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Von höheren Mächten, flatternten Pfeilen und der linken Hand

Verfasst: 11.11.2006, 18:58
von Jolinar
Heute war es soweit. Das erste Mal, dass ich "richtig" schießen gehen konnte. Bisher ging ich immer in den nahe liegenden Wald, um dort ein paar Pfeilchen zu verschießen - doch heute konnte ich endlich ohne Sorge um meine Pfeile schießen gehen.
Nun ja, leider lief ich nicht alles so, wie es mir wünschte.
Aber ich fange mal mit meinen Platz an. Da meine Eltern eine Tennishalle mit Freiplätzen besitzen und nun der fortgeschrittene Herbst die Leute in die Halle zwingt, bleiben mir die leer stehenden Freiplätze.
Also gut, ein Ziel ward bereits gebaut - ein Holzrahmen mit allen möglichen Schichten darin um den Pfeil "sanft" aber rasch abzubremsen. Noch einen alten Tisch geschnappt und auf den Platz in einer Entfernung von ungefähren 25 Metern gestellt - mit dem Ziel darauf.
Perfekt.
Jetzt kam der große Augenblick:
Wie funktioniert das Schießen mit der linken Hand? Bisher schoß ich immer RH, allerdings behindert mich die Kreuzdominanz meiner Augen. Also wandert der Bogen in die rechte Hand und die Linke schnappt sich den Pfeil. Schön und gut. Das erste Mal aufziehen. Ein Desaster.
Ich kam mir vor, als würde ich das erste Mal den Bogen in der Hand halten und total unfähig zu sein. Ich kann nicht sagen, ob "richtig" dastand (das "T") oder irgendwie verkrüppelt. Der erste Pfeil verzieht sich um +/- 5-6 Meter. Wow - mehr als ich gedacht habe.
Erster Gedanke: Ich kann das nicht.
Wechsel wieder und schieße RH. Das erste das mir auffiel war, dass ich absolut unfähig war so zu zielen.
Also zwang ich mich dazu es noch einmal mit Links zu versuchen.
Zweiter Schuss: Das Ziel wurde getroffen, allerdings nur ganz Außen (kein Ring). Bin ich so schwach oder schaffe ich es nicht, den Bogen zu aufzuziehen? Ich versuche es nocheinmal, aber es bleibt dabei - im Gegensatz zum RH-Style schaffe ich es nicht, den Bogen aufzuziehen...was ist der Grund?
Nicht verzagen, einfach weitermachen.
Ich konzentriere mich auf den Schussablauf.
Stand - Auszug - Anker - Release
Schön und gut. So geht das weiter. Die erste Nocke am Aluminiumpfeil ist gebrochen (es folgen zwei weitere...).
Aber es wird. Die Bewegung wird immer einfacher und schon nach einer Stunde war es kein komisches Gefühl mehr, mit der linken Hand den Pfeil zu halten.
Allerdings gab es dennoch ein paar Probleme. Oft verreise ich den Bogen im letzten Moment und ziemlich oft flattert der Pfeil vor sich hin.
Etwas ratlos stand ich da, da ich nicht wusste warum das so war (ich weiß es bis jetzt nicht, aber ich bin mir sicher, dass ihr mir das sagen könnt...bitte :) ).
Okay, einfach weitermachen.
Es beginnt langsam zu dämmern und nachdem mir die dritte Nocke gebrochen ist, dachte ich mir: Egal, jetzt riskiere ich es und schnappe mir die Holzpfeile (ich ließ sie beiseite, da ich sie nicht beim ersten Mal mit Links schießen aufs Spiel setzten wollte).
Also rein mit denen in den Köcher.
Schussablauf: Treffer
Schussablauf: Treffer
Schussablauf: Treffer
Schussablauf: Treffer
Schussablauf: Treffer
Schussablauf: Treffer
Schussablauf: Treffer

Jetzt war ich erst recht verwirrt. Zuvor traf ich durschnittlich 2 von 7 Pfeile (Alumium) und plötzlich mit Holz 7 von 7. Vielleicht war es einfach eine höhere Macht...
Auch bei der nächste Folge traf ich einige Male.
Tja und jetzt sitze ich zu Hause in der warmen Stube, mit drei Pfeilen ohne Nocken, sieben intakte Pfeile und ziemlich verwirrt...

Das war der erste Tag mit der linken Hand. Morgen gehts zu "Tag Zwei" über :)

So und nun hätte ich ein paar Fragen. Es sind eigentlich Sachen, die mir - als ich RH schoss - nie aufgefallen bzw. passiert sind.

1. Verreisen des Bogens
Ich ziele, lass den Pfeil los und im letzten Moment verreise ich den Bogen - der Pfeil fliegt ins Niemandsland.

2. Pfeil flattert im Flug
Statt einem geraden Flug, flattert der Pfeil durch die Luft...?

3. Holzpfeil vs. Aluminium
Glück oder höhere Macht?

4. Auszug
Bin ich bei diesen Stil einfach zu schwach oder warum schaffe ich plötzlichen den Auszug gewohnten Auszug nicht mehr?

Mit lieben Grüßen
Jolinar

rechts links

Verfasst: 11.11.2006, 19:19
von Taran
Also:
Dass es mit zwei versch. Pfeiltypen unterschiedlich gut läuft, kann daran liegen, dass entweder der Spine unterschiedlich ist oder du bie Holzpfeilen einfach besser aufpasst, weil du sie für empfindlicher hälts, lieber magst oder einfach von vornherein daran glaubst, dass du damit besser schießt.

Flattern:
Ist ein Fehler der Lösehand

Auszug:
kommt noch

Ich würde bei einer so gravierenden Umstellung immer erst mal lange Auszug, Ankern und Lösen auf 5-10m üben.
Mach weiter und lass dich nicht beirren, du musst das erst wieder lernen, aber es geht schneller als beim ersten Mal.
Nicht alles gleichzeitig perfekt hinkriegen wollen!

RE: rechts links

Verfasst: 11.11.2006, 19:32
von Jolinar
Danke schon einmal für die Antwort :-)
Original geschrieben von Taran

Also:
Dass es mit zwei versch. Pfeiltypen unterschiedlich gut läuft, kann daran liegen, dass entweder der Spine unterschiedlich ist oder du bie Holzpfeilen einfach besser aufpasst, weil du sie für empfindlicher hälts, lieber magst oder einfach von vornherein daran glaubst, dass du damit besser schießt.
Wird wohl so sein :D
Original geschrieben von Taran
Flattern:
Ist ein Fehler der Lösehand
Jetzt wäre nur noch interessant zu wissen, was ich da falsch mache. Da wär jetzt ein Video aufschlussreich. Mal sehen, vll. kann mich morgen jemand filmen :-)

Original geschrieben von Taran
Ich würde bei einer so gravierenden Umstellung immer erst mal lange Auszug, Ankern und Lösen auf 5-10m üben.
Mach weiter und lass dich nicht beirren, du musst das erst wieder lernen, aber es geht schneller als beim ersten Mal.
Nicht alles gleichzeitig perfekt hinkriegen wollen!
Ich habe dabei nur Angst, dass ich lange für eine bestimmte Sache, z.B. Auszug, benötige und damit die andere derart vernachlässige, dass sie schon fast zur Gewohnheit werden.
Davon hab ich ja auch nichts :o
Aber ich werds einfach mal probieren =)

Lösen

Verfasst: 11.11.2006, 20:39
von Taran
Flattern beim Lösen: meist geht die Lösehand seitlich weg vom Gesicht statt nach hinten, oder es hat noch "gehakt", d.h. du hast an der Sehne gerissen (das merkt man aber meistens, aber dann isses zu spät :D ).

RE: Lösen

Verfasst: 11.11.2006, 22:55
von Jolinar
Original geschrieben von Taran
(das merkt man aber meistens, aber dann isses zu spät :D ).
So isses :D

Und wie siehts jetzt mit dem Auszug aus? Das würde mich am Meisten interessieren was da los ist...

Auszug

Verfasst: 12.11.2006, 09:13
von Taran
Als du zu schießen angefangen hast, hat dein Auszug ja auch später noch zugenommen.
Ich nehme mal stark an, die Rückenspannung ist noch nicht so, wie sie sein sollte - die leidet doch immer, wenn man an zuviele andere Sachen denken muss... :D

Verfasst: 12.11.2006, 23:33
von hugin
schieß lieber mit holzpfeilen nicht unter 12 meter entfernung, da sonst die bruchgefahr höher ist. der pfeil braucht diese fligbahnlänge zum grade ausrichten aus der schlangenflugbewegung.

RE:

Verfasst: 13.11.2006, 16:36
von Jolinar
Original geschrieben von hugin

schieß lieber mit holzpfeilen nicht unter 12 meter entfernung, da sonst die bruchgefahr höher ist. der pfeil braucht diese fligbahnlänge zum grade ausrichten aus der schlangenflugbewegung.
Ich habe gestern für kurze Zeit geschossen, allerdings waren die Wetterverhältnisse nicht wirklich optimal (Wind + leichter Regen), also habe ich nach einer halben Stunde wieder aufgehört.
Aber mir ist es wieder aufgefallen, Holzpfeile haben's mehr drauf. Zumindest bei mir :D

Holzpfeile auf kurze Distanzen

Verfasst: 13.11.2006, 16:42
von Taran
Das geht schon, Hugin. Vielleicht sollte man mit dem Scheibenmaterial etwas vorsichtiger sein. Das gepresste Strohzeugs (Karphos, Stramit) ist, vor allem wenn nass und kalt, ein Holzpfeilkiller, sogar machnmal auf längere Entfernungen. Mit einer Ethafoamscheibe hast du solche Probleme nicht, da kannst du auf 5m ran. Oder so nah du dich halt traust! :D

Verfasst: 13.11.2006, 17:07
von Jolinar
Ne, mein Ziel ist...nun ja, Abfallwirtschaft :D
Der Holzrahmen hat ne Größe von 60cm * 60cm (also recht groß) und hat eine Tiefe von rund 15 Zentimeter. Gefüllt ist er mit allen möglichen "schonenden" Schichten.
z.B. Verpackungsmaterialien bei neuen Möbeln (die Folie mit den Luftbällchen, wenn man sie zusammendrückt platzen sie). Das Ziel besteht wirklich nur aus einem Rahmen. Nach hinten ist das Ziel offen (also wenn man die Folien und alles mögliche weglässt), also wenn die Wucht wirklich mal groß ist, tritt der Pfeil hinten aus - allerdings nur 4-5cm.
Also so gebaut, dass es meine Holzpfeile schont...

von höheren Mächten

Verfasst: 13.11.2006, 21:06
von longdedl
in der .
Luft liegt die Antwort...und das hat etwas mit der richtigen Atemtechnik
zu tun. :-) :bussi :bussi
longdedl

RE: Von höheren Mächten, flatternten Pfeilen und der linken Hand

Verfasst: 14.11.2006, 09:59
von shewolf
Original geschrieben von Jolinar


Ich kam mir vor, als würde ich das erste Mal den Bogen in der Hand halten ...
Jep, die Beschreibung stimmt genau... :D nur weil Du mit "rechts" geschossen hast, kannst Du das nicht einfach auch mit "links".

Deine linke Seite muß die Bewegungsläufe genauso lernen, wie es einst die rechte tat. Und weil da eine Menge Muskel, Sehnen, Knochen, Augen und Hirnzellen zusammen arbeiten müssen, ist "Umstellen" genauso mühsam wie "Anfangen". :-)

Machs Dir doch einfach:
- erst mal auf 5 Meter schießen, dann Distanz langsam erhöhen
-die Bewegungsabläufe vor dem Badezimmerspiegel einüben
- Muskeln aufbauen mit dem Theraband: wenn Du sonst Rechtshänder bist, hat Deine linke Seite besonders viel "Nachholbedarf"

...und natürlich üben. Nach ca. 2000 Bewegungsabläufen ist die Bewegung dann im Hirn programmiert und bei Bedarf automatisch "abrufbar"

RE: RE: Von höheren Mächten, flatternten Pfeilen und der linken Hand

Verfasst: 14.11.2006, 18:48
von Jolinar
Original geschrieben von shewolf
...und natürlich üben. Nach ca. 2000 Bewegungsabläufen ist die Bewegung dann im Hirn programmiert und bei Bedarf automatisch "abrufbar"
Na wenns nur so wenige sind, müsste es ja bald klappen :D
Müsst' ich mich mal ranhalten...

Verfasst: 14.11.2006, 20:56
von shewolf
Ich kann Dich trösten :-) seit anderthalb Jahren versuche ich, meine Körperhaltung beim Bogenreiten "einzuspeichern": Anker in der Körpermitte anstatt am Kinn...

Aber kaum passe ich mal nicht auf, schwupps ist der Arm wieder oben :D Wahrscheinlich bin ich erst bei Nr. 1435 :)

Verfasst: 14.11.2006, 21:54
von Jolinar
Na dann, wenn das so ist. Ich schreib euch dann so in zwei-drei Jahre wie es mir ergeht :D

Das gute ist, dass ich so noch nicht wirklich lange schieße und daher ist vielleicht das umlernen gar nicht sooo schwer...