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Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 27.08.2007, 22:00
von Felsenbirne
Hallo,
habe mir von Gervase einen Eschestave besorgt. Beim groben Ausarbeiten des Staves stellte ich fest das er an einem WA im letzten Drittel enorm verdreht ist.
Der Stave hat 2 dicke Äste: den dicksten habe ich mittig des Griffs platziert. der andere liegt mittig im WA im letzten Drittel. Nach diesem Ast verdreht sich der WA zur Nock hin. Es soll ein Flachbogen mit ca. 35# werden (steifer Griff).
Die lausige Grafik unten soll das ganze verdeutlichen. (Foto ging irgendwie nicht

)
Was soll ich nu machen? Hinten gerade dämpfen?
Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 27.08.2007, 22:14
von Rado
Ich würds mit der Drehung so lassen und bauen als wäre nichts.
Du musst aufpassen, daß er sich bei der gedrehten Stelle nicht zur Seite neigt und die Sehne bös aus der Mitte gerät.
Genau deshalb ist mein überdimensionierter Ulmenflat leider furchtbar zielungenau, die Sehne ist gut 3cm neben der Griffmitte.Was Tempo und Haltbarkeit angeht kann ich mich nicht beklagen, die gedrehte Stelle scheint nicht überlastet zu sein.
Gruß
Rado
Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 28.08.2007, 09:27
von Ravenheart
Kommt drauf an, wie stark die Abweichung im Bezug zum Rest ist!
Ignorieren, begradigen oder sogar einen Kompromiss zwischen beiden Enden finden, und beide begradigen. (=von gering bis stärker)
Guckst Du auch:
>>WiKi (klick)<<
Rabe

Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 28.08.2007, 09:46
von captainplanet
Das was Du da im Griffbereich hast ist übrigens kein Ast sondern nur eine Welle. Solche Bereiche kann man auch problemlos in den arbeitenden Bereichen verwenden.
Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 28.08.2007, 11:46
von Felsenbirne
@Rado
die gefahr das mir das Ding aus der Mitte läuft ist einfach zu hoch. Der WA verdreht sich fast um 35°.
@captainplanet: Nee da ist schon ein dicker Ast. Die Grafik ist wie gesagt kein highlight.
@Rabe: Das einfache decrownen/Begradigen im letzen WA drittel ist ein interessanter Ansatz. Du würdest also nicht dämpfen?
Ich hab ein bisschen Muffe vor dem einfachen Begradigen sprich durchtrennen des Jahresringes. Hat schon mal Bruch gegeben.
Wenn ich das doch mache, wäre es sicher nicht schlecht bis zum verdrehten Bereich den WA gleich breit (4,5cm) zu lassen um in dann dünn auslaufen zu lassen. (Holmegard) Oder wäre es besser auch am Ende möglicht breit zu bleiben?
Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 28.08.2007, 15:14
von Ravenheart
Nee, er muss schon zum Ende hin schmal werden (max. 2 cm), sonst sind die Ende zu schwer!
Und wie schon angedeutet, Du kannst ja auch die Lage zwischen den beiden Enden mitteln, also den Bogen insgesamt etwas GEGEN die Verdrehungsrichtung "kippen", vielleicht ist dann ja die Abweichung an jeder Seite nur noch so gering, dass der Ring jeweils gar nicht durchtrennt werden muss, sondern nur einseitig ausgedünnt wird?
So was kann man nur am Objekt selber entscheiden, eine Zeichnung is dafür zu ungenau!
Eine LEICHTE Schieflage schadet eh nicht... das gleicht sich beim Tillern aus...
Im WiKi ist außerdem ganz gut zu erkennen, wie's gemeint ist, nämlich dass der Ring schon bis zum Ende durchgeht - halt nur nicht über die ganze Breite...
Da passiert nix, wenn man es so macht.
Wenn ein Bogen zum Ende hin schmaler wird, laufen die Fasern im Randbereich ja auch irgendwo aus! Trotzdem heben sie nicht ab, weil sie bei dem spitzen Winkel dann ausreichend durch die Benachbarten gehalten werden...
Rabe
Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 28.08.2007, 20:15
von Felsenbirne
Hallo nochmal und Danke für die Info.
bin jetzt überhaupt nicht mehr sicher was zu tun ist. Habe das mit den Fotos doch noch hinbekommen. Bild 1 zeigt das verdrehte Ende; Bild 2 die Stirnseite.
Die horizontale Lage ist mit der roten Linie markiert. Der andere WA hat die Ringe exakt horizontal liegen.
@rabe: wäre dämfen nicht doch der richtige Weg???

Sorry wenn ich nerve, aber ich trau mich jetzt gar nicht weiter
Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 28.08.2007, 21:28
von Indiaman
Das sieht für mich nach einem ganz normalen, durchschnittlichen Stave aus.
Holz wächst halt vorzugsweise krumm, der Bogen wird trotzdem geradeaus schiessen, auch wenn ein Wurfarm nicht normgerecht aussieht.
Wieso klebst Du nicht einfach ein Hornoverlay auf, da kannst Du die Sehnenkerben in jede Richtung hineinschneiden, so wie Du willst.
Aber zuerst würde ich einfach mal anfangen, den Bogen zu bauen, sehen, wie er sich biegt, ob er irgendwo dreht...
und dann entscheiden, wie es weitergeht.
:-)
Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 28.08.2007, 21:56
von Felsenbirne
@indianman
Aber zuerst würde ich einfach mal anfangen, den Bogen zu bauen
DA HAST DU RECHT
Mein Gejammer sei mir bitte verziehen. Nachdem ich erst mal grob ausgearbeitet habe, sieht das ganze weniger dramatisch aus.
Der Rabe hatte mal wieder recht: Der Stave verjüngt sich, und somit ist das ganze nicht so dramatisch. Die Länge beträgt jetzt 164cm.
Werde mal weitermachen und schauen was dabei rumkommt,
PS: Das mit den Hornoverlays ist ein guter Tip, Danke!!!
Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 28.08.2007, 23:15
von Squid (✝)
Moin,
Ich hab bisher ne Todesquote von 4 zu 8 ... also von 12 Versuchen sind 8 - im Rahmen meiner Fähigkeiten - was geworden. 4 davon zeige ich sogar der Öffentlichkeit... ;-)
Aber dieses Gefühl der Panik und Hilflosigkeit "hach jeee, das wird nix" kenne ich auch. Dagegen hilft nur weitermachen: Irgendwann ist es ein Bogen oder Mist.
Ein Bogen schiesst , Mist brennt ganz gut. Und Esche ist preisgünstig... also empfehle ich, einfach loszulegen und alles das zu tun, was du bisher gelernt hast. Zusammen mit den Infos aus dem Forum wird das schon... immerhin ist das ein Stave von Gervase, nach meiner Ansicht musst du an der Qualität nicht zweifeln.
Diesen Blick "Da ist ein Bogen drin, trotz krummer Enden" hat man vermutlich erst nach 50 oder mehr Bögen... ;-)
Hornoverlays, Hartholzoverlays, Verkürzungen, extrem schmale Enden ohne Biegung, asymmetrisches Tillern sind ja nur ein Paar optionene, um auch Dämpfungsfrei einen schiefen Stave in einem Bgen zu verwandeln...
Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 29.08.2007, 09:39
von Ravenheart
Ich meinte es so:
Rabe
Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 29.08.2007, 09:44
von hardigatti
Und was meint ihr dazu:
Wenn man zuerst wie üblich die Seiten normal (d.h. rechter Winkel) zum Rücken anlegt, würde das beim verdrehten Ende zum blau markierten Querschnitt führen.
Wenn ich Dean Torges in seinem Osage-Buch richtig verstanden habe, soll man aber immer die Seiten normal zur Zugrichtung halten (roter Querschnitt, Seiten normal zur oben eingetragenen Horizontallinie), damit eben beim Auszug kein seitliches Verdrehen passiert ! Ist auch einleuchtend, weil da die Zugkräfte dann auf unterschiedlich dicke Bereiche wirken würden (die ja kaum einmal gleichmäßig werden bzw. beim blauen Anfangsquerschnitt beim Tillern eher ungleichmäßig ausfallen als beim roten Querschnitt) und sich dann eine Verdrehung zur schwächeren Seite ergibt.
Ich habs noch nicht bei einem stärker verdrehten stave ausprobiert, hat das einer von euch schon gemacht ?
Christian

Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 29.08.2007, 09:50
von Ravenheart
Probiert hab ich das, aber es bringt nix!
Eine Rechteckform will sich immer in einer Linie >rechtwinklig zur Fläche der Breitseite krümmen!
Der Bogen würde sich, egal ob rot oder blau, nicht in Pfeilrichtung, sondern nach links biegen!
Rabe
Re: Drehwuch im Eschestave
Verfasst: 29.08.2007, 12:05
von Felsenbirne
@all
Vielen Dank, so wie Rabe es in seiner letzten Grafik zeigt, so hatte ich es auch vor. Allmählich lernt man dazu.
@Rabe
Werde demnächst meinen Ahornbogen in den Präsentationsthread stellen. Der ist Dank deiner "Fernwartung" spricht genialen Hilfe richtig gut geworden.