Hier nun eine kleine Dokumentation der Pfeile aus dem augusteischen Zeitraum (9 v.Chr - 35 n.Chr.)
Wir hatten super Wetter in Trier und die Leute waren überaus freundlich, offen, und haben viele gute Fragen gefragt.
Sehr zu meinem Gefallen gab es auch kundige Hobby-Bogenschützen, die klasse Fragen gestellt und auch eigene Tipps - ob nun historisch brauchbar oder nicht - gegeben haben, die ich selber nicht kannte und auch gerne in Zukunft ausprobieren werde.
Der Schaft: Mit freundlicher Genehmigung des botanischen Gartens in Augsburg, habe ich drei Rohre Typha bekommen, die Köpfe abgeschnitten und in der Sonne (vor-)getrocknet.
Jetzt wirds witzig:
Auf dem Markt in Trier habe ich dann den Ausschnitt von S.T. James für Dura-Pfeile vorgelegt bekommen.
In der Beschreibung stand dann drin, dass in den Funden vor einer Belagerungsstätte REET-Pfeile gefunden wurden.
Erste Enttäuschung, ich sollte dann aber trotzdem mit den Typhaschäften arbeiten. Hier geht meine Anerkennugn an Wilfrid, der schließlich doch Recht hatte...
Die Typhaschäfte wurden nach dem "schälen" über der Glut trockenbegradigt (so gut es ging) und hier geht auch mein Dank an Dirk M, der mir erklärt hatte wie das funktioniert.
Hier ein Teil der Aufzeichnungen von James:
Als Nocke wurde statt "Typha-Selfnock" eine aus ca. 2cm langem Kieferstück geschnitzt.
Der Teil des Pfeiles, in welchem die Spitze eingeführt wird, besteht aus einem 10-13 cm langen Teil.
Diese habe ich angespitzt und wie in den Zeichnungen und Ausführungen erklärt wurde, in den Typhaschaft eingeführt, nachdem ich diesen mit Hautleim und gewachstem Leinengarn gefestigt hatte.
Die Federn wurden nachträglich noch formgerecht ausgebessert.
Als Schwierig stellte es sich heraus, die handgesammelten Gänsefedern aus dem Nellspark an den Schaft zu kleben, da diese leider viel zu dünn waren und mir die moderne Befiederungsmaschine nicht zur Seite stand.. Authentik und so -.-
Ich sollte, da ich nur eine Quelle für diese spezielle Pfeilform benutzte, anstatt einer Pfeilmacherdarstellung ein
Experiment zur empirischen Quellenprüfung ausführen, heißt, ich sollte probieren, ob das wirklich so funktionieren könnte. ...
Die Dreiflügelspitze von unserem Schmied, der eine Stunde dafür gebraucht hatte und auch scheinbar keine Lust mehr hatte, weitere anzufertigen, wurde in einen 10-13cm langen Kiefernschaft gepresst. In der Beschreibung sind Nocke und der "Vorkopf" aus Tamarisk und/oder Ebenenholz. ...erfuhr ich leider auch erst in Trier -.-
Ich weiß nicht, wie die alten Römer die Dornenspitze in das "Hartholz" (Kiefer) bekommen haben, aber ich weiß, dass Kiefer das falsche Material sein muss, denn wir mussten es schließlich und heimlich im Zelt mit einem 2mm-Bohrer vorbohren, damit die Spitze zumindest ansatzweise passt. Einige der vorgefertigten "Pfeilspitzenhalterungen" brachen bei dem Versuch auf, die Spitze in dne Schaft zu pressen. ...
Am Ende, sah der schönste (Meinung des Dozenten) Pfeil folgendermaßen aus:
Die Nocke werde ich nochmal in die richtige Position drehen, weil mir gerade erst aufgefallen ist, dass diese leicht verdreht ist hubs
In den Ausfürhungen von S.T. James wird sehr betont, dass die Spitzen aus gehärtetem Holz und Eisen waren. Die Schussreichweite wird aufgrund der Holzspitzen (?) auf eine sehr geringe determiniert.
Das Verhältnis (Eisenspitzen / gehärtetes Holz) liegt laut James bei 1 zu 10 gesprochen.
Also habe ich auch zwei Pfeile mit gehärtetem Kiefernholzspitzen gefertigt. ... die Nockenwicklung meinerseits finde ich miserabel ...
Ich für meinen Teil halte das Experiment für größtensteils fehlgeschlagen, weil ...
... die Federn nicht aus dem gewünschten Material bestanden (von der dicke des Kiels her)
... das Schaftholz nun doch aus Reet und nicht aus Typha bestehen sollte
... Nocke(-nholz) sowie das Holz die Halterung für die Spitze weder in Ebenholz oder Tamarik verfügbar waren
... die Optik aufgrund der meiner Hektik und auch teilweise ungeduld (schwer) gelitten hatte
Noch eine kleine Bemerkung zu meiner Person:
Die Kommentare wie "stumpfes Messer", "gifitg", "Stock-im-***" und wenige andere mehr finde ich ungerechtfertigt. Es tut mir leid, wenn ich so rüberkomme, aber ich wette, dass man bei einem Abend oder Lagerfeuerbier bestimmt einiges an positiven Eindrücken jeder Seite mitnehmen könnte.
Ich danke aber auf jedenfall den vielen hilfreichen Kommentaren von euch und hoffe, dass wir in Zukunft besser miteinander auskommen.
Liebe Grüße
Der Ferox