Vorstellung und Frage zum aktuellen Projekt

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Pite86
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Vorstellung und Frage zum aktuellen Projekt

Beitrag von Pite86 »

Hi, mein Name ist Oliver und ich bin neu hier im Forum.
Die Bogensucht hat mich vor ungefähr anderthalb Jahren befallen. Angefangen hat es mit Manau-Bögen für mich und meinen Sohn. Das Wissen rund um den Bogenbau habe ich mir hier aus dem Forum und bekannten Videoplattformen gekla.. erarbeitet.

Danach kam ein Eschenstave zu mir und wurde zu einem 26# auf 28" Møllegabet, inklusive 1,5" Set. ;D

Letztes Jahr konnte ich zwei Robinien- und einen Ulmenstave ergattern. Die Ulme wartet sicherheitshalber noch etwas, und ich habe mich einer Robinie gewidmet. Der Splint war leider unbrauchbar (stark dunkel eingefärbte und spröde Stellen), und ich musste sogar die ersten zwei Jahresringe entfernen (sie waren maximal 2–3 mm dick). Der folgende Jahresring hatte dann ca. 6-8 mm.

Jetzt stehe ich vor folgendem Problem:
- Ein Wurfarm ist deflex.
- Der andere Wurfarm ist reflex.
- Der deflexe Wurfarm hat zusätzlich eine leichte Verdrehung, die aber beim Auszug bisher gleich bleibt.

Meine Frage ist jetzt: Wie würdet ihr hier weiter verfahren, wenn die Wurfarme so gegensätzliche Richtungen aufweisen? Den reflexen Wurfarm so lange weiter schwächen, bis er auf Standhöhe ungefähr gleich zum deflexen Wurfarm ist?
Erst dann beidseitig weiter Material gleichmäßig wegnehmen um auf das Zielgewicht zu kommen?

Noch ein paar Daten zum Soll-Bogen:
Länge: NTN 67–68"
Biegender WA-Bereich ca 58cm
Zielzuggewicht: 35# auf 28"
Design: Møllegabet (ich stehe einfach auf den Look ::) )

abgespannter Bogen
PXL_20260426_190100692.jpg
deflexer Bereich hinter Fadeout
PXL_20260426_190114405.jpg
5" aktuelle Standhöhe, Mehr wollte ich erstmal nicht wagen
PXL_20260426_190207359_1.jpg
Auszug bei ca. 13" (30#)
PXL_20260426_190228865.jpg
Ps. Die Tips werden später noch knapp jeweils 1" eingekürzt und auch filigraner ausgearbeitet. Da muss noch jede Menge Gewicht weg aber fürs tillern reichts mir erstmal so.

Ich freu mich auf euer konstruktives Feedback und hoffentlich reichlich Tips :)

Viele Grüße
Olli
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Ravenheart
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Re: Vorstellung und Frage zum aktuellen Projekt

Beitrag von Ravenheart »

Wichtig ist erst mal: der untere WA soll immer der schnellere sein... das ist der reflexe, also muss der nach unten.
Im technischen Sinne perfekt wäre, wenn beide WA sich um das gleiche Maß biegen.
Nehmen wir die gerade Linie als 0 an, und der Deflexe steht z.B. schon bei -2, der Reflexe bei +1, dann wäre technisch perfekt, im Vollauszug ist der Deflexe bei -22, der Reflexe bei -19.... ABER...
DAS sieht sch...e aus!
Also macht man am besten einen Kompromiss, so dass bei Vollauszug der Deflexe bei -21 steht, der Reflexe bei -20.
(Die Zahlenwerte haben keine Bedeutung, es geht nur um das Verhältnis als Beispiel!)

Damit so der Reflexe etwas mehr als technisch perfekt gebogen wird, muss er etwas dünner gemacht werden, dadurch wird er aber auch leichter, so dass er der schnellere bleibt! Und wahrscheinlich sieht der Bogen auf Standhöhe dann immer noch etwas unsymmetrisch aus, im Vollauszug aber gut.

Rabe
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Re: Vorstellung und Frage zum aktuellen Projekt

Beitrag von Bogenbas »

Sehr schön beschrieben, Rabe. Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer das dir der Tiller bis hier gut gelungen ist. Weiter so 👍🏻
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Re: Vorstellung und Frage zum aktuellen Projekt

Beitrag von MrCanister123 »

Das Problem haben wir alle des Öfteren mit den deflexen Stellen..

Am Anfang siehts kritisch aus, Vollauszug passt dann aber.

Würde einfach beim Tillern darauf achten dass du den deflexen Bereich im linken WA schonst und ordentlich Holz stehen lässt.
Aber links und rechts davon an den steifen Stellen kannst was abtragen, dass er sich da mitbiegt.
PXL_20260426_190228865.jpg
_________________________________________________________________________________________________________
Schaffa Schaffa Häusle baua
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Re: Vorstellung und Frage zum aktuellen Projekt

Beitrag von Pite86 »

Danke erstmal für die tolle Beratung.

Ich konnte gestern etwas am Bogen weiter bauen und habe den Reflexen WA etwas runter getillert, sodass dieser auf standhöhe leicht über dem anderen liegt.
PXL_20260503_144703370.jpg
Im Auszug sieht's jetzt auch etwas besser aus und ich glaube so würde ich die beiden Wurfarme aufs angepeilte Zuggewicht weiter bearbeiten.
markup_1000039136.png
Abgespannt alles beim Alten und ich sehe zumindest keinen Set.
PXL_20260503_144938519.MP.jpg
Ich denke wenn hier kein Veto kommt würde ich die steifen Enden jetzt auf Länge bringen und den geplanten Nockabstand herstellen.
Danach weiter tillern bis auf 35-40#

Mittlerweile habe ich eine fleißige Helferrin im Tillerstock
markup_1000039138.png
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Re: Vorstellung und Frage zum aktuellen Projekt

Beitrag von schnabelkanne »

Servus,
Biegung sieht gut aus.
Immer am Bauch kontrollieren ob Knitterfalten auftauchen.
Die Kanten der WA etwas runden.
Lg Thomas
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Re: Vorstellung und Frage zum aktuellen Projekt

Beitrag von benzi »

Wenn Du Lust zu hast, mach doch mal ein Bild von der Verjüngung WA/Nadeln Rückenansicht.... weil ich steh auch auf den look... ich 😊👍

Liebe Grüße
Kleine Waldelfen, die versuchen, unter dem Bast Schneeflocken ins Holz zu schnitzen?.....🥰🧚‍♀️ Benedikt
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