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Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 15:52
von the_Toaster (✝)
Firestormmd hat geschrieben:
Was ist denn der Grund für Drehwuchs? [...]
Im Osten geht die Sonne auf.
Im Süden nimmt sie ihren Lauf.
Im Westen will sie unter gehen.
Im Norden ist sie nie zu sehen.
Der Baum folgt beim Wachsen der Sonne und dreht sich dabei.
Und nachts dreht er sich natürlich nicht wieder zurück...
Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 15:57
von Firestormmd
@Toaster: Klingt plausibel, obwohl ich das bezweifle. Bei einer Sonnenblume sehe ich das ja ein, aber ein Baum kann sich doch garnicht so schnell drehen, dass er seine Blätter in die Sonne recken kann.
Wikipedia schreibt was von Wind. Egal, wenn der Baum aus einem ruhigen Hochwald mit diffusem Licht kommt, müsste er eigendlich verschont sein, oder?
Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 16:18
von the_Toaster (✝)
Wind sorgt eher für Schrägwuchs. Guck Dir mal die Bäume anne Küste an. Die sind alle schräge in eine Richtung gewachsen.
Beim Drehwuchs musst Du auch noch die jahreszeitliche Änderung der Sonnenposition einbeziehen. In der stärksten Wachstumsphase das Baumes, im Frühjahr bis Hochsommer, steigt die Sonne Tag für Tag immer höher, um dann im Spätsommer und Herbst wieder tiefer zu sinken. Das ändert den Strahlungswinkel über das Jahr. Diesem wächst der Baum dann entgegen. Diese Winkeländerung wirkt sich Jahr über Jahr auf den Baum aus. Dadurch entstehr dann der Drehwuchs.
Wenn der Drehwuchs wie bei der Sonnenblume entstehen würde, könnten wir keine Bögen aus Holz bauen, denn so ein Stück Holz wäre dann wie eine Schnur X-fach verdreht.
Mal ne Frage an die Runde:
Ein wie starker Drehwuchs ist Euch denn schon unter gekommen?
Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 16:38
von acker
Hallo,
@Snake Jo: Klasse! Das wird interessant.
@Firestorm: Die Meinungen zum Drehwuchs sind geteilter Natur...
http://wapedia.mobi/de/Reaktionsholz
http://tu-dresden.de/forschung/wissens-_und_technologietransfer/dresdner_transferbrief/DTB03_05/DTB_3.05_13.pdf
Wenn ich nun die Fakten zur Eberesche im Geiste richtig zusammen gefasst habe sieht es für mich so aus:
Zugstark wie Esche
Druckstabil wie Ulme...
Also wenn denn dem so ist, dann baue ich einen Elb im "Ulmenprofil"
also leicht gerunderter Bauch sagen wa mal so um die 50# und 186cm+-
Gruß acker
Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 17:04
von skerm
Ich hab einiges an Eberesche im Lager. Ich habe sie damals einfach längs aufgesägt, weil mir die Spalte ständig seitlich rausgelaufen sind. Ich kann es ja bei Zeiten mal versuchen!
Gruß,
Daniel
Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 18:17
von Radon
Hallo zusammen,
ich habe mal einen Bogen aus Eberesche gebaut.
Vom Design her ca. 170cm lang, schmales Flachbogendesign (WA an der breitesten Stelle 35mm), steifer Griffbereich, 50# @28".
Hat gut geworfen, sah super aus. Hab damit einen Parcours mit 28 Zielen geschossen. Danach hatte ich den Eindruck, dass sich an einer Stelle ein Stauchriss bildet. Hab die Stelle mit einer Wicklung gesichert. Am nächsten Tag ist mir der Bogen beim ersten Schuss gebrochen. Am Rücken ist ein Jahresring quer gerissen und hat sich in beide Richtungen abgelöst.
Der Bogen hängt jetzt im Keller an der "Wand der Erfahrung".
Ob Eberesche besser oder schlechter ist als Eibe, kann ich nicht sagen, da ich keine Eibenerfahrung habe. Es ist jedenfalls kein schlechtes Bogenholz. Wenn auch längst nicht so gut wie Goldregen

.
Gruss
Radon
Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 19:07
von acker
Ich komm grad aus der Werkstatt.....

Mal ein paar Bilder:
Q&D Bruchtest:
Ringe:
Der Rohling hat 190cm , Ziellänge ist 186cm
Eine gute Portion reflex , eine Seite 5cm , die andere 8cm
Das wird lustig...
Gruß acker
Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 19:16
von Commerz
Ach Acker Du bist einfach eine Bereicherung für das Forum.
Hattest Du zufällig gerade mal was da an Eberesche oder wie?

Klasse mit den Bildern weiter so, aber das darf man bei Dir nicht so laut sagen sonst erscheint wieder jede Woche ein Bogen. War Anfang des Jahres echt extrem

Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 19:31
von the_Toaster (✝)
@ Acker.
Hat Deine Familie etwa Schalter, dass Du die in den Schrank stellen kannst?
Mich gruselt...
Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 20:28
von acker
Hallo,
@Toaster:
sowas nennt man effektives arbeiten.

Wenn man viele Bogen gebaut hat, gehts halt schneller.
Also Grusel nit rum, mach Deinen Bogen fertig
@Commerz: Ja die ruhigen Wintermonate

weniger arbeiten, mehr Zeit , mehr Bogen.....
Gruß acker
Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 21:23
von Snake-Jo
Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 21:48
von Squid (✝)
Hmm, reichen Eberesche, Eibe, Holunder, Ahorn, Esche, Traubenkirsche, Robinie im Keller plus Walnuss, Hasel, Apfel, Kirsche im Garten aus?
Und natürlich Bambus, Morado, Schwarznuss, Osage in Leistenform im Arbeitszimmer...
Und jetzt meine Frage: Wieso hab ich immer mehr Hemmungen, das Holz zu verwursten? Je besser der Materialfundus wird, desto weniger arbeite ich an neuen Bögen. Was mach ich falsch?
Als ich zu Anfangszeiten nur einen einzelnen Rohling hatte und die Beschaffung eines neuen Rohlings schwierig und teuer war, hab ich das Ding mit Freuden in Späne verwandelt und auch mal einen guten Ulmenrohling in Brösel verwandelt.
Jetzt steht hier der halbe Wald rum und ich grübel nur noch über Designs, Layouts, Bogentypen etc. und komme praktisch nicht mehr zum Zuge...

Re: Eberesche
Verfasst: 10.08.2009, 22:57
von acker
Squid hat geschrieben:
Und jetzt meine Frage: Wieso hab ich immer mehr Hemmungen, das Holz zu verwursten? Je besser der Materialfundus wird, desto weniger arbeite ich an neuen Bögen. Was mach ich falsch?
Jetzt steht hier der halbe Wald rum und ich grübel nur noch über Designs, Layouts, Bogentypen etc. und komme praktisch nicht mehr zum Zuge...
Du bist geizig geworden, Du willst deine errungenen Schätze hüten , es sollen noch mehr werden...
Einfache Methode zur heilung:
Bewerte Deine Staves mit Noten 1-6
Die wirklich guten legst Du weg.
Den schlechtesten nimmst du Dir und zeigst ihm umgehend das Messer.
Nix mit "lay out" , Zeichnung holen, nachfragen.....nö....einfach ran ans Holz .
Verwurstest Du den, na und ? ! was solls war der mieseste, also den nächst schlechten nehmen...
Zwischendurch Hasel organisieren und zusehen wo anderes brauchbares Holz zu bekommen ist.
So wächst beides, das Holzlager und die Waffenkammer, aber am meisten deine Erfahrung.
An mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten geht auch...
zurück zum thread Thema:
Die Eberesche ist beim Messern so wie Hasel, da reisst gerne mal ein Stück aus je nach Hobel richtung.
Auch der Q&D Bruchtest hat mich sehr an Hasel erinnert.
Gruß acker
Re: Eberesche
Verfasst: 11.08.2009, 12:41
von acker
Hallo,
@Jo: Ja, so ist es , man sollte allzeit bereit sein

Es macht auch viel mehr spass wenn man die Möglichkeit hat aus den verschiedensten Holzarten wählen zu können.
Ein bisschen weitergekommen bin ich heute morgen,
der Rohling muß noch begradigt werden und vorallem muß er noch ins Haus zum trocknen.
Er ist noch viel zu feucht, gestern lag er bei gemessenen 12% , allerdings hatte ich nur die Innenseite geprüft, aussen sind es 14 - 16% ,-heute gemessen.
-> viel zu hoch!
Ich werd ihn noch richten und den Rücken von Bastresten befreien, dann muß er erst mal ein paar Tage auf den Schrank.
Der Tiller ist fast fertig 3/4 Standhöhe 28" & 45#
Die Wurfarmenden sind noch zu steif , aber das ist en klacks.

Re: Eberesche
Verfasst: 11.08.2009, 15:14
von Schuggi
@ acker: Unglaublich wie schnell du bist!
Wie richtest du den Bogen denn jetzt aus? Reicht es bei der Restfeuchtigkeit, wenn du den Bogen einspannst, oder musst du den noch erhitzen?
Gruß, Schuggi.