Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von Wilfrid » 30.01.2013, 15:08

Du setzt mir da nichts entgegen, im Gegenteil. Es gibt j den Stil "des mit dem Pfeil kuschelns", bei dem man sich vorbeugt, um den Bogen zu kippen, die Kräfte in Richtung der Arme aufzunehmen, das Gesicht am Pfeil zu haben und den Rest aus dem Weg. Auch diese Leute schießen ja bis über 60#.
Peter O.Stecher zeigt dies Technik in seinem Video :
http://www.youtube.com/watch?v=6C7bPKI2420
sehr deutlich und klassisch. Nennt sich , glaube ich "Hillstyle"
Das nur mit dem Kackstil große Gewichte zu schaffen sind, naja, auch wenns wegen "hoher Last" ist und eben nur so , durch setzen der Lendenwirbelsäule "auf Block", zu schaffen ist, für andere Stile ist eben die Zugkraft zu hoch, die Bauchmuskeln können der Rückenspannung nicht entgegenhalten. Ganz wertfrei gesprochen. Solche Gewichte drücken eben alle beteiligten Gelenke mächtig zusammen.

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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von MoeM » 30.01.2013, 15:41

Schießt sich auch super so... wobei zum "Hillstyle" noch ein paar andere Sachen gehören. Geht auch gut, um aus dem Knien oder der Hocke zu schießen.
Grüße Moe

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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von Genni » 30.01.2013, 15:43

Stimmt, der Hill-Style sind sehr ähnlich aus. :)

Ansonsten wäre das die nächste Frage: sind solche Zuggewichte "wirklich" nur so zu schaffen?
Ich meine mal irgendwo bei einem ähnlichen Zuggewicht eine "normale" aufrechte Haltung gesehen zu haben, bin mir aber leider nicht sicher.
Haben wir hier nicht zufällig Schützen die da aus Erfahrung sprechen oder sowas testen können :D ?

Klar geht das auf die Gelenke, aber ich dachte das genau DAS richtig wäre? Das gleiche Prinzip verwendet auch Stephen Selby, bzw. demonstriert es so als "richtige" Technik, was auch logisch klingt, da dadurch ja ein Teil der Kraft von den belasteten Gelenken aufgenommen wird, und nicht alles mit reiner Muskelkraft irgendwo in der Luft gehalten werden muss.
Wäre zu klären, wie sehr das den Gelenken schadet (das es nicht wirklich gut für die Gelenke ist, ist denke ich klar, allerdings nicht, wie "schlecht" es wirklich ist und welche Auswirkungen das genau hat?)
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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von Tom Tom » 30.01.2013, 15:47

Ein Bild hab ich noch wo ich dazu einbringen kann

@Felix meinst dus so?

lg Tom Tom
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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von Genni » 30.01.2013, 15:55

Jepp.
Das meinte ich :)

Kannst du was dazu sagen, inwiefern sich das quasi anders anfühlt (wenn überhaupt) ?
Also, ist es so wirklich schwerer zu ziehen vom reinen Zuggewicht her, ist es schwerer damit zu schießen, weil körper vielleicht im Weg etc. ?
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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von Tom Tom » 30.01.2013, 15:59

Also Körper ist nicht im weg.
Ziehen her etwas schwerer
Jedoch erreiche ich so keine 31 Zoll Auszug wo mein normaler Fulldraw ist. Auch wenn ich mit meinen 60# Osage normal Parcour schieße

lg Tom Tom
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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von MoeM » 30.01.2013, 16:10

Was die Gelenke angeht wird in der "Ghosts of Mary Rose" Doku sehr schön ausgeführt woran sich das Skelett eines Bogenschützen identifizieren lässt.
Grüße Moe

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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von Genni » 30.01.2013, 16:13

Das würde also Probleme mit der Rückenspannung bedeuten, genauer gesagt vom Auszug her, was auch Sinn macht.
Mit gerader Haltung bekommt man einfach die Schulterblätter kaum weiter zusammen, selbst ohne diese zu belasten!
Sobald man aber mit diese Biegung im Körper sag ich mal drin hat, gehts ohne Probleme, bzw. umgekehrt, wenn man die Schulterblätter zusammen "zwingt" nimmt automatisch diese Haltung ein. Das ist doch schon mal ne Erkenntnis (hoffe ich :D) :)

Gruß, Felix :)
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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von skerm » 30.01.2013, 16:37

Tom Tom hat geschrieben:Also Körper ist nicht im weg.
Ziehen her etwas schwerer
Jedoch erreiche ich so keine 31 Zoll Auszug wo mein normaler Fulldraw ist. Auch wenn ich mit meinen 60# Osage normal Parcour schieße

lg Tom Tom


Du hast da auch die Schulter fast im Ohr.

Gruß,
Daniel

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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von kra » 30.01.2013, 16:52

ich denke, die Haltung ist auch eine Frage des Trainingszustands.
Wenn man täglich Krafttraining richtig macht kann es auch ziemlich "entspannt" aussehen.
Ein guter Bekannter schießt (schoß) Recurves mit 90 bis 105# auf den Fingern (31" Auszug). Es sah schon nach viel Kraft aus, die Haltung war aber einwandfrei, nix mit zittern oder verkrampft, Bogen senkrecht und sauberer Anker - mustergültiger Stil.
“Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.”
– George Bernard Shaw

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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von Heidjer » 30.01.2013, 16:57

Die gezeigte Technik hat ein paar Vorteile wenn es um absolute Zugkraft geht, der Präzision ist sie nicht förderlich. ;)
Der Mark Stretton hat uns das auf dem Seminar in Barsinghausen gut gezeigt und erklärt, ich konnte mit der Technik auf anhieb 20% - 25% schwere Bögen ausziehen. Man hat auch mehr Auszugslänge gegenüber einer Technik die auf das genaue Treffen ausgerichtet ist. Normalerweise schiesse ich Bögen mit maximal 70# bei einen Auszug von max. 30", bei 80# Bögen schaffe ich nur einige wenige Schüsse und die Präzision ist unter aller Sau. Mit der Technik vom Mark habe ich Bögen von 100# auf einen Auszug von 33" gebracht. ;)
Es ist wirklich so das man Hindernisse aus den Sehnenweg heraus hält und man mehr Muskeln und Knochen beim Ausziehen einsetzt. Im Prinzip läuft es darauf hinaus, das man erst die Zughand zum Ankerpunkt bringt und man dann erst den Bogen nach vorne drückt, so ist das zum Schluß weniger ein Bogen ausziehen, eher ein Bogen wegdrücken.
Klimmzüge gehen ja auch schwerer wie Liegestütze, ob das alles auf Dauer Gesund ist, ohne Aufbautraining und Aufwärmtraining wohl eher nicht, aber es ist eine Technik für hohes Zuggewicht und langen Auszug.


Gruß Dirk
Ein Pfeil, den Schaft gemacht aus der Pflanzen hölzern Teil, versehen mit eines Vogels Federn und einer Spitze, aus der Erde Mineral, wird von der Natur gern zurückgenommen.

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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von Blacksmith77K » 30.01.2013, 17:10

back to topic:

Viele Ideen und Anregungen gelesen, aber alles Käse... ;D

Es gibt einen physiologischen und einen ideellen Grund:

1.
...über 100# im Vollauszug quetschen logischerweise die Schultern zur Körpermitte. Somit verkürzt sich der Auszug 'ungewollt' um 1-2" (...je nach Statur des Schützen...). Gibt logischerweise auch Schützen, die erst über 130# Probleme mit der Körperkompression bekommen.
Um dieses Defizit an Auszugslänge auszugleichen 'legt' man sich IN den Bogen, heißt also Bogen ranziehen und Brust dagegen. Dadurch entsteht der Enten-Po.
Desweiteren sollte man solche Bögen auch nicht mit den Armen, Schultern oder sonstwas ziehen, SONDERN mit dem Rücken. Und auch genau DA ist die vorgebeugte Position hilfreich, weil man viel mehr 'Platz' im Rücken hat.

2.
...wer sich mal nen 120# Bogen volle Möhre an den Unterarm gezwiebelt hat, weil er NICHT nach vorne gebeugt gestanden hat, versteht auch den 'ideellen' Grund. ;)

EDIT: Dirk war bischen schneller, sagt aber ja das gleiche. In sofern: GEKLÄRT! 8)
...du biegst nicht den Bogen, der Bogen biegt Dich!

76" Yew Warbow (ELB) 135#@32"
74" Yew Warbow (ELB) 105#@32"



...and several yew warbows...

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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von Fenrisulfir » 30.01.2013, 17:31

Blacksmith77K hat geschrieben:back to topic:


2.
...wer sich mal nen 120# Bogen volle Möhre an den Unterarm gezwiebelt hat, weil er NICHT nach vorne gebeugt gestanden hat, versteht auch den 'ideellen' Grund. ;)


Ich glaube das wär meine größte Sorge wenn ich jemals soeinen Bogen in die Finger bekommen sollte ;D

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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von Alexius77 » 30.01.2013, 18:20

Blacksmith77K


Danke für die beste Antwort, Ist vollkommen verständlich!

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Wilfrid
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Re: Schwere Longbows schiessen, Po nach hinten versetzt?

Beitrag von Wilfrid » 30.01.2013, 18:22

Was der Hintern und das Verbiegen der Lendenwirbelsäule jetzt mit dem Arm zu tun hat, entzieht sich im Moment meinen kognitiven Fähigkeiten.
Ich habe mir eben ein paar videos von mir angesehen, bei 20# bleibt die Plautze locker draußen, bei 66# wird sie eingezogen. Auch hier mehr wegdrücken als ziehen, aber richtig gerade stehen und Bauch rein, Brust raus und "Aufmachen".
Es ist einfach ein anderer Sil mit dem hintern raus, der einem überhaut ermöglicht, so schwere Bögen zu ziehen. Von Treffen ist ja nicht die Rede

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