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Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 12:01
von peterswolf
Hallo Leute!
Ich brauche eure Erfahrungen.

Hab mir nen Ulmenstave bestellt(zusammen mit ner Esche die recht gerade und ca7 cm. breit ist). Der kam jetzt an und oh erster Schreck: Er ist auf ca. 180cm  30- 35 Grad verdreht.

Ich hab gleich den Versender angerufen und meine Zweifel offenbart. Der hat sich meiner Meinung nach im Laufe des Gesprächs des öfteren wiedersprochen.
Von wegen

-(er meint den eschestave, weil ich mich geirrt hatte  :-[und dachte der verdrehte sei die esche. da die esche aber nicht so verdreht ist...?)
                                das ist kein Problem der Stave ist breit genug den Bogen kann man  einfach schräg reinlegen dann passt das


-(nach Berichtigung des Missverständnisses)
                        Das ist dann ein Charakterbogen

- (nachdem ich gesagt hatte ich hab aber keinen charakterstave bestellt)
          charakterbogen ist mit windungen. astlöchern ....das geschickte Holz ist sauber und ausserdem gibt es fast kein "perfekt" geraden(?) Ulmen Kernrohling.

Naja er meinte wenn es mir nicht passt, soll ichs zurückschicken, allerdings muss ich auch die Versandkosten wieder tragen.

Der Stave hat immerhin Sechzig Euro gekostet.

Ich bin verwirrt. (hoffe mich trotzdem Verständlich ausgedrückt zu haben)
Als ich das Holz auspackte, war ich echt enttäuscht. :-\  :( :'(

Was ratet ihr mir?
             

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 12:57
von Natrius
Holzkauf/Verkauf ist generell ne Heikle sache, deswegen gibt es bestimmte Qualitäten die man angeben dann die bestimmte sachen nicht haben dürfen oder enthalten müssen etc.

Naja, gibt es überhaupt einen Vertrag?

Wie viel Drehwuchs noch brauchbar ist, da kann ich dir leider nicht helfen *g*
Aber wie hast du den gemessen? o.O

"Drehwuchs: Der schraubenartige Verlauf der Holzfaser um die Stammachse. Eine Faserabweichung bis 5% der Mittendurchmessers je Laufmeter gilt nicht als Drehwuchs."
Das ist halt die Definition laut Holz handels Usancen(den Österreichischen halt...)

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 13:12
von Squid (✝)
Kommt ein wenig drauf an, wie man das alles hier interpretiert.

Ein Vertrag dürfte vorliegen, denn man hat sich ja offenbar über "du mir holz - ich dir geld" irgendwie geeinigt.

Zunächst mal stellt sich die Frage: War das ein gewerblicher Händler oder ein Privatverkäufer? Sitzt der in Deutschland?

Dann kommt es drauf an, wovon man hier bei der Rücksendung ausgeht.

Wenn man sagt, die Ware gefällt dir nicht und du schickst sie (ohne Angabe von Gründen) nach dem ehemaligen Fernabsatzgesetz, jetzt Teil des BGB, zurück, dann muss der Verkäufer die Versandkosten tragen, wenn der Warenwert mehr als 40 € beträgt. Voraussetzung ist aber, dass es sich um einen "Unternehmer", also einen gewerblichen Verkäufer handelt und nicht seine Geschäftsbedingungen eine wirksame (!) abweichende Vereinbarung enthalten.
Dafür hast du 14 Tage Zeit.

Geht man davon aus, dass der Stave mangelhaft ist, was bei dieser Verdrehung durchaus Sinn machen könnte, müsste der Verkäufer alle anfallenden Kosten tragen, die aus der Rückabwicklung entstehen (wobei du aber die günstigste Versandart wählen musst).

Mach mal 'n Foto. Dann könnte man die Verdrehung hier mal bewerten.

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 13:27
von Ravenheart
Na ja, das kommt letztlich auf den Stave im Einzelnen und das Geschick des Bogenbauers an...

Ich sage immer:

bis 15° ist es ignorierbar,
bis 30° kann man es hintricksen,
da drüber lohnt sich des Aufwand nicht!

Zuerst mal wäre zu untersuchen, ob er WIRKLICH verdreht, oder nur schief gespalten ist! Ulme spaltet nämlich schlecht, und an einem Ast kann der Spalt dann auch mal schief laufen!

Dann wäre zu checken, ob ein ausgleichendes Schräglegen des Bogens möglich ist, was von Ästen und dem Rückenradius abhängt (je runder der Rücken, desto weniger schräg kann man gehen!).

3. besteht natürlich auch noch die Möglichkeit, den Bogen erst mal verdreht heraus zu arbeiten, und ihn dann, v.a. im Griffbereich, zu richten!

Die Entscheidung bzw. o.a. Untersuchungen kann man leider nur direkt am Holz machen, über I'net wird das nix...

Rabe

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 14:40
von peterswolf
yo wahnsinnig geil, wie schnell ihr antwortet.

Also Gemessen habe ich, indem ich den Stave auf den Boden legte, mit dem Rücken nach oben, und auf jeder Seite ein transparentes DinA4 Blatt auf den Boden stellte. Mit Stift auf Kante entlang fahren und Winkel(zum ebenen Boden) auf Blatt übertragen. 
Blätter Parallel aufeinander und abmessen. Fertig.

Ich meine ist das überhaupt Drehwuchs? ich dachte es. Hier die Bilder.
Bild  Bild  Bild

Der Verkäufer ist aus Deutschland und hat wohl tierisch viele Staves liegen.Also Händler.
Gibt auch Kurse in Bogenbau.
Ich sollte ihm trauen, dass er mir keinen Mist geschickt hat. Ahnung hat er ja.
Andererseits habe ich auch keine genau klaren Angaben zur Qualität gemacht. Kann mir schon vorstellen das jemand der nicht absolut "straight" ist dann einfach auch mal grenzwertiges Verkloppt.

(plödes Geld >:()

naja mal sehen was ihr dazu sagt

Der Staves ist auch von Ästen her sauber.

@rabe
kann mir unter verdreht rausarbeiten und dann im Griff richten im Moment nix vorstellen ??? Mit spleißen oder dämpfen oder wie?


 

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 18:08
von Nikodemus
So schlimm wie die Beschreibung sieht er aus der Entfernung gar nicht aus.

Ich denke dämpfen im Griff behebt dein Problem
Esche weis ich nicht aber meine Robinie habe ich tlw. vor dem vollständigen rausarbeiten in die richtige Richtung gedreht.
Muß halt ne halbe h länger kochen.
Nikodemus

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 18:51
von Squid (✝)
Nich spleissen! Dazu müsstest du ihn ja durchsägen!

Dämpfen: 60 - 90 Minuten über nem Topf mit köchelndem Wasser lassen, aus Alufolie ne schön dichte Mütze für den Pott mit dem Stave machen damit der Dampf schön am Ort des Geschehens bleibt. Nur n kleines Loch an der Spitze vom Mützchen bohren.

Dann den Stave einspannen und entsprechend Drehen. Das ist nicht ganz leicht, man hat nur wenig Zeit (vielleicht 1 Minute, dann is das Holz schon wieder zu kalt) und man muss relativ viel Kraft aufwenden. Ggf solltest du ne Hebelkonstruktion aus Schraubzwingen und Holz improvisieren.

Ich hab neulich das erste mal versucht, einen Stave zu dämpfen. Statt einer Begradigung kam aber nur das eigenartige Bild von jemandem zustande, der zuerst versucht, sich selbst mit einem langen Stück Holz in die Luft zu hebeln und dann auf dem krummen Holz herumhüpft und diverse Flüche von sich gibt.

Will sagen: Man braucht Hebelwirkung, das Körpergewicht alleine tuts zumindest bei 4,5 cm mal 2,5 cm Robinie nicht.

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 19:54
von Wolfram
Nach den Bilder würd ich sagen, der is grad. Der Winkel der Seiten is egal, da er da ja bearbeitet wird.

Oder nich?

Gruß Wolfram

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 20:09
von Rado
Schau mal genauer aufs mittlere Bild.
Der ist schon verdreht.
Ich würds aber auch so lassen und einen schlanken Engländer bauen.
Da fällts kaum auf.

Und ich glaube nicht daß es gerade Ulme überlasten würde wenn er ein wenig dreht.
Wer sich an meine Rotulmenkrücke von Neubrunn letztes Jahr erinnert: Das Teil sieht aus, als hätte man die Enden waagerecht festgezwungen und das mittlere Drittel um 30° rausgedreht. Bei nem Flachbogen echt hässlich.
Schießt trotzdem heut noch mit 55lbs.

Gruß
Rado

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 21:48
von peterswolf
Jo danke erstmal :)

@Wolfram
noch ma ebent zum "Drehwuchs",
auf dem linken Bild
liegt der Bogen unten mit dem Rückenring parallel zum Boden
Das Ende das auf der Hand aufliegt hat dagegen einen deutlichen Winkel.

und zwar den, der auf dem rechten Bild in orange zu sehen ist. 30-35 Grad
is nich so genau weil der Rücken ja rund ist.

und den Rücken bearbeit ich doch nicht.


@all
ist doch Drehwuchs oder?

@Squit
meinst du von Anfang an mit diesem Hutspitzenloch dämpfen und dann immer drehen oder was?
Das hab ich nicht so genau verstanden.
Oder  reicht das weil der Dampf beim Vorbeiziehen alle Seiten Berührt.
Wie weit sollte der Stave dann vom Loch weg?

@Rado
Dachte eigendlich schon eher an einen Flachbogen. Sehe das aber in Estetik Fragen auch so wie Du (tsst Charakterbogen, klar wies Holz gewachsen ist und so- aber nur ein bisschen schief?- die Symetrik ist doch gerade das Schöne- oder eben die ausgewogene Asymetrik- mit einem Hauch von... Zufall... ::) :)?).
Hab noch nien Engländer gebaut. Schon gar keinen schmalen. Würdest den auch schräg legen?

Was mir die Frage aufwirft:
Tillert man einen verdrehten Bogen so wie einen geradegewachsenen?
Wärs bei nem ELB vieleicht einfacher?

Gruß Peter

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 21:58
von Rado
Ich würd ihn ein wenig schräg legen, und ausarbeiten als wenn nichts wäre.
Die Ringe würden sich von liegend zu fast stehend drehen(bzw Bei Deinem stave noch nicht mal, so viel dreht er ja nun auch nicht), sollte aber meiner Meinung nach kein Problem sein.
Wenn das äußere Drittel fast rund im Querschnitt ist, sieht man diese Macke kaum.

@all:Hat jemand Einwände, der sowas schon mehrfach probiert hat?

So hab ich´s mal gelesen und selbst mit ner Ulme gemacht.
Allerdings zugegeben:Nur ein mal.
Gruß
Rado

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 28.01.2008, 22:14
von Squid (✝)
Ungefähr so:
Bild

Die Folie soll am Topfrand möglichst dicht abschliessen, während sie über dem Stave ein bisschen Platz lässt, damit der Dampf da rumzirkulieren kann.

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 29.01.2008, 13:35
von Ravenheart
1.  Was man leider nicht genau sehen kann ist, welcher Bereich verdreht ist. Vorschlag: Klebe mal in gleichmäßigem Abstand 5 Bleistifte auf den Rücken (beide Enden, Mitte, und jeweils dazwisch, Rückenrundung dabei an jeder Stelle mitteln, also an beiden Staveseiten gleicher Abstand zur Kante).

Dann noch mal ein Bild längs über den Rücken machen. So kann man an der Winkellage der Stifte schön den Verlauf sehen!

2. Im mittleren Bild hast Du eine Line für die Schräglage skizziert. Schön ausgleichend, aber evtl. genau falsch! Es kommt nämlich drauf an:

Ist die Verdrehung nur in einem kleinen Stück bzw. am Ende, könnte man das so machen, also der "Höhenlinie" folgen.

Läuft sie aber durch den ganzen Stave, wäre es besser, dem Verlauf der Fasern zu folgen! DIE laufen nämlich von der TIEFEREN Ecke an einem Ende zur TIEFEREN Ecke am anderen Ende!

Den Rohling so ausgeschnitten, ist er zwar deflex und spiralig, aber die Fasern laufen dann weitgehend gerade durch seine Längsachse. Wenn man den nun durch Dämfen etwas richtet, also die Endbereiche etwas reflex biegt, ist die Chance groß, dass er dann schön gerade zieht!

Macht man es hingegen so, wie Du skizziert hast, laufen Fasern und Längsachse genau gegengleich. Folge: Er ist zwar als Rohling schön gerade und unverdreht, aber unter Spannung verzieht er sich dann spiralig!! Und das ist schwer auszugleichen!!

Rabe

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 30.01.2008, 13:25
von peterswolf
Ok....

die Drehung geht erst kurz hinter der Stelle los, an welche ich den Griff gesetzt hätte!

Bild  Bild  Bild


Hmmm jedenfalls hätte ich den Griff  rechts vom gelben Stift(rechtes Bild!) anlegt. Dann fängt die Verdrehung direckt überm/unterm Griff an. (start der Verdrehung grüne Fineliner Kappe)

@rabe
Also schräglegen wie eingezeichnet?
(is ja nicht übers ganze Stück krum sondern eher an einer sich über ca 20cm ziehenden Stelle)
(und Danke, saugute Stiftidee!! nächst mal mach ich mir von vornherein mehr Gedanken wie ich meinen Fall Präsentiere.)
Bild

@squit
und dann im Griff etwas biegen? (jetzt hab ichs, Thanx)
aber ich würd ihn vorher schon grob rausarbeiten dann muss ich nich so heftig pullen oder ?


@rado
und den Bogen schmal machen.

"Ich würd ihn ein wenig schräg legen, und ausarbeiten als wenn nichts wäre. Die Ringe würden sich von liegend zu fast stehend drehen"(RADO)

Und dann biegt er sich gerade und reisst nicht aus? Dann ist doch der Rückenring nicht mehr am Rücken?
Hört sich abgefahren an! Sau geil! haste n Bild?


Danke auf jedenfall euch allen.

Ich spiele auch mit dem Gedanken den wieder zurück zu schicken.
Nicht weil ich mich scheue mit solchem Holz zu arbeiten oder mich schlecht beraten fühle :-*.

Ich meine sechtzig Euro!?        O.k. das sind keine 120 Mark aber....

Würd mich echt Interresieren wie ihr das seht.

Gruß Peter

Re: Holz beschaffung- ab wann ist Drehwuchs unbrauchbar?

Verfasst: 30.01.2008, 17:08
von Rado
peterswolf hat geschrieben:
Und dann biegt er sich gerade und reisst nicht aus? Dann ist doch der Rückenring nicht mehr am Rücken?
Hört sich abgefahren an! Sau geil! haste n Bild?
Wie gesagt, bei Ulme(Hickory auch) hätte ich da nicht so große Bedenken, daß er abbricht, wenn die Ringe sich von liegend zu stehend drehen.
Bei Hölzern, die keinen so festen Faserzusammenhalt haben, hätte ich Bedenken. Aber so weit dreht er ja wie gesagt nicht, weder meiner noch Deiner.

Die alte Krücke hab ich verschenkt(aber vielleicht seh ich den Kerl in ein paar Tagen), arbeite aber an einem zweiten Stück aus der selben Bohle. Ich mach mal die Tage ein Foto(die Digicam gehört meinen Eltern).
Der Erste hatte die Sehne tatsächlich etwas aus der Mitte, was ich aber meiner Unachtsamkeit zuschieben kann. Ich habe, da vorher das Problem nie auftrat, ehrlich gesagt nicht kontrolliert bis er fertig getillert war.
Ist unspektakulär, da die WA´s flach, breit sind und im mittleren Drittel einfach schräg stehen.
Das Teil sieht wegen etwas anderrem recht scharf aus: Der eine WA war reflex, der anderre gerade.Sie biegen sich gleichmäßig(sprich gleich viel bei unterschiedlicher Ausgangsposition), sehen daher in etwa so aus:http://bogensportladen.de/images/product_images/popup_images/262_0.jpg

Nur daß der schwächere WA wenigstens der Obere ist.
Wenn ich Bilder hab, stell ich sie hier rein.

Gruß
Rado