Und noch was zum Steinzeitmenschen,
denn die waren nicht böde, denn die Trepanation( chirurgische Schädelöffnung mittels Feuersteinknlingen) ist nachweislich sehr sehr sehr alt.
Gusgst du:
http://www2.archlsa.de/schoenheit/exponate/29.htm
Fundjahr 1910
Fundort Pritschöna (heute Raßnitz), Ldkr. Merseburg-Querfurt
Gegenstand Schädel mit zwei Trepanationen
Funktion Operative Schädelöffnungen
Zeitstellung Jungsteinzeit,
ca. 5500–2300 v. Chr.
Die verheilten Wundränder an den Schädelöffnungen zeigen, dass der Mann lange vor seinem Tod zwei riskante Operationen überlebte. Welche Gründe auch immer diese Trepanationen notwendig zu machen schienen: der steinzeitliche Chirurg hatte Geschick und ein bemerkenswertes medizinisches Verständnis bewiesen.
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Anthropologisch gesehen und befundete Schädel
Trepanierter Schädel aus der Jungsteinzeit
Kontinent untersuchte Schädel sichtbare Heilung bei %
Europa 334 244 73 %
Ägypten 14 10 71 %
Altes Peru 400 250 63 %
Trepanationen (Schädelöffnungen) können bereits um 10.000 v. Chr. im Natufien und später sogar weltweit nachgewiesen werden. Der französische Arzt Prunières entdeckte 1873 im Département Lozère mehrere durchlochte steinzeitliche Schädel. Eine radial verzierte und doppelt durchlochte, aus einer Schädelkalotte erstellte Scheibe fand sich in einem Frauengrab auf dem schnurkeramischen Gräberfeld "Wöllerspfad" südlich von Lauda-Königshofen im Main-Tauber-Kreis. Der französische Anthropologe Paul Broca (1824–1880) entdeckte an einigen der 1873 gefundenen Schädel Anzeichen von Heilungsprozessen an den Knochenrändern, womit belegt war, dass in der Frühzeit erfolgreiche Schädelöffnungen an lebenden Menschen durchgeführt wurden. In St. Urnel en Plomeur-Finistère wurde in den 1950er Jahren u.a. eine Trepanation mit Heilungsspuren entdeckt, bei der fast die gesamte Scheiteldecke fehlt.
In Europa konnten mehr als 450 Trepanationen aus dem Neolithikum nachgewiesen werden. Der umfangreichste Befund liegt mit mehr als 100 neolithischen Trepanationen aus Frankreich vor. Die meisten der Schädel stammen aus dem Départment Lozere und der Seine-Oise-Marne-Kultur (S-O-M-Kultur).
In Mitteleuropa lassen sich die Anfänge der Trepanation bis ins mittlere Neolithikum (etwa ab 4500 v. Chr.) belegen. Als eine der ältesten nachgewiesenen Trepanationen gilt der Eingriff am Schädel eines Mannes der bandkeramischen, ggf. auch der La-Hoguette-Kultur (etwa 5500 bis 4900 v. Chr.) vom Gräberfeld Hönheim-Suffelsweyersheim im Elsass (Frankreich).
Trepanationen in Deutschland sind aus der Trichterbecherkultur (TBK), der Walternienburg-Bernburger Kultur und der schnurkeramischen Kultur bekannt. Die von Trägern der Walternienburg-Bernburger Kultur vorgenommenen Trepanationen sind – wie man an den verheilten Wundrändern erkennen kann – in den meisten Fällen überlebt worden. Allerdings ist die Datenbasis zu klein, um daraus etwas zu schließen.
Trepanierte Personen endeten nicht in den normalen Erdgräbern, sondern während der TBK in den herausgehobenen Kultbauten, den Megalithanlagen. Nach Untersuchungen zur Trepanationshäufigkeit und -technik in der Jungsteinzeit von J. Piek, G. Lidke, T. Terberger, U. von Smekal und M. R. Gaab ergibt sich folgendes Bild: Von den 113 gefundenen bzw. untersuchten Schädeln und acht Fragmenten wiesen sechs Trepanationsspuren (fünf vollendet) auf. Vier der Schädel waren männliche.
Aus alten Papyrusschriften ist bekannt, dass spätestens im 3. Jahrtausend v. Chr. im alten Ägypten Schädel aufgeschnitten wurden. Einige Schädelfunde bestätigen dies. In Südamerika wurden mehrere Gräber (etwa 2000 Jahre alt) mit trepanierten Schädeln und chirurgischen Werkzeugen gefunden. Die meisten Schädel wiesen Heilungsprozesse auf.
Ob vorzeitliche Trepanationen aus medizinischen oder religiösen Gründen vorgenommen wurden, ist umstritten. Eine religiöse Erklärung ist die, dass eingedrungene Dämonen durch die geschaffene Öffnung entweichen würden oder dass umgekehrt einem positiven Geistwesen die Möglichkeit eröffnet würde, von dem Betroffenen Besitz zu ergreifen. Beleg für Letzteres ist u. a., dass die Wunde nicht verschlossen wurde, sondern das entnommene Knochenstück durchbohrt und als Amulett o. Ä. getragen wurde.
Gruss Jürgen.