Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Sättel, Zaumzeug, Reiterbogen, Kompositbogenbau, usw.
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Galighenna
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von Galighenna »

Hm nee der war nicht schlecht. Den hatte Botjer mir auf dem Bogenbauertreffen bei WesselCh geschenkt. Er hatte ne riesen Tüte mit und fragte ob jemand was davon abhaben möchte. Fand ich ausgesprochen nett.
Er hat damit auch einen Bogen mit Rohhaut belegt. Ich weiß grad nicht mehr welchen und ob er ihn hier schon vorgestellt hat.

Ich finde nur, das der Hautleim so stark nach Eiweiß, altem Fleisch und Tod und verderben riecht. Son bissl so wie Sehne.
Sowas kann ich nicht gut ab, da wird mir schlecht.
Übel übel sprach der Dübel,
als er elegant und entspannt
in der harten Wand verschwand

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Snake-Jo
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von Snake-Jo »

Offenbar sind auch die Ausgangsmaterialien sowie die Zubereitung ausschlaggebend für den Geruch. Ich hatte bislang so rund 3-4 verschiedene Sorten. Die letzte von Fa. D. roch nicht so streng wie die anderen.
o.K. das scheint ein Nachteil zu sein, der Geruch (für manche Bogenbauer). ;D

Weitere Vorteile:
Man kan relativ gut, wenn auch zeitintensiv, über den Sehnenbelag den Bogen tillern.

Weiterer Nachteil:
Der Einfluss von Wärme und Feuchtigkeit auf den Sehnenbelag. Feuchtigkeit kann man ausklammern, wenn man einen guten Lack oder ähnliches aufträgt. Mir ist es jedoch schon passiert, dass mitten im Turnier, in einer Pause, der Bogen einseitig Sonne abbekam und dann völlig aus dem Tiller geriet. Das ist zwar nicht schädlich und auch reversibel, aber mitten im Turnier durchaus Panne. Dies wirkt sich bei Composits stärker aus, als bei sehnenbelegten Holzbögen ohne Horn am Bauch. Weil - Horn ist ebenfalls stark hitzeempfindlich und wird ganz einfach lasch und weich.
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von Steilpassfaenger »

@skerm
Mhm, geschliffenes Horn, da werd ich ganz wuschig.
Der Bogenbau hält eine ganze Palette an tollen Gerüchen bereit. Frisch getempertes Kernholz der Kirsche ist der Hammer!
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Ravenheart
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von Ravenheart »

Mal ne Frage am Rande:

Ich bräuchte mal nen Tipp, wie ich Hautleim am einfachsten temperiere?
Ich meine damit NICHT irgend welche thermostatgesteuerten Lösungen, sondern einen Tipp wie:
(Beispiel) "1/2 Liter Wasser als Wasserbad auf 1 Teelicht in 5 cm Abstand, da drin der Leim in einem 100 ml-Glas, hält ziemlich genau die richtige Temperatur"....

Rabe
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acker
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von acker »

Ui, ein Leim der nicht mehr als 60°C haben sollte und der Uhrmacher Rabe treffen aufeinander :o
Stell den Leim einfach in ein Wasserbad, kannst das Wasserbad ,zB alter Topf , noch mit einem Handtuch umwickeln zur Isolation und pack Dir ein Thermometer mit rein, wenn es zu kalt wird kipp einfach etwas Brauchwasser warm hinzu, im Normalfall sollte Dein Warmwasser um 60°C haben wenn es aus der Leitung kommt , also perfekt zum warmhalten des Leimes .
Ansonsten kannste ja immer noch Thermometer und Teellicht als Kombi benutzen .
Gruß acker
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Ravenheart
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von Ravenheart »

:D Thermometer is klar! Ich meinte eine "Faustregel", also einen Erfahrungswert, der OHNE Thermometer auskommen KÖNNTE! Hintergrund: Ohne Erfahrungswert müsste ich ständig die Temperaur kontrollieren und ggf. nachjustieren.

Ich würde mich aber lieber auf's KLEBEN konzentrieren.... (Eben halt gerade WEGEN der Uhrmacherei....) ;D ;D ;D

Daher erhoffe ich mir eine Angabe, die mir einen Anhalt gibt, welcher Apparatur-Aufbau ETWA schon per se im richtigen Bereich liegt....

Rabe
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acker
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von acker »

Eben drum würde ich Dir deiner Nerven zuliebe raten in der Bucht einen Babyflaschenwärmer zu schießen, Du beschäfftigst dich sonst viel zu sehr mit der richtigen Temperatur als das Du in Ruhe den Leim auftragen kannst... ;D
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Snake-Jo
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von Snake-Jo »

@Rabe: Ich habe in letzter Zeit sehr viel mit Sehnenbelag nachgetillert. Dem Leim ist es wurscht, ob du mit 45° oder 60° verleimst, Hauptsache, du bist nicht ständig weit über 60°. Mit anderen Worten: Ich löse den Leim im Wasserbad, bis alles aufgelöst ist und der Leim noch nicht die Finger verbrennt. Messen tu ich nicht! Wenn er zu kalt wird, dann wird er zähflüssig, also erneut kurz den Topf ins heiße Wasserbad stellen bis er wieder flüssig ist. Messen tu ich nicht!
Das Wasserbad lass ich einfach immer auf Stufe 1/2 auf der dreistufigen Skala erwärmen, den Leimtopf stell ich dann nur kurz hinein, wenn es denn nötig ist. So wird er nie zu heiß und messen brauch ich auch nicht! Hat ich das schon gesagt? ???

Ganz am Schluss wird der Sehnenbelag nochmals mit Leim eingepinselt, die HLP drauf gehalten, bis er dünnflüssig wird, alles mit nassen Fingern verstrichen, fertig. Oder wenn er geliert ist, mit dem Gummiband wickeln. Ach ja, messen braucht man nicht! ;D
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skerm
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von skerm »

Ich wärme den Hautleim in einem kleinen Topf, der im Wasserbad in einem größeren Topf am Herd steht. Nach ein paar Lagen Sehnenbacking und gelegentlicher Kontrolle durch ein 5€-Fleischthermometer weiß schon, wie ich das handhaben muss, um die gewünschte Temperatur zu erreichen.
Bei meinem Aufbau genügt es, das Wasserbad kurz vors Sieden zu bringen und dann die Herdplatte auf 1 zustellen. Wenn ich einen Wurfarm fertig habe, drehe ich nochmal kurz auf und mach dann den zweiten.
Für die HLP bin ich zu ungeduldig, deshalb achte ich auf die Einhaltung höherer Temperatur. Wenn ich dickere Bündel verlege, lasse ich sie auch ein paar Sekunden im Leimbad um sie gut zu temperieren. Wenn ich zu kalt arbeite (40°C oder so), bekomme ich Luftblasen rein. Die schaden zwar nicht, aber sie stören mich trotzdem.
Für Gummibänder fehlt mir das Geschick, ich hab damit zwei mal eine schöne Legung verschoben. Gestern habe ich Frischhalte längs über das Sehnenbacking gelegt und dann an den Seiten glatt gezogen. Die Frischhaltefolie bleibt drauf bis der Kleber geliert ist. Weil sie an sich selbst haftet hält sie auch die Spannung (abgesehen von der natürlichen Eigenschaft mit der Zeit lockerer zu werden, das ist bei Kunststoffen halt so), und sie ist durchsichtig, wodurch ich gleich beurteilen kann, ob alles passt.
Das gibt eine schön glatte Oberfläche, allerdings erhöht sich durch das seitliche Spannen der Folie das Sehnenbacking in der Mitte ein bißchen.

Gruß,
Daniel
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laurin
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von laurin »

Nur mal so als Frage,
gibt es alternativen zum sehnenbacking?
snake jo hat in einem anderen fred geschrieben: "Für die Wicklung kann man Wickelgarn (ungewachst) oder Leinengarn vom Sattler nehmen, welches den Epoxy hervorragend aufsaugt und damit als Stahl im Stahlbeton fungiert."
Kann ich dergestalt nicht auch ein backing anbringen ohne die Nachteile von sehne und hautleim?
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Heidjer
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von Heidjer »

@ laurin, was sind die Nachteile von Sehne oder Rohhaut und Hautleim?

Ja natürlich kann man Leinenfasern oder Hanffasern mit Epoxi auf den Bogenrücken bringen. Aber nach meiner Meinung bringt das erheblich mehr Nachteile als die vorgenannten Materialien. Sowohl Leinen als auch Hanf haben nahezu keine Dehnung, sie versteifen den Rücken so stark das der Rücken keine elastische Arbeit übernimmt und alle Arbeit vom Bogenbauch geleistet wird. Das wird jeden Bogenbauch zerdrücken oder wie Squid es nennt, zu einen Kongress der Stauchbrüche einladen. ;)


Gruß Dirk
Ein Pfeil, den Schaft gemacht aus der Pflanzen hölzern Teil, versehen mit eines Vogels Federn und einer Spitze, aus der Erde Mineral, wird von der Natur gern zurückgenommen.
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laurin
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Re: Sehnenbelag: Vor- u. Nachteile

Beitrag von laurin »

danke Dirk,
hab`s schon befürchtet das dies zu heftig ist. Flachsfaser in epoxy müsste dann wohl sowohl am Rücken als auch am Bauch aufgebracht werden - dann wär ich schon fast beim glasbabsch`n.-bzw. dies ginge wohl einfacher.
Im wikipedia steht zur Flachsfaser ...." In Bezug zur geringen Dichte von Flachsfaser hat sie eine sehr hohe spez. Festigkeit und Steifigkeit, vergleichbar mit Glasfaser"........
=> bei Horn am Bogenbauch ein "biokomposite" ? ohne die Nachteile von Sehnenaufdröseln, Hautleimduft, ewigen wartens und schlussendlicher Feuchtigkeitsempfindlichkeit
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