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Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 31.08.2009, 08:51
von Siyah
Hallo,
schönes Forum, mit so viel wissen drin  :)

Als Bogenschütze mit Hang zum traditionellen, interessierter Mensch und generell jemand mit seltsamen Einfällen hab ich beschlossen ich bau jetzt auch Bögen. Aber man will ja erstmal kleine Brötchen (Bögen) backen. Also hab ich mal mit Haselnuß angefangen (der Strauch steht im Garten und ist so groß wie das Haus...). Wie das so bei anfängern so ist: natürlich konnte ich ich warten bis das Holz wirklich getrocknet ist bevor ich die ersten "gehversuche" unternommen habe. Das Ding (naja evtl. auch Bogen  ;D ) sieht etwas krum aus, und hat einen sehr weichen Auszug (sowas um die 10lbs vllt.) und einen unheimlichen Set (der so groß ist die die Standhöhe).
Gut, der Wiki sagt ja, das bei nicht trockenem Holz das mit dem Set so ist. Ist auch nicht wirklich schade um den Bogen, ich hab den gebaut um Fehler zu machen (und zu lernen), wo der herkommt gibts noch mehr.
Jetzt mal die Fragen dazu:
1) bleibt der Set so? (habs erstmal zum trocken eingespannt und zurückgebogen)
2) wenn ich einmal Set drinhabe ist der Bogen soweit verhunzt, oder?
3) Wird der Bogen härter/stärker im Auszug wenn der trocknet (bzw. wenn ich erst angefangen hätte wenn das Holz getrocknet wäre)? Weil wenn nicht, frag ich mich wie ich aus einem Haselbogen mehr als 15lbs rausholen soll.

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 31.08.2009, 09:36
von Mordrag
Hallo Siyah,

willkommen bei uns im FC. Ich komme gleich mal zu deinen Fragen.

1. Das Set ist eine normale Reaktion des Holzes auf den Biegevorgang. Im frischen Zustand biegt sich das Holz noch mehr. Das sollte jedoch wieder ein bisschen zurückgehen, nachdem das Holz getrocknet ist.

2. Du kannst das Set etwas ausgleichen indem wie du es schon getan hast, den Bogen rückwärts aufspannen und am besten noch mit einer heißluftpistole den Bogen leicht rösten (braun nicht schwarz ;) )

3. Der Bogen wird selbstverständlich stärker wenn er trocken ist. Allerdings sollte er nicht staubtrocken sein, da das Holz sonst zu porös wird und keine Biegefähigkeit mehr besitzt.

Die Zugkraft hängt natürlich immer von den Dimensionen des Bogen ab. Man sagt doppelte Stärke des Materials bringt die Achtfache Zugkraft. Allerdings ist bei Hasel auch irgendwann Schluss!
Der stärksten Bogen den ich bis jetzt aus Hasel gesehen habe erreicht bei einem Auszug von 28" (Zoll) 65# (lbs).

Stelle von deinem Bogen doch einfach mal ein paar Bilder rein. Dann können wir ihn bewerten und dir ein paar Tips geben für deinen nächsten.

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 31.08.2009, 11:44
von Siyah
Hier mal ein paar Bilder.
Der Bogen ist 177cm lang. Der Set ist ungefähr die Standhöhe (minus vllt. ein cm).
Der Tiller ist ein wenig ungleichmäßig auf beiden Wurfarmen (jetzt wo ich das mal auf dem Bild gesehen habe).

Mach ich was kaputt wenn ich den vor dem Austrockenen aufspanne, und dann wieder zurückbiege?
Ich könnte mir vorstellen das das Holz sich das merkt.

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 31.08.2009, 11:59
von Mordrag
Für den ersten sieht es doch ganz gut aus.

Der Bogen biegt allerdings viel zu sehr in der Nähe des Griffbereiches. Das siehst du auch im abgespanntem Zustand sehr gut. Die Biegung findet dort hauptsächlich im mittleren Bereich statt. Die äußeren Enden könnten noch etwas mehr Biegung vertragen.

Für den nächsten Bogen:

Hasel schlagen, entrinden, spalten, die Enden und den Markkanal mit Holzleim versiegeln und den ganzen Stamm am besten irgendwo eingespannt lagern, damit er sich nicht verdrehen kann. Der optimale Durchmesser zum Spalten von Hasel liegt ungefähr bei 7-10 Zentimetern. Breiter sollte ein Haselstämmchen nicht sein, da es sonst zu spröde ist.
Dann den Stamm erstmal eine Woche draussen liegen lassen und dann reinholen.

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 31.08.2009, 12:13
von Siyah
Ich werde den Bogen noch 1-3 Wochen trocknen lassen, und dann nochmal schauen wie er sich verhält (Auszugsgewicht und Set) und dann mal versiegeln. Sonst wird er zu trocken mit der Zeit, richtig?

Wie sollten denn die Wurfarmbiegung optimal aussehen? Eine Ellipse? (Im Wiki ist leider kein Bild oder so) Das könnte man sich ja auf einer Tillerwand, schön aufzeichnen.

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 31.08.2009, 12:21
von Mordrag
Den Bogen versiegelt man nicht damit er nicht austrocknet, sondern damit er vor äußeren Einflüssen geschützt ist. Holz wird generell nicht so trocken das es brüchig wird, dafür hat man ja noch die Luftfeuchtigkeit. Nur maschinell getrocknetes Holz ist meist zu trocken.

Eine Ellipse ist schon korrekt. Allerdings kannst du sie nicht einfach auf die Tillerwand zeichnen, da sich ja jeder Bogen anders verhält. Allein schon weil die Länge und die Art des Bogen variiert. Daher biegt sich kein Bogen gleich.
Du kannst dir aber ein Raster auf deine Tillerwand zeichnen. Das vereinfach das ganze ungemein.

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 31.08.2009, 13:11
von Siyah
Also den Bogen jetzt einfach beizen/lackieren/was auch immer, und dann als schöne Erinnerung an den Anfang liegen lassen, und in 3 Wochen mal mit rausnehmen. Oder behindert das das "reifen" einfach nur? (kann ja auch warten)

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 31.08.2009, 13:54
von Tom of Sevenhills
Halt: Jetzt nicht lackieren!
Wie Mordrag schon geschrieben hat:
Mordrag hat geschrieben: 2. Du kannst das Set etwas ausgleichen indem wie du es schon getan hast, den Bogen rückwärts aufspannen und am besten noch mit einer heißluftpistole den Bogen leicht rösten (braun nicht schwarz ;) )
Bringt auch noch ein Pfund extra.  Such mal hier nach tempern...
Hasel schreit geradezu danach getempert zu werden.

Viel Spaß
Tom

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 31.08.2009, 14:26
von Granjow
Der Bogen hat doch einen wunderschönen Kreisbogentiller. Der rechte WA ist zwar in der Mitte noch etwas steif, aber sonst schön meiner Meinung nach. Nicht?

@Siyah ich habe einen meiner ersten Bögen aus einer feuchten Esche gebaut. den hier. Genau das selbe Problem wie bei dir. Auf die ersten 15" hatte ich vielleicht fünf Pfund oder weniger. Nach dem Tempern hatte der Bogen wohl um die 70 Pfund, ich musste ihm ordentlich Holz wegnehmen, bis ich ihn wieder schiessen konnte. Lohnt sich in solchen Fällen auf jeden Fall. Unbedingt breite Düse nehmen, falls du eine hast zur Heissluftpistole, wird gleichmässiger.

Simon

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 01.09.2009, 09:54
von Siyah
Danke soweit für die Antworten.

Welchen Teil des Bogens temper ich? Bin mir da nicht so sicher. AUf den Bilder kann ich sehen das du (Granjow) den Bauch (also den Facing-Teil) getempered hast.
Sehe ich das richtig das beim Tempern das Holz spröder wird, aber druckfester? Die SuFu spuckt dazu nicht allzuviel aus.

Jetzt nochmal ein paar Bilder zu Projekt 3 (nebenbei versuche ich mich noch einem 3-4cm druchmessenden Haselstecken)

Das Spalten ist schiefgegangen, und seitlich ausgebrochen. Also eines der Spaltteile wird nach unten immer dünner bis am Ende der 1,70m nur noch Rinde und 2-3 Holzfasern übrig waren. Die andere "Hälfte" war da natürlich entsprechend dicker. Man sieht es auf dem Bild aber nicht wirklich gut.
Ich hab dann den Mark-Kanal mit einem Messer freigelegt, und danach war der Bogen etwas verdreht (sieht man schön auf dem zweiten Bild). Ich bin mir nicht sicher ob das durch meine Messerbearbeitung kommt, oder ob der so gewachsen ist.
Auf jedenfall ab ich ihn am Ende noch mal fixiert (siehe letztes Bild).

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das ich den Stecken bald wegwerfen kann...

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 01.09.2009, 14:09
von Tom of Sevenhills
Tempern solltest Du nur die Bauchseite! Etwas spröder wir das Material schon daher auch nur die Druckseite des Bogens behandeln.
Such noch mal mit dem Begriff "getempert" da kannst Du einiges an Erfahrungen nachlesen.

..und den anderen Steckken wirfst Du bitte erst weg wenn Du ihn beim tillern oder schießen zerbrochen hast ;)
Hasel spalten hab ich aufgegeben. Ich nehme die eine Hälfte bis zum Markkanal bei noch grünem Holz mit dem Zugmesser ab.

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 01.09.2009, 19:07
von Siyah
Ich habe den ersten heute getempert bis der Bauch leicht braun geworden ist. Er ist wirklich steifer geworden. Nicht wirlich viel, vielleicht sollte ich nochmal nachtempern, der könnte noch deutlich brauner werden. Allerdings hat sich bei meinem "unsachgemäßen gebrauch" am Bauch ein Riß gebildet (sprich, ich wollte mal sehen ob man den Wurfarm ein wenig in Reflexrichtung biegen kann. Das ging vorher immer gut...aber nu issa ja getemperet. Lehrgeld muß wohl gezahlt werden  ::) )
Bilder hab ich auch gemacht, aber auf denen erkennt man wirklich nix.

Der Riß sieht aus wie ein Bruch-Riß (ist es ja auch), nur das der nicht auf dem Rücken ist. Ich glaube der Bogen kann noch ganz gut halten. Ich hab jetzt erstmal Leim reingegeben. Ich bin mir nicht sicher ob das reicht. Ansonsten gehen mein Überlegungen in die Richtung: Epoxit in den Riß, mit Zahnseide fest umwickeln, und die nochmal mit Epoxid tränken, das es auch alles wirklich fest wird.

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 01.09.2009, 23:51
von Granjow
Hm, Temern geht so:
1. Reflex spannen, wenn du willst. Am besten mit einer Form, geht aber auch mit einer Sehne (für die zweite Seite musst du dann nachspannen).
2. Tempern
3. Stehen lassen, mindestens eine Woche, damit das Holz etwas Zeit hat, wieder Feuchtigkeit aufzunehmen. Wenn du ihn jetzt einfach so ausziehst, dann geht das nur ein Mal.

Simon

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 02.09.2009, 03:06
von sundance
Einfetten vor dem Tempern schadet auch nicht. Ich benutz dazu Schmalz vom Mangalica (ungarisches Wollschwein), das passt gut zu Osage. Anderes Öl oder Fett tut aber gleich gute Dienste.
Trocken tempern macht ihn wirklich spröde.

Re: Erste Schritte in Hasel

Verfasst: 02.09.2009, 17:32
von Granjow
Ich hatte bei einer Esche noch das Bienenwachs-Backing drauf, scheint ihm nicht geschadet zu haben ;)
Verhindert aber nicht wirklich, dass Wasser entweicht, oder schon?

Simon