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Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 15.12.2008, 19:00
von Snake-Jo
@Christopher: Sieht gut aus, alles im grünen Bereich, weiter so.
28" Auszug kann allerdings nicht stimmen, es sei denn, du bist deutlich über 2 m groß.  ;D

Awarenbogen
Leider fehlen mir Beschreibungen von authentischen Bogen (Ausgrabungen). Immerhin sollen die Bogen von Grozer relativ authentisch sein, sodass man sich da orientieren kann. Die Awaren kamen ja als Volkstamm zeitlich gesehen nach den Hunnen und so haben die frühen Awarenbogen auch relativ lange Siyahs, so wie es der obere Wurfarm des Hunnenbogens hat. Es ist ein großer, schwerer Bogen, der für das Schießen von sehr schweren Pfeilen bis 60 gr geeignet war

Folgende Merkmale des Awarenbogens sind mir bekannt:
Länge ca. 150 cm, aber auch länger bis 165 cm im gespannten Zustand, Standhöhe der Sehne 28,5 cm, relativ lange, leicht gekrümmte Siyahs mit den charakteristisch breiten Enden, Länge der Siyahs zum arbeitenden Wurfarm ca. 1:1, Griff am Bogenbauch, Sehnenbänkchen. Mit Hirschhorn (= Knochen) belegte Siyahs und Griff.
Der späte Awarenbogen hat nicht  mehr ganz so lange Siyahs im Vergleich zum Wurfarm und auch wohl etwas steilere Winkel. Wobei die Winkelangaben in der Literatur oft sehr mit Vorsicht zu genießen sind, da kaum ein Autor angibt, wie er denn den Winkel gemessen hat.


Bild

Literatur:

Holger Riesch, Pfeil und Bogen zur Zeit der Merowinger. Karfunkel 2002, S. 34

Alexander Avenarius, Die Awaren in Europa, Bratislava 1974.

Falko Daim (Hg.), Studien zur Archäologie der Awaren (Österreichische Akademie der Wissenschaften), bisher vier  Bände.

Anton Distelberger, Das awarische Gräberfeld von Mistelbach (Niederösterreich), Innsbruck 1996.

Arnulf Kollautz und Hisayuki Miyakawa, Geschichte und Kultur eines völkerwanderungszeitlichen Nomadenvolkes. Die Jou-Jan der Mongolei und die Awaren in Mitteleuropa, 2 Bände (Aus Forschung und Kunst Bd. 10/11, Klagenfurt 1970.

Walter Pohl, Die Awarenkriege Karls des Großen 788-803 (Militärhistorische Schriftenreihe 61), Wien 1988.

Walter Pohl, Die Awaren. Ein Steppenvolk in Mitteleuropa 567-822 n. Chr., München 22002. Heinz Winter, Awarische Grab- und Streufunde aus Ostösterreich. Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte, Innsbruck 1997.

Die Awaren in Europa. Schätze eines asiatischen Reitervolkes 6.-8. Jahrhundert. Ausstellungskatalog, Frankfurt/Nürnberg 1985.

Reitervölker aus dem Osten – Hunnen und Awaren. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung in Halbthurn, Eisenstadt 1996.

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 20.12.2008, 17:50
von skerm
Wo wir gerade bei Rahmen sind.. :)
Als ich den Rahmen zum Tillern so vor mir sehe, habe ich über die Standhöhe zu grübeln begonnen. Wählt man die Standhöhe in Abhängigkeit des Siyahwinkels?
Gefallen würde es mir am besten so

Bild

oder gehört es eher mit waagrechten Siyahs?

Bild

Geht Fast Flight oder sollte man Dacron verwenden?

@Christopher: Schön, daß du denn Griff auch bauchseitig hast :D

Gruß,
Daniel

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 20.12.2008, 18:58
von Christopher
sieht gut aus ;)
welches Holz, länge usw? erzähl doch mal n bisschen was.

wie hoch ist denn die Standhöhe beim ersten Bild, wie beim zweiten?
eigentlich wäre ja alles möglich, wenn du Sehnenbänkchen benutzt.

bei mir ist jetzt schon die erste Sehnenschicht drauf 8)

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 20.12.2008, 19:48
von Snake-Jo
@Skerm: Nun ja, es geht weniger nach Optik als nach Praxis. Original hatten die Reiterbogen eine etwas größere Standhöhe als z.B. Langbogen. Zum einen, weil dadurch der Bogen auf dem Pferd noch kürzer und handlicher war, weil er auch besser in den Bogenköcher paßte (zu lange Köcher bzw. Bogen waren seitlich am Pferd eher unpraktisch) und weil eine hohe Vorspannung den Pfeil sauberer löste. Christopher hat recht: Standhöhe bei Bild 1 verlangt nach Sehnenbänkchen oder ganz langen Öhrchen.
An Sehne kannst Du alles nehmen, der Bogen muss das aushalten: Fast Flight, Dacron, Seide, Hanf... schnurzegal.  ;D

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 20.12.2008, 20:04
von skerm
Wird gemacht!

Der Rahmen ist aus Hickory. Ich hatte noch 2 halbe Backingstreifen.

Die Länge zwischen den Kerben beträgt ca. 134cm über den Rücken gemessen. Der Griffbereich ist 28cm lang. Es sind gut 40cm vom Griffende zum Siyahknie, die Breite geht von 35mm auf 23mm am Knie. Der Siyahwinkel beträgt ungefähr 45° und der Abstand zwischen Kerbe und Knie ist ca. 13cm. Das Hickory war ursprünglich 5mm stark, durch die Verzahnung sind davon noch in etwa 4,5mm übrig (gemessen von den Spitzen der Verzahnung).
Die Siyahs sind aus Apfelbaumholz unter dem durchgezogenen Rahmen (ich bin zu ungeschickt um gerade zu spleißen...) und verjüngen sich zur Spitze hin auf 11mm. Ich finde sie insgesamt aber noch etwas klobig.

Bild Bild Bild

Bezüglich der Standhöhe hab ich mich durch die ungewohnte Form wohl getäuscht, einer Pixelzählung nach sind es am 2. Bild nur 15 cm.

Snake-Jo: Danke für die Auskunft. Dann werde ich es mal mit Fast Flight versuchen. Mein Bambus-Holunder warbow aus dem mißglückten build-along hält es soweit gut aus, und in Hinblick auf früher verwendetes Leinen habe ich mir das erwartet. Ich habe allerdings in einem Artikel auf atarn.org gelesen, daß die dort getesteten Bögen es nicht überstanden haben. Allerdings steht dort nichts über die Art des Versagens.

Gruß,
Daniel

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 20.12.2008, 20:16
von skerm
@Christopher:
Hast du deine Sehnenkerben verstärkt? Wenn die Siyahs aus liegenden Jahresringen geformt sind, zieht die Sehne ja in die Fasern rein. Ich überlege, ob ich da nicht besser einen kleinen Streifen Geweih reinklebe.

Gruß,
Daniel

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 20.12.2008, 21:24
von Christopher
Ich hab Overlays aus Ami-nuss gemacht.
aber nur, um noch nen cm mehr Reflex in die Siyahs reinzukriegen, oder halt aus optischen Gründen...weiß nicht mehr so genau ;D

ich denke es braucht aber keine Verstärkung..

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 21.12.2008, 10:20
von Snake-Jo
@skerm: Soweit ganz gut, bis auf den Übergang am Siyahknie, da mußt Du unbedingt nachbessern.  Ich mach noch ein Bild.

Im Einzelnen:
Hickory i.O.
Rahmenstärke i.O.
Breite i.O.
Aufbau Siyahs: i.o., Siyahknie siehe oben
Sehnenkerbe muss man nicht verstärken wenn man so aufbaut.
Griffstück i.O.
Man setzt das Griffstück aus praktischen Gründen auf den Bogenbauch, weil dann beim Spannen der Griff zusammengedrückt und nicht abgesprengt wird (passiert bei Griffholz am Rücken).

Fastflight hat eine Dehnfähigkeit wie Hanf, welches ja früher auch verwendet wurde.  Ich schieß alle meine Reiterbogen vom Pferd mit FF, es gab nie Probleme, außer: Der Pfeil war schneller unterwegs.  ;D

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 21.12.2008, 12:06
von skerm
Der Übergang sieht auf den zweiten Blick zu steil aus. Danke auf jeden Fall, ich warte gespannt! Auch bis der echt heftige Horngeruch nach dem Sägen aus dem Keller verschwindet.  Ich hoffe, das passiert noch in diesem Jahr  :D

Gruß,
Daniel

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 21.12.2008, 12:57
von Snake-Jo
Ungefähr so wie markiert: Langer Fade-out am Siyahknie. Es gibt sonst einen heftigen Knick dort. Kann man nachträglich noch machen, indem man ein dünnes Pflaster aus Holz draufleimt. Vorher halbwegs plane Übergänge schleifen.
Außerdem den Siyah entsprechend Markierung etwas verschlanken.

Bild

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 21.12.2008, 14:19
von skerm
Uh, aha! Ich wollte das Horn zum Knie hin auslaufen lassen, mit ca. 20mm Gesamticke unterm Knie. Ich wäre nicht auf den Gedanken gekommen, daß sich da trotz der Nähe zu den Sehnenkerben was biegen würde.

Also wieder mal warten auf den Leim.. :)

Gruß,
Daniel

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 21.12.2008, 17:21
von skerm
So, geändert! Die Fadeoutlänge beträgt jetzt gute 13cm. Die Verzahnung musste ich jetzt freihändig machen und sie ist deshalb etwas wacklig. Wieviel Hornanteil an der Dicke braucht man denn in diesem Bereich? Viel wird es so nämlich nicht mehr sein, sonst wird es dort ziemlich dick.

Bild Bild

Gruß,
Daniel

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 22.12.2008, 09:52
von Snake-Jo
@Skerm: Gesamtdicke 20 mm mit Horn am Knie müßte reichen, bei mir sind es meist 18-22 mm.
Verzahnung ist toll, aber nicht wirklich notwendig. Wenn, dann nur zwischen Hornbelag und Bogenbauch.
Mach bitte unbedingt erst den Sehnenbelag, dann über den Bauch tillern. Da siehst du dann schon, ob der Fade-out so in Ordnung ist.

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 22.12.2008, 12:33
von skerm
Logisch, nur zwischen Bauch und Horn! Erst die Sehne, dann das Horn. Ich hab hier alles genau durchgelesen und plane die Ratschläge zu beherzigen. Jetzt geh ich mal Sehne klopfen..

Gruß,
Daniel

Re: Kompositbogen bauen

Verfasst: 22.12.2008, 13:39
von skerm
Buh, wenn  so weiter geht, dann hab ich bis Ende des Jahres einen Berg 5 bis 10 cm langer Fasern.
Die Fasern sind stark überkreuzt und lassen sich schwer von einander lösen. Über der Karde bricht die Hälfte auseinander.
Ich hab auf einem Stück mal weitergehämmert, in der Hoffnung, daß sie sich dann leichter lösen lassen. Sie sind einfach an einer Stelle gebrochen. Das war  dann vermutlich zu viel des Hämmerns.  :(

Geduld, Geduld...

Gruß,
Daniel