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Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 12:40
von toxic_tbh
Über Ostern wurde fleißig Bildung betrieben. Dabei fand sich folgendes...

- Extrem komische Bogenform mit Biegung nur im Griff
Da ist mir nicht klar, wie das technisch funktionieren soll bzw wo der Vorteil liegen soll

- Interessante Befestigung der Sehne
Da fällt mir wiederum kein Material ein, was man so rumbiegen kann. Und angesetzt sieht es auch nicht aus.

Kennt sich da jemand mit aus?

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 12:53
von Faltenhemd rigoros

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 13:39
von kra
Korrekt.

Btw, eben im Griff weist er gerade keine Biegung auf ;-) sindern einen (steifen) Knick. Biegen tuen sich nur die Wurfarme.

Sehnenaufnahme - da würde ich auf Hornnocken tippen. So penibel genau werden die alten Reliefs auch nicht gearbeitet sein, das die (imho durch Sehnenwicklung geschütze) Übergangsstelle zu erkennen sein wird.

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 13:50
von Squid (✝)
Sieht irgendwie babylonisch aus... oder assyrisch. Gerade die Barttracht...
In welcher Abteilung war das denn zu sehen?
Aber das mit den Angularbögen ist offensichtlich.

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 16:21
von Botjer
Dürfte assyrisch sein. Meines Wissens nach haben die Ägypter diesen Bogentyp von den Assyrern übernommen.
Was die Befestigung der Sehne angeht: Das Sehnenende ist über das Wurfsarmende geführt und vorne gewissermaßen eingehakt. Hat das schon mal einer von uns probiert?

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 16:29
von masticore
Ich glaube Wilfrid hat mal so was ähnliches präsentiert. Weiss aber nicht mehr, in welchem Thread das war...

gruss, masticore

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 16:56
von Krani
@Squid: Ich habe auch solche Bögen abgebildet im Pergamon Museum in Berlin gesehn. Auch war in dem Raum wo das Ischtar Tor aufgebaut ist, eine farbige Abbildung von Babylonern mit solchen ähnlichen Bögen.

Viele Grüße,

Krani

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 17:08
von Squid (✝)
Tjaja, die Barttracht spricht ja auch für babylonisch, möglicherweise auch frühpersisch. Auf assyrisch kam ich wegen der Ägypter, die diesen Bogentyp möglicherweise bei den Assyrern "geklaut" haben.

Ich zitiere Botjer - eine "Google-Berühmtheit", wenn man "angularbogen" sucht... Platz 2!! *kicher*

Zitat:
"@ Rifle: Der Bogen wiegt "nackt", d.h. ohne Sehne, Griffleder, etc. 330gr. Und ja, ich denke er ist recht schnell. Allerdings ist das rein subjektiv, ich hatte noch keine Gelegenheit mit ihm durch einen Chrono zu schiessen.

@ Brucky: Angular-Bogen haben definitiv was. Dieses alte ägyptische Bogendesign ist nicht nur effizient und schön. Ich glaube man hat hier auch ein sinnvolles "Konkurrenz"-Modell zu den klassischen Reiterbögen. Zumindest sollte ein Bogen, der sich vom Streitwagen bewährt hat auch vom Pferd aus funktionieren. Zu schade das ich nicht reiten kann …  ;D

Ach ja, getempert habe ich den Belly nicht. Ich habe ihn aus einer Parkettlamelle aus hochkannt verleimten Bambus (= Bambus-Actionwood) gemacht. Da habe ich mich nicht getraut, dies fertig verleimte Bambus zu erhitzen. Wer weiss, ob die Verleimung das überlebt hätte. Der Bogen holt sich seine Power also aus der Perryreflex-Verleimung der Wurfarme. Aber ein möglicher nächster Schritt wäre durchaus den Belly aus selbstverleimten und vorher getemperten Bambus zu machen. Oder man nimmt gleich die karbonisierte Parkettlamelle (oder Bambusplatte), das müßte dem Tempern entsprechen.

Angularbögen heissen so, da sie im gespannten Zustand nahezu dreieckig aussehen (angular lat. = winklig).
Am bekanntesten sind die Darstellungen aus dem alten Ägypten, ursprünglich soll dieses Design von den Assyrern kommen. In der aktuellen TB ist ein solcher Bogen bei den Sammelkarten der historischen Bögen aufgeführt.
Ein kurzer Text ist auch in der "Bibel des Traditionellen Bogenbaus: Band 2", Seite 145 im Kapitel über Kompositbögen.

Man könnte diese Bögen nach aktueller Terminologie auch "Spitzdeflex/Reflex-Bögen" nennen. Eine moderne Variante stellen z.B. die Büttner-Bögen oder der Harrier von Border dar.

Mein Bogen ist diesem Design nur angenähert. Für einen "echten" Angularbogen ist der Deflex nicht spitz genug."

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 18:47
von toxic_tbh
Pergamonmuseum, Babylonisch...
Fand sich leider kein Bild mit ausgezogenen Exemplar, bzw nur sehr ungenaue.

Das mit dem Angularbogen ist mir nun helle.

Aber noch mal zu der Sehnenbefestigung: Das Relief ist extrem genau und detailliert. Der Wurfarm geht direkt schneckenförmig zum. Siehe Bild 4. Find ich nur komisch, weil macht doch so erst mal keinen Sinn und die Wurfarme unnötig schwer, oder?

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 19:15
von Botjer
Ich vermute das Relief ist sehr genau was die Funktion angeht, aber nicht in Bezug auf die Proportionen.
Dies Prinzip lässt sich auch mit normal großen Wurfarmenden realisieren, da hat es auch nicht mehr Gewicht als bei einem Tipp-Overlay. Außerdem nutzt man so die gesamte Länge des WAs aus, da steht nichts mehr über.

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 22:38
von skerm
Ich würd sagen der Grund ist die Optik. Siehe letztes Bild dort: http://www.atarn.org/islamic/egyptian_composite.htm
Es zeigt ein ähnliches Vogeldesign.

In McLeod's Buch über die ägyptischen Kompositbögen ist z.B. einer abgebildet, bei dem die Enden der Nocken als Köpfe modelliert sind. So ein Bogen steht definitiv auf meiner inneren To-do-Liste!

Gruß,
Daniel

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 23:03
von acker
Ja auf meiner Liste steht der auch relativ weit oben...sollte eigentlich diesen Winter gebaut werden  ::) , ok dann wohl erst im nächsten...

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 08.04.2010, 23:07
von Squid (✝)
Hihihi, dachte  ich auch gerade.
Schade, dass zwischen "WILL HABEN" und "kann bauen" manchmal Welten liegen...
;D

Re: Neulich im Museum - komische Bögen

Verfasst: 09.04.2010, 09:23
von skerm
Genau, nächster Winter ist auch noch ein Winter.

Ich hab einen halbfertigen Rahmen und zwei halbfertige Hörner seit Dezember rumliegen. Ich musste inzwischen ja an einem anderen Rahmen arbeiten und dann war das Saplingturnier und dann hat mich captainplanet mit Eibe angesteckt... Ich brauch eindeutig mehr Feiertage!

@Squid: Zwischen "will haben" und "kann versuchen" liegt aber nicht so viel ;)

Gruß,
Daniel