Holunder 79@30

Hier kann man seine selbstgebauten Sachen zeigen. Nicht für Händler zum Vorstellen neuer Artikel gedacht.
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Stefan73
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Holunder 79@30

Beitrag von Stefan73 » 13.02.2020, 16:28

Also, es wird Zeit für meine erste Präsentation.

Es ist ein Holunder, angelehnt ans ELB-Design, leicht mitbiegender Griffbereich, 194 cm von Nocke zu Nocke, 79#@30" und 85#@32". Gemessen mit der Badezimmer-Waage, was sich nicht endgültig zuverlässig anfühlt. Ich brauch demnächst eine ordentliche Zugwaage.

Das Finish besteht aus Stahlwolle-Schliff und drei Schichten Parkett-Versiegelung, die Sehne habe ich aus zahlreichen Metern geflochtener Angeschnur gedreht, die hier noch in der Schublade lag. Funktioniert bestens.

Es ist nicht so richtig mein allererster Bogen, allerdings der erste, den ich bis zum Finish gebracht habe. Meine ersten Versuche haben sich im Bereich von knapp 30 bis etwa 45# bewegt, ein Hasel und zwei Holler sind tatsächlich schussfähig. Dann gibt es noch drei Kinderbogen, ebenfalls Hasel und Holler, für meinen Filius.

Der Große jetzt war der erste, den ich auf den Tillerstock gelegt habe. Dass ich im Zuggewicht so hoch gegangen bin, liegt daran, dass der Ast - für meine Augen - einfach der Hammer war:

IMG_0426-min(1).JPG
IMG_0424-min(1).JPG

Ich bin viel draußen, die Augen immer im Gebüsch - aber so einen habe ich seitdem nicht wieder gesehen.

Also war mein Plan: 60 mindestens, weniger wird dem Holz nicht gerecht. Tatsächlich ist es noch ein Stück mehr geworden, und damit bin ich echt glücklich. Er zieht sich ordentlich stramm, für mich aber noch gut im Bereich des Machbaren.

Ich kenne natürlich die vielen Ratschläge hier im Forum, mit viel, viel weniger Zuggewicht anzufangen, und ich sehe den Sinn dahinter. Das Gefühl aber, 40 Kilo Zugkraft auf weniger als einen halben Quadratzentimeter zu konzentrieren, die Wucht beim Lösen zu spüren und dann dem Pfeil (ziemlich lange) nachzuschauen, bis es von weit weg leise "tick" macht - das gefällt mir so viel besser, als auf 20 Meter einen Karton zu durchlöchern mit 30#. Meine nächsten Projekte werden also wohl ebenfalls eher hoch angesetzt sein in Sachen Zuggewicht. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Erstmal Bilder (und ich muss feststellen: Es ist gar nicht einfach, einen langen, schmalen Stock so zu fotografieren, dass es irgendwie nach was aussieht):


IMG_0984-min.JPG
Unterer WA
IMG_0990-min.JPG
Oberer WA
IMG_0985-min.JPG
Bauch
IMG_0980-min.JPG
Rücken oberer WA
IMG_0981-min.JPG
Rücken unterer WA
IMG_0788-min.JPG
Pass. Die Sonne ist mit dem Messer geschnitten, dann Holzkohle mit klarem Montagekleber vermischt, reingerieben, geschliffen und alles überlackiert. Ich muss Schnitzen üben, das Verfahren gefällt mir außerordentlich gut.
IMG_0979-min.JPG
Weiß zufällig jemand, wie beim Holler diese stehenden Strukturen zustande kommen? Die hab ich schon öfter gesehen und finde sie optisch voll geil :)
IMG_0794-min.JPG
Untere Nocke
IMG_0991-min.JPG
Nochmal die untere. Oben hab ich irgendwie nicht fotografiert.
IMG_0997-min.JPG
Ungespannt
IMG_0999-min.JPG
Standhöhe
RHMZ2438_b.jpg
Auszug knapp unter 30"

Special Thanks bleiben mir noch, besonders für Neumi und Schnabelkanne und auch für alle anderen, die mich beim Bauen unterstützt haben. Das war große Klasse :)

Für Kritik bin ich völlig offen - dass ich noch viel zu lernen habe, weiß keiner besser als ich.


Viele Grüße!

Stefan

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fka
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Re: Holunder 79@30

Beitrag von fka » 13.02.2020, 16:49

Aller Schwede, das ist mal ein Einstand. Tiller finde ich gut. Und ja, der holler den du da gefunden hast ist wirklich erste Sahne!
Gruß
Felix

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fatz
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Re: Holunder 79@30

Beitrag von fatz » 13.02.2020, 17:08

Ich hoffe dass er dir lange bleibt. Meine Erfahrungen mit Holler bestehen leider aus spontanen Spreiseln. Eigentlich haett er bei dem Zuggewicht Hornnocken verdient. Aber das ist schon das einzige, was ich auszusetzen hab. Ich mag Boegen mit ordentlich Bumms.
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Holunder 79@30

Beitrag von TorstenT » 13.02.2020, 17:31

Gratuliere! Der ist doch sehr gut geworden - nicht nur unter dem Gesichtspunkt, dass er einer Deiner ersten ist. Und er hat auch ein solides Zuggewicht!
Das Einzige, was mir so gar nicht gefallen mag, sind die Nock-Overlays. Die finde ich zu klobig und die wirken wie Fremdkörper auf dem WA-Ende. Zumindest den dicken Knubbel hinter der Nockkerbe würde ich noch etwas schmälern und abflachen.
Aber das ist Meckern auf hohem Niveau...

LG
Torsten

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Re: Holunder 79@30

Beitrag von Neumi » 13.02.2020, 17:32

Als ersten Bogen gleich nen warbowartigen zu zeigen finde ich richtig gut.
Und den Bogen finde ich auch richtig gelungen, die Tillerhilfen hast Du super umgesetzt und das muss man erstmal schaffen 8)
Ansonsten: die Parkett-Versieglung ist so garnicht meins und die Nock-overlays finde ich gruselig ;D :D
Grüße - Neumi
...Versuch und Fehler bevor die Sarg-Nägel eingeschlagen werden...

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Re: Holunder 79@30

Beitrag von Stefan73 » 13.02.2020, 17:51

Neumi hat geschrieben:
13.02.2020, 17:32
die Parkett-Versieglung ist so garnicht meins und die Nock-overlays finde ich gruselig ;D :D
Grüße - Neumi
Hey :) Die Parkett-Versiegelung ist meins tatsächlich auch nicht. Wobei die Optik schon passt, damit, wenn es auch die Holzstruktur nicht zusätzlich betont. Ich werd das Zeug deswegen nicht mehr verwenden, weil die Holz-Haptik komplett flöten geht. Hätte ich mir - klar - vorher denken können. Aber dann war ich doch irgendwie enttäuscht. Der Holler hat sich so klasse angefühlt. Vorher.

Und das mit den Nocken hat noch Luft nach oben, weiß ich schon :) Für die nächsten nehm ich Rosenholz, komplett weiß und steinhart. Horn mag ich nicht.

fatz hat geschrieben:
13.02.2020, 17:08
Meine Erfahrungen mit Holler bestehen leider aus spontanen Spreiseln.
Das fuck :-\ Deuten Deine Erfahrungen auf eine allgemeine Knacksfreudigkeit beim Holler hin - oder meinst Du, das lag vielleicht doch am jeweiligen Stave? Holler als Bogenholz hat mich - bisher - sehr überzeugt. Wär schade, wenn ich mich da täuschen würde. Und Bögen mit ordentlich Bumms mag ich auch :)

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Re: Holunder 79@30

Beitrag von Grombard » 13.02.2020, 18:40

Schöner Tiller.
Sauber gearbeitet.
Nocken fände ich in Horn auch deutlich besser.

Meine Holler haben bis auf einen Mölle, bei dem ich die Nadeln zu schlank gemacht habe, alle gut gehalten.
irgendwas is ja immer

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Re: Holunder 79@30

Beitrag von Hieronymus » 13.02.2020, 19:01

Von mir auch Daumen hoch. Das meiste wurde bereits gesagt und deshalb muss es nicht wiederholen, was nicht heißen soll das ich das nicht genauso finde ;) Hornnocken ala ELB würden dem richtig gut stehen, aber jeder Jeck is anders ;D Also für den ersten Bogen...Hut ab... vor allem das Zuggewicht mit dem Tillerbild zu erreichen, ist als Anfänger nicht einfach.

Gruß Markus
«Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, daß das, was wir Wirklichkeit getauft haben, eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traumes.»
Salvador Dalí

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Re: Holunder 79@30

Beitrag von Bowster » 13.02.2020, 19:15

Meinen allerhöchsten Respekt, zu den Feinheiten wie Nocks, das ist halt auch eine Geschmacksfrage, egal ob Horn oder was auch immer, ich bin da ein Verfechter der grösstmöglichen Reduktion.

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Re: Holunder 79@30

Beitrag von fatz » 13.02.2020, 19:30

Stefan73 hat geschrieben:
13.02.2020, 17:51
Deuten Deine Erfahrungen auf eine allgemeine Knacksfreudigkeit beim Holler hin - oder meinst Du, das lag vielleicht doch am jeweiligen Stave?
Kann ich schwer sagen. Mir sind alle (3?) an einem der Knubbel ueber den Ruecken abgegangen. Scheppert ganz gut....
Beim SapTurnier vor 2 oder 3 Jahren sind die Holler reihenweise auf die Tour geplatzt. Ich komm selten an so einen langen Stave wie deinen. Bei mir hier (Alpenrand) waechst Holler immer nach 1.6m ums Eck. Das langt mir mit 32" Auszug zum Mundwinkel ned wirklich.
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Re: Holunder 79@30

Beitrag von Stefan73 » 13.02.2020, 20:29

fatz hat geschrieben:
13.02.2020, 19:30
Ich komm selten an so einen langen Stave wie deinen. Bei mir hier (Alpenrand) waechst Holler immer nach 1.6m ums Eck. Das langt mir mit 32" Auszug zum Mundwinkel ned wirklich.
Ich bin aus der Augsburger Gegend, und langer gerader Holler ist hier ganz klar auch Mangelware. Was meiner Ansicht nach aber auch daran liegt, dass er kaum mal wachsen kann, wie er will. Überall wird alles immer großzügig zurückgeschnitten.

Waldränder ohne Weg daneben haben sich als vielversprechend erwiesen. Ich hab noch zwei Äste im Auge, die mit dem aus dem Thread hier hoffentlich mithalten können.

Ich will die 100 knacken mit Holler 😊

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Re: Holunder 79@30

Beitrag von st800 » 13.02.2020, 20:43

Hallo Stefan,
sehr schöner Bogen. Absolut gelungen.
Hoffe mein nächster wird annähernd so gut.

Bei uns auf dem Gelände wächst der Holunder wie Unkraut.
Aber so schöne lange Stäbe gibts hier leider auch nicht

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Re: Holunder 79@30

Beitrag von fatz » 13.02.2020, 21:00

@Stefan73
da bist ned so weit weg von mir (Naehe Rosenheim). Der Holler bei mir wird eigentlich nicht geschnitten, aber vermutlich ist der Boden hier ned so besonders, weil oft torfig. Bei so 1.6m rum kriegen die Schoesslinge dann immer einen Ast und der Rest waechst dann im Winkel weiter.
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Holunder 79@30

Beitrag von F'al Gran » 14.02.2020, 00:12

Sehr geiler Bogen, Respekt und Anerkennung!

Sonst ist ja alles gesagt, aber es sei nochmal gesagt: Habe lange Freude an dem Teil!
Hätte, hätte, Moppedkette...

m(fg)²

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Re: Holunder 79@30

Beitrag von schnabelkanne » 14.02.2020, 07:43

Servus, ja jast 80 # mit Holler ist eine tolle Leistung, da passt der Tiller auf jeden Fall.
Beim Nächsten unbedingt schöne Hornnocken.
lg Thomas
The proof of the pudding is in the eating!

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