@Taran @Jojo @Niels: Im Nydam-Moor, einem germanischen Opferplatz der römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit, wurden mindestens 193 Pfeile (vorwiegend aus Kiefer-, anhand der Fragmente geschätzt 12-14 aus Eschenholz) gefunden. Die Länge der Schäfte liegt i.d.R. zwischen 75 und 80 (63 - 85,4) cm. Die Nocke ist, wie bei frühmittelalterlichen Pfeilen üblich, verbreitert, der Befiederungsbereich in den meisten Fällen mit einer kleinen Stufe gegen den Schaft abgesetzt. Hier wurde eine durchgehende Birkenteerschicht aufgebracht, um die Befiederung anzukleben. Bewickelt wurde die Befiederung mit Pflanzenbasten, nachgewiesen sind fein gezwirnter Nessel, Hanf und Flachs. Die meisten Federlängen liegen bei 9,3-11 (8-12) cm. Es wurden 25-50 (22-76) Umwicklungen pro 10 cm durchgeführt. Zur Befiederung wurden vorwiegend Seeadlerfedern (!) verwendet, etwa zur Hälfte vom linken oder rechten Flügel. In der Regel wurden
4 Federn gerade zur Längsachse, also nicht mit Drall und nicht schräg versetzt, in
90° geklebt: von 126 Pfeilen 42 kreuzförmig, 66 X-förmig und 18 abweichend, davon zwei Fünffach- und eine Dreifachbefiederung. Über die Form der Befiederung läßt sich keine Aussage mehr machen.
Die Pfeilschäfte waren übrigens auf der Nock, vor der Befiederung und gelegentlich hinter der Spitze mit runenartigen Einritzungen verziert, welche als Eigentumsmarken gedeutet werden.
Aufgrund der großen Variationsbreite der Qualität und Ausführung muß davon ausgegangen werden, daß damals jeder Bogenschütze seine Pfeile selbst hergestellt hat:
Die Vorfahren von Fletcher's Corner sind gefunden!
Literatur: Paulsen, Harm: Bögen und Pfeile, In: Bemmann, G. und J.: Der Opferplatz von Nydam. Die Funde aus den älteren Grabungen: Nydam-I und Nydam-II. Bd. 1: Text. Neumünster: Wacholtz Verlag 1998, S. 387 - 427
Gruß, horsebow