Der Anfänger und die Esche

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WaBo
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Der Anfänger und die Esche

Beitrag von WaBo »

Hallo zusammen!

Nachdem letztes Jahr der Beweis erbracht wurde, dass sich Baumarktholz nicht zum Bogenbau eignet, folgt nun der zweite Versuch. ;)

Dieses mal wurde versucht, die gröbsten Fehler vom letzten Mal zu vermeiden, daher habe ich mir erstmal einen richtigen Stave besorgt. (normals herzlichsten Dank an Ravenheart.)

Und der hat es in sich:
Es ist eine Esche von 2002(!), mit Reflex, Deflex und horizontalen Wellen. Also alles dabei was man sich als Anfänger wünscht ;D
Lehrreich wird es also auf jeden Fall.

Ich habe die Zeit auch genutzt und mir mal ordentliches Werkzeug wie Ziehmesser und Ziehklinge besorgt. (Der erste Bogen hat im Grunde nur Raspel, Feile und Schleifpapier gesehen.)

Der Stave ist 186cm lang. Ich plane erstmal einen 180cm Flachbogen mit 35-40#@28". Esche soll ja sehr zu Set neigen, daher hätte ich damit noch genug Länge um ihn später zu kürzen und auf 40# zu bringen.

Ich habe heute schon die Form herausgearbeitet und angefangen, den Rückenring freizulegen. Der ursprüngliche Rücken hatte leider ein paar tiefe Macken drin, daher musste er weg. Außerdem muss ich das auch mal üben.


Nun ein paar Fragen:
1. Im Griffbereich weicht die Scheitellinie etwa 0,5-1cm von der End to End Linie ab. Da sie in Richtung Pfeil weg vom Pfeil abweicht, bin nicht sicher was für den Griff besser ist. Folge ich der Faser, liegt der Pfeil später mittiger, aber der Griff wird schief und beim Auszug will sich der Bogen in meiner Hand drehen, oder?

2. Beim Freilegen des Rückens gibt es kleine Stellen, die echt hart(näckig) sind und die ich mit der Ziehklinge kaum weg bekomme, ohne das umliegende Holz mit anzukratzen. Da merkt man wohl, dass das Holz inzwischen volljährig ist...
Mit der Raspel möchte ich da eigentlich ungern ran. Wie bekomme ich die Stellen am sichersten runter? Schleifpapier?

3. Der hintere Jahresring ist jetzt relativ dick (bis zu 15mm). Gibt es da eine Maximaldicke? Irgendwo hab ich mal gelesen, dass zu dicke Ringe auch nicht gut sind.

Wenn ich etwas übersehe oder falsch mache, schreit bitte ganz laut ;)

Hier noch ein paar Bilder:
Dateianhänge
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Zuletzt geändert von WaBo am 31.01.2021, 23:27, insgesamt 1-mal geändert.
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schnabelkanne
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von schnabelkanne »

Servus, Ziehklingen neuen Grad anziehen (YouTube Videos) dann geht das schon und wenn der Ring 1,5 cm ist dann kannst du schon viel verletzen bevor es letal wird.
Lass den Griff noch etwas breiter (3,5 cm) und die Enden noch 2 cm breit dann kannst du auf Standhöhe noch gut korrigieren.
An den Enden kannst du ja 1 cm von der Scheitellinie weg um im Griff mittig zu sein.
Zur Qualität ist anhand der Fotos nichts zu sagen außer generell sollte der Anteil vom Frühholz möglichst gering sein, es wird sich zeigen.
Lg Thomas
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von fatz »

WaBo hat geschrieben: 31.01.2021, 19:15 Da sie in Richtung Pfeil abweicht, bin nicht sicher was für den Griff besser ist.
Dreh doch einfach den Stave um, dann kannst der Faser folgen und hast n natuerliches Schussfenster ::)
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WaBo
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von WaBo »

In der Mitte bekomme ich Sehne und Scheitellinie definitiv nicht zusammen. Das gibt der Stave nicht her.

Das mit der Ziehklinge schaue mich mal an.
Ich werde morgen auch mal bessere Fotos machen, wenn das Tageslicht mehr hergibt.
fatz hat geschrieben: 31.01.2021, 20:24
WaBo hat geschrieben: 31.01.2021, 19:15 Da sie in Richtung Pfeil abweicht, bin nicht sicher was für den Griff besser ist.
Dreh doch einfach den Stave um, dann kannst der Faser folgen und hast n natuerliches Schussfenster ::)
Ah, halt. Da hab ich was verdreht. Sollte anders herum sein. Das natürliche Schussfenster habe ich ja. Die Frage ist, ob ich im Griff lieber der Sehne folge oder der Faser. Wenn der Griff nicht mittig ist, greife ich den Bogen ja etwas zu weit rechts. Führt das beim Auszug nicht zu einer Linksdrehung? Oder ist das bei 1cm egal und ich denke hier zu kompliziert?
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fatz
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von fatz »

WaBo hat geschrieben: 31.01.2021, 21:24 Wenn der Griff nicht mittig ist, greife ich den Bogen ja etwas zu weit rechts. Führt das beim Auszug nicht zu einer Linksdrehung?
Ich wuerd der Faser folgen und schaun was passiert. Wenn's ned passt kannst am Schluss immer noch daempfen.
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von schnabelkanne »

Lass den Griff noch etwas breiter und wenn du auf Standhöhe bist siehst du genau wie die Sehne verläuft, dann hast du viele Korrekturmöglichkeiten (Umdrehen, Griff und Tips schmälern, Dämpfen, HLP, Wolfscher Keil.....) der Stave ist ja eh fast gerade, das wird schon. Ganz gerade ist Holz nie!
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von Kemoauc »

Ok,40#.. dann arbeite auf mehr,das vermeidet Enttäuschung. ;) Ist ganz normal,das man anfangs auf ein bestimmtes Zuggewicht arbeitet und dann hier und da noch was wegnehmen muß und letztendlich weit drunter landet. ::)
Es ist einfach Erfahrungssache,wie zielgerichtet man vorgehen kann. Wenn du den Mittelteil deines Bogens steif lässt,hast Du ein bequemes Schussfenster,allerdings durch die geringere Biegelänge der WAs die Pflicht ,sorgfältiger an der Biegung zu arbeiten.
Bei deiner Länge sollte das allerdings kein Problem sein. Insofern,das Zuggewicht ins Kalkül gezogen, kannst du auch das eine etwas krumme Ende einfach zurechtschneiden,so dass es passt.Sollte der Bogen beim Auszug dann etwas kippen,einfach etwas Holz seitlich unterhalb des Schussfensters aufleimen. ;)
Grüßle,
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WaBo
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von WaBo »

schnabelkanne hat geschrieben: 31.01.2021, 22:25 Lass den Griff noch etwas breiter und wenn du auf Standhöhe bist siehst du genau wie die Sehne verläuft, dann hast du viele Korrekturmöglichkeiten (Umdrehen, Griff und Tips schmälern, Dämpfen, HLP, Wolfscher Keil.....) der Stave ist ja eh fast gerade, das wird schon. Ganz gerade ist Holz nie!
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Guter Plan. Vielleicht ist die Sehne am Ende ganz woanders, sobald er auf Standhöhe ist. :D
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von schnabelkanne »

Servus, schau dir mal den Griff von Heidjer an ist eine zusätzliche Möglichkeit.
Lg Thomas
viewtopic.php?f=15&t=32030&start=15#p572720
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von WaBo »

Den Z Griff heb ich mir wohl für ein anderes Exemplar auf. Irgendwie passt der mir hier gefühlt nicht.

Langsam nimmt der Bogen aber Form an, sowohl in meinem Kopf, als auch real... :D

Der Rückenring ist fertig freigelegt, Grifflage und Oben/Unten sind definiert, die Form hat noch ein paar mm über (wird auf Standhöhe finalisiert. Danke für den Tip) und ein wenig Dicke am Bauch ist grob herunter. An Bodentiller ist allerdings noch nicht zu denken.

Aber leider hat sich auch wieder die Garstigkeit im Holz gezeigt, und zwar in Form eines kleinen Astes am Rand des oberen WAs. Der hatte sich vorher sehr geschickt im Stave versteckt. Zumindest war er für mich nicht als solcher zu erkennen...

Jemand eine Idee wie ich das am besten handhabe? 43mm Breite sind noch da.

Bilder im Anhang.
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von fatz »

WaBo hat geschrieben: 01.02.2021, 18:23 Jemand eine Idee wie ich das am besten handhabe? 43mm Breite sind noch da.
Vorsichtig mit dem Dremel rausfraesen, evtl. noch leicht aufbohren und mit Epoxi einen Dubel einpappen
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von Neumi »

WaBo hat geschrieben: 01.02.2021, 18:23Jemand eine Idee wie ich das am besten handhabe?
Aktuell einfach ignorieren, ich gehe davon aus, dass der weg fällt.
Grüße - Neumi
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von WaBo »

Hmmm, ich glaube komplett weg bekomme ich den nicht. Das seitliche Loch wird wohl als kleine Kerbe an der Ecke bleiben.
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von schnabelkanne »

Servus, ist kein Drama der kl. Ast, wenn du nicht sicher bist ob er rausfällt dann halt Dübel reinl oder ich mach immer ein Gemisch aus Epoxy und feinem Sägemehl und lass es mit dem Fön ins Loch reinlaufen (vorher ausbohren), auf einer Seite natürlich mit Klebeband verschliessen.
lg Thomas
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Re: Der Anfänger und die Esche

Beitrag von WaBo »

Ich hab nochmal gemessen und beim Tillern wird das meiste wohl wegfallen, also auch alles was ich da rein baue, oder? Da dürfte mMn. nur eine runde Kerbe an der Kante zwischen Bauch und Seite bleiben. (siehe Bild)
Ploppt der Rest vom Dübel, bzw. die Restfüllung dann nicht eh raus, sobald ich den Bogen biege?
Oder hält Epoxy solche "halben Sachen"? Ich hab da bisher kaum mit gearbeitet.

Danke an alle für die bisherigen Tipps.
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Kerbe.jpg
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