Wacholderrettung

Themen zum Bogenbau
Gornarak
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 3476
Registriert: 22.03.2011, 21:23

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Gornarak »

Hab auf ganzer Wurfarmlänge geschwächt und in Griffnähe etwas weniger weggenommen. So ist er jetzt entspannt:
Bogen entspannt
Bogen entspannt
So sieht er bei fünfzig Pfund aus. Die stellen, an denen ich Material abtragen werde habe ich mal gelb markiert. Gibt's Einsprüche?:
Bogen bei 50 Pfund
Bogen bei 50 Pfund
Gornarak
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 3476
Registriert: 22.03.2011, 21:23

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Gornarak »

Ich hab schonmal weitergetillert. So sieht er entspannt aus:
Bogen entspannt
Bogen entspannt
So bei 50 Pfund:
Bogen bei 50 Pfund
Bogen bei 50 Pfund
Auch wenn der linke der untere Wurfarm wird ist er mir insgesamt zu stark. Außerdem biegen sich du Wurfarmenden für meinen Geschmack zu wenig mit. Bereiche, an denen ich Material wegnehmen möchte, hab ich gelb markiert. Doppelt bedeutet mehr.
Bevor ich da was versaue wüsste ich gerne eure Meinung dazu.

Edit: Meint ihr, ich kann ihn ruhig schonmal aufspannen, um zu sehen, wie die Sehne verläuft, oder sollte ich damit noch etwas warten, bis er sich mehr biegt?
Benutzeravatar
Tom Tom
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 3975
Registriert: 10.07.2011, 15:07
Hat gedankt: 5 Mal
Hat Dank erhalten: 27 Mal

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Tom Tom »

moin

ich würde noch warten mim aufspannen bis er sich noch weiter biegt und die wurfarme "runder" sind

ich finde auch das der linke wurfarm noch zu steif ist

lg Tom Tom
Zeit ist eine durchaus relative Angelegenheit
Gornarak
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 3476
Registriert: 22.03.2011, 21:23

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Gornarak »

Puh, ich hab ordentlich Material abgenommen und der Bogen wird auch immer flacher. Allerdings hab ich den Eindruck, dass der gar nicht schwächer werden will. Ein bischen Set hat er inzwischen bekommen:
Bogen entspannt
Bogen entspannt
Die Bereiche, an denen ich weiter abtragen möchte, habe ich gelb markiert. Doppelt markiert bedeutet auch mehr Materialabnahme. Gebt mal bitte euren Senf dazu ab auch wenn ihr nicht sicher seid. Ich brauch einfach noch (mindestens) eine andere Meinung als meine eigene:
Bogen bei 50 Pfund
Bogen bei 50 Pfund
Benutzeravatar
Galighenna
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 8836
Registriert: 19.07.2004, 21:59

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Galighenna »

Links biegt sich wirklich schon gar nicht mal schlecht. Man sieht das du einiges getan hast. Das der rechte WA so schwach ist, ligt daran das er an der deflexen Stelle nahe des Griffes eine Schwachstelle hat. Wenn der Linke WA so weit ist, musst du die Schwachstelle da rechts unbedingt entlasten.
Das von dir rechts eingezeichnete geht nicht weit genug. Vom griff aus gesehen darf sich der WA auch zwischen der 2. und 3. Linie noch etwas mehr biegen. Aber zuerst musst du den linken WA anpassen.

Wie weit ziehst du den Bogen bisher? evtl wird es schon Zeit, die Sehne zu kürzen und auf 1/3 oder 1/2 Standhöhe zu bringen. Dadurch verändert sich der Tiller ebenfalls nochmal.

PS: Wenn du Zahlen oder Buchstaben an den Linien auf dem Brett hättest, könnte man sehr viel leichter die Stelle nennen die man meint ;)
Übel übel sprach der Dübel,
als er elegant und entspannt
in der harten Wand verschwand

Wer das Forum unterstützen möchte, möge auf den Paypal-Button klicken, oder einen der Moderatoren um die Kontodaten bitten ;)
Gornarak
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 3476
Registriert: 22.03.2011, 21:23

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Gornarak »

Danke für deine Hilfe. Das ist für mich Gold wert. Hab den linken (unteren) Wurfarm weiter geschwächt und jetzt kommt der Schlingel auch.

Was meinst du damit, wie weit ich den Bigen bisher ziehe? Die waagerechten Linien sind vier Zoll auseinander. Inzwischen biegen sich die Tips also auf ca 10 Zoll.

Die Zahlen am Tillerbrett will ich irgendwann noch einbrennen. Das dauert momentan zu lang. Erst ist der Bogen dran. Provisorisch hab ich jetzt zunächst Klebezettel angebracht:
Bogen entspannt
Bogen entspannt
Bogen bei 50 Pfund
Bogen bei 50 Pfund
Stellen für den Materialabtrag hab ich wieder markiert. Jede Meinung ist willkommen!
Benutzeravatar
Chirion
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 2584
Registriert: 21.09.2010, 12:20

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Chirion »

Die deflexe Stelle zwischen 1 und 2 bestimmt wie es mit dem Bogen weitergeht. Die Schwachstelle ist schon sehr deutlich, wenn du griffseitig von der Schwachstelle Material abnimmst achte darauf nicht bis in den Bereich der Schwachstelle hineinzuarbeiten, jedes Bisschen Material das dort weg kommt kostet dich am Ende Zugkraft, schon jetzt wird einiges an Zugkraft verloren gehen bis die Schwachstelle ausgeglichen ist. Du musst auch auf 2 Material abnehmen sonst wird die Schachstelle mit zunehmender Biegung immer stärker. Noch etwas, an den ausseren Abschhnitten der Wurfarme würde ich nichts mehr wegnehmen bis die Sehnen Länge passt' die werden sonst mit dem falschen Sehnenwinkel der Tillersehne ganz gut aus sehen, aber zu schwach sein und in Richtung Peitschentiller gehen wenn du die Sehne verkurzt
Chirion lehrt Pfeil und Bogen zugleich zu sein und eins mit dem Ziel zu werden

Den Bogen gespannt, durchstreifst du, der Beute entgegen, die Schattentäler der Nacht
Gornarak
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 3476
Registriert: 22.03.2011, 21:23

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Gornarak »

Danke für die vielen Hinweise. Der Bogen hatte trotz aller Sorgfalt auf dem Rücken ein paar kleine Macken abbekommen. Deswegen entschied ich mich, die Oberfläche zu burnishen, also zu verdichten. Dazu hab ich eine Weinflasche verwendet:
Burnishen des Rückens
Burnishen des Rückens
Danach habe ich an den markierten Bereichen Material abgenommen und peinlich genau darauf geachtet, am deflexen Bereich nichts mehr wegzunehmen. Die Stelle habe ich mir extra direkt auf dem Bogenbauch markiert. Hier der Bogen auf reduzierter Standhöhe:
Reduzierte Standhöhe
Reduzierte Standhöhe
Hier ist der Sehnenverlauf:
Sehnenverlauf
Sehnenverlauf
Dann hab ich den Bogen ganz langsam auf 50 Pfund ausgezogen. Erst zehn Züge auf 20, danach zehn Züge auf 30, zehn Züge auf 40, drei Züge auf 50 ...
Bogen bei 50 Pfund
Bogen bei 50 Pfund
Rückansicht bei 50 Pfund
Rückansicht bei 50 Pfund
Mann war das ein Knall. Bin ich froh, dass ich weit genug weg stand. Zerlegt hat es den Bogen in der Nähe der Schwachstelle im Übergang vom deflexen in den reflexen Bereich. Es hat das Holz geradezu delaminiert und zwar fast bis in den Fade-Bereich an den Tips.

Die Frage ist jetzt, was ich falsch gemacht habe. Heulen klebt den Bogen ja leider nicht zusammen. Ich hab wirklich nur vor der Schwachstelle im Fade am Griff was weggenommen. Hätte ich nicht burnishen sollen? In der Werkstadt war es saukalt (kein Frost). Den Bogen hatte ich aber im Warmen gelagert. Kann das der Grund sein?Hab ich ihn doch zu schnell auf 50 Pfund gebracht? War was mit dem Holz nicht in Ordnung?

Ich überleg jetzt, den Spleiß wieder auszusägen und nen neuen Wurfarm dranzukleben. In ca drei Wochen kann ich mir frischen Wacholder organisieren. Der muss dann zwar noch trocknen und deswegen wird in diesem Beitrag ne Weile Pause sein, aber zumindest hab ich ja den halben Bogen schon fast fertig. Meint ihr das ergibt Sinn, oder soll ich auch den intakten (stärkeren) Wurfarm feuerbestatten?

Edit 1: Achso, ich glaub, ausgezogen war die Sehne nichtmal auf 20", falls das von Interesse ist.

Edit 2: Nach der ersten Trauer und Wut überwiegt die Neugier. Ich glaub, ich hab Stauchrisse gefunden:

Stauchrisse?
Stauchrisse?
Die liegen allerdings knapp hinter der eigentlichen Schwachstelle kurz vor dem reflexen Bereich.[/i]
Benutzeravatar
Finglas
Full Member
Full Member
Beiträge: 105
Registriert: 31.10.2009, 16:44

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Finglas »

Erst mal mein Beileid. Schade.
Und ja, das sind Stauchrisse. Die sind aber nicht ursächlich für den Bruch. Der kam ja vom Rücken her. Verstehe ich recht das die Stauchrisse im Bereich ca 1,3 - 1,4 zu finden sind? Chirion hat ja schon auf die Stelle hingewiesen und man sieht ihr auch an das da das Holz ganz schon unter Druck gewesen sein muß.

Es grüßt, der Finglas
Benutzeravatar
Chirion
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 2584
Registriert: 21.09.2010, 12:20

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Chirion »

Hallo und Beileid, ist immer Mist wenns einen Bogen am Tillerbrett zerreißt, ich denke die Stauchrisse sind erst beim Bruch entstanden, der Bruch ging vom Rücken aus und da staucht es da den Bauch zusammen beim abbrechen.
Ob das rumquetschen am Bogenrücken was damit zu tun hat, kann ich nicht sagen hab keine Erfahrung damit, aber ich glaub auch nicht das das was bringt. Wacholder ist sehr unterschiedlich hart, nicht nur von Sorte zu Sorte auch innerhalb einer Sorte können abhängig vom Standort große Unterschiede auftreten, die weicheren sind natürlich am Rücken recht empfindlich, und eine Macke ist immer für einen Bruch gut. Bei Wacholder gilt wie bei Eibe die mit den dünneren Ringen sind normal die Härteren
Chirion lehrt Pfeil und Bogen zugleich zu sein und eins mit dem Ziel zu werden

Den Bogen gespannt, durchstreifst du, der Beute entgegen, die Schattentäler der Nacht
Gornarak
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 3476
Registriert: 22.03.2011, 21:23

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Gornarak »

Die Stauchringe sind eher so bei 1,6 bis 1,8. Der Rücken ist bei ca. 2,2 gerissen. Da war eine ca 1mm breite Macke, die auch relativ stark in den obersten Jahresring ging allerdings nicht komplett durch. Meint ihr also, der Bruch kam da her und hatte nichts mit der Temperatur zu tun oder damit, dass ich das Zuggewicht zu schnell auf 50 Pfund gebracht habe?
Benutzeravatar
Wilfrid (✝)
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 6165
Registriert: 04.06.2007, 16:16
Hat Dank erhalten: 1 Mal

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Wilfrid (✝) »

Da war also eine Macke im Rücken? und dann "Bügelst"Du das Dingen und wunderst Dich , das es knallt?
Wenn ne Macke im Rückern ist, so ne schöne Kerbe, knallts immer. Da kann das Holz nicht halten, es ist ja nicht mehr da
Benutzeravatar
Blacksmith77K
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 6025
Registriert: 17.09.2010, 22:55
Hat Dank erhalten: 3 Mal

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Blacksmith77K »

Chirion hat geschrieben:Bei Wacholder gilt wie bei Eibe die mit den dünneren Ringen sind normal die Härteren
Kurze Korrektur sollte erlaubt sein. Feinere Ringe haben nichts mit der Härte des Holzes zu tun. Die Härte hängt von der Dichte des Holzes ab und die kann selbst bei 2mm Ringen weitaus höher liegen, als bei einer sehr feinjährigen Eibe.
Dazu noch andere Faktoren, die das Holz mehr oder weniger flexibel/drucktolerant wachsen lassen.
...du biegst nicht den Bogen, der Bogen biegt Dich!

76" Yew Warbow (ELB) 135#@32"
74" Yew Warbow (ELB) 105#@32"



...and several yew warbows...
Benutzeravatar
Tom Tom
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 3975
Registriert: 10.07.2011, 15:07
Hat gedankt: 5 Mal
Hat Dank erhalten: 27 Mal

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Tom Tom »

Das is wirklcih blöd gelaufen mein Beleid

lg Tom Tom
Zeit ist eine durchaus relative Angelegenheit
Gornarak
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 3476
Registriert: 22.03.2011, 21:23

Re: Wacholderrettung

Beitrag von Gornarak »

Danke für eure Beileidsbekundungen. Ein bischen war dieser Wachholder ja von Anfang an eher ein Übungsstück und bisher hab ich ja auch ne Menge dran gelernt. Mir hat man mal gesagt, dass jemand, dem noch kein Bogen zerbrochen ist, auch kein Bogenbauer ist.
Wilfrid hat geschrieben:Da war also eine Macke im Rücken? und dann "Bügelst"Du das Dingen und wunderst Dich , das es knallt?
Was die Macke angeht, wunder ich mich jetzt nicht komplett. Grundsätzlich habe ich die vorher gesehen und gehofft, dass der Bogen das abkann. Vielleicht hast du ja auch den falschen Eindruck, von deren Ausmaßen. Ich hab mal versucht, Fotos zu machen. Das war allerdings selbst mit Makrofokus schwierig:
Panorama der Bruchstelle
Panorama der Bruchstelle
Portrait der "Macke"
Portrait der "Macke"
Ich hab halt bei Comstock gelesen, dass Burnishing gegen Brüche am Rücken helfen soll. Da hielt ich das für ne gute Idee. Meinst du also, dass das die Ursache war oder wär der Bogen an der Stelle trotzdem gebrochen? Ein bischen wundert mich schon, dass er vorher die 50 Pfund mitgemacht hat. Muss dass jetzt am Burnishing liegen oder kann auch die Sehnenverkürzung daran Schuld sein? Zusätzlich hab ich den Bogen ja an anderen Stellen auch leicht geschwächt, um die Biegung schöner zu machen. Dadurch ist dann die Macke vermutlich auch stärker belastet worden.

Was haltet ihr von der Idee, den geborstenen Wurfarm abzusägen und einen neuen einzuspleißen?
Antworten

Zurück zu „Bogenbau“