@Tomtux
Ja ich verstehe deine Einwände. Mein Modell lässt alles weg, das ich nicht betrachten möchte. Das macht es mir leichter die grundlegenden Beziehungen herzustellen und sichtbar zu machen. Ausserdem kann man aus der Abweichung zwischen dem Modell und der Realität sehr schön erkennen wo die "problemstellen" liegen, die für Verluste sorgen.
Ich habe versucht ein geometrisch korrektes Modell zu erstellen, das generell die ideale Bewegung des Nockpunktes beschreibt. Wenn man sich jetzt anschaut, was in der Realität alles passiert, das vom idealen Modell abweicht, dann haben wir automatisch das was wir als "Verluste" im System messen. Insofern ist dieses Modell schonmal ein guter Startpunkt.
Jetzt füge ich tomtux's Erfahrungen in meine Theoretischen Betrachtungen ein:
(Ihr werdet erstaunt sein
)
Also, versteht das bitte niemand falsch, ich hatte schon mehrfach gesagt das dieses Modell ganz viele Dinge auf Null setzt, ausser Acht lässt oder als Grenzwert betrachtet. Und ich habe auch immer wieder betont das es eben genau deshalb nicht 100% mit der Realität übereinstimmt.
Wir können jetzt ganz viele Dinge auflisten die für Verluste sorgen, und das tue ich jetzt einfach mal:
- Die Masse der Sehne
- Beschleunigung der Bogenhand zum Schwerpunkt des Bogens beim Release
- Verformungsarbeit an der Sehne (Dehnung)
- Verformungsarbeit im WA beim zurückschnellen (innere Reibung)
- longitudinale und transversale Wellen die durch WA und Sehne laufen
Ausgehend von meinem ersten Modell können wir anfangen, die einzelnen Dinge zu Analysieren, die Verluste bringen und diese dann dem Modell hinzufügen.
Dazu sage ich jetzt zu den einzelnen Dingen, was ich denke auf welche Art sie sich auswirken und wie man darauf Einfluss nehmen kann.
Die Masse der Sehne
Die Masse der Sehne wirkt sich aus, weil die Sehne im entscheidenden Moment genau wie der Pfeil, das Maximum seiner möglichen Bewegungsenergie inne hat. Das Verhältnis von Sehnenmasse zu Pfeilmasse bestimmt, wie sich die durch Bewegung zur Verfügung stehende Energie auf die beiden Massen aufteilt.
Das Halte ich für einen entscheidenden Parameter, der sich auch in gewissen Grenzen ganz gut optimieren und analysieren lässt
Beschleunigung der Bogenhand
Die Beschleunigung der Bogenhand hin zum Gesamtschwerpunkt des Systems kostet auch eine gewisse Menge an Energie und damit Pfeilgeschwindigkeit. Für die Haltbarkeit eines Bogens ist dies aber kein relevanter Faktor, weil die Hand weich ist und Kräfte die dort auftreten nicht groß genug werden um dem Bogen zu schaden. Wichtig ist dies wohl für das Schussgefühl, ob ein Bogen ruhig im Ablass ist (Schwerpunkt nahe am Griff, geringe Bewegung zum Schwerpunkt), oder ob er nervös wirkt (Schwerpunkt relativ weit hinter dem Griff, starke Bewegung zum Schwerpunkt)
Verformung(Dehnung) der Sehne
Die Dehnung der Sehne an sich verbraucht meiner Einschätzung nach relativ wenig Energie. Sie verschlechtert aber die Geometrie des Bogens und beeinflusst die Kraftübertragung von den WA auf den Pfeil, insbesondere in der Nähe der Standhöhe negativ, da dort sehr große Dehnungskräfte auftreten. Einflussnahme hier ist relativ einfach, durch möglichst wenig dehnbares Sehnengarn wie FastFlight Plus oder oder oder... Da diese Garne ausserdem gleichzeitig leichter sind haben sie auch positiven Einfluss auf die Masse der Sehne.
Innere Reibung in den WA
Die Innere Reibung ist durch das verwendete Material und von sehr viele Faktoren wie Bogengeometrie und damit Dehnungs- und Stauchungsfaktor im Material, so wie vom Querschnitt etc abhängig. Dies ist die mit Abstand komplexeste Größe und eher schwierig zu analysieren und zu beeinflussen.
Schwingungen/Wellenbewegungen den WA
Dies ist eine sehr interessante Größe, weil sie etwas neues ins Spiel bringt, und zwar die Masse der Wurfarme.
Die Wellenbewegungen der Wurfarme beim erreichen der Standhöhe haben mehrere Ursachen. Zum einen Schwingt die Sehne durch ihren Nullpunkt und zieht die Tips der WA wieder zur Bogenmitte. Dabei entstehen Transversalwellen weil die Tips nach innen bewegt werden, und es entstehen longitudinale Wellen, weil die WA durch die Ungünstige geometrische Anordnung in diesem Falle nur sehr schwer verbogen werden können. Stattdessen werden sie auch stark gestaucht. Die Energie wird dabei in Wellenbewegungen umgesetzt und aufgrund der inneren Reibung der WA schließlich in Wärme umgesetzt.
Gleichzeitig, und dies ist ein Punkt der mir erst jetzt so langsam klar geworden ist, haben die WA im verlauf ihrer Bewegung insgesamt eine gewisse Geschwindigkeit nach Vorn. Gebremst werden die WA aber nur an einem Punkt, an den Tips. Dadurch entsteht ein Drehmoment, gegeben durch die Verteilte Masse des WA, der Änderungsgschwindigkeit seines Impulses und der Länge des WA.
Da jeder Massepunkt des Wurfarmes sich weiter nach vorn bewegen möchte, wird der WA in sich verbogen, wenn er von der Sehne abgebremst wird. Dies liestet Verformungsarbeit. Ausserdem sorgt es für eine Phasenverschiebung zwischen Nulldurchgang der Sehne und Stillstand des WA. Aufgrund dieser Phasenverschiebung wird der WA zu weiteren Wellenbewegungen angeregt, die dann ebenfalls über die innere Reibung gedämpft und in Wärme verwandelt werden.
Deshalb jetzt an dieser Stelle ein WICHTIGES Fazit:
Die WA Masse spielt eine Rolle, hatte ich auch nie vollständig abgestritten. Mir war nur nicht genau klar über welchen Mechanismus das passiert. Wenn man diesen Gedanken nun fortführt lässt sich sagen: Die Masse des WA direkt an den Tips spielt keine Rolle. Die Auswirkungen werden aber mit dem Abstand vom Tip immer größer, weil sich durch die Länge der Strecke ein größeres Drehmoment ergibt. Gleichzeitig nimmt aber die Bewegungsgeschwindigkeit zum Griff hin ab.
Es gibt also irgendwo in der Mitte des WA einen Bereich in dem die Masse einen größten Einfluss hat. genau in diesem Bereich gilt es Masse zu sparen. Eifelturmdesign ist ein Ansatz. Man verschiebt die meiste Masse und Biegespannung in einen Bereich in dem der WA sich nicht schnell und weit bewegt und wo sie kein großes Drehmoment gegenüber der Sehne aufbauen kann. Das wäre in Griffnähe. Man reduziert deshalb teilw. schon ab Mitte WA die Masse drastisch, was einem Eifelturmdesign entspricht. An den Tips ist das eher unwichtig, aber man hat auch weniger Masse in dem weiter entfernten Bereicht und erreicht dadurch einen höheren Wirkungsgrad bei leichten Pfeilen.
Dieses Design und diese Überlegungen stimmen dann auch mit den von Tomtux gemachten praktischen Erfahrungen überein.
UND: Ganz ganz wichtig für mich und allgemein:
DIE MASSE DIREKT AN DEN TIPS IST DANN TROTZDEM IMMER NOCH EGAL 
Ihr Einfluss nimmt aber ungefähr zur WA-Mitte hin zu, das gleiche gilt vom Griff aus gesehen...