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Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 16.07.2012, 16:16
von skerm
Snake-Jo hat geschrieben:Ich gehe davon aus, dass das Holz (oftmals sind es Kern-Leisten) sich nachträglich verzogen hat: es schrumpfte.
Interessanter Punkt! Das Sehnenbacking schrumpft auch noch, das könnte ein zusätzlicher Einfluß sein. Adam schreibt in seinem Buch doch auch von Problem mit Längsrissen im Horn, die in seinem trockenen Klima auftreten können. Das ist auch mit der Formänderung durch diese Schrumpfung stimmig.

Gruß,
Daniel

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 16.07.2012, 17:32
von Snake-Jo
@kra: Die Riefen bzw. Rillen sind in keinem der von mir angeschauten Bogen (8.-12. Jhdt.) zu sehen bzw. es wurde schon an anderer Stelle geschrieben, dass dies eine Erfindung aus neuerer Zeit ist (eine genaue Zeitschiene zum Auftreten der ersten Rillen fehlt mir).
Was man an einigen Bildern erkennen kann, sind:
-Klebeschichten
-Holzmaserungen
-Spleiße
-sowie Hüllmaterial (Sehnengarnwicklungen, Birkenrinde)
Alle Deutungen nur im Vergleich mit Funden am Originalbogen

Wir kommen vom Thema ab.
@skerm: Ja, je länger man sich damit beschäftigt, umso mehr entdeckt man. Ich muss mal mit Adam sprechen, was der dazu meint.

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 16.07.2012, 17:34
von benzi
die Art der Schrumpfung bei einer Kernbohle ist schon klar, ABER, ich gehe davon aus, dass zwar nasses Holz gebogen wurde, es doch aber vor dem Belegen mit Horn und Sehne getrocknet wurde, oder sehe ich das falsch?
(hier sind wir auch wieder beim Bau von Arry)

Dann war der Schrumpfungsprozess des Trägerholzes beim Verleimen mit dem Horn weitgehend abgeschlossen und der Bogenbauer mußte das Horn an den konkaven Holzkern anpassen.

Die Frage ob nun bewußt Kernbohlen gewählt wurden um genau diesen Querschnitt zu erreichen werden wir nicht mehr ganz einfach beantworten können.

Wie kra es andeutet sehe ich darin keinen Zufall, sondern bewußt an die Anforderungen angepaßte Querschnitte des Trägerholzes, wenn das durch einen Schrumpfungsprozess eines Kernholzes erreicht wurde, würde ich das genial nennen.

Grüße benzi

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 16.07.2012, 17:41
von Feanor1307
kra hat geschrieben:Interessantes Bild (hab ich mir im Buch noch nicht angesehen ??? ) - d.h. der Bogenbauer hat die ganzen Zugkräfte gleichmäßig auf dem Bogenrücken verteilt, die Druckspannungsspitzen aber in der Mitte des Bogenbauches konzentriert?
Das ist bei osmanischen Bögen aber durchaus üblich so. Der Bauch stark gerundet, der Rücken flach. Adam begründet das mit der Möglichkeit Verwindungen im Wurfarm besser ausgleichen zu können. Keine Ahnung ob das stümmt :S.
Dieses Design setzt natürlich einen sehr drucktolerante Bauchschicht voraus. Ähnliche Merkmale (flacher Rücken, runder Bauch) zeigen ja auch ELBen. Auch dort ist die Bauchschicht sehr drucktolerant.
@Skerm
Das klingt sehr plausibel! Zusätzlich kann durch Verleimen mit der Wickelmethode der äußere Bereich stärker belastet werden was ebenfalls zu einer Verzerrung der Zustände im Bogen führen könnte.

Viele Grüße

Kevin

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 16.07.2012, 17:48
von Feanor1307
Snake-Jo hat geschrieben:@kra: Die Riefen bzw. Rillen sind in keinem der von mir angeschauten Bogen (8.-12. Jhdt.) zu sehen bzw. es wurde schon an anderer Stelle geschrieben, dass dies eine Erfindung aus neuerer Zeit ist (eine genaue Zeitschiene zum Auftreten der ersten Rillen fehlt mir).
Was man an einigen Bildern erkennen kann, sind:
-Klebeschichten
-Holzmaserungen
-Spleiße
-sowie Hüllmaterial (Sehnengarnwicklungen, Birkenrinde)
Alle Deutungen nur im Vergleich mit Funden am Originalbogen

Wir kommen vom Thema ab.
@skerm: Ja, je länger man sich damit beschäftigt, umso mehr entdeckt man. Ich muss mal mit Adam sprechen, was der dazu meint.
Adam meint dazu das eigentlich schon die frühesten Komposit designs über Rillen unterschiedlicher Tiefe verfügten. Nur die passenden Kerben sind eine neue (deutsche) Erfindung. Bei osman. Bögen weisen prakt. alle entsprechende Rillen (nicht passend) auf.
Schön wenn du jetzt die Möglichkeit hast genauere Informationen zu den Bögen zu machen. Ich hatte gehofft das nach Schließung der Ausstellung an anderer Stelle weiterposten kannst. Soweit ich weis sind da noch einige Fragen auch von Adam offen geblieben.

Viele Grüße Kevin

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 16.07.2012, 17:53
von Arry
Sehr interessante Diskussion!
Was mein Projekt angeht: Werde die Frage konvex/konkav oder flach wohl ganz prosaisch danach entscheiden, was ich mit meinen Bordmitteln umsetzen kann. Das wird von Werkzeugen abhängen - und davon, wie plan ich die Hornstreifen hinkriege...

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 17.07.2012, 07:53
von Arry
Derweil mache ich mir doch ein wenig Sorgen wegen des Holzes. Durch beide Latten laufen drei kleine Äste:
Knötchen1.jpg
Knötchen2.jpg
Knötchen3.jpg
Knötchen4.jpg
Stellt das ein Problem dar?

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 17.07.2012, 09:05
von Feanor1307
Hmmm naja das ist nix, weg mit den Latten! Ich gebe Dir 'ne Adresse für einen guten Mülleimer ;).
Scherz beiseite. Ärgerlich das die Knötchen so gleichmäßig verteilt sind, sonst hätte ich gesagt pack die in die Kasan und Bas und mache den astreinen Bereich in die Sal. So ist es nicht so einfach. Schau mal ob die Knoten zur späteren Rückseite (jetzt innen) hin größer werden oder verschwinden. Wenn letzteres der Fall ist sollten sie unproblematisch sein da sie auf der Bauchseite durch das Horn stabilisiert und fixiert werden. Wenn sie zur Rückenseite hin größer werden müsste man noch mal drüber reden. Dann vielleicht doch der Mülleimer ;).

Viele Grüße Kevin

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 17.07.2012, 20:55
von Arry
Hehe, so 4,5cm Spielraum in der Länge und 1,8cm in der Breite habe ich noch.
Die Leisten haben jetzt 15mm Dicke, und so sehen die Knötchen nun aus:
P1020680.jpg
Die Latten liegen nicht mit der gleichen Seite nach oben...
Die Latten liegen nicht mit der gleichen Seite nach oben...
P1020683.jpg
P1020684.jpg

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 18.07.2012, 23:07
von Arry
Da niemand "Halt ein, Wahnsinniger!" gepostet hat, habe ich die Latten zum Wässern vorbereitet: Einkehlung auf der Innenseite der etwas schärferen Biegung zwischen Kassen und Spitze. Zusätzlich die spätere Bauchseite abgerundet, um Absplittern beim Biegen zu reduzieren (danke Feanor!). Das Ende, das in die Halterung der Biegeform hineinkommt, habe ich markiert, damit es nach dem Kochen keiner langen Überlegungen bedarf (Empfehlung von Karpowicz).
P1020689.jpg
Nun liegen sie im Wasser:
P1020690.jpg
Nächste Woche wird gekocht :)

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 19.07.2012, 22:14
von Feanor1307
Moin Moin,

ich denke keiner sagt was weil alle im Urlaub sind ;). Klar sind die Knötchen suboptimal aber da das Zuggewicht im moderaten Bereich liegt und deine Sehnenschicht 3 mm über Zentrum Wurfarm wird, sollte es den Bogen gut zusammenhalten.
Wenn du das Holz länger als 3 Tage wässerst, solltest du noch etwas Sagrotan reingeben da es die Keimbildung reduziert. Mir ist es beim Wässern schon passiert das alles etwas müffelig gerochen hat (allerdings nach 2 Wochen).

Viele Grüße und Erfolg beim Biegen, Kevin

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 20.07.2012, 08:05
von skerm
Man kann das Wasser zwischendurch auch wechseln ;)

Wegen der Knoten... da musst du deine geplanten Maße begrübeln und schauen, wie du den Bogen reinlegst um die Knoten nicht gerade an den ungünstigsten Stellen zu haben. Mit 20cm zwischen den Knoten ist da aber wahrscheinlich nicht viel Spielraum. Ich würd ja spleißen sagen, aber aus einem Stück zu biegen ist doch viel einfacher.

Gruß,
Daniel

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 20.07.2012, 09:15
von Feanor1307
skerm hat geschrieben:Man kann das Wasser zwischendurch auch wechseln ;)

Wegen der Knoten... da musst du deine geplanten Maße begrübeln und schauen, wie du den Bogen reinlegst um die Knoten nicht gerade an den ungünstigsten Stellen zu haben. Mit 20cm zwischen den Knoten ist da aber wahrscheinlich nicht viel Spielraum. Ich würd ja spleißen sagen, aber aus einem Stück zu biegen ist doch viel einfacher.

Gruß,
Daniel
Hmm, kann man machen aber die Mikroben siedeln nicht im Wasser sondern auf dem Holz ... :)

Mit den Knoten das ist eben die Sache. Normalerweise würde ich die Knotenfreien Zonen in die Sal und die an Knoten in die nicht arbeitenden Teile legen. Aber sie sind halt einfach richtig "gut" verteilt. Aber das wird schon :)

Viele Grüße Kevin

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 20.07.2012, 09:21
von Arry
Ja, Knoten Nr 2 liegt richtig biestig und wird leider im Sal landen. Die übrigen fallen in den Kassen oder in einen der Griffspleisse oder sind so klein, dass sie mir weniger Sorgen machen.
Kann man so einen Knoten notfalls rausstanzen und durch einen Dübel ersetzen?

Re: Osmane in spe, angepeilt 45# bei 31"

Verfasst: 20.07.2012, 14:12
von Snake-Jo
Zur Begriffsdefinition: Es handelt sich hier um kleine Astlöcher. Als Knoten und Verwachsungen bezeichnet man Stellen um ehemalige Astlöcher, Faulstellen und Fehlstellen, wo die Maserung hubbelig, also verknotet, verläuft. Diese kleinen Astlöcher hier bzw. genauer gesagt: Aststellen (es sind ja noch keine Löcher), schwächen das Holz sehr wenig, weil die Maserung, wie man gut erkennen kann, an den meisten Stellen kaum gestört verläuft. In einem Selfbow würde so eine Stelle am Bogenrücken bei Dauerbetrieb zu einem Aufbrechen (Riss) im eingewachsenen Ast führen, weil hier die Faser im rechten Winkel zum Bogenarm verläuft. Es kann auch zu Aufsplinterungen direkt am Rand des kleinen Astloches kommen. In der Regel bleibt es dann dabei. Etwas Epoxy einfließen lassen, überschleifen und fertig.
Bei einem Komposit sind diese Stellen, weil später im Bogeninneren, in der Regel völlig harmlos. Faustregel: Wenn sich der Rahmen des Bogens auf mindestens 28" ausziehen läßt, ohne dass es knackt, ist alles o.k. Falls nicht, muss man zwar neu anfangen, aber hat sich die ganze Arbeit mit Sehnen und Horn gespart.
Wenn man aus trockenen Leisten plus V-Spleiß zum Siyah und Griff arbeitet, kann man auch fehlerhafte Wurfarme noch beizeiten austauschen, bei Erstellung aus einem Stück muss zumindest der halbe Bogen neu.
@Arry: Nicht dübeln! Es sei denn, du kannst Dübel mit gleichem Faserverlauf herstellen. Ansonsten hast du genau das gleiche Problem: Die Faser vom Dübel steht quer. Einziger Vorteil beim Dübeln: Der Dübel sitzt bedingt durch den guten Kleber besser im Holz als das Aststück. Bei so kleinen Ästen aber völlig unnötig.

Noch eine Definition: Das Ding heißt weder Kassenbereich ;D , noch Kasen, sondern "Kasan" (Zitat: Karpovicz):
Bows of this shape can be seen in museums, for example the famous bows made for Sultan Bayezid II (early 16th c.) in Topkapi museum in Istanbul. Note the straight-through-grip limb shapes, fairly abrupt reflex at the beginning of shoulder (kasan) sections, the relatively straight kasan and another abrupt recurvature of the tip (bash). The ends of tips are shaped to resemble the more square, indented "Bayezid tip", unlike the better known, rounded "classical tip". The grips are relatively large and rigid. There are no string bridges which were never necessary in this style. The string is silk with silk loops.