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Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 25.11.2011, 13:17
von Snake-Jo
@skerm: Naja, Bruchflächen passen eigentlich immer ineinander, aber stabiler wird es dadurch auch nicht.
Also folgende Reparatur:
- Bruch wieder zusammengeklebt, damit die äußere Form nicht verloren geht
- danach seitlich abgeraspelt und damit den Griff schmaler gemacht
- Griffschalen aus "um die Ecke" gewachsenem Apfelholz beidseitig aufgeklebt
- der Bogenrücken bekam am Griff eine 4 mm starke Hornschicht aus Büffelhorn
- Der Bogenbauch bekam ein diesmal unter Wasserdampf gebogenes Laminat aus Eibe
- die Ansätze von Horn, Holz und Sehnenbacking wurden mit Wicklungen gesichert
Neuer Griffbereich 30 mm breit und 35 mm tief
Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 25.11.2011, 13:37
von Galighenna
Das sieht gut aus! Nicht nur, das es gut repariert ist, mir gefällt auch die Farbkombination. Der Bruch, so bedauerlich er auch war, hat definitiv seine Vorteile gehabt. Ganz besonders das Wissen um die extreme Belastung im Griff hat sich verbessert.
Ich hatte ja schon vermutet das im Griff ein Teil der Leistung des Bogens steckt, weil der Griff durch seine besondere Form sehr zum mit biegen, bzw. zur Verkürzung der Bogenlänge während des Auszuges neigt. Dadurch trägt er seinen Teil zur Wurfleistung bei und ist daher sicherlich auch als arbeitender Teil des Bogens zu betrachten.
Evtl. hätte der Griff die Belastung ausgehalten, wenn die Form das Griffes mit Wasserdampf erzielt worden wäre. Meine Vermutung ist immer noch, das ein leicht arbeitender Griff ein Plus für die Leistungsfähigkeit des Bogens wäre und die jetzige Versteifung eher die Belastung der Wurfarme erhöht und die Wurfleistung des Bogens etwas senkt.
Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 26.11.2011, 09:12
von Snake-Jo
@Gali: Naja, Farbkombination...

Wir sind doch hier im Experimental-Modus und nicht im Präsithread. Der kommt erst noch!

Niemand wird den Griff auf Farbe und Form ausarbeiten, bevor der Bogen nicht überhaupt zum Schießen gebracht wurde.
Jedenfalls werde ich das Teil nun einschießen. Die Verwindung zur Seite habe ich stabilisiert: einfach den Sehnenbelag warm machen, zur anderen Seite hin verspannen, kalt werden lassen, fertig. Das habe ich dann inzwischen so 3-4 mal gemacht, nun fluchtet er.
Ansonsten ja, stimme zu, was den mitbiegenden Griff angeht. Nur leider ist das "Nassbiegen" immer sehr viel aufwändiger als das Trockenbiegen mit HLP. Beim Nassbiegen muss das gebogene Teil zwingend in der Form trocknen, was bis zu einer Woche dauern kann. Sonst geht die Biegung zum großen Teil wieder raus. Bei den vielen Griffschichten hätte das endlos gedauert. Trocken gebogene Teile halten dagegen ihre Form, wenn man sie kurz unter Biegung abkühlen läßt.
Zudem glaube ich auch nicht, das jemand den Karpovicz mit mitbiegenden Griff bauen wird. Die Belastung und entsprechend das Risiko ist viel zu groß. Auch das Original ist im Griff sehr stabil gebaut. Man könnte natrlich lange suchen, bis man eine natürlich gewachsene Griffbeule findet und dann an beiden Seiten die Wurfarme anspleißt. Nur leider ist die Übergangszone auch sehr stark belastet, sodass man dann hier stabil bauen muss.
Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 26.11.2011, 09:16
von skerm
Die Reparatur find ich auch schön, speziell das Horn ist genial!
Snake-Jo hat geschrieben:@skerm: Naja, Bruchflächen passen eigentlich immer ineinander, aber stabiler wird es dadurch auch nicht.
Nur wenn der Bruch spröd ist.
Gruß,
Daniel
Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 26.11.2011, 09:22
von Snake-Jo
@Skerm: Ja, klar. Wenn ich einen langfaserig gebrochenen Pfeil mit einem guten Kleber wiede zusammen leime, dann ist der besser als vorher, sofern der Bruch durch Überlastung passierte.
Einen langfaserig und mittig gebrochenen Wurfarm würde ich jedoch nur mit Kleber nicht reparieren wollen.....
Eventuell gibt es heute zumindest Teilauszugsbilder bis 60 cm.
Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 26.11.2011, 15:33
von Snake-Jo
Nun bin ich soweit: Ich konnte das Gerät ausgiebig schießen und hier das erste Fazit bei einem Auszug bis 28" (mehr trau ich mich noch nicht):
- Der Bogen läßt sich mit gleichmäßig hoher Zugbelastung spannen
- der hohe Sehnenstand und der Benz'sche Zugriff sind gewöhnungsbedürftig
- der Bogen zeigt bislang keine besonders hohe Geschwindigkeit, aber das wäre noch zu messen
- für einen neuen Bogen läßt er sich erstaunlich präzise schießen
Nun muss ich langsam weiter den Auszug erhöhen bis 30" und dann 50 lb.
Hier das Auszugsbild bis 60 cm, wobei die Wurfarme immer noch leicht reflex sind.
Wer jetzt meint: "Das war doch schon!" Nein, das Auszugsbild auf S. 9 oben war zwar derselbe Bogen, aber ohne Sehnenbacking und nur bis 24". Jetzt geht es zumindest bis 28" und alles scheint stabil. Sehnenbänkchen sind nicht mehr nötig, allerdings hat das Wurfarmende eine Rinne zur Aufnahme der Sehne.
Nun könnte ich die von Gali schon vorweg genommenen Verschönerungen vornehmen, z.B. ein Abschlussgewebe über dem Sehnenbacking aus schwarzer Naturseide. Vorher muss der Sehnenbelag noch ein wenig egalisiert werden.
Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 26.11.2011, 16:03
von Galighenna
Was? Vorweggenommen? Ich? NIEMALS!!!
Sieht wirklich gut aus bisher! großes Kino das Bögelchen! Bei 28" werden die WA wohl ziemlich genau gerade sein oder? Das Design ist wirklich klasse und zieht bestimmt eine Menge Blicke auf sich, wenn man damit in der Öffentlichkeit, auf Turnieren etc. auftaucht...
Der Aufwand ist allerdings wirklich enorm.
Ich bin gespannt auf die Werte, wenn der Bogen mal gemessen wird!
Biegt sich der Griff jetzt noch leicht, oder ist er jetzt tatsächlich völlig starr geworden?
Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 01.01.2012, 16:14
von Snake-Jo
Meine Rohstoff-Quelle für das Backing: Echte Naturseide in schwarz aus einem alten Seidenhemd.
Das Aufziehen geschieht mit Hautleim und ist ziemlich aufwändig.
@Gali: Ich meine,der Griff ist nun starr. Gott sei dank!

Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 01.01.2012, 18:25
von acker
Hm, bei Jo is das Aufziehen der Bluse aufwändig, is auch mal was sonst stellt sich oft das ausziehen als Herausforderung an
Edit: Meinst du damit: Das Anziehen einer Bluse am weiblichen Körper ist aufwändig, aber nicht so aufwändig wie das Ausziehen?
Ui, der Bogen sieht ja sehr interessant aus Jo ! Bin sehr gespannt ihn beim Dirk live sehn zu können
Viel arbeit, wissen , können und fleiß steckt drinn !
Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 01.01.2012, 18:48
von Snake-Jo
@Acker: Das war
mein Seidenhemd...
Hier die Arbeitsschritte:
Der mit Hautleim eingepinslete Sehnenbelag wird ein zweites Mal direkt vor dem Aufrollen des Seidenbelages eingepinselt
Der Seidenhemdbelag wird erwärmt (HLP kleinste Stufe)
Ein Durchnässen des Seidenbelages ist unproblematisch. Einfach wegwischen. Später wird noch lackiert.
Die Kante des Belages wird extra dick mit Hautleim bestrichen, damit man später gut abschleifen kann.
Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 02.01.2012, 08:51
von Chirion
ui... Snake du wirfst deinen Bogen ja ganz schön in Schale, der is ja Opernballtauglich

...Scherz beiseite, sieht sehr schön aus.
Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 02.01.2012, 11:06
von Moormann
Woa das nenn ich mal ein Backing!

Sieht hammer aus und passt sehr gut zum Bogen!

Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 02.01.2012, 11:57
von Galighenna
Ja... Ui... Die schwarze Seide gibt dem Bogen echt den letzten Schliff. Schade das ich den nicht bei Dirk aufm NDBBT sehen und vll schießen werde.
Vielleicht hab ich ja nochmal Glück und kann den beim nächsten Treffen begutachten!
PS: Die Messergebnisse stehen noch aus. *gg* wird das auf dem Treffen bei Dirk passieren?

Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 02.01.2012, 12:05
von Snake-Jo
@Gali: Ich denke mal, das ich den Bogen gerade so noch fertig bekomme bis zum Treffen bei Dirk. Ansonsten gibt es ja noch den Präsi-Thread, dies ist der Bastel-Thread.
@Chirion: Und? Hast du nicht Lust bekommen, deinen auch fertig zu machen?

Re: Karpowicz-Design
Verfasst: 02.01.2012, 12:55
von Chirion
@ Snake Jo, doch natürlich juckts mich da in den Fingern. Beim Laminierten, den ich begonnen habe, hat sich gezeigt, dass weder die Schwarznuss noch die Birkenlaminate wirklich gut zum Biegen so enger Radien geeigent sind. Ich hab 8 Laminatstreifen beim Biegen der Griffkuhle zerstört und rausgekommen sind letztlich nur 2 Streifen mit unbeschädigter Biegung. Daher werd ich eher die "Selfkarpowicz" Strategie weiterverfolgen, nach der letzten Messung zu urteilen sind die 3 Osagestaves die ich vorbereitet habe auch recht bald soweit, die trocknen gut im Keller und bis auf einen Längsriss an eher unproblematischer Stelle sieht es trotz der eher forcierten Trocknung gut aus.