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Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 20.12.2025, 14:04
von Chirurg
Hallo zusammen!
In der Werkstatt stehen bei mir alle möglichen Holzäste herum. Irgendwann geerntet, nix draus gemacht. Ein Hartriegelast, schon halbiert und entrindet, ist aufgrund seines verdrehten Endes ständig umgefallen und ich bin mehrmals darüber gestolpert. Jetzt hat es mir gereicht und ich habe das krumme Ende weggeschnitten und einen Bogen daraus gebaut. Das hat er jetzt davon!
Hartriegel (geerntet beim letzten Sapturnier 2025)
Bogenbauch getempert
147cm NtN
302 Gramm
55 Pfund bei 25 Zoll
3cm Reflex auf beiden Seiten, durch das Tempern kein permanenter Set bisher!
Fastflight 10 Strang
Finish mit Steinkohleteer (könnte man mit Terpentinersatz verdünnen, wird dann Goldbraun)
3x Schellack
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 20.12.2025, 14:52
von Ravenheart
Das kann man wohl schwerlich als Resteverwertung bezeichnen.... DAS ist Resteveredlung vom feinsten!!!
Gratulation!
Rabe
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 20.12.2025, 15:06
von Anasazi
Sehr schöner Winterbogen.... den findet man im Schnee.
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 20.12.2025, 17:21
von locksley
Sehr gelungenes Bögelchen, mit ordentlichem Zuggewicht.
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 20.12.2025, 17:53
von Neumi
Sieht mal wieder sehr gut aus. Der dürfte auch sehr gut für flight taugen. Wunderbar niedriges Gewicht!
Ich vermute, dass das Schellak-Finish gut den Geruch des Steinkohlenteers abschirmt.
Grüße - Neumi
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 20.12.2025, 19:15
von Chirurg
Dankeschön!
Neumi!
Das mit dem Flightschießen war auch mein erster Gedanke und ich bin daher heute Nachmittag mit dem Bogen auf die Wiese. Fast Windstille, -1 Grad. Mit 28 Gramm Pfeil 178m, mit 17 Gramm Pfeil und 4 Zoll Vanes 228m und mit meinen Flightpfeilen von Kolbingen (die Reste davon) 243m. Hat mich nicht umgehauen oder hätte ich mehr erwartet. Gut, es war kalt und der Bogen ist fürs Flightschießen nicht getunt. 10 Strang Sehne und lange Mittelwicklung ist zu schwer und die Bogenenden könnte ich auch noch reduzieren. Auffallend war, das der Bogen schnell nachgelassen hat (Ca. 50 Pfeile). Zuhause nachgemessen hat er nur mehr 50 Pfund auf die Zuggewichtswaage gebracht.
Das Steinkohleteer, das ich verwende, stinkt nicht! Habe ich sogar in der Wohnung aufgetragen. Braucht nämlich etwas Wärme, sonst ist es zu zäh. Mit dem Papier der Küchenrolle aufgetragen wird es dann mit weiteren sauberen Papiertüchern eingerieben und dabei der Überschuss entfernt. Nach 15 Minuten ist es so eingezogen und trocken, dass man den Schellack auftragen kann. Will man nur einen Goldbraunton, dann verdünne ich mit Terpentinersatz, diese Prozedur mache ich aber nur im Freien, dafür ist es derzeit zu kalt. Das Birkenteer dagegen stinkt extrem.
Das Steinkohleteer beziehe ich im Onlineshop bei -Hickory Golf Workshop-, wird als - Asphaltum- vertrieben
LG Stephan
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 20.12.2025, 19:19
von Coal
Ein Bogen mit schlichter Eleganz und toller Oberflächenbehandlung. Bin begeistert.
Zwei Fragen hätte ich: wie breit und dick ist der Bogen im Griffbereich und hatte der Bogen vor dem tempern keinen Reflex
Lg Coal
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 20.12.2025, 19:41
von schnabelkanne
Das sind doch tolle Werte bei dem geringen Gewicht und eine tolle Farbgebung.
Die Fotos könnten etwas Farbkorrektur und Tiefenschärfe vertragen.
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 20.12.2025, 22:35
von Neumi
Chirurg hat geschrieben: ↑20.12.2025, 19:15
mit meinen Flightpfeilen von Kolbingen (die Reste davon) 243m. Hat mich nicht umgehauen oder hätte ich mehr erwartet. Gut, es war kalt
Die Weite finde ich für einen Selfbow mit biegendem Griffbereich und der benutzten Sehne gut. Bei der Bogenlänge wäre fürs flight ein steifer Griffbereich angesagt. Außerdem ist das Holz aufgrund des geringen Alters für flight weniger gut geeignet als älteres.
Zusätzlich ist der Luftwiderstand im Winter meistens höher als im Sommer.
Für das Zuggewicht passen 6-Strang Spectra Endlossehnen oder noch dünneres Sehnenmaterial.
Grüße - Neumi
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 21.12.2025, 01:01
von Chirurg
Schnabelkanne!
Heute ist der kürzeste Tag und das schlechteste Licht, da kommt bei mir im Garten kein Sonnenstrahl übern Berg, da werden die Fotos nix, da bitte ich um Nachsicht
Neumi!
Ein Flightbogen braucht einen steifen Griff, ich habe es heute gespürt und weiß jetzt genau warum, beim Luftwiderstand war ich eigentlich anderer Meinung: kalte Luft kann nur wenig Feuchtigkeit speichern, der Luftwiderstand sollte daher geringer sein, oder hab ich da einen Denkfehler? Ach ja, kalte Luft ist dichter und damit schwerer (Inversionswetterlage), aber was überwiegt?
War gerade im Kino und habe mir Avatar 3 angesehen, anfänglich war ich ein Fan aber mit jeder Folge wurde es mühsamer und heute habe ich die letzte Stunde fast nicht mehr ausgehalten. Brauche jetzt ein Bier

Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 21.12.2025, 01:08
von Chirurg
Coal!
Der Bogen ist im Griffbereich 2,6cm breit und 1,9cm dick. Der untere Wurfarm hat einen natürlichen Reflex, der obere Wurfarm war in der Mitte leicht deflex, beim Tempern habe ich den oberen Wurfarm 4cm reflex eingespannt. Das Tempern hat 2x 25 Minuten gedauert
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 21.12.2025, 09:48
von Chirurg
Habe nachgelesen: Hauptbestandteile der Luft sind Stickstoff und Sauerstoff, beide Moleküle sind schwerer als H2O, das heißt fürs Flightschießen: möglichst warm, möglichst feucht und Kombination aus Aufwind und Rückenwind.
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 21.12.2025, 11:51
von Spanmacher
Wieder einmal ein prächtiges Stück Handwerk. Chapeau!
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 21.12.2025, 11:52
von Neumi
Chirurg hat geschrieben: ↑21.12.2025, 09:48das heißt fürs Flightschießen: möglichst warm, möglichst feucht
Nur kann man sich das Wetter nicht unbedingt aussuchen. Außerdem mag theoretisch warme, feuchte Luft optimal sein, nur praktisch betrachtet ist es das eben nicht. Mehrere Flight-Runden können schon mal 3 Std. oder länger dauern und in der Zeit liegt das Material in feuchter Luft und wird selbst feucht. Die Konzentrationsfähigkeit nimmt bei schwülem Wetter schneller ab und somit wird auch die Schießtechnik schlechter...
Ich persönlich mag am liebsten sonniges Wetter bei ca. 25-27° C mit rel. Luftfeuchte 50-55% und Windstille. Dann schieße ich am besten.
Viel wichtiger ist aber das Material und hier der Griffbereich: steif, am besten Centershot, damit man möglichst steife Pfeile benutzen kann. Wenn bei einem Selfbow ein Centershot nicht machbar ist, dann ein möglichst schmaler Griff (15, 16 mm) und eine Pfeilauflage. Und ein möglichst niedriges Bogengewicht mit möglichst kurzem Biegebereich. Und natürlich eine leichte, möglichst wenig dehnbare Sehne
Grüße - Neumi
Re: Hartriegelresteverwertung
Verfasst: 21.12.2025, 21:14
von fatz
Chirurg hat geschrieben: ↑21.12.2025, 01:01
...aber was überwiegt...
Du hast vergessen, das Holz bei Kälte steifer ist. Da hat dein Bogen mehr Bumms. Sorry, die Realität ist meistens komplizierter als gut ist
Brauche jetzt ein Bier
Prost!