Hallo Dechselfreunde,
die hohen Preise bei Dick und die ordentlichen eBay-Gebote für Dechseln haben mich auch zuerst abgeschreckt. Eine Dechsel wollte ich aber trotzdem haben. Von einem älteren Arbeitskollegen, der in der Messermacherszene und als Damastschmied große Anerkennung genießt (Herr Ulrich Gerfin, siehe Messerforum.net) und wie so viele Juristen noch ein paar Synapsen frei hat, habe ich mir dann vor einiger Zeit im Tausch gegen einen Stave eine Dechsel schmieden lassen, der Stiel (Ahornrest) ist von mir:
Das Werkzeug wiegt gut 500 Gramm, was für einarmiges Hauen nach 5 Minuten recht viel ist.
Der Kopf ist etwa 15 cm lang, die Schneide ist etwa 8 cm breit, der Griff liegt bei etwa 30 cm. Die vielen Schrauben sind durch einen Konstruktionsfehler bedingt. Der Kollege sagte mir gleich, dass ihm das Auge für den Stiel (fachlich richtig wohl das "Haus") zu kurz geraten sei, das führe beim Arbeiten zum Kippen bzw. Verkanten, weil der Stiel zu viel Spiel oder zu wenig Halt hat. Die Schrauben halten aber ganz gut. Allerdings setze ich die Dechsel beim Bogenbau kaum ein, da zumindest ich mit einem Ziehmesser und einem fest eingespannten Stück Holz schneller und viel präziser arbeiten kann. Ist aber sicher ein feines Werkzeug.
Der Kollege hat mir zudem ein zierliches Beil im Stil eines Zimmermannsbeils mit seitlich angesetzter und einseitig geschliffener Schneide gemacht (da ruft Dick vergleichbare Preise auf), auch wieder mit Schneide aus Feilenstahl, den man saumäßig schärfen kann, was mir der Kollege auch beigebracht hat. Mit einem Gewicht von knapp 400 Gramm ist das Teil viel leichter als die Zimmermannsbeile bei Dick und kann daher ganz gut einarmig eingesetzt werden, um ähnlich wie mit einer Dechsel Staves mehr oder weniger grob zuzurichten:
Überhaupt ist es für Bogenbauer ganz vorteilhaft, einen Schmied im Bekanntenkreis zu haben, der auch am Bogenschießen interessiert ist und gerne tauscht. Ich habe noch einige handgemachte Werkzeuge mehr sowie viele Ratschläge von ihm bekommen. Und ich kann jetzt nachvollziehen, dass früher der Dorfschmied für das Werkzeugmachen zuständig war.
Viele Grüße
Christian