Effizientes Design der Wurfarmenden

Fragen zu Boegen zum Bogenschiessen. Keine Fragen zum Bogenbau.
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Wirrwarr
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Effizientes Design der Wurfarmenden

Beitrag von Wirrwarr » 26.02.2018, 18:09

Hallo zusammen,

Die Siyahs an Reiterbögen erfüllen eine wichtige Funktion, sind aber gleichzeitig "tote Masse" in denen keine Arbeit gespeichert wird, während sie aber gleichzeitig beschleudigt werden müssen.

Weiß jemand, ob sie aus purer Notwendigkeit heraus gebaut wurden, einfach weil Holz und Horn nicht in ausreichender Länge vorhanden waren um mitbiegende Recurves zu gestalten?
Oder ob Horn und Sehnen in diesem Design über ihre Grenzen hinaus strapaziert würden?

Im Forum habe ich bisher nur Hinweise zu den Vorteilen der Siyahs gefunden, z.B. hier:
viewtopic.php?f=5&t=8823&p=152706
Auf die Form/Gestaltung geht aber leider niemand ein.

Das Konzept hinter diesem Design erschließt sich mir einfach nicht, da die Siyahs recht stabil dimensioniert sein müssen um sich nicht zu biegenden. Gerade am Wurfarmende sollte ja aber an Masse gespart werden, da diese über die größte Strecke hinweg bewegt werden muss und so maßgeblichen Einfluss auf die Pfeilgeschwindigkeit und den Handschock hat.

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Squid
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Re: Effizientes Design der Wurfarmenden

Beitrag von Squid » 26.02.2018, 19:31

Reiterbögen sind an sich schon recht kurz. Sonst ist das Horn-Holz-Sehe-Design nämlich nicht effektiv weil zu schwer.
Dagegen wiegt das Holz relativ wenig und die stark nach vorne gebogenen Siyahs erhöhen natürlich vie Vorspannung erheblich, was die Kompositbauweise erst richtig flott macht.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.

Sateless
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Re: Effizientes Design der Wurfarmenden

Beitrag von Sateless » 26.02.2018, 20:48

Was wäre denn dein Vorschlag, Wirrwarr?
Ich schreibe ohne Autokorrektur lesenswerter. Du etwa auch?
.مع سلامة في أمان السهم و القوس

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Heidjer
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Re: Effizientes Design der Wurfarmenden

Beitrag von Heidjer » 26.02.2018, 21:23

Das Konzept hinter dem Design sind sehr kurze Federn (der biegende Teil der Wurfarme) mit einen relativ kurzen Federweg welcher durch einen Hebel auf eine nutzbare Auszugslänge verlängert wird. ;)

Ein Sehne-Horn-Komposit muß, um effizient zu sein, mindestens um das doppelte gebogen werden wie ein Holzstück. Das geht für eine sinnvolle Auszugslänge nur durch kurze Wurfarmlänge mit Hebelübersetzung oder durch eine sehr stark reflexe Bauweise wie beim Crabbenbogen.


Gruß Dirk
Ein Pfeil, den Schaft gemacht aus der Pflanzen hölzern Teil, versehen mit eines Vogels Federn und einer Spitze, aus der Erde Mineral, wird von der Natur gern zurückgenommen.

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Re: Effizientes Design der Wurfarmenden

Beitrag von Wirrwarr » 27.02.2018, 10:08

Horn über die ganze Wurfarmlänge ist also zu schwer.

Und biegende Recurves aus Holz würden zu einer schwächeren Belastung der Federn führen, weshalb diese unrentabel werden.


Vielen Dank für die Antworten :)

Der Grund für meine Frage war, dass ich schon bei mehreren Reiterbögen den Eindruck hatte, dass die Siyahs etwas überproportioniert waren und dass sich das negativ auf das Schussverhalten auswirkt (starker Handschock und die Notwendigkeit sehr schwere Pfeile zu verschießen, da diese sonst "flattern" und zu viel Energie im Bogen zurücklassen).

Kann aber natürlich sein, dass das einfach günstige Exemplare waren, bei denen sehr sicher gegen Bruch dimensioniert wurde.

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Re: Effizientes Design der Wurfarmenden

Beitrag von SchmidBogen » 27.02.2018, 10:56

Ich hätte diesbezüglich auch noch eine Frage. Geht zwar nicht um den original Kompositbogen.
Bei den komposit Reiterbögen sind die Siyahs ja offen einlaminiert bei den Federn
.
Bei glaslaminierten Reiterbögen habe ich oft gesehen dass die Glaslaminate über die Siyahs gehen.
Wäre interessant statt Esche einmal Balsaholz zu verwenden, durch seine geringe Dichte.

Weiss Jemand ob dies schon ausprobiert worden ist? Und wenn ja, ob die Überlegung nicht verquer ist?
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Re: Effizientes Design der Wurfarmenden

Beitrag von Ravenheart » 28.02.2018, 14:16

Balsaholz hat zwar nur das Gewicht, aber leider auch nur die (Druck- und Bruch-)Festigkeit von blauen Styroporplatten.
Ich fürchte, das würde nicht halten...

Rabe

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Re: Effizientes Design der Wurfarmenden

Beitrag von Heidjer » 28.02.2018, 16:11

Balsa allein wird nichts halten.

Die Dimensionierung der Siyahs ist auch so ein Ding, manche wirken wirklich sehr mächtig, aber sie sind ja nicht nur einer Kraft in Auszugs- und Schussrichtung ausgesetzt, sie müssen auch einigen Torsions- und Querkräften stand halten, ansonsten drehen oder klappen die seitlich weg oder der Bogen schlägt direkt um. :o Zudem müssen sie auch noch kraftschlüssig mit den biegenden Teil der Wurfarme verbunden werden, was zumindest etwas an (Klebe-) Fläche benötigt.

Ich denke man könnte die Siyahs auch in Laminatbauweise herstellen und zumindest den Kern aus Balsa aufbauen, dadurch könnte man etwa ein viertel des Holzes durch Balsa ersetzen ohne das die Gesamtfestigkeit darunter leiden würde. Oder man schleift sich Hohlkehlen ein wie man es auch bei Schwertern oder großen Messern macht um Gewicht zu sparen.
Zumindest im Design der Siyahs im sehr billigen günstigen Preissegment ist noch einiges an Optimierungspotential vorhanden. ;)


Gruß Dirk
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Re: Effizientes Design der Wurfarmenden

Beitrag von Squid » 28.02.2018, 17:13

Da ja oftmals Glas- und / oder Carbonfaser verwendet werden, warum dann keine Wabenbauweise mit High-Tech Zeugs aus der Raumfahrt?
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.

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Re: Effizientes Design der Wurfarmenden

Beitrag von Snake-Jo » 28.02.2018, 18:10

Wenn ihr euch mal das Titelbild der neuen tb anschaut: Der Hunnenbogen hat ein sehr lange Siyahs (oben 40 cm), die zum großen Teil aus Hirschhorn bestehen, dafür aber sehr schmal (messerartig) Gewicht sparen.

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