT versteh ich, was du mit "zu Griffnah" meinst! Das is wirklich sehr ausgeprägt.

Du solltest - auch bei einem so langen Bogen - folgenden Biegeverlauf erzielen: Ganz geringe Biegung an den Fadeouts, dann zunehmend stärker werdend bis etwa 15 cm vor Ende der Arme, dann wieder abnehmend so dass die letzten 10 cm der Arme praktisch starr sind.

Hier das Bild aus dem BogenWiki:
http://www.fletcherscorner.de/mwiki/ima ... muster.jpg

Du musst jetzt also an der Wurfarmmitte arbeiten, und um alles griffnahe Holz einen großen Bogen machen.

Und nicht vergessen, die Tillerschnur umgehend zu Verkürzen, sie scheint mir etwas lang zu sein.

Re: Entstehung eines Bambus Langbogen

Verfasst: 13.04.2008, 14:04
von Martini6
Ich glaub du hast keine Wahl und musst den WA ab 1/3 oder 1/4 vom Fade-Out aus gesehen dünner machen.

Schaut ja so aus als kommt nahezu die ganze Biegung aus dem Bereich nahe dem Griff...nich das es dort Stauchfalten gibt.

Re: Entstehung eines Bambus Langbogen

Verfasst: 21.04.2008, 15:42
von Steilpassfänger
@Mordrag

Wie steht es um deinen neuen Bogen? Hast du schon weitergearbeitet? Bin sehr daran interessiert, wie dein Projekt verläuft, will auch bald mit Bambus starten und warte schon auf deine Erfahrungen.

Gruß
Matthias

Re: Entstehung eines Bambus Langbogen

Verfasst: 21.04.2008, 19:47
von Mordrag
So, habe nun die Bilder angefertigt. Hier ein kleiner Einblick in das Leben eines Bambusbogen  :D

Maßangaben (Länge x Breite x Stärke) (Breite x Stärke)

Eckdaten:
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Gesamtlänge (entspannt): 195cm
Gesamtlänge (gespannt): 180cm
Standhöhe: Fistmale (15cm)
Zugkraft: ca. 35lbs
Auszug: 28"
Breite der Wurfarme (Griffnah): 2,7cm
Breite der Wurfarme (Tips): 1,3cm
Stärke der Wurfarme (Fadeout): 1,1cm (nur Belly)
Stärke der Wurfarme (Tips): 7mm (nur Belly)
Setback: 4cm Reflex nach Ruhepause
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Materialien:
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Belly (Bogenbauch): 4 hochkant verleimte Bambusleisten (1,1 x 8 mm)
Backing (Bogenrücken): Bambusleiste getapert (25 x 4 mm)
Griffstück: Ahorn (550 x 25 x 25 mm)
Overlays: Palisander: (50 x 13 x 10 mm)
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Entstehungsgeschichte:
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Mit einer Stichsäge wurden die 4 Leisten für den Bauch aus dem Bambusrohr herausgetrennt. Diese wurden dann mit einem Elektrohobel und einem Bandschleifer abgerichtet und plangeschliffen. Verleimt wurde das ganze mit Ponal Blau Holzleim. Zu der Zeit war der "Stave" noch 200cm lang. Für das Leimen habe ich 30 Leimklemmen benutzt. Nachdem der Stave trocken war, wurde dieser Plan geschliffen und die Bogenform wurde angezeichnet.
Nach diesem Vorgang wurde wieder mit der Stichsäge ein Backing ausgesägt, mit dem Elektrohobel und Bandschleifer plangeschliffen. Nachdem das Backing eine Stärke von 4mm erreicht hatte, wurde die Bogenform angepasst und das Backing getapert (an den Enden ausgedünnt).
Backing und Belly wurden dann über einen Perry-Reflex (15cm) mit Ponal Blau verleimt. Nach dem abspannen waren noch ca. 10-11cm von dem Reflex übrig.
Jetzt wurde das Griffstück angepasst und ebenfalls mit Perry Reflex an den Stave angeleimt. Dabei wurde allerdings Epoxidharz verwendet.
Den weiteren Vorgang habe ich wie bei jedem Bogen weitergeführt. Getillert...überprüft...getillert...überprüft...usw

Letztendlich wurden die Overlays mit Epoxy auf dem Rücken befestigt und zurechtgeschliffen.
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Probleme die beim Bau auftraten:
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- die ausgesägten Leisten für das Belly wurden anfangs schon zu dünn
- das Backing verrutschte beim Leimen und verleimte mein Handy :D
- starker Knick an den Fadeouts beim starten des Tillervorgangs
- kleine Nachbarskinder zersägten meinen 2. Tillerstock  >:(
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Dinge die für den nächsten "Reaction Bow" geplant sind
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- stärkeres Zuggewicht (ca. 50lbs)
- breitere Bausweise
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Um euch nun doch nicht länger mit Fakten zu langweilen, hier endlich ein paar Bilder :D Hoffe sie reichen, wenn nicht muss ich nicht welche machen. PS: Bilder im Vollauszug kommen noch. Wie gesagt, mein Tillerstock hat "seltsamerweise" den Geist aufgegeben.

Bild  Bild  Bild  Bild

Re: Entstehung eines Bambus Langbogen

Verfasst: 23.04.2008, 19:43
von Mordrag
Der Bogen ist nun ja fertig eingeschossen. Er schiesst sich wunderbar weich und genau. Doch jetzt stellt sich ein kleines Problem.

Die Sehne läuft nicht genau mittig sondern etwas nach rechts aus. Das ist zwar positiv für mich (Linkshänder), allerdings würde ich mir schon wünschen die sie mittig läuft.

Bei der Überprüfung des Bogens fiel mir auf, das beide Wurfarme leicht nach rechts ziehen. Beim Tillern ist dies noch nicht der Fall gewesen.

Das Finish (Leinöl) ist auch schon drauf :(

Mit Hitze kann ich es nicht machen, da dann das Epoxy denke ich mal verläuft.

Re: Entstehung eines Bambus Langbogen

Verfasst: 24.04.2008, 15:57
von Steilpassfänger
Ich grüße dich!

Also ich würd den Bogen mal so lassen wie er ist und erstmal viel Freude damit haben und ihn oft schießen. Wenn sich die Wurfarme nicht weiter verdrehen, gut so, wenn sie doch wandern sollten, kannst du meiner Meinung nach gar nix dagegen machen ohne den Bogen zu zerstören.

Danke für deine genauen Angaben und die Bilder.

Gruß Matthias

Re: Entstehung eines Bambus Langbogen

Verfasst: 24.04.2008, 17:31
von Christopher
Ich hätt da ne idee: Ahorngriff runtermachen, den Griffbereich auf der gleichen seite, wie die Sehne verläuft, verschmälern auf höchstens 1,5cm oder viel schmaler, und dann ein gerades Brettchen aufkleben, das so 2cm dick ist. dass sollte dann die wurfarme in die andere Richtung biegen.. anschließend Griff wieder aufpappen und den Griff schön ausarbeiten.

Re: Entstehung eines Bambus Langbogen

Verfasst: 05.05.2008, 10:01
von Ravenheart
Also wenn....

* Du rechts anlegst,
* die Sehne leicht rechts verläuft, und
* der Bogen sich NICHT im Auszug verdreht oder im Ablass seitlich schlägt:

Dann tanze und freu Dich, und fummel da bloß nicht dran rum!

Was besseres gibt es nicht!

Einer meiner ersten BlackCherry-LB hatte trotz Griffbreite von 3,8 cm eine Sehnenlage nur 1 cm von der Anlage. Der schoss perfekt und war super tolerant, ich konnte Schäfte von Spine 30/35 bis 40/45 damit gleich gut schießen (jedenfalls für mein damaliges Empfinden)!

(Der Bogen brach leider nach 2 Jahren, trotz Backing, wegen zu dünner Rückenringe und einem bauchseitigen Bruch, den ich ihm beim Reflexbiegen verpasst hatte).

Rabe

Re: Entstehung eines Bambus Langbogen

Verfasst: 05.05.2008, 10:04
von Mordrag
Danke für die Info Ravenheart. Werde da auch nichts mehr dran machen. Habe jetzt mit ihm schon gut über 500 Pfeile geschossen und es hat sich noch nichts bewegt.

Sehnenstand verändert sich nicht und nach sofortigem Abspannen hat er ein Set von - 4cm

Ein Erfolg auf ganzer Linie  :D