Hallo Armbruster,
jetzt habe ich die 4. Armbrust mit Sperrholznuss und Fiberglasbogen fertig, dauert halt etwas länger als einen Bogen zu bauen.




Diesmal habe ich für die Säule ein Stück Eibe verwendet, das ich seit Jahren im Keller hatte und das für Bogenbau zu kurz war. Da sich der Wechsel von Splint und Kernholz bei dem Stück - wie ich finde - schön zeigt, dachte ich, dass eine Kombination mit Messing farblich gut wirken würde. Also habe ich nach einigem Arbeiten mit Ziehmesser, Hobel und Raspel zunächst die Bolzenbahn von vorne bis hinter die Nuss komplett mit Messingblech beklebt (Uhu Endfest). Das Aussägen mit der Laubsäge und das Anpassen der Aussparung für die Nuss (zugleich als Blende für den Nussbrunnen) erforderte ein wenig Geduld. Eine Bolzenrinne braucht es nicht, hinten halten die Nussfinger den Bolzen, und vorne habe ich statt eines Bolzensattels wieder einen Neodymmagneten dort unter dem Messingblech versenkt, wo die Pfeilspitze liegt. Das hält, man kann so auch mit der "auf dem Kopf" liegenden Armbrust schießen. Auf dem Messingblech dürften Sehne und Bolzen noch weniger Reibungsverluste haben als auf glattem Holz. Außerdem ist das Messing viel härter, was sich beim Spannen mit der Holzwippe auszahlt, da die Sehne sonst zu Beginn des Spannvorgangs ordentlich (mit Spuren) ins Holz der Säule gedrückt wird.
Auch der Abzug ist aus Messing. Hier habe ich beim Biegen aber die Grenzen von Messing erfahren, da es sich - wohl zumindest bei dieser Legierung mit "37 Zink und 3 Blei" - nicht gut biegt, selbst wenn man es mit der Lötlampe auf "Schwarzglut" bringt. Anders als bei Eisen etwa hat man hier beim Biegen laufend das Gefühl, dass es gleich bricht. Auch den Spannring vorne wollte ich erst aus Messing machen, aber das ging dann nicht, weil die "plattgekloppten" Enden trotz Schwarzglut total spröde waren und sofort brachen. Also kam hier wieder ein Zimmermannsnagel zum Einsatz.
Am hinteren Ende der Säule (Kolbenkappe) habe ich auch ein Messingblech angebracht, das hat aber weiter keine Funktion außer Optik.
Die Sperrholznuss ist vollkommen problemlos geeignet, um mit dem 175 lbs-Bogen bei 34 cm Auszug fertig zu werden. Gelagert habe ich sie jetzt auf einer 8 mm starken Gewindestange. Die Schwachstelle liegt auch nicht im Holz, sondern an der Stelle, wo der Abzug an der Spannraste ansetzt. Dort hatte ich bei den Vorgängern zu weiches Eisen eingesetzt. Jetzt habe ich ein Stück aus einem verchromten Billigmesser an der Nuss und in der Spitze der Abzugstange eine Edelmetallschraube eingesetzt, das dürfte beides so hart sein, dass sich - mit Lagerfett geschmiert - kaum Abnutzungen ergeben.
Am Ende des Kolbens sieht man dessen asymetrische Bauweise, die Einbuchtung links dient dazu, dass man die Säule näher ans Auge bringen kann und das Auge so hinter den Bolzen.
Die Wicklung des Bogens habe ich jetzt mit Hanfkordel und Bienenwachs gemacht, Ritter Jos sei gedankt für seine schöne Anleitung auf seiner Internetseite und im "Jahrbuch der Interessengemeinschaft historische Armbrust".
Die Wurfkraft mit 34 cm langen Bolzen (5/16, 100 gr Bulletspitze, 2 Federn) ist bei dem 175 lbs-Bogen nochmal deutlich stärker als bei den 150 lbs-Bögen. Allerdings dürfte mit 175-lbs auch der Punkt erreicht sein, ab dem der nur einfach gelagerte Abzug zu hohe Abzugskräfte bzw. einen zu langen Hebelweg ergibt. Jetzt müsste man wohl eine Mehrfachfachlagerung mit Schloss und Federn bauen.
Ich denke, dass es sich mit den Fiberglasbögen hier zu den Stahlbögen, die sonst häufig verwendet werden, so verhält wie mit einem drehfreudigen Motor mit kleinem Hubraum zu einem Dieselmotor mit großem Drehmoment: die leichten Pfeile werden hier zumindest subjektiv mit unglaublich großer Geschindigkeit verschossen, während schwere Stahlbögen, die - wie ich lesen konnte - physikalisch bedingt eine bestimmte Geschindigkeit an den Wurfarmende nicht überschreiten können, besser schwere Bolzen bewältigen werden.
Die beiden nächsten Projekte reifen im Kopf schon heran. Ein verdientes Forumsmitglied hat mit zwei gedrehte Nussrohlinge aus Geweih angedient, die gilt es zu verarbeiten, vielleicht unter Einsatz von Knochen und Intarsien. Zudem reizt mich jetzt der ganz andere Abzugsmechanismus der Schnepper (bzw. Schnäpper), wo man gar keine Nuss mehr braucht.
Beste Grüße. Ich erlaube mir noch, in zwei zusätzlichen Posts die weiteren Bilder unterzubringen
CR