Bogen aus Osage Orange-Leisten mit Hickorybacking

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Windkanter
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Re: Bogen aus Osage Orange-Leisten mit Hickorybacking

Beitrag von Windkanter »

Hallo,

Hier die Präsentation des (für mich vorerst) fertigen Bogens. Perfekt ist er nicht geworden, aber ich bin zufrieden, er schießt gut.
2026a aufgespannt m Pfeilen.JPG
Daten:
--Bauch: Osage Orange Latten, mit O.O.-Zusatzverstärkung am Griffspleiss.
--Rücken: Bambus (hätte besser etwas dünner sein sollen)
--Bauch und Rücken vor Verklebung separat getillert
--Griff: Ahorn, eingespleisst, Länge 26,5cm incl. Spleissbereich, Schichten schräglaufend zur WA-Ebene und parallel zur Bogenachse
--Nocks: Ahorn, stehende Schichten
--Klebstoff: Epoxidharz L + Härter L (R&G)
--Oberflächenbehandlung: 2x Harttrockenöl (Öl-Harz-Verkochung) von Kremer Pigmente
--Bogenlänge ntn 162,5cm
--Zuggewicht mit überarbeiteter Messeinrichtung 43# @ 71,1cm (28“) und 48# bei 73,7cm (29“) Auszug.
--Gewicht 447g
--Standhöhe: 13,0cm
--Sehnenwinkel bei 29“ (mein Auszug): ca. 92°
--Sehne: 10 Strang, Brownell B-50
--Pfeilgeschwindigkeit bei Auszug 29“ : mit 7,6grpp – 54m/s (177 fps) und mit 6,9grpp – 55m/s (181 fps)
--Arbeitende (biegende) WA-Länge ab Ende fadeout bis Nock: 69,5cm
--Bogenbreite Ende fadeout: 29mm
--Bogendicke Ende fadeout: 17mm, davon Bambus (mit etwas zuviel weicher Innenschicht) 5mm
--Bogenbreite 40mm vor Nockauflage 11mm
--Bogendicke 40mm vor Nockauflage: 10mm, davon Bambus 2,3mm
--Bambusrücken-Dicke von Griff nach Nock gleichmäßig abnehmend
--WA-Form ca. halbpyramidal
--Bambusrücken seitlich mit breiter 45°-Fase, nach aussen auf Null auslaufend, O.O.- etwas mit angefast
-- Wirkung des Bambusbackings bei diesem Bogen: Erhöhung der Zugkraft um ca. das 3-fache gegenüber dem Bogen ohne Backing.
--Schießverhalten: Bei Auszug recht schnell ansteigende Zugkraft, bis mind. 30“ kein Stacking, deutlicher aber weicher und tolerierbarer Handschock. Der Bogen muss beim Lösen, wie bei meinen anderen Langbögen auch, etwas stärker als meine Osmanen gedreht werden (Daumentechnik). Genauigkeit ok.
--Stringfollow: sehr wenig.
--Set: anfangs etwas, auch durch das sehr häufige Aufspannen am Tillerstock (jeweils ca. 20sec.) fürs Fotografieren.dann nach vielem Ausziehen und einigen Schüssen keine Zunahme mehr, s. Foto
--der linke etwas schwächere WA ist momentan der obere WA, Druckpunkt liegt ca. 2cm unter Bogenmitte

Der Nockbereich:
2026a Nockbereich.JPG
Bei 29" Auszug:
Kpl nach 24 Bearbtg AZ ca 29 Zoll Ob WA re Y.JPG
Die WA´s biegen nicht gleich. Der linke (untere) WA verlässt den Griff steiler als der rechte (Fehler beim Einkleben trotz Führung) und der Nock zieht sich am Tillerstock ca. 2,5cm tiefer runter als beim rechten WA. Der linke WA biegt sich griffnäher etwas stärker, der rechte WA eher mittig.
Die von Hieronymus angesprochene Schwachstelle des linken WA ca. 20cm vom Nock entfernt wurde minimal entschärft durch Aufkleben von 3 dünnen sich überlappenden Leinenlagen (noch hell im Foto weil angeschmirgelt, unlackiert), ev. noch nicht ausreichend und nicht ganz lege artis. An dieser Fehlstelle traten sehr flach 2 weichere Schichten an die O.O.-Oberfläche aus, die sich mit dem Ziehblech anfangs unbemerkt stärker als die festeren Schichten abgearbeitet haben. Bei der späteren Bearbeitung des gesamten WA´s wurde diese Fehlstelle zwar immer ausgelassen, was aber für einen Angleich nicht gereicht hat.
Ich nehme jetzt keine weiteren Bearbeitungen mehr vor, ich denke, da würde ich mich als Anfänger bei diesem Bogentyp auf Glatteis bzw. in Richtung „zu zugschwach für mich“ begeben.

Und: Vielen Dank an die „Mitwirkenden“ !!!

Grüße
Windkanter
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Hieronymus
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Re: Bogen aus Osage Orange-Leisten mit Hickorybacking

Beitrag von Hieronymus »

Ja du hast jetzt noch das Beste heraus geholt, tiller ist nicht perfekt, aber ich würde ihn jetzt auch so lassen.

Noch ein Tipp... Wenn du nochmal Osage Bambusbögen baust, dann lass das Osage in der Hauptbiegezone am Bauch breiter, also Trapezförmig. Ich hatte es schon in der Kombi, dass das Bambus den darunter liegenden Osage zerquetscht hat. Bambus ist stärker als manche glauben ! Ja auch Osage kann Stauchbrüche bekommen....

LG Markus
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Re: Bogen aus Osage Orange-Leisten mit Hickorybacking

Beitrag von Benedikt »

Windkanter hat geschrieben: 18.03.2026, 18:52
--Set: anfangs etwas, auch durch das sehr häufige Aufspannen am Tillerstock (jeweils ca. 20sec.) fürs Fotografieren.dann nach vielem Ausziehen und einigen Schüssen keine Zunahme mehr, s. Foto
Hast du auch ein ungespanntes Bild? Ohne das lässt sich das nicht beurteilen.

Ansonsten sieht das doch vernünftig aus :)


Aber da ich da sowieso immer mecker: Die Tipoverlays sind gnadenlos überdimensioniert ;D ;)
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Re: Bogen aus Osage Orange-Leisten mit Hickorybacking

Beitrag von Windkanter »

@ Hieronymus
danke für den Tip, aber O.O. ist alle. Dafür habe ich noch 2 Bambuslatten, von früher einige Straussensehnen und mir gerade ein 1m langes Ofenrohr, D=15cm für eine Temperanlage angeschafft. Mache erst mal Versuche, mal sehn, mich ziehts halt immer wieder zu den kurzen Reflexbögen hin.....

@Benedikt
hier ein Foto, ca. 20h nach Schießen. Ja, das fehlte noch.
Fertig u 10h nach Schießen_2026a_Y.jpg
Tipoverlays: mache ich inzwischen immer so. Ich weiss, das bringt mehr Gewicht. Vielleicht hätte man den Auslauf zum WA hin schmäler machen können....Es liegt die Sehnenkerbe bei meinen Bögen nie im WA-Material (meist direkt drauf). Und speziell hier habe ich etwas ähnliches wie geflippte Enden (die ja auch nicht/kaum mitarbeiten). Die WA´s werden bei gleichem Auszug ein wenig mehr gebogen, als wenn die Sehnenkerbe innerhalb des WA-Endes läge, so meine Denke. Sollte einen Tick mehr speed bringen, wieviel genau wäre dann durch Versuche zu klären und der Negativ-Wirkung durch Mehrgewicht gegenüber zu stellen.

Grüße
Windkanter
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Re: Bogen aus Osage Orange-Leisten mit Hickorybacking

Beitrag von Anasazi »

Ist doch was geworden. Glückwunsch.

Eine Frage hätte ich noch:
du schreibst bis 30" kein Stacking, Sehnenwinkel bei 29" 92° und Zuggewicht bei 28" - 43lbs bei 29" - 48 lbs (also 5lbs Zuggewichtzunahme für den 1").
Mich würde mal interessieren was für dich Stacking ist / wie du es definierst?

In meiner Wahrnehmung fängt Stacking meist kurz vor dem Erreichen des 90° Winkels an und eine Zuggewichtszunahme von 5lbs / zoll deuten auf einen sehr schnellen Anstieg des Zuggewichtes (steile Auszugskurve) in diesem Auszugsbereich (Stacking)?
Wie ist denn die Zuggewichgszunahme von 25 auf 26, von 26 auf 27, von 27 auf 28. Und wie ist der Sehnenwinkel bei 27 und 28?
Windkanter
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Re: Bogen aus Osage Orange-Leisten mit Hickorybacking

Beitrag von Windkanter »

@ Anasazi

Stacking ist für mich eine sehr schnelle Zuggewichtszunahme, markant und wesentlich schneller als zuvor die sehr schnell in ein "Weiterziehen kaum noch möchlich" mündet, obwohl man die Kraft dazu hätte. Ungefär so, für meine Bedürfnisse reicht diese Definition, nach dieser Definition habe ich früher vor allem bei mehreren Kaufbögen schon um 29" das unangenehme Erlebnis gehabt.
Wie Du auch schon andeutest, ist der Stackingbeginn eine individuelle Wahrnehnung, üblicherweise ausreichend. Ich glaube nicht, daß es da einen genauen exakt bestimmbaren Winkel dafür gibt, da Stacking (auch wenns schnell geht) ein -wenn auch kurzer- kontinuierlicher Prozess ist. Und "kurz vor Erreichen des 90°-Winkels": mit oder ohne (wie hoch) erhöhte Nockpunkte, mit Flips (wo messe ich da an der Biegung) ?. Meine Sehnenwinkelangabe "ca. 92°" ist mit einem genauen Auge geschätzt aus dem Foto und bezieht sich auf den Winkel zwischen Sehne und gerader Bauchstrecke unter dem Nock.

Die Zuggewichte, die ich und auch andere angeben, sind meiner Meinung nach in aller Regel Mittelwerte von nichtkalibrierten Messgeräten bei minimal schwankenden Auszügen. Reicht völlig.

Eine Zuggewichts-Auszugs-Kurve erstelle ich nicht, brauche ich nicht. Die wird sich nach und nach ohnehin noch etwas ändern. Mein mobiler Tillerbaum hat fixe Abstände (u.a. 58cm = ca. 23", 73cm = ca. 29"), zum Winkelmessen muss ich einspannen, Foto machen, abspannen und dann aus dem Foto den Winkel messen, kurzweilig. Eine neue bessere Einrichtung bereitet Platzprobleme und dann braucht es Zeit und wozu?

Grüße
Windkanter
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Re: Bogen aus Osage Orange-Leisten mit Hickorybacking

Beitrag von Anasazi »

Ich glaube schon, dass der Sehnenwinkel (gemessen zur Sehnenkerbenbasis) schon einiges aussagt. Ab 90° ziehst du nicht mehr wesentlich an der Biegung der Wurfarme, sondern du versucht die Wurfarme in die Länge zu ziehen und die Gefahr bei kleinen Nocken und pin Nocks vofwiegend, dass die Sehnenöhrchen einfach vom Bogen gezogen werden, ist groß
Bei so einer Nockkerbe wie bei deiner geht die Sehne nicht leicht runter, dass ist ein Vorteil.


Ach und wegen der Messungen, kein Problem, ich mache sowas meist auch nicht, sondern schiesse einfach mit dem Bogen ;)
Windkanter
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Re: Bogen aus Osage Orange-Leisten mit Hickorybacking

Beitrag von Windkanter »

@ Anasazi
Ja, natürlich hast Du recht, es sagt der Sehnenwinkel viel aus. Und ab 90°kommt man in den Bereich so wie Du schreibst. Aber: mit der rel. hohen Lage der Nockkerbe gewinne ich noch einen winzigen Tick, glaube ich jedenfalls. Viel weiter möchte ich es mit der Nockkerb-Höhe nicht treiben, einmal wegen der Gewichtszunahme und dann habe ich Sorge daß der Bogen umschlagen könnte. Ich muss den Bogen beim Aufspannen die ersten 10-15cm schon gut gegen Verdrehung festhalten.
Grüße
Windkanter
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