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Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 13:42
von Ralph
@ Kra

Hmm... da gebe Dir recht.

Das hilft mir aber dann nicht sonderlich weiter, wenn ich einstelle, dass Wasserbüffelhorn, wenn es poliert wird, pechschwarz ist und so die Unterscheidung zu zusammengepressten, woraus auch immer bestehenden, dunkel eingefärbtem Kunsthorn nicht möglich ist.

Die HSK-Bögen, die ich bisher in der Hand hatte und bei denen ich hundertprozentig sicher sein konnte, dass deren Hornbeläge kein Kunsthorn, pressed-horn o. ä., enthielten, sondern vollständig aus Wasserbüffelhorn bestanden, waren pechschwarz...

Da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz.

@ Benzi

Danke für den Nachsatz, klärt die Sache etwas.

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 13:45
von Snake-Jo
Ralph hat geschrieben: Die HSK-Bögen, die ich bisher in der Hand hatte und bei denen ich hundertprozentig sicher sein konnte, dass deren Hornbeläge kein Kunsthorn, pressed-horn o. ä., enthielten, sondern vollständig aus Wasserbüffelhorn bestanden, waren pechschwarz...

Da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz.
Ach was, pechschwarz gibt es bei Horn nicht. Wenn man richtig beleuchtet und eine Lupe hat (s.o.) sieht man die Haare (!!!)

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 13:50
von Ralph
Snake-Jo hat geschrieben:
Ralph hat geschrieben: Die HSK-Bögen, die ich bisher in der Hand hatte und bei denen ich hundertprozentig sicher sein konnte, dass deren Hornbeläge kein Kunsthorn, pressed-horn o. ä., enthielten, sondern vollständig aus Wasserbüffelhorn bestanden, waren pechschwarz...

Da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz.
Ach was, pechschwarz gibt es bei Horn nicht. Wenn man richtig beleuchtet und eine Lupe hat (s.o.) sieht man die Haare (!!!)
Na dann werde ich mir heute abend mal heimleuchten und schaun, ob ich was sehe... ;) Danke trotzdem.

Wenn Deine Äußerungen stimmen, hättest Du damit auch schon die eigentlich gemeinte Frage des Threads erschöpfend beantwortet:

Lupe nehmen - wenn nichts sichtbar ist, ist es Kunsthorn. Dann bräuchte es alle anderen Methoden nicht. Oder ?

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 14:05
von Snake-Jo
@Ralph: exakt! Ich versuche, noch ein Foto zu erstellen, Horn habe ich ja in jeder Ausprägung genügend, auch solche Löffel, wie sie Benz zeigte.
Man muss sich das so vorstellen: Die Haare aus dem Fell sind zu Horn verwachsen und bilden dort eine untrennbare Einheit. Da Haare aber neben dem Farbstoff Melanin auch Luft enthalten, wirken sie nur auf Entfernung völlig schwarz. Aufgetragene Lacke oder Polituren verstärken diesen Effekt. Bei genauer Betrachtung sieht man aber immer noch graue Längsstrukturen.
Jeder, der schon mal ein Horn selbst "geerntet" hat, weiß, dass die Übergangszone zwischen festem Horn und dem Fell aus mehr oder weniger lose verbundenen Haaren besteht. Da kann man es am besten sehen.

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 14:15
von Ralph
Danke.

Ralph

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 14:24
von benzi
meiner Erfahrung nach kommt diese Haarstruktur dann wieder gut zur Geltung, wenn das Horn entweder Stress ausgesetzt wurde, wie z.B bei Verwendung am Bogen oder der Verwitterung ausgesetzt wurde...

Bei dem großen Hornschöpflöffel auf dem Bild war ich mir fast sicher dass es kein echtes Horn ist, es wären einfach sehr viele sehr große Hörner notwenig um solche Löffel in großer Stückzahl, wie wir sie in Tibet gesehen haben, zu produzieren. Der Löffel entwickelt aber im Gebrauch einen starken Horngeruch bei schon geringer Erwärumg wie Schöpfen einer warmen Soße... daher die Frage nach einer einfachen Methode Kunsthorn von echtem Horn zu unterscheiden, was ja auch für andere Anwendungsbereiche spannend sein könnte.

Das Erkennen der Struktur an einem gut polierten Objekt, dass keinerlei mechanischem Stress ausgesetzt ist, fällt mir schwer

Grüße benzi

Foto Hornstruktur

Verfasst: 25.09.2014, 14:32
von Snake-Jo
Hier nun das Ergebnis: Eine Lupe brauchte ich nicht, es reichte das Macro-Objektiv meiner Olympus.
Zuerst das schwierige Untersuchungsobjekt: ein polierter Löffel aus schwarzem Wasserbüffelhorn.
Hornlöffel.jpg
Der Hornlöffel wirkt auf den ersten Blick sehr schwarz (@ Ralph).
Hornaufbau.jpg
Hornstruktur des Löffels: Angeschnittene Haare, durchaus auch mal quer laufend, grob, farbig.


Was unterscheidet dieses Horn nun von einem laminar aufgebautem schwarzen GFK ? Hier das Ergebnis: Glasfaserbelag vom Bauch meines Samick SHB "Hunter"
Glasfaser.jpg
Man sieht: laminare, feine Glasfaserstränge (Abbildungsmaßstab gleich wie beim Horn), wenig Farbe, immer sehr parallel und vor allen Dingen immer parallel zur Kante. Horn verläuft auch in Wellen und mal quer, es sind halt gewachsene Strukturen und es sind grobe, dicke Haare eines großen Tieres!

@Benz: Ich bin mir sehr sicher, dass du da echtes Horn hast. In Indonesien habe ich Plattenmaterial gesehen, welches bis zu 20 cm breit war !!!! Die sägen das auf, aber nicht ganz durch und klappen das wie ein Schmetterlingsschnitzel auf (nach dem Dämpfen), dadurch werden quasi doppelte Breiten erzielt. Der gezeigte Löffel hat immerhin 80 mm. In ganz Asien gibt es Hornmaterial zuhauf.

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 15:05
von Janitschar
Schön, dann ist ja die Frage beantwortet.

Danke Jo. Mich hats ja auch interessiert.

Gruß
Stephan

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 15:57
von asklepion
2.JPG
1.JPG
Hallo liebe Foristen,
Benzis Beitrag in seiner ursprünglichen Version hat mich ein wenig aufgeschreckt und zum Nachdenken animiert. Dafür schon einmal herzlichen Dank an Benzi ;)
Da ich einen Grozer biocomposit Bogen schiesse habe ich mich schon gefragt ob das "pressed horn" artificial oder natural ist.
Der Vorschlag von Snake-jo mit der Nahfeldbetrachtung hat mich allerdings nicht schlauer gemacht. Ich hoffe die Photos sind detailreich genug. Kunst oder Natur?
Harald

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 16:42
von benzi
@Harald, Grozer Biokomposit = Kunsthorn!!!

Grüße benzi

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 16:53
von asklepion
Hallo Benzi,

gilt das deines Wissens nach bei allen Grozer Biocomposit oder ist das erst ab Fertigungsjahr X so?
Chireon war sich da nicht so sicher. Und die Seite von Grozer spricht, wie bereits in einem anderen Post erwähnt, nur von "pressed horn". Ich hatte vom Farbverlauf bisher auf Kuhhorn getippt.

VG

Harald

ps Kann man sich irgendwo schlau machen, Herrn Google fragen?

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 17:14
von benzi
meinem derzeitigen Wissen nach gilt das für alle Biokomposit egal welches Baujahr.... allerdings traten die Probleme (Bruch der Hornschicht trotz sachgemäßer Behandlung) damit erst ab einem bestimmten Baujahr auf.... meine Vermutung dazu: Auslagerung der Produktion ab einem bestimmten Datum... ist aber nur meine Vermutung!

Grüße benzi

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 17:30
von Snake-Jo
@asklepion: ich kann auf deinen Bildern keine laminaren Haarstrukturen erkennen, also Kunststoff.

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 19:06
von Palmstroem
Nur zur Vervollständigung:

Der einzige Kunststoff, bei dem ich weiß, dass er bei der Verbrennung haar-/hornartig riecht, ist Polyamid in fast allen seinen Ablegern (PA6,PA6.6 u.sw.). Polyamid ist aber ein Thermoplast und schmilzt bei 250-300°. Der Kilopreis für einfaches Polymid-Granulat liegt bei Standardware bei 2-3 Eur. In die Polyamid-Matrix kann man alles mögliche einbetten. Ich würde aber ausschließen, dass für solche Zwecke Polyamid als Trägermatrix zum Einsatz kommt. Das hätte nie ähnliche Eigenschaften, wie Horn.

Inwieweit jetzt noch Harze (z.B. Epoxy) hornartig riechen bei der Verbrennung, ist mir nicht bekannt.

Aber das Rätsel scheint ja gelöst.

Palmström

Re: Kunsthorn erkennen

Verfasst: 25.09.2014, 20:07
von Stoeckchendepp
Wenn man Horn längerfristig in Wasser einweicht, quillt es und fällt in Schichten auseinander. Das klappt zumindest (dummer Weise) super mit Hornlöffeln. Dieser Test ist aber leider materialzerstörend.

Daher Hornlöffel (und Hornnocken) nur abwaschen und sogleich abtrocknen...