Ja also...
Definiert ist der Spinewert dadurch, das man den Pfeilschaft auf zwei Auflager legt die exakt 26" (66,04cm) voneinander entfernt sind. In die Mitte wird dann ein Gewicht von 2# (907g) gehängt und die Durchbiegung des Schaftes gemessen.
Auf die Art hast du ein standardisiertes Messverfahren, das dir Pfeile mit gleicher Steifheit liefert.
Dann gibt es eine Formel, die die Durchbiegung des Schaftes auf ein Zuggewicht abbildet. Eine Tabelle und die Formel findest du
hier
Dadurch das man die Durchbiegung auf ein Zuggewicht abbildet, soll die Auswahl des richtigen Pfeilschaftes passend zum Bogen erleichtert werden. Die Idee dahinter ist eigentlich, das auf einem ELB mit 50# Zuggewicht ein Pfeilschaft mit dem SPinewert von 50# genau passt, wenn man eine Spitze mit dem Gewicht von 125gr (grain) auf dem Pfeil benutzt. Bei ELB kommt das meist auch so uuuuuungefähr hin.
Es ist und bleibt dennoch eine grobe Näherung, weil das System Bogen halt recht komplex ist. Wenn ein Bogen ausserordentlich schnell ist, weil das Holz eine Top Qualität hat, und der Bogenbauer durch sein können einen sehr sehr guten schnellen Bogen daraus gebaut hat, kann es sein das man durchaus auch steifere Schäfte braucht, damit die Biegung des Pfeiles im Abschuss (Stichwort Archers Paradox) genau zum Bogen passt, so das der Pfeil sauber fliegt.
Mit dem Archers Paradox kommen wir dann jetzt vom statischen Spine (der Steifigkeit), den wir messen können, zum dynamischen Spine des Pfeiles, den wir nicht messen können.
Der Dynamische Spine ist eine kombination aller Faktoren die die Durchbiegung des Pfeilschaftes im Moment des Abschusses bestimmen. Darunter fällt zuerst mal der statische Spine. Ausserden noch das Gewicht der Pfeilspitze, die Länge des Pfeilschaftes, die Länge des tatsächlichen Auszugs, die verwendete Sehne am Bogen, und auch, wie schnell der Bogen ist.
Alle diese Faktoren beeinflussen, wie stark sich der Schaft im Moment des Abschusses durchbiegt und um den Griff herum windet.
Eine schwere Spitze z.B. lässt den Schaft stärker Biegen, weil sie der Beschleunigung eine größere Kraft entgegensetzt. Dadurch wird der dynamische Spine Richtung weicher verändert. Wenn man also zu leichte, aber zu steife Pfeile hat, kann man sie in gewissen Grenzen passend zum Bogen machen, indem man eine schwerere Spitze auf den Pfeil macht.
Dirk M. hat sich aus seiner Erfahrung heraus ein relativ einfach zu benutzendes Regelwerk erstellt, nach dem man relativ gut den benötigten Spinewert eines Pfeilschaftes abschätzen kann.
Ich hab sie dir hier
mal mit angehängt.
Die Werte die du dann dabei herausbekommst sind schon recht stimmig und man macht damit keinen groben Fehler. Wenn man es aber wirklich exakt haben will (weil man eben ein sehr guter Schütze ist, und auch Turniere schießt etc) dann kommt man nicht darum herum, durch ausprobieren im vorher bestimmten Bereich, den besten Pfeilschaft rauszusuchen...
Diesen könnte man dann exakt vermessen (Spine, Länge und Gewicht) und dann einfach weitere Schäfte kaufen(bauen) die exakt diese Eigenschaften aufweisen. Auf die Art bekommst du dann immer Pfeile, die zu deinem Bogen passen.
Nochwas wegen des vermeintlich zu niedrigen Zuggewichtes: mit 35# kann man eigentlich jeden Parcour schießen. Wenn der Pfeil schon früh absinkt und zu tief liegt, dann ist der Bogen mit dem Pfeil zu langsam. Das kann an einem zu schweren Pfeil liegen. Für Zielschießen würde ich keine Pfeile verwenden die mehr als 10 grain per pound wiegen. Also bei deinem 35# Bogen sollten die Pfeile nicht schwerer als 350gr sein. Es ist aber ein wenig schwierig derart leichte Pfeile zu bekommen. Da muss man schon sehr weiche Schäfte benutzen, und dann dafür eine leichte Spitze benutzen. Lass dich aber nicht gegen dein Schussgefühl zu einem stärkeren Bogen überreden.
Wenn der Bogen zu stark ist, macht dir das Schießen keine Freude, weil es dir einfach zu anstrengend wird. Deine Schießtechnik wird darunter leiden, du wirst nicht gut treffen und das macht Frust.
Es ist natürlich möglich, das dein Rattan-LB jetzt nicht gerade eine Rakete ist, und das sich damit vll tatsächlich nicht so dolle auf dem Parcour auf größere Entfernung schießen lässt. Da muss man dann nochmal gucken ob man an den Pfeilen etwas rausholen kann (evtl mit 8,5gpp schießen) oder ob man dann vielleicht tatsächlich mal einen anderen Bogen schießt. Aber im gleichen Zuggewichtsbereich, wenn dir das Zuggewicht gefällt und nicht zu leicht ist. Vielleicht findet sich ja was passendes, das nicht all zu teuer ist (ich kram mal in meinem Bogenholz-Stapel *gg* )