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Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 16.11.2008, 22:41
von RubenAryala
Am vergangenen Wochenende habe ich begonnen und inzwischen ist er bald trocken. Der erste Köcher, den ich nach meiner inneren Vorstellung gebaut habe. Als meine Frau sagte, ich würde langsam zum "Ötzi" werden, wußte ich auch, daß ich richtig liege. Das Ergebnis sieht so aus:

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Aber wie es eben so ist, wenn man etwas zum ersten mal macht: Fehler bleiben nicht aus und gestalten die Angelegenheit mühselig und das Ergebnis ist verbesserungswürdig. Soll ich den Hergang mal darstellen ?

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 16.11.2008, 23:03
von Heidjer
Was heißt verbesserungswürdig? ???
Ich meine er sieht authentisch aus. ;D
Industrie gefertigte, perfekte Köcher sieht man überall. >:(
Aber erklär mal ruhig wie er entstanden ist.

Gruß Dirk

PS: Mir gefällt er so sehr gut. Einzig den Spacer hätte ich aus Leder gemacht, auf dem Bild sieht es nach Sperrholz aus. :(

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 16.11.2008, 23:10
von Rassiel
Hallo,
mir gefällt er auch sehr gut. Würde auch gern mehr zur Herstellung erfahren.  :)

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 16.11.2008, 23:25
von Commerz
Hi RubenAryala,
hat Ötzi wirklich einen solchen Köcher getragen (von der Optik her) oder hat das Deine Frau gesagt weil dieser so antik aussieht? Mich würde auch die Entstehungsgeschichte von dem Teil interessieren. Sieht klebrig aus :-\
Mein Köcher besteht aus einer Papprolle mit einem Lederriemen dran, also auch nix dolles, aber selbstegmacht und das ist doch das was zählt  ;)

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 17.11.2008, 07:36
von Elfichris
Ich finde den auch gut - warum sollte man auch darüber meckern.

Bitte die Entstehungsgeschichte noch schreiben....... ;)

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 17.11.2008, 16:59
von RubenAryala
So weit ich weiß hatte der "Gletschermann" einen Köcher aus Leder, es ging eher um den urwüchsigen Eindruck, den der Köcher macht. Ich hatte irgendwo etwas über geflochtene Köcher gelesen, weiß nicht mehr wo das war und die Idee gefiel mir gleich gut. Wie nun aber flechten, wenn man kein Material dazu hat. Da fiel mir die alte "Wasserball-und-Kordel"-Methode ein, mit der man in den 70ern runde Lampen herzustellen pflegte: Kordel wird mit Leim getränkt und kreuzdiquer um einen Wasserball herumgewickelt. Nach dem Aushärten des Leims wird die Luft aus dem Wasserball herausgelassen und der so entleerte Sack aus dem fest gewordenen Geflecht herausgezogen.

So dachte ich, diese Methode in abgewandelter Form anzuwenden:

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Die Materialien: Leim, Kordel, Schere

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Anstelle des Wasserballs: Leere Plastikflaschen

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Erste Wicklung: Die "Spanten"

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Die Spanten

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Noch mehr Spantenansicht

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Und Leim drauf

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Ein Pappring als erste Form-Stütze, weil die Spanten trotz Leim schlabberig blieben und erste Wicklungen am unteren Ende

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Sieht eher wie ein Meeresgetier aus

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Aufgehängt: Korflechter's delight

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Ein Drittel des Weges, Stunden des Flechtens noch vor mir....  :P

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Und erneut Leim drauf

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weitere Perspektive mit Leim ......

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Erneut bestätigt sich der Eindruck des Meeresgetieres, nur dass es diesmal anscheinend Hunger hat...

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Die überstehenden Spanten werden zu Ösen gebogen und mit Garn vernäht....

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.... um anschließend umwickelt zu werden.

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Hinterher wieder einleimen, damit das ganze unkaputtbar wird.

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Sieht schon ganz nett aus. Nur die Farbe ist so bleich, da muß noch was drauf:

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Nämlich wassergelöste Lasur. Die klebt heute, nach drei Tagen immer noch.

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Entwurf eines Spacers, den ich aber wieder verwerfe. Lieber baue ich noch zwei Trossen längs und quer über die Öffnung, das sollte zur Fixierung der Pfeile reichen.

Warum ich den so nicht mehr bauen würde: Die Spanten würde ich aus Holzleistchen nehmen und diese rundum in den Rand einer Bodenplatte einkleben. Dann wäre die Flechterei einfacher. Mit meiner Methode hatte ich immer mit der Form zu kämpfen, denn die Flaschen konnten beim Flechten nicht drin bleiben, sonst wäre kein Platz für die notwendige Flechtbewegung gewesen. Auch würde ich den Leim nicht im Nachhinein aufpinseln, sondern die Leine vor dem Flechten darin tränken, dann hält das Ganze besser und sieht nicht so "verkleistert" aus. Und dann: Nie wieder Lasur auf Leim. Wenn dann Nitrolack aus der Sprydose in Matt.

PS: Ich finde aber, daß die Methode ausbaufähig ist und inzwischen bin ich schon wieder so weit, das Ganze mit einigen Abwandlungen neu anzugehen, immerhin sieht das Ergebnis urwüchsig aus.

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 18.11.2008, 07:41
von Elfichris
Danke für die Info.

Ich hätte ja Kleister statt Leim genommen und den anschliessend mit Lack oder Lasur wetterfest gemacht.

Die Seile richtig schön im Kleistereimer eingeweicht - sollte doch auch funktionieren.

Hast Du jedenfalls schön gemacht.

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 18.11.2008, 11:59
von RubenAryala
Danke für das Lob. Kleister..... meinst Du damit Tapetenkleister ?

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 18.11.2008, 13:25
von Elfichris
Ja, Tapetenkleister.

Der trocknet ja auch und durch den anschliessenden Lacküberzug sollte er auch wasserunempfindlich sein.

Und ich meine dass die Lampen damals auch mit Kleister gemacht wurden.

Ist bestimmt auch günstiger als Leim.

Ich werde nachher mal im Baumarkt schauen ob ich günstig Kordel bekomme  :)

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 18.11.2008, 14:16
von Anuk
Also, Ruben,
ich find das Ding auch cool. Wenn man es auf dem Pferd mitnimmt, rappeln die Pfeile bestimmt auch nicht. LG A

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 18.11.2008, 14:54
von ThomasThome
Ich finde die Idee auch sehr gut.
Vielleicht kann man die Kordel auch unbehandelt lassen und mit Farbstoff für Kleidungsstücke einfärben. Ein Beispiel sind Holunderbeeren. Auf dieser Seite sind noch andere natürliche Färbemittel aufgezählt.

http://www.die-spinnerey.de/faerben/

Ist nur so eine Idee.

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 18.11.2008, 22:55
von benz
hier ein Bild wie geflochtene Köcher aussehen können:

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Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 19.11.2008, 10:55
von RubenAryala
Sehr schöne Anregungen. Der ganz rechts abgebildete Köcher gefällt mir besonders gut. Zwischen dem und meinem liegen mindestens 10.000 Jahre Entwicklungsarbeit.

Den nächsten versuche ich mit Tapetenkleister. Ich glaube tatsächlich, daß das die Bauart war und ich aus falscher Erinnerung heraus den Leim genommen habe. Die Kordel unbehandelt zu lassen, würde mE die Sache zu instabil lassen, der Köcher soll nach meiner konstruktiven Vorstellungswelt eine gewisse Festigkeit haben. Anschließend müßte das Ganze mit etwas Lack einigermaßen wetterfest gemacht werden. Ich werde zu gegebenem Anlaß berichten.

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 19.11.2008, 15:00
von Squid (✝)
Der vorletzte Köcher (von links) sieht irgendwie schwer nach 'ner Salami aus... 

Re: Wie ich keinen Köcher mehr bauen werde

Verfasst: 19.11.2008, 15:16
von RubenAryala
Äh . . .  in der Tat. Jetzt weiß ich, warum ich eben so hungrig wurde.