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Deflex und doch reflex??
Verfasst: 11.11.2007, 18:44
von Domo
Also ich habe mal etwas länger über die Verwendung von reflexen Staves nachgedacht.
Ich hatte schon mal einen Thread aufgemacht, in dem es um deflexe Esche ging. Jetzt soll es aber um die allgeneine Verwendung der deflexen Seite gehen, die übrig bleibt, wenn man einen reflexen Stave hat.
Dies ist z. B. bei Holunder der Fall, er hat fast immer gekrümmte Äste, bei denen man dann die reflexe Seite gut verwenden kann.
Doch nun die Frage, was tun mit der deflexen Seite??
Zum wegschmeißen ist sie allemal zu schade.
Jetzt haben mir einige gesagt, dass man Recurves reindämpfen könnte, was ja ansich keine schlechte Idee ist, aber doch mit viel Arbeit verbunden ist.
Jetzt habe ich letztens in der TBB gestöbert (ich glaube es war im Kapitel "Leistungsfähigkeit und Design") und habe eine interessante Aussage gefunden, die mir zwar schon bekannt war, aber mich dennoch auf einen Gedanken gebracht hat!
Da stand, dass ein Bogenrücken, auf dem die Fasern parallel verlaufen, genauso stabil ist wie ein Bogenrücken, der aus einem durchgehenden Jahresring besteht. Das heißt, wenn man einen Stamm spaltet kann man genauso gut die Spaltseite als Rücken nehmen wie die Außenseite!
Und aufgrund dieser Aussage müsste es doch auch möglich sein, die Spaltseite eines deflexen Rohlings als Rücken zu nehmen, was ihn dann reflex machen würde, ohne dass er an Stabilität verliert!
Zur Verdeutlichung habe ich eine Skizze angefertigt!!!
Nach meiner Theorie könnte man also aus einem gekrümmten Rohling mit Glück 2 reflexe Staves gewinnen.
Bitte bezieht Stellung dazu und sagt mir, ob das möglich ist, oder doch totaler Blödsinn!
Ach ja und dann müsst ihr natürlich auch noch meine Zeichnung loben!!!
Gruß Domo
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 12.11.2007, 07:32
von walta
lob an die zeichnung
;-)
zum thema selber kann ich nix sagen :-)
grüsse
walta
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nein ich habe keine signatur :-)
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 12.11.2007, 09:40
von Halvarson
tach auch,
ein problen hast du bei deinem "abfallstück":
als rücken solltest du einen jahresring freilegen, hast aber bei deinem reststück die innenseite. folglich wirst du, um den jahresring nicht zu verletzen, diesen "hohl" auskratzen müssen.
schaut eventuell interessant aus, aber denk an die druck- und zugbelastung, die ja entgegengesetzt von einem "normalen" stave ist.
aber versuch macht kuch
und lass uns am kluch auch teilhaben
da ich ja erst in fast 2 wochen meinen ersten bogenbaukurs absolviere (freufreufreu), ist meine aussage auch nur meine meinung. die bogenbaucracks sollten sich natürlich auch hier kundtun, eventuell gibts schon erfahrungsberichte.
gruss
thorsten
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 12.11.2007, 10:57
von kra
versuch macht kluch...
Was du machen willst ist einen Reflexbogen mit einer "decrownten" Zugseite.
Kann klappen - du mußt aber auf ein sehr symmetrisches Auslaufen der Jahresringe achten.
Im Zweifelsfall und zur Sicherheit noch ein Backing mit Sehne drauf.
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 12.11.2007, 11:54
von Ravenheart
Griffbereich reflex dämpfen und noch Recurves dran, und schon ist es ein 1a-Bogen im Reiterbogenstil...
Rabe
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 12.11.2007, 19:15
von Domo
Also erst mal @Paradoxon
Du hast da meine Idee etwas missverstanden!
Ich will keinen Bogenrücken aushölen, ich will ihn so lassen wie er ist. Die glatte Spaltseite als Rücken.
@ all
Denn das ist es ja, worauf es ankommt, die Fasern, die parallel über den Rücken laufen. Und nun will ich nur wissen ob so eine Konstruktion möglich ist. Denn es wäre ja ein enormer Vorteil, wenn man aus einem Stave plötzlich 2 reflexe machen könnte. Einfach ob ein solcher Rohling stabil genug wäre, um einen guten Bogen abzugeben.
MFG Domo
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 12.11.2007, 20:03
von Halvarson
@domo
ich krieg leider nicht so gute zeichnungen hin wie du (und noch einige andere forumsmitglieder hier - meinen respekt habt ihr), aber ich bleibe bei meiner aussage --> versuch macht kluch.
ich hab allerdings so meine bedenken weil
1. der freizulegende und unverletzte rückenjahresring eine gegenläufige rundung hat (nach aussen und nicht nach innen)
2. die zug- und druckbelastete seiten wechseln
3. ich damit noch keine erfahrung hab. aber wenn ich so ein ast/stamm (nach meinem bogenbaukurs) bekomme, werd ich (wenn ich zeit habe) das gegenstück auch so bearbeiten, wie du es vorhast, ausser es rät mir jemand mit vernünftigen gründen davon ab.
also ---> selbstversuch macht kluch und
UNSERE erfahrung ist die summe aller
UNSERER irrtümer.
wir studieren ja nicht das bogenschiessen und -bauen, wir praktizieren es, folglich sind wir handwerker und keine studenten.
bin mal auf deine ergebnisse gespannt
gruss
thorsten
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 12.11.2007, 20:36
von Domo
@ thorsten
Da hast du wirklich recht!!! Erst wenn ich es selber ausprobiert habe weiß ich ob es wirklich funktioniert! Ich werde diesen Winter den Holunder fällen, wird also noch ein bissl dauern, aber ich vergesse das ja nicht!
Ansonsten danke für das Lob und mfg
Domo
P.S.
Wo machst du denn deinen Kurs
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 12.11.2007, 21:36
von Halvarson
@ domo
mein kurs mach ich (sabber) beim bruno ballweg (freufreufreu)
siehe
www.ballg.de
gruss
thorsten
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 13.11.2007, 11:13
von uhu
@domo,
die gschichte klingt ja hochinteressant. Aber du hast eigentlich recht. Wieso sollte man sich mit einem zweifelhaften deflexen Teil zufrieden geben. Mein Vorrat an potentiellem Bogenholz hat sich mit deinem Beitrag schlagartig verdoppelt. Danke !
jetzt im Ernst. Warum eigentlich nicht. Decrowning wurde bereits angesprochen.
Ich füge die Stichworte "stehende Jahresringe" und "Backing" hinzu.
Laminierte Bögen bekommst Du häufig auch mit Zierlaminaten mit stehenden Jahresringen.
Jetzt sagen natürlich alle, daß dies nichts bedeutet, weil bei laminierten Bögen sowieso nicht das Holz, sondern das Glas oder Carbon oder was auch immer die auftretenden Zug und Druckkräfte aufnimmt.
Wieso also nicht mit einem Backing versehen. Mein Vorschlag wäre Sehne.
Wenn dir aber das Eindämpfen von REcurves zu aufwändig erscheint, dann laß lieber die Finger vom Sehnenbacking.
Ich könnte mir aber vorstellen, daß mit dem oben beschriebenen Vorgehen durchaus ein leistungsfähiger Bogen entstehen könnte.
Waren nicht eine Anzahl von Steinzeitbögen ebenfalls "verkehrt" herum gebaut. Ich glaube mich erinnern zu können, das mal gelesen zu haben.
Dabei stand dann auch das Stichwort Decrowning und als Grund wurde angegeben, daß der verwendete Stamm zu dünn gewesen wäre um in konventionell zu tillern.
Man hat ihn deshalb umgedreht und den breiteren Teil aus dem halbierten Stamm, also die Mitte als Bogenrücken verwendet.
WEnn das die Steinis konnten, warum Du nicht auch.
laß von Dir Hören.
ciao uhu
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 13.11.2007, 14:54
von Domo
Hallo uhu
ich glaube du bist der erste, der meinen Beitrag richtig verstanden hat!!
Ich bin nämlich auch der Meinung, dass es nur Vorteile hätte, wenn man auch die deflexen Seiten als reflexe benutzen kann!
Und das mit den Steinzeitbögen habe ich auch gehört. Ich glaube es gibt die Stellmoorbögen, die auch wie du sagst stehende Jahresringe aufweisen.
Bin mal gespannt
Domo
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 13.11.2007, 16:14
von Halvarson
aha, jetzt wirds dunkel im licht
lern ich vorm kurs schon wieder was dazu
ich glaub jetzt kapier ich erst die stehenden jahresringe
sollte man den bogen nicht mit mehr sicherheit (breiter) bauen?
wenn dieses design effektiv ist, würde man die bögen nicht heute auch noch so bauen?
warum sind die steinzeitbrüder davon abgekommen?
erst mal den kurs, und später mit euch die antworten suchen.
gruss
thorsten
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 13.11.2007, 17:07
von Ravenheart
Das sagt eigentlich alles, oder?
Das Problem bei stehenden Ringen ist, den Faserverlauf zu erkennen und ihm zu folgen, denn es ist da bei einigen Hölzern genau so wichtig, wie bei liegenden Ringen!
Das Bild zeigt deutlich, dass bei horizontalen Wellen, die man zur Verwendung mit stehenden Ringen gerade hobelt, ebenfalls der Faserverlauf durchtrennt werden kann. So eine Stelle hätte erhöhte Bruchgefahr! Deshalb verwendet man stehende Ringe meistens mit Backing.
Gründe FÜR stehende Ringe:
1. Der Vorteil stehender Ringe ist, dass das zwischen den Ringen liegende Frühholz weniger stört!
Sind die Ringe sehr dünn, neigen Hölzer mit schwachem Frühholz (wie z.B. Esche) zu Faserriss, weil das Frühholz die Kraft nicht auf den nächsten Ring überträgt. Ist das Holz NICHT wellig, kann man mit stehenden Ringen ohne Probleme auch mit dünnen Ringen einen zuverlässigen Bogen ohne Backing bauen...
2. Auch ist das Tillern bei viel Frühholz mit liegenden Ringen schwierig, denn so bald ein bauchseitiger Ring durchgeschliffen ist, reagiert die Stelle "schlagartig" deutlich schwächer...
Stehende Ringe haben das Problem nicht....
3. Ein weiterer Grund, auf stehende Ringe "auszuweichen" könnte ein großer Ast sein!
Liegt der im arbeitenden Teil des Wurfarms genau in der Mitte des Staves, so dass an beiden Seiten nur z.B. 1 - 1,5 cm Holzbreite bleiben, wäre der Stave mit liegenden Ringe nur sehr "kunstvoll" noch zu einem Bogen zu verwerten.
Verwendet man den Stave jedoch um 90° gekippt, hätte man neben dem Ast noch 1 - 1,5 cm DICKE. Da lässt sich was draus machen...!
4. Und dann ist da noch die fiese Eigenschaft mancher Staves, beim Trocknen KRUMM zu werden! Und manche Bäume haben sogar die Frechheit, so zu WACHSEN!!
Manch ein krummer Stave aber bietet um 90° gekippt plötzlich doch noch eine weitgehend gerade Linie! Und schon wird aus potenziellem Brennholz doch noch ein Bogen...
Rabe
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 13.11.2007, 17:19
von Christopher
Rein Theoretisch müsstes eigentlich klappen, Ich stell mir halt richtig schwierig vor, den geeigneten Jahresring nicht zu beschädigen
Wenn dus mit Holler machst, und en Backing drüber machst(Bambus,Hickory,Sehne), müsste es sicher klappen, bei Laminatbögen sind stehende Jahresringe auch viel vorteilhafter als liegende.
Re: Deflex und doch reflex??
Verfasst: 13.11.2007, 17:43
von arcus (✝)
Mit Holler vergiss es !!!!
Ohne Backing ist da nix zu machen-- Hab ich schon oft probiert !
Da man bei Holler fast keine Jahresringe sieht, ist es schwierig, die gleichmäßig auslaufen zu lassen.
Als Backing lieber 3mm Hickory(z.B. von Gervase)--das hält immer.
Musst nur den Rücken jetz absolut plan bekommen.
Das geht mit Ziehklinge und hartem Schleifklotz sehr gudd.
Rolf