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Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 01.04.2012, 18:39
von tscho
Hab heute Nachmittag mal die Zeit genutzt und mir mal bei einem Bekannten einen originalen aus Afrika stammenden Bogen genau angesehn. Will Euch den nicht vorenthalten, denn die Bauweise ist mal etwas ganz anderes , und wiederspricht so manchen gängigen Grundsätzen. Der Bogen wurde einem Einheimischen 1975 direkt am Wegesrand abgekauft, Ort des Geschehens, Kenia, nördlich von Eldoret. Der gute Mann gehörte zum Stamme der Pokot.
Der Bogen wurde wohl vermutlich aus ner Ebenholzart oder Mahagoni gebaut, aber die Infos stammen nicht von mir, und sind auch nur Vermutungen, vielleicht weis das jemand besser. Die Sehne wohl aus Fasern des Affenbrotbaums , keine Ahnung.
Ihn aufzuspannen wagte ich mich nicht, hab mir aber damit beholfen, ihn auf zwei Stuhllehnen zu legen genau an den Sehnennocken und habe dann die Zuggewichtswaage in der mitte des Bogens eingehängt die Zuggewichtszunahme betrug 3 Kg pro cm.Bei 1 cm vorspannung , also die Messung zwischen 1-2 cm Durchbiegung , mehr wollte ich nicht wagen. Kann das jemand umrechen ? Der Sehne traute ich nichts mehr zu also blieb in dem Moment nur diese Möglichkeit.
Daten :
Gesamtlänge : 154 cm
Länge von Nock zu Nock : 140 cm
Bogenmitte : 21 mm oval ( hab leider das 2. Maß dazu vergessen zu messen )
Am Bogenende 10 mm rund
Gewicht mit Sehne : 418 g
Set : 4,5 cm
Pfeile :
79 cm Gesamtlänge
Schaftdurchmesser 9mm
Pfeilspitze 13 cm
Das Gleichgewicht lag bei 28-30 cm von der Spitze gemessen
Gewicht : 50 - 54 g
Was ich oben schon erwähnte , der Querschnitt des Bogens war stellenweise Rund bis oval, und zwar symetrisch gleich von der Bogenmitte aus rechts wie links.
Die Griffmitte war oval aber nicht flach gelegt zum Rücken sondern schräg unter ca. 45° die ovalen Stellen zeigten sich im Abstand aus der Bogenmitte 3 mal und zwar bei 15 cm , 35 cm und nochmals bei 45 cm .
So.Vielleicht kann jemand mehr zum Holz oder anderen verwendeten Materialien sagen , der Querschnitt irritert mich schon, warum sollte man sowas machen ?
War es vielleicht ein krummer Stave den er damit gerade zog ? Der Bogen läuft absolut sauber gerade zur Sehne.
Gruß
tscho
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 01.04.2012, 18:57
von _Mongole_
WOW
wenn ich nur daran denke, dass ECHTE afrikanische Ureinwohner DIESEN Bogen gebaut haben und sich mit DIESEM Bogen mit Fleisch versorgt haben....
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 01.04.2012, 19:38
von Holzfäller
Das Interessante ist das "unkonventionelle" Design.
Es passt aber auch zur Jagdweise der Afrikanischen Ureinwohner - verwunden und der Spur folgen.
desshalb ist das Zuggewicht nicht unbedingt das wichtigste...
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 01.04.2012, 19:59
von lonbow
Toller Bogen! Es ist schon was besonderes, so einen zu haben
Von rundem und owalen WA-Querschnitt an afrikanischen Bögen habe ich auch schon gehört! Vielleicht ist das Holz sehr zugstabil?
Schwach ist der Bogen sicher nicht, denn ein Pfeilgewicht von 50-54g sind schon ein ganz schönes Kaliber!
Bist du dir sicher, dass das gemessene Gewicht bei 1cm Auszug wirklich 3kg betrug? Das erscheint mir schon extrem hoch!
grüße,
David
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 02.04.2012, 07:08
von tscho
@ David
1 cm Durchbiegung am Bogen ist nicht dasselbe wie 1cm Auszug.
Gruß
tscho
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 02.04.2012, 08:14
von Sateless
ich schätze ~60lbs bei 28" auszug, die wohl nicht erreicht werden.
in der tbb4 (zumindest der googlebooks voranschau) steht ein 70" 70lbs bogen mit 624g masse. angenommen der bogen wär auch 70" lang, dann hätte er bei nm gewicht von 390g (hab etwas für die sehne abgezogen) 44 lbs. wenn er pro zoll kürzung ein pfund zulegen würde, käm man bei 59lbs raus. nicht sehr genau, aber zumindest mir plausibel.
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 02.04.2012, 09:19
von tscho
Könnte hinkommen, geschätzt hätte ich auch so um die 50 - 60#, wär aber schon enorm für das runde Profil.
Das wär die nächste Frage, ließ der sich auf 28 " ziehn ? die Pfeillänge würds hergeben.
Hat jemand ne Ahnung was das für ein Holz ist ? Wenn das nen komplett Runden Querschnitt verträgt muss das ja klasse Eigenschaften haben
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 02.04.2012, 11:00
von captainplanet
Generell sind bei vielen Naturvölkern die Pfeile deutlich länger als der Auszug, weil die höhere Durchschlagskraft durch mehr Masse wichtiger ist als eine hohe Pfeilgeschwindigkeit.
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 02.04.2012, 12:15
von tscho
Ja, solls gegeben haben, genauso sieht man aber auch Bider mit Ohrauszug......wenn ich aber so vergleiche mit dem Pfeilgewicht wärs ne ganz schön lahme Krücke gewesen wenn evtl nur mit 40# geschossen worden wäre.Bei dem Pfeilgewicht hätt man schon auf 60 zumindest 50# ziehen müssen.Kann ja sein, vielleicht hat er das ja bei sagen wir mal 24/26 zoll.
Hat Niemand ne Vermutung zum Holz ?
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 02.04.2012, 13:27
von Snake-Jo
Das Profil ist eigentlich für solche Bogen normal. ich kenne viel Bogen aus Afrika mit diesem Querschnitt, manchmal auch flachoval, aber oft eben einfach wie ein "Stock".
Auszugslänge und auch Zuggewicht kann man nicht mit unseren Sportbogen vergleichen, denn diese Bogen wurden alle für ihren Bestimmungszweck gebaut, z.B. habe ich in Kamerun "Flitzebogen" gesehen, die eher an Kinderbogen erinnerten. Damit wurden kleine Pfeile mit Eisenspitzen verschossen aus rund 4 m Entfernung auf Warzenschweine. Zuggewicht so ca. 25 lb bei einem Auszug von max. 60 cm, eher 50.
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 02.04.2012, 13:54
von Wilfrid (✝)
Was bitte ist an dem Design so "unüblich" n ELB sieht auch nicht anders aus, nur länger.
Auszug , normales , also kein schlechtes Bogenholz vorrausgesetzt , 126cm/2 = 62 cm ~24"
Und das Zuggewicht nach dem Bogenmasseprinzip etwas mehr als 65#
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 02.04.2012, 14:06
von Gornarak
Wenn ich tscho richtig verstanden habe, ist der Bogen aber im Mittelbereich flach gearbeitet und hat nur zu den Enden hin ein D-Profil. Das ist ja schon irgendwie ungewöhnlich.
Vielleicht hat der Erbauer den Bogen ja auch nur weggegeben, weil es ein Versuchsdesign war, das schlecht schießt.
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 02.04.2012, 14:37
von Snake-Jo
Nein, garnicht. Ich wäre jetzt vorsichtig mit Ausdrücken wie unkonventionell, ungewöhnlich, Versuchsbogen etc. wenn man nicht viele Bogen zum Vergleich gesehen hat . Die afrikanischen Bogen sind ein weites Feld, auch was das Holz dafür angeht. Es gibt da einige hundert Baumarten, die in Frage kommen und manchmal sogar lokale Arten, die noch kein Mensch richtig beschrieben hat.
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 02.04.2012, 15:02
von Wilfrid (✝)
naja, flachoval ....
jedes Holz verträgt bei einer bestimmten Dicke nur eine bestimmte Biegung. Daraus kommt dann bei Länge x Auszug y ohne Set.
Die zulässigen Spannungen an Bauch und Rücken darfst Du eben nicht überschreiten. Ist wie beim Kaltbiegen von Blech , da gilt ~r=2xd.
Nur das die Radien deutlich größer sind und eben gestauchtes/gezerrtes Holz noch trägt. Kaum Set bei schlechter Esche
D~30mm , R 1000 mm einen 3 mm Span kannst Du ja auch um ein 200 mm Rohr wickeln und der geht locker wieder zurück. Machste die Wicklung enger, bricht er Dir vielleicht.
Re: Afrika Bogen - Kenia 1975
Verfasst: 02.04.2012, 16:56
von tscho
Gornarak hat geschrieben:Wenn ich tscho richtig verstanden habe, ist der Bogen aber im Mittelbereich flach gearbeitet und hat nur zu den Enden hin ein D-Profil. Das ist ja schon irgendwie ungewöhnlich.
Vielleicht hat der Erbauer den Bogen ja auch nur weggegeben, weil es ein Versuchsdesign war
Ne , der wollte eigentlich gar nicht gleich verkaufen,erst nach diskussionen und verhandlungen
Nein, völlig falsch verstanden.
ovale Stellen wechseln sich mit runden Stellen ab.Aber in einer Regelmäßigkeit und Symetrie der beiden Wa`s.
Dazu kommt, daß die flachovalen Stellen, wenn ich ne Linie ziehen würde duch die längere Mittelachse des Ovals, schräg unter 45 ° im Bogen liegen, alle aber gleich auf eine Seite raus.
schätze ich werd nen Plan zeichnen müssen,oder hat das jemand verstanden ?