Leichte Armbrüste mit Sperrholznuss
Verfasst: 15.11.2010, 17:59
Hallo Forum,
den Bau einer Armbrust hatte ich immer mal erwogen. Allerdings halten sich meine Fähigkeiten bei der Metallverarbeitung in Grenzen, so dass der Einsatz von massivem Metall bei der Nuss oder Federstahl beim Bogen und damit ein Eigenbau überhaupt bislang ausschied. Wobei mir gerade die Verarbeitung von Federstahl (und die entsprechenden Gefahren bei fehlerhafter Verarbeitung) sowie die dabei von den Kollegen hier diskutierten monstermäßigen Zugkräfte (was sind schon 400 kg...) ohnehin immer ein wenig Angst gemacht haben.
Nachdem man hier aber auch immer wieder was zu Versuchen mit Nuss und Bogen aus alternativen Materialien lesen konnte, habe ich doch noch mal überlegt, was insoweit mir als altem Holzwurm möglich ist.
Bei einer Nuss aus Holz prüft man alsbald, wie die Maserung verlaufen soll, wenn die Sehne die Nuss nicht entlang der Maserung zum Reißen bringen sollen. Ich habe für die Nuss deshalb schließlich Flugzeugsperrholz (finnisches Birkensperrholz, hier 3 – 6 mm) eingesetzt, das ich vom Bumerangbau her noch in diversen Stärken da hatte. Davon habe ich einige Reststücke flach und schön kreuz und quer aufeinander verleimt. Anschließend habe ich dann einen Nussrohling per Lochsäge und Bohrmaschine ausgesägt, den ich in der Bohrmaschine unter Einsatz einer Feile ein wenig „noch runder gedreht“ habe, bis er schön gleichmäßig war. Vorteilhaft war dabei, dass die Bohrung schon von der Lochsäge her in der Mitte des Werkstücks liegt und die Nuss sich so schön um die eigene Achse drehen kann. Die üblichen Arbeiten zum Herausarbeiten der Nussfinger und des Widerlagers für den Abzug waren in Holz schnell gemacht, wobei ich das Widerlager für den Abzug mit eingeklebten Metallplättchen gegen Abnutzung verstärkt habe.
Ich meine, dass die Nussfinger aus Sperrholz (bei 2 Schichten pro mm und knapp 28 mm Nussbreite ergo über 50 Schichten) ordentlich was aushalten können. Zumindest Risse entlang der Maserung scheiden wohl aus.
Den Nussbrunnen habe ich dann seitlich in ein dickes (28 mm) und halbwegs im künftigen Säulenprofil gearbeitetes Ahornbrett per Forstnerbohrer gebohrt und so nachgearbeitet, dass die Holznuss sich schön drehen kann. Nach den üblichen Arbeiten mit dem Stemmeisen für die Abzugstange habe ich dann seitlich dünnere Ahornbretter wie Backen darüber geklebt. Anschließend habe ich Bohrungen für eine Nussachse sowie für die Achse des Abzugs gemacht und die Armbrustform aus dem kantigen Rohling herausgearbeitet.
Nachdem sich Versuche mit Holzbögen (auch mit Bambusbacking) als untunlich erwiesen hatten und Horn-Sehne vom Zeitplan her ausfiel, habe ich auf eBay zufällig das Angebot von Ersatzbögen in leichter Recurveform aus Fiberglas gefunden. Einen Bogen mit der Angabe 150 lbs (rund € 30) und einen (kleineren, für eine „Armbrustpistole“) mit der Angabe 80 lbs (rund € 15) hatte ich flux erworben, wobei mir diese Zuggewichte vollkommen ausreichend erschienen. Die Montage der Bögen war dann keine schwere Arbeit mehr. Wie ich hier sehe, haben so manche Kollegen wohl auch dschon iesen Fiberglasbogen mit 150 lbs verbaut.
Mir ist klar, dass der etwas unsportliche Einsatz von fertigen Bogen, noch dazu aus Fiberglas, hier nicht jeden begeistern wird. Aber immerhin kam ich so mit meinen Möglichkeiten weiter. Außerdem hatte ich immer noch genug zu werkeln, bis das Projekt geschafft war.
Das Ergebnis zeigt sich aus den angehängten Bildern. Die größere Armbrust mit dem 150 lbs-Bogen (keine Ahnung, ob die bei dem gewählten Auszug erreicht werden) hämmert 20 cm lange 5/16-Bolzen mit TopHat-Bulletspitze auf 10 m mit einem gewaltigen Schlag rund 2 cm tief in eine Tischlerplatte. Die kleinere Armbrust mit dem 80 lbs-Bogen zerstört die mitgekauften (billigen) Alupfeilchen nach wenigen Schüssen. Da werde ich mir noch was einfallen lassen müssen. Jedenfalls wird schon mit solchen eher geringen Zuggewichten sofort klar, warum die Armbrust als Waffe gilt.
Das Ziel, handwerklich/technisch besonders hochwertige Armbrüste zu bauen, hatte ich nicht. Vielmehr wollte ich überhaupt mal eine Armbrust mit meinen Möglichkeiten bauen und dabei „on the job“ weitere Erkenntnisse sammeln, etwa über die Dimensionierung und Lage der Nuss, die Form und die Abmessungen der Säule, die Hebelverhältnisse des Abzugs, zur Wicklung etc. Das habe ich erreicht. Vor allem scheint mir der Versuch mit der recht leichten Nuss aus Flugzeugsperrholz gelungen zu sein. Einen ebenfalls angebotenen 175 lbs-Bogen werde ich auf diese Weise auch noch verbauen und wage mich dann mit den gewonnenen Erkenntnissen vielleicht an historisch korrekte Materialien.
Beste Grüße
Christian
den Bau einer Armbrust hatte ich immer mal erwogen. Allerdings halten sich meine Fähigkeiten bei der Metallverarbeitung in Grenzen, so dass der Einsatz von massivem Metall bei der Nuss oder Federstahl beim Bogen und damit ein Eigenbau überhaupt bislang ausschied. Wobei mir gerade die Verarbeitung von Federstahl (und die entsprechenden Gefahren bei fehlerhafter Verarbeitung) sowie die dabei von den Kollegen hier diskutierten monstermäßigen Zugkräfte (was sind schon 400 kg...) ohnehin immer ein wenig Angst gemacht haben.
Nachdem man hier aber auch immer wieder was zu Versuchen mit Nuss und Bogen aus alternativen Materialien lesen konnte, habe ich doch noch mal überlegt, was insoweit mir als altem Holzwurm möglich ist.
Bei einer Nuss aus Holz prüft man alsbald, wie die Maserung verlaufen soll, wenn die Sehne die Nuss nicht entlang der Maserung zum Reißen bringen sollen. Ich habe für die Nuss deshalb schließlich Flugzeugsperrholz (finnisches Birkensperrholz, hier 3 – 6 mm) eingesetzt, das ich vom Bumerangbau her noch in diversen Stärken da hatte. Davon habe ich einige Reststücke flach und schön kreuz und quer aufeinander verleimt. Anschließend habe ich dann einen Nussrohling per Lochsäge und Bohrmaschine ausgesägt, den ich in der Bohrmaschine unter Einsatz einer Feile ein wenig „noch runder gedreht“ habe, bis er schön gleichmäßig war. Vorteilhaft war dabei, dass die Bohrung schon von der Lochsäge her in der Mitte des Werkstücks liegt und die Nuss sich so schön um die eigene Achse drehen kann. Die üblichen Arbeiten zum Herausarbeiten der Nussfinger und des Widerlagers für den Abzug waren in Holz schnell gemacht, wobei ich das Widerlager für den Abzug mit eingeklebten Metallplättchen gegen Abnutzung verstärkt habe.
Ich meine, dass die Nussfinger aus Sperrholz (bei 2 Schichten pro mm und knapp 28 mm Nussbreite ergo über 50 Schichten) ordentlich was aushalten können. Zumindest Risse entlang der Maserung scheiden wohl aus.
Den Nussbrunnen habe ich dann seitlich in ein dickes (28 mm) und halbwegs im künftigen Säulenprofil gearbeitetes Ahornbrett per Forstnerbohrer gebohrt und so nachgearbeitet, dass die Holznuss sich schön drehen kann. Nach den üblichen Arbeiten mit dem Stemmeisen für die Abzugstange habe ich dann seitlich dünnere Ahornbretter wie Backen darüber geklebt. Anschließend habe ich Bohrungen für eine Nussachse sowie für die Achse des Abzugs gemacht und die Armbrustform aus dem kantigen Rohling herausgearbeitet.
Nachdem sich Versuche mit Holzbögen (auch mit Bambusbacking) als untunlich erwiesen hatten und Horn-Sehne vom Zeitplan her ausfiel, habe ich auf eBay zufällig das Angebot von Ersatzbögen in leichter Recurveform aus Fiberglas gefunden. Einen Bogen mit der Angabe 150 lbs (rund € 30) und einen (kleineren, für eine „Armbrustpistole“) mit der Angabe 80 lbs (rund € 15) hatte ich flux erworben, wobei mir diese Zuggewichte vollkommen ausreichend erschienen. Die Montage der Bögen war dann keine schwere Arbeit mehr. Wie ich hier sehe, haben so manche Kollegen wohl auch dschon iesen Fiberglasbogen mit 150 lbs verbaut.
Mir ist klar, dass der etwas unsportliche Einsatz von fertigen Bogen, noch dazu aus Fiberglas, hier nicht jeden begeistern wird. Aber immerhin kam ich so mit meinen Möglichkeiten weiter. Außerdem hatte ich immer noch genug zu werkeln, bis das Projekt geschafft war.
Das Ergebnis zeigt sich aus den angehängten Bildern. Die größere Armbrust mit dem 150 lbs-Bogen (keine Ahnung, ob die bei dem gewählten Auszug erreicht werden) hämmert 20 cm lange 5/16-Bolzen mit TopHat-Bulletspitze auf 10 m mit einem gewaltigen Schlag rund 2 cm tief in eine Tischlerplatte. Die kleinere Armbrust mit dem 80 lbs-Bogen zerstört die mitgekauften (billigen) Alupfeilchen nach wenigen Schüssen. Da werde ich mir noch was einfallen lassen müssen. Jedenfalls wird schon mit solchen eher geringen Zuggewichten sofort klar, warum die Armbrust als Waffe gilt.
Das Ziel, handwerklich/technisch besonders hochwertige Armbrüste zu bauen, hatte ich nicht. Vielmehr wollte ich überhaupt mal eine Armbrust mit meinen Möglichkeiten bauen und dabei „on the job“ weitere Erkenntnisse sammeln, etwa über die Dimensionierung und Lage der Nuss, die Form und die Abmessungen der Säule, die Hebelverhältnisse des Abzugs, zur Wicklung etc. Das habe ich erreicht. Vor allem scheint mir der Versuch mit der recht leichten Nuss aus Flugzeugsperrholz gelungen zu sein. Einen ebenfalls angebotenen 175 lbs-Bogen werde ich auf diese Weise auch noch verbauen und wage mich dann mit den gewonnenen Erkenntnissen vielleicht an historisch korrekte Materialien.
Beste Grüße
Christian