Bau Tibetischer Kompositbogen

Sammlung von Bauanleitungen zum Thema Bogenbau
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Penumbra
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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Penumbra » 28.11.2011, 20:16

Hallo, entschuldigt die etwas längere Pause, nur bin ich bautechnisch recht eingespannt gewesen.

Nachdem alles recht gut durchgetrocknet ist, habe ich auf die Schnelle ein paar Tepliks gebaut und den Bogen in die gewünschte Biegung 24 Stunden lang gezwängt.

@Anubis: Alle Bögen waren mit Birkenrinde oder Rohhaut belegt.

André
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Zuletzt geändert von Penumbra am 28.11.2011, 20:29, insgesamt 1-mal geändert.

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Tom Tom
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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Tom Tom » 28.11.2011, 20:24

Macht des dem Bogen nigs wenn er 24 stunden im grunde aufgespannt ist?

lg Tom Tom
Zeit ist eine durchaus relative Angelegenheit

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Penumbra
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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Penumbra » 01.12.2011, 07:39

Nö, sonst würde er umgehend in den Ofen maschieren ;-), warum auch? Kompositbögen können viele Tage/Wochen aufgespannt bleiben und regenerieren sich nach dem Abspannen innerhalb ein bis zwei Tage wieder.

André

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skerm
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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von skerm » 01.12.2011, 11:31

Wozu machst du diese Prozedur dann, wenn sie keine bleibenden Folgen hat?

Gruß,
Daniel

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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Penumbra » 01.12.2011, 11:48

Die "gewaltsame Biegung, dient zum Strecken der Sehne, als würde man dem Sehnenbelag das "Laufen lernen", dadurch überlaste ich später die Wurfarme an keiner Stelle beim ersten Aufspannen. Die Sehne ist getrocknet recht steif und hart und wird durch Belastung weicher und geschmeidiger, um dies gleichmäßig an allen Stellen zu erreichen presse ich Wa´s in eine Form. Tepliks werden bei allen Kompositbögen mit parallelen Wa´s eingesetzt.

André

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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Snake-Jo » 01.12.2011, 13:17

Ja, genau. Wichtig erscheint mir hier das "gleichmäßige Biegen". Wenn man z.B. statt der Tepeliks eine Biegehilfe in Form einer Bohle mit Dübel benutzt, dann ergeben sich da schon einige Unterschiede.
- Am Biegebrett erreiche ich eine "Spann-Biegung" (besser kann ich das zur Zeit nicht ausdrücken): Der Wurfarm wird am Ende gepackt und gebogen und man muss es dem Wurfarm überlasssen, wo er sich denn biegen möchte. ;D
- Mit den Tepeliks erreiche ich eine "gestützte Formbiegung", d.h. der Wurfarm kann an keiner Stelle ausweichen und Schaden nehmen.

Mit der Spannbiegung - selbst auf der Biegehilfe - kann es passieren, dass einzelne Wurfarmbereiche am Anfang zu stark einbiegen und mit jeder weiteren Biegung werden sich diese erst einmal gebogenen Stellen weiter biegen und ich bekomme eine Biegebeule, obwohl der Wurfarm eigentlich gleichmäßig aufgebaut worden ist. :o

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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von skerm » 01.12.2011, 15:03

Ja, das auf jeden Fall. Ohne vorheriges Durchbiegen würd ich auch nicht unbedingt auf dem Spannbrett loslegen. Hab ich zwar schon mal gemacht, aber es tut ja nicht weh vorher mal zu biegen. Das hat sogar den angenehmen Effekt, dass man dabei das Knacken durch zu gut gemeinte Kleberverwendung erledigt hat und ab dann relativ entspannt ans Aufspannen gehen kann. Nur 24h lang würd ich das nicht machen, weil es zwei mal drüberbiegen auch tun. Bin zumindest bis jetzt damit durchgekommen. Gut so, ich bin nämlich nicht mit der 24h-Geduld ausgestattet. ;)

Gruß,
Daniel

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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Penumbra » 10.12.2011, 17:15

weiter im Text:

• Alle Verdrehungen sind korrigiert und die Siyahs an den Kanten angepasst damit die Sehne geschmeidig laufen kann.
• Der Bogen hat auf 32" Auszug 45 lbs, weniger als ich erwartet hatte. Hier habe ich den langen Hebel der Wurfarme und Siyahs leicht unterschätzt. Um auf 50-60 lbs zu kommen sind 5,5-6mm Dicke des Holzrahmen nötig.
• Bei 32" Auszug ist der Sehnenwinkel von 90 Grad noch lange nicht erreicht, da ist noch Luft bis 35" drin.

Der Bogen macht viel Spaß, sehr weicher Auszug und leicht zu handhaben. Werte kommen wenn der Bogen fix und fertig ist.
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Tibet 31.JPG
direkt nach dem abspannen
Tibet 30.JPG
Tibet 29.JPG
32 Zoll Auszug
Tibet 28.JPG

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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Galighenna » 10.12.2011, 17:57

Wow! sehr schön! Astreine Arbeit :)

Kann man das Zuggewicht nicht noch mit einer weiteren Sehnenlage etwas pushen?
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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Penumbra » 11.12.2011, 11:54

Danke, nein weitere Beläge bringen kaum mehr Zuggewicht. Der Bogen wird dann in sich "gummiartig", verliert an Steifigkeit. Wenn dann müssten alle Materialien verhältnismäßig stärker werden, beim Holz kann man mit +/- 1mm Toleranz rumspielen. Außerdem reichen die Werte super aus und ich habe etwas zum aufwärmen bevor es an die harten Sachen geht ;D

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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Galighenna » 11.12.2011, 12:55

Ja dann ist doch alles perfekt. Sehr schön :)
Irgendwann werde ich mit meinem Composit-Projekt auch weitermachen... ::)
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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Penumbra » 22.12.2011, 14:17

• Der Bogen wurde bis 35" belastet, einige Tage aufgespannt und geschossen
• Ich beziehe den Bogen nun mit Hirschrohhaut, welche schön dünn geschliffen ist.
• Als erstes kommen die Wa´s dran, die Hautstreifen überlappen im Griff und gehen V-förmig an den Siyhas auseinander
• Wenn alles eine Nacht getrocknet ist, werden die V-Übergänge auf Null geschliffen und die fehlenden V-Streifen über die Übergänge auf die Siyahs geklebt.
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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Penumbra » 22.12.2011, 15:03

.... hier noch ein Bild zum Verständnis
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tibet 33.jpg

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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Galighenna » 22.12.2011, 15:57

Ah und durch die ganz dünne Rohhaut wird die Oberfläche dann so schön ebenmäßig und gerade, das man sie mit Schlange belegen oder mit Farbe anmalen kann ohne das es wüst aussieht?
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Re: Bau Tibetischer Kompositbogen

Beitrag von Penumbra » 23.12.2011, 11:38

Ja, so kann ich mit Teilstücken eine saubere Oberfläche herstellen, die "Originalen" bestehen meist aus vielen Teilstücken Birkenrinde oder Rohhaut. Eine Schlangenhaut auf Rohhaut wär doppelgemoppelt, es geht ja darum eine wasserdichte (optimalerweise) Oberfläche zu erhalten, die den Sehnenbelag komplett einschließt und schützt. Ich nehme gerne Rohhaut, da diese sehr gut Farben/Lacke auf Wasserbasis aufnimmt.

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