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Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 14.09.2011, 18:06
von fopster
Liebe Bogenbaugemeinde!
Ich bin im Begriff meinen ersten Bogen zu Bauen und hätte ein paar Materialfragen.
Da ich von Beruf Zimmermann bin und sowieso vom Holzfieber befallen bin möchte ich mich mit selbsthergestellten Laminaten aus diversen Hölzern versorgen.
Zu den Grunddaten:
Ein Holzverarbeitungsbetrieb in der Nähe (Linz) ist darauf spezialisiert feine Streifen aus Holzpfosten herauszuschneiden und würde mir aus mitgebrachten Hölzern Streifen herausschneiden.
Ich hätte also etwas Esche, Hickory und Robinie für die Bogenlaminate genommen und meine Fragen wären:
Ich nehme an Lufttrocken reicht nicht, die Hölzer sollten Kammertrocken sein, oder?
Soll ich die Laminate wie in Abb. 1 herausschneiden, daß die Jahresringe im Laminat liegen, oder wie in Abb. 2 (natürlich nicht direkt aus dem Kern) wo sie stehen.
Für Griffstücke würde ich so ein Art Actionwood selbst laminieren.
Ich hätte dabei an Eiche, Buche und etwas Banquirai gedacht, wobei ich dies aus mehreren Schichten mit 3 mm abwechselnd epoxieren würde.
Irgendwelche Einwände, oder vielleicht Vorschläge welche Hölzer noch gut wären?
Danke, Fopster
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 14.09.2011, 19:15
von Squid (✝)
Woahhh! Stopp!
Du musst - tut mir ja leid - erst mal den Zimmermann vom Bogenbauer trennen. Beide Berufe haben ganz andere Herangehensweisen. Ein Zimmermann gibt dem Holz die Form, ein Bogenbauer lässt sich die Form vom Holz vorgeben.
Zur Holztrocknung: Kammergetrocknet ist gar nicht mal so gut. Oft versprödet Holz und ist dann für den Bogenbau nicht mehr geeignet - langsames (oft Monate oder gar Jahre) Trocknen ist für den Bogenbauer erstrebenswert!
Zu den Abbildungen: Eher wie Nummer eins. Denn dann steht dir ein durchgehender Jahresring als Rücken zur Verfügung.
Eiche und Buche als Griff gehen - als Bogenholz sind die Murks.
Und Vorsicht bei dünnen Laminaten. Wenn Holz zu dünn geschnitten wird, kann es kaputt gehen. Dann sind die Zellen geschädigt, die Fasern gequetscht oder zerrissen und zum Bogen taugt das Ganze wie Pappe in der Dusche.
Laminate aus Esche, Hick und Robinie sind grundsätzlich ne gute Sache - allerdings sind alle Hölzer eher zugfest, also für den Bogenrücken geeignet. Ein druckfestes Innenleben wäre also auch nicht schlecht, Eibenkern, Osage, Massaranduba, Kirsche, Walnuss oder Weissbuche kommen beispielsweise in Frage.
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 14.09.2011, 19:24
von GottfriedM
Unterschätze die Zimmermänner aus Oberösterreich nicht...
Gottfried
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 14.09.2011, 23:31
von Morten
Hallo fopster,
Abb. 1 ist O.K., Abb. 2 nicht:
Wenn Du stehende Ringe in den Laminaten willst, Kanteln aus den Schwarten schneiden und dann diese zu Laminaten mit stehenden Ringen verarbeiten.
Ich würde die nicht aus dem Kern rausschneiden!
Und natürlich musst Du dem Wuchs des Holzes folgen, aber das ist ja logisch.
Was für Bogen möchtest Du denn laminieren? Glasbelegte?
Morten
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 15.09.2011, 11:32
von joachim777
@Sqid
Eiche und Buche als Griff gehen - als Bogenholz sind die Murks.
Das Buchenholzmärchen hält sich hartnäckig.
Den Bogen auf dem Bild habe ich aus Rotbuche gebaut
Wenn ich endlich mal die Bemalung fertig hab werde ich ihn mal detailiert vorstellen
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 15.09.2011, 11:38
von Galighenna
Oh wie ich imageshack hasse... (sau lahm die Seite und Werbung... naja

)
Der Bogen is aus Rotbuche? Wäre interessant da mal was näheres zu erfahren. Rotbuche IST sehr kurzfaserig und daher mit Sicherheit problematisch am Bogenrücken. Hat er ein Backing?
(Ohne es böse zu meinen: Es könnte auch mal wieder einer dieser Typischen Ausnahmen sein, die wider aller Erfahrung trotzdem irgendwie funktionieren)
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 15.09.2011, 12:22
von Squid (✝)
Ja doch. Amerikanische Roteiche geht auch.
Aber ich gehe doch von den hier erhältlichen Hölzern aus.
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 15.09.2011, 12:59
von joachim777
Galli, ja er hat ein backing aus Leinenzwirn. Ob es eine Ausnahme ist kann ich nicht beurteilen, aber 3 weitere Bögen aus demselben Rotbuchenbrett funktionieren auch. Frage mich woher die Geschichten kommen von kurzfaserig und knittert etc. Kommt mir so vor als würde es jeder dem anderen nachplappern aber niemand probiert es aus. Bald hab ich Ferien, da werd ich obigen Bogen mal filmen beim Schuss. Mir kommt das Holz sehr stauchfest rüber.
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 15.09.2011, 13:40
von Galighenna
Ja gut möglich das eben DIESES Brett funktioniert. UND er hat ein Leinenbacking das ihn vor Bruch schützt. Soweit mir das bekannt ist, ist Buche halt ein kurzfaseriges Holz und kurzfaserige Hölzer brechen leicht über den Rücken weil sie nicht so gut Zugspannungen vertragen. Daher könnte also das Leinenbacking der Grund sein weshalb der Bogen funktioniert.
(hauptsache du fasst dies nicht als kritik an dem Bogen auf oder sowas...) Es gab hier durchaus schon versuche mit Buche und soweit ich weiß ist die überwältigende Mehrzahl gescheitert.
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 15.09.2011, 14:10
von joachim777
die Faserlänge bei Buche ist 1.0 -1.2 mm. Die Faserlänge bei Tanne ist 3.5 - 6 mm, Taschenbuch der Holztechnik von Frieder Scholz. Was lernen wir daraus?
Lasst und Tannebögen bauen? Die Faserlänge ist nichtssagend.
Nein, ich fass das nicht als Kritik auf, wie wollen ja alle dazu lernen, oder?
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 15.09.2011, 15:01
von Heidjer
Nach meinen Wissen funktioniert Buche (Rotbuche) wenn es keine hohen Zugkräfte aufnehmen muß auch auf Bögen.
Buche hat nur einige Schwächen, es ist Zugschwach, Selfbögen brechen gerne vom Rücken her. Es reagiert sehr stark auf Feuchtigkeitsschwankungen, da verwirft und verdreht es sich gerne und es ermüdet schneller als andere Hölzer, es leiert aus und verliert seine "Schnellkraft".
Das alles führt dazu das es als Bogenholz keinen guten Ruf hat, warum also in ein eher mindergeeignetes Holz Arbeit und Energie investieren? Esche, Ahorn, Ulme, Kirsche und anderes geeigneteres Holz ist im Handel genauso leicht zu bekommen wie Buchenbretter!
Natürlich kann man Bögen aus Buche bauen wenn man diese Schwachpunkte beachtet, man wird aber immer nur Bögen erhalten die eher im unteren Leistungsbereich anzusiedeln sind.
Gruß Dirk
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 15.09.2011, 15:52
von Galighenna
joachim777 hat geschrieben:die Faserlänge bei Buche ist 1.0 -1.2 mm. Die Faserlänge bei Tanne ist 3.5 - 6 mm, Taschenbuch der Holztechnik von Frieder Scholz. Was lernen wir daraus?
Lasst und Tannebögen bauen? Die Faserlänge ist nichtssagend.
Nein, ich fass das nicht als Kritik auf, wie wollen ja alle dazu lernen, oder?
Naja betrachte das ganze doch mal etwas weniger radikal. Wenn du mal ein Stück Tannen- oder Fichtenholz brichst wirst du feststellen, das dieses Holz immer zuerst an der Bauchseite aufgibt und einknickt bevor die Rückenseite reißt. Und was lernen wir daraus für den Bogenbau? Genau: es KÖNNTE sich als Backing eignen. Soweit ich weiß wurde dies auch tatsächlich von einigen Nomaden gemacht (ich glaub irgendwo in der Russischen Tundra oder so, vll weiß das noch jemand)
Es spielt aber auch nicht nur die reine Faserlänge eine Rolle sondern auch wie stark die Fasern zusammen halten. Bei Tanne/Fichte ist dieser Zusammenhalt eher schwach. Bei Buche deutlich höher (deshalb macht man auch auch Buche gerne Holzschrauben etc, weil da seltener ecken aus dem Gewinde brechen) Dennoch sorgt die Kurzfaserigkeit für eine nur geringe Zugstärke...
Hast du auch Daten zu den Faserlängen der anderen gängigen Bogenhölzer? Robinie, Esche, Holunder, Hasel... Das wäre wirklich sehr interessant! Dann könnte man die Hölzer auch mal von der Seite her miteinander vergleichen.
Bei der Suche per Google-Books hab ich nämlich leider keine weiteren Angaben zu anderen Hölzern gefunden.
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 15.09.2011, 16:23
von joachim777
@ Dirk, das weiss ich doch alles. Habs trotzdem gemacht. Ende der Bronzezeit haben auch alle gesagt, aus Eisen kann man keine Messer machen

Buche hat mehr Druckfestigkeit in N/mm2 als Eibe. DAs hat für meine Neugier gereicht. Zudem lässt sich kaum ein anderes Holz dermassen gut in Form dämpfen.....dann backen mit Fasern (Hanf, Leinen)
@ Galli, muss mal schauen, ich hab zwar mit der Zellstoffindustrie zu tun, aber es ist gar nicht so einfach da mehr zu finden....
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 15.09.2011, 18:21
von walta
Die ganze Diskussion hilft dem fopster aber jetzt nicht sehr viel.
Walta
Re: Laminate und Giffstücke herstellen
Verfasst: 15.09.2011, 19:48
von joachim777
Walta, richtig, aber dein Beitrag noch weniger.....
Fopster: Ich persönlich würde Laminate mit stehenden Ringen sägen lassen für die Backings, also die Bogenseite die von dir wegschaut, 3-5 mm ist ein guter Start. Wenn du genau einem Ring folgen kannst ist liegend besser.
Für den Belly (schaut gegen dich) spielt es meiner Erfahrung nach weniger eine Rolle. Aber da würde ich Hölzer wählen die druckstabiler sind: Hainbuche, Nussbaum, Kirsche, Fruchthölzer....