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Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 15:34
von Felsenbirne
Galighenna hat geschrieben:
Und ich hab schon nen kalten Schauer gekriegt als ich gesehen hab was du mit dem Tip deines feinen Osagestöckchenwerfers gemacht hast
Scheint ja wohl doch noch ein gutes Ende zu nehmen. Ich drück dir die Daumen *gg*
Ich wollte den eben kürzen, dabei etwas weicher im Auszug machen und speed rausholen. Wenn man zu gierig ist...
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 15:47
von Squid (✝)
Vooorsicht: Kürze bedeutet nicht immer gleich mehr Speed. Das täuscht oft, weil sich die Bögen subjektiv schneller bewegen. Auch wird weniger Energie auf den Pfeil übertragen.
Für "normal" dimensionierte Selfbows im Bereich um 50 lbs hat sich eine Länge von 64" bis 68" (162 bis 172 cm) als optimal hinsichtlich Dauerhaftigkeit, geringem Set, Pfeilgeschwindigkeit und Energieumsatz herausgestellt. Davon gehen zumindest die Herren in den 4 Bänden der TBB aus.
Natürlich gibt es Ausnahmen, aber in der Masse passt das, auch wenn man sich mal die Vergleichstabelle (S. 142) ansieht: Die schnellsten Bögen liegen bei 47 bis 71 lbs und sind zwischen 59" und 76" lang, wobei die Schwerpunkte eindeutig bei 50 - 53 lbs und 65 - 67" = 165 - 172 cm liegen. Auszug ist immer 28"
Kürzen ist eigentlich etwas, was sich anbietet, wenn man bei einem noch recht langen Bogen - über 170 cm - mit dem Zuggewicht unzufrieden ist. Da lässt sich dann einiges herausholen.
EDIT: Ach ja, ich würde den Rücken mit Hanffasern aufpolstern. Das Zeugs ist um ein mehrfaches zugfester als Holz und kann den Job an der potentiell spröden Stelle gut übernehmen.
Eine dünne Holz- oder Hornschicht am Belly kann auch nicht schaden. Machts sicherer...
Das Ganze wird mit einer Wicklung oder - weil schöner - mit einem Stück Schlangenhaut "getarnt".
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 15:59
von Snake-Jo
skerm hat geschrieben:
Also, wieso sollte man da Horn nehmen? Höchstens für die Optik, mechanisch ist es sinnlos.

Der Vorteil von Horn gegenüber Holz ist die wesentlich höhere Bruchdehnung, ausgenützt z.B. in den türkischen Kompositbögen.
@Daniel: Genau das ist der Punkt: Wir wollen Bruch verhindern. Wie schon geschrieben wurde: Wenn sich das spröde Holz noch einmal bewegt, dann zum letzten Mal. Also nimmt man Horn am Bogenbauch wegen der Drucksteifigkeit. Es hält den Recurve in Form und bewahrt das spröde Holz vor Bruch. Natürlich kann man dazu auch eine Schicht Holz nehmen, welches aber bei gleicher Dicke nicht so druckfest ist.
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 16:18
von Felsenbirne
Technische Frage:
Soll ich das Horn vor dem Verkleben unter Wärme in Form biegen, oder mit Spannung aufkleben?
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 16:36
von Squid (✝)
Dünn ausschleifen, nass machen (kochen!) und dann vorsichtig mit etwas Druck anpassen. Fixieren und trocknen lassen. Wenn trocken dann verleimen.
Spannung wollen wir hier m. E. nach nicht. Das Ganze soll ja versteift und nicht durch zusätzliche Spannungsspitzen noch mehr belastet werden.
Horn nur mit der HLP flexibel machen geht auch, das kann aber auch schnell schief gehen. Dann fängts an zu kokeln und zu stinken und wird spröde. Wenn du mit 1 oder 1,5 mm Dicke arbeitest, kann das ganz schnell mal passieren...
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 16:54
von Felsenbirne
@squid
danke, so habe ich es mir gedacht. Unter Spannung verleimen hätte ja das Gegegnteil bewirkt.
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 18:28
von skerm
Snake-Jo hat geschrieben:
@Daniel: Genau das ist der Punkt: Wir wollen Bruch verhindern. Wie schon geschrieben wurde: Wenn sich das spröde Holz noch einmal bewegt, dann zum letzten Mal. Also nimmt man Horn am Bogenbauch wegen der Drucksteifigkeit. Es hält den Recurve in Form und bewahrt das spröde Holz vor Bruch. Natürlich kann man dazu auch eine Schicht Holz nehmen, welches aber bei gleicher Dicke nicht so druckfest ist.
Druckfestigkeit und -steifigkeit sind zwei völlig verschiedene Dinge. Man braucht etwas drunter, das die Steifigkeit erhöht, damit es sich nicht biegt. Die Festigkeit (bzw. genauer genommen die Elastizitätsgrenze) ist nur wichtig, wenn es sich biegt. Und bei gleichen Dimensionen hat ein Stück Hartholz eine höhere Steifigkeit und eine niedrigere Masse als ein Stück Horn und ist deshalb besser geeignet, Biegung zu verhindern.
Squid hat geschrieben:
Horn nur mit der HLP flexibel machen geht auch, das kann aber auch schnell schief gehen. Dann fängts an zu kokeln und zu stinken und wird spröde. Wenn du mit 1 oder 1,5 mm Dicke arbeitest, kann das ganz schnell mal passieren...
Yep, stimmt. Habe vor kurzem erfahren, daß erwärmen im Backrohr auf 150°C gut funktioniert. Ich hab es ausprobiert und für gut befunden, kochen werde ich nicht mehr. So dünne Schichten kann man aber bestimmt auch gut über der Herdplatte heiß machen.
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 18:37
von acker
Mal eine Frage an die Epoxianer , ich habe gestern ja was ähnlich dummes gemacht beim flippen der Enden bei einem Osage.
Ein paar relativ tiefe Querrisse habe ich beim Biegen mit der HLP verursacht. Diese habe ich weggeraspelt und dann mit Epoxy einen Osagestreifen ( Linsenförmig) aufgeklebt.
Der Streifen ist etwa 8cm lang.
Nun , diese Stelle wird sich sicher mitbiegen und es stellt sich mir die Frage ob ich eine Wicklung machen soll , ( muß ) damit der Streifen nicht abpoppt.
Ich tendiere ja zu einer Wicklung in dem Fall, habe aber oft gelesen das das Epoxy ohne hält .
Gruß acker
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 18:42
von kra
Wenn das Pflaster ganz fein ausläuft wirst du keine Wicklung _brauchen_, der Seele tut sie aber sicherlich gut.
Mein Schlangen-Reiterbogen hat ein Pflaster am Anfang des Biegebereiches ohne zusätzliche Wicklung.
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 18:47
von acker
ok , es läuft fein aus -> aber mein Seelenfrieden ist mir doch wichtiger
Danke, acker
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 20:08
von kra

Das kann ich nur zu gut verstehen - es ist auch, glaube ich, das einzige "ungesicherte" Pflaster bei meinen Bögen.
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 08.07.2010, 20:18
von Archive
Moin
Wie lang ist der Bogen denn jetzt?
Mütze
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 11.07.2010, 09:54
von Snake-Jo
skerm hat geschrieben:
Druckfestigkeit und -steifigkeit sind zwei völlig verschiedene Dinge. Man braucht etwas drunter, das die Steifigkeit erhöht, damit es sich nicht biegt. Die Festigkeit (bzw. genauer genommen die Elastizitätsgrenze) ist nur wichtig, wenn es sich biegt. Und bei gleichen Dimensionen hat ein Stück Hartholz eine höhere Steifigkeit und eine niedrigere Masse als ein Stück Horn und ist deshalb besser geeignet, Biegung zu verhindern.
@Daniel: Ja, schon klar. Nur hier geht es um die letzte Sicherung und die Optik: Mschwanner schrieb ja, dass die eingebogenen Recuves steif, aber spröde sind. Also Horn oder Holz nur zur Sicherung, damit nichts passiert. Bevor man aber ein Stück Osage nimmt, was man eventuell garnicht hat, kann man eben auch ein schönes Stück Horn nehmen.
@Matthias: Brief ist unterwegs, ohne Kommentar. Habe alle Rest reingelegt. ich gehe mal davon aus, dass du 2 x 15 cm brauchst.
Schlangenhaut einweichen, in Shampoo-Wasser waschen, in Tüchern die gröbste Feuchte wieder rausnehmen und mit Hautleim oder Ponal aufziehen. Mit Hautleim kann man länger und öfter arbeiten, weil man einfach nach Warmmachen nochmals schieben und glätten kann. Bei kleinen Stücken reicht aber Ponal aus, weil man da wenig Probleme mit Knitterfalten und Blasen hat. Wenn trocken, Kanten beschneiden und Schuppen abrubbeln (Stahlwolle). 2 x Lack.
Re: Osage nach dem biegen angeröstet
Verfasst: 11.07.2010, 12:46
von Galighenna
Uh davon will ich aber nur zu gern mal Bilder sehen. Das wird sicher ein feines Böglein

Ich mag Hornbelag und Schlangenhaut ist manchmal dann genau das richtige Tüpfelchen auf dem i.