Um mal zum Thema "Bogenreitpferde speziell ausbilden?" zurückzukommen...
Ich finde die Frage prinzipiell wichtig, jedoch so pauschal nicht zu beantworten. Da gibt's eine Menge Randfaktoren, die m.E. eine sehr wichtige Rolle spielen, die man auch bei dieser Gelegenheit zusammen diskutieren können – da ein Ausbildungsworkshop für alle aufgrund der Entfernung wohl nicht für alle in Frage kommt…
Z.B. Wären da die Fragen: Für wen will ich ausbilden? Für mich, oder als „Schulpferd“,
oder für potentielle Käufer? Was muss mein Pferd speziell können? Was mache ich sonst mit meinem Pferd? Gibt es „das“ ideale Bogenpferd, oder gibt es dazu einfach zuviele unterschiedliche Reiter? Usw.
DAS Bogenpferd – gibt es ihn?
Es gibt wohl nur wenige Pferde, die das „ideale Bogenpferd“ für jedermann wären (lassen wir mal Harun außen vor

). Weil es eben viele unterschiedliche Reiter mit unterschiedlichen Techniken & Ausbildungsstand gibt. Vor allem ein ungeübter Reiter wird wohl ein gemütlicheres Pferd vorziehen, welches im ruhigen 13-14 Sekunden Galopp seine Bahn zieht. Aber auch so mancher der wirklich guten Schützen wird vielleicht ein solches Pferd vorziehen, weil man dann entsprechend viele Pfeile schießen kann. Andere werden von Pferden wie Phönix träumen – ob man nun schnell oder nicht so schnell schießen kann, solange man etwas trifft kann man so natürlich gute Zeitpunkte machen. Abgesehen davon, es macht einfach Spass, den Zuschauern auch ;-) Solch unterschiedliche Pferdetypen brauchen m.E. auch eine sehr individuelle Ausbildung. Ein übereifriges, schnelles Pferd muss vielleicht öfters im Schritt und Trab auf der Bahn geritten werden, und braucht viel Abwechslung – wird der Bahn-Galopp erst zur „Routine“, denkt ein sensibles Pferd vielleicht schon zuviel mit und lässt sich schon 50m vor der Bahn nicht mehr bremsen. Ein eher gemütliches Pferd hat vielleicht schon nach 3 Galopps keien Lust mehr und wird immer langsamer… Lange Rede kurzer Sinn, es gibt m.E. nicht DAS ideale Bogenpferd allgemein, sondern nur das ideale Bogenpferd für eine bestimmte Person.
Was muss ein Bogenpferd speziell können?
Ich gehe mal davon aus, dass die wenigsten Reiter ihr Pferd NUR zum Bogenreiten haben. Viele werden Freizeitreiter sein, die ein zuverlässiges, unerschrockenes Geländepferd schätzen, und auch mal Trails, breitensportliche Turniere usw. mal mitmachen. Andere wollen vielleicht auch mit ihrem Pferd Turniere reiten, sei es Dressur, Springen, Western oder was auch immer.
In jedem Fall ist das Pferd entweder daraufhin ausgebildet oder soll es noch werden. Dann darf das Bogentraining nicht als extra Ausbildung gesehen werden, sondern man muss sich fragen, was muss mein Pferd ZUSÄTZLICH können (außer jetzt natürlich die Gewöhnung an die Bahn, an das Schießen usw.) – und gibt es eventuell „Problemzonen“, wo die Bogenausbildung ein Problem für die Erstausbildung werden könnte.
Also – was muss ein Bogenpferd für unseren Sport denn speziell können?
Meine Ansicht: Er soll grundsätzlich cool im Umgang sein, sich nicht durch Turnieratmosphäre, andere galoppierende Pferde aus der Ruhe bringen lassen.
Ich denke wir sind uns einig, dass ein Pferd beim Start auf das Kommando des Reiters warten muss, am Anfang den Impuls zur gewünschten Geschwindigkeit annehmen, und diese ohne Stocken oder Beschleunigen bis zum Ziel durchhält, wo er sich dann (mit Gewicht und/oder Stimme) problemlos durchparieren lässt.
Aber: Ist es wirklich vorteilhaft bzw. notwendig, dass das Pferd AUF der Bahn soweit regulierbar ist, dass ich ihn jederzeit aus einem 8-Sekunden-Galopp auf ein 13-Sekunden-Galopp bremsen kann? Ich kann nur von mir als weniger geübter Bogenreiter ausgehen: Während ich am schießen bin, muss ich mich völlig aufs Schießen konzentrieren. Auf den ersten Metern der Bahn mache ich meinem Pferd klar, welches Tempo sein soll, ob lieber gemütlich oder doch etwas flotter. Aber dann ist es mir eigentlich am liebsten, wenn mein Pferd ohne weitere Kommandos von mir dieses Tempo konstant durchhält. Wenn ich gleichzeitig schauen muss, dass mein Pferd langsamer/schneller wird (bzw. überhaupt auf der Bahn bleibt

) bin ich persönlich schon überfordert, und kann von einer persönlichen Bestleistung nur träumen… Es ist ja durchaus möglich, ein Pferd soweit zu trainieren, dass es sich bei kleinsten Gewichtshilfen im Tempo regulieren lässt. Aber beim Bogenreiten muss ich mich ja auch zur Seite und nach hinten drehen, da kann man noch so vorsichtig sein, man kann es wohl nicht verhindern dass das Gewicht ein wenig dabei zu verlagern. Da wärs doch eigentlich am sinnvollsten, wenn das Pferd gelernt hat, dass es sein Tempo auf der Bahn zu halten hat, und in dem Moment nicht „übersensibel“ auf Gewichtshilfen zu hören hat. Auch das „auf der Bahn bleiben“ sollte eigentlich eine Trainingssache sein, und nicht in dem Moment durch bewusstes Lenken geschehen.
Und das alles setzt folgendes Voraus:
1. (Und m.E. am wichtigsten!) Die mentale und physische Eignung des Pferdes
2. Eine losgelassenes, durchlässiges Pferd – welches eine gute Ausbildung erfordert, egal ob Western oder Englisch, nicht aber zwingend eine spezielle Bogenausbildung darstellt. Sondern vielmehr eine Basis, auf der man in jeder erdenklichen Richtung ausbilden kann und in jeder Lebenslage ein williges Reitpferd hat.
3. Regelmäßiges Üben auf der Bogenbahn, so dass das Pferd weiß, worauf es ankommt, Gewöhnung an den Bogen und ans Schießen. Aber keine intensive, einseitige Ausbildung auf der Bahn – das würde für jedes Pferd auf Dauer langweilig!
Frage: Wie würde denn eine darüber hinaus gehende spezielle Bogenausbildung aussehen? Welches Ziel würde man damit verfolgen: Das eigene Zusammenspiel mit dem Pferd soweit wie möglich zu fördern, oder das Pferd zum zuverlässigen „Bogenschulpferd“ auszubilden, mit dem ein weniger geübter Bogenreiter schneller klarkommt?
Viele Grüße
Angela