Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Andere japanische Bögen und Techniken (Yabusame etc.)
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Daemonday
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Daemonday » 01.05.2014, 12:00

@Mark
Schön mal von jemandem zu lesen, der Erfahrung mit Training in Japan hat - und auch mit verschiedenen Schulen und Disziplinen :)

Hi,
wobei ich ehrlicher weise sagen muss dass sich meine Kyûdô Erfahrung in Japan auf nur 2x Heki Ryû und ein Wochenende Ogasawara Ryû beschränkt. Ich bereise Japan sehr gerne, war letztes Jahr 6 Wochen drüben und hab mir verschiedene Geschichtsmässig intressante Städte angeschaut. Und wenn die Stadt eine Budô Schule hat kommt sie auf meine Liste. Und wen ich dort dan jemanden finde der etwas mit meiner Mischung aus deutsch, englisch und japanisch anfangen kann frage ich mal nach ob ein Probetraining generell möglich wäre.
Ich hab in der BRD auch mal ein paar Monate Kyûdô betrieben, aber mir dann eingestanden das mir der Schießstil der Heki Ryû für gelegentliches Training zu schwer ist. Seit dem oder besser gesagt nach Japan letzen Jahres schieße ich im Stil der Ogasawara Ryû, da mir der eingänglicher scheint und ich damit auch mit gelegentlichem Training die Scheibe treffe und so auf MA Spasstunieren auch Konkurenzfähig bin. Auch liegen mir die durchschnittlich höheren Zuggewichte hier besser.

Aber ich würde mich nicht als kyûdôka bezeichnen. Mein Schwerpunkt liegt auf anderen Bereichen des Budô wie Ringen oder Schwert und diese Punkte haben immer Vorrang. Ursprünglich hat das mit dem Yumi auch nur angefangen weil ein Freund ein paar Yumi gebaut hat und ich nen paar häufig zitierte Dinge (z.b. stell dich so oder so hin, dann hat die Rüstung keine Lücken und du bist besser vor Pfeilen geschützt) überprüfen wollte.

@Toaster
Dann kennste das Innere von TEUTSCHEN Vereinen aber schlecht...
Ach Vereinsmeierrei gibts immer, denoch ist ein Verein demokratisch, eine japanische Schule aber hirachisch. Es gibt da einen Chef und der wird nicht gewählt sondern ernannt (durch erbe oder weil der Erbe ihn für die beste Wahl hält, in manchen Fällen bestimmt sogar der Staat die Nachfolge)
Und wenn du dich nicht an die Regeln hälst, kommt es darauf an wie der drauf ist. Die einen Lehrer sind weiter höflich und net zu dir, bringen dir aber nix mehr bei, die anderen ächten dich mehr oder weniger, so das du in keiner angegliederten Schule weltweit noch trainieren darfst.
Das hast du in der deutschen Vereinsstrucktur nicht.

@Benzi
@Micha danke für Deine Ausführungen! sie beschreiben schön die kulturellen Unterschiede... und es kann sehr spannend sein, sich darauf einzulassen!

Danke und gerngeschehn.

Achja noch ein Wort zu Musashi... Er und sein Buch Gorin no Shô (das buch der fünf Ringe) haben für eine einzige Budô Gruppierung Relevanz und das ist die Hontai Niten Ichi Ryû (eine Schule die ihren Fokus auf Schwertkampf legt) die von Musashi gegründet wurde. Es ist ein riesiger und oft gemachter Fehler dieses Buch als Grundregel für die kompletten japanischen Kriegskünste her zu nehmen.
Wenn man zwei Schulen (am bessten aus verschiedenen Regionen um Verwandschaft auszuschließen) miteinander vergleicht haben die oft Grundsätze die sich extrem wiedersprechen. So sagt die eine Schule z.B. du musst einen Schwertschnitt bis zum Boden durchreisen damit er möglichst viel Wucht hat, die nächste Schule sagt das man nur bis zur Mitte schneiden soll um seine Deckung nicht aufmachen. Und beide Schulen sehen die jeweils andere Ansicht als komplett falsch an.
Nun haben aber beide nur ne unterschiedliche Sichtweise und das war es auch schon.
Und das Gorin no Shô spiegelt die Sichtweise Musashis wieder. Und auch hier muss man sagen das Musashi für das Budô total unwichtig war und nur duch Romane und Filme so bekannt wurde.
Also mach dir keinen Kopf mit ,,zuviel Musashi" wenn jemand außerhalb der HNIR seine Behauptungen mit Musashi beschweren will dann outet er sich nur als unwissend.

Lg
Micha
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Wilfrid » 01.05.2014, 12:23

Daemonday, was die teutsche Vereinsstruktur angeht, bist Du aber mächtig schief gewickelt. Entweder , du schießt, wie der Verein und der Trainer das will, oder die Vereinscheiben bleiben von Deinen Pfeilen verschont. Jedenfalls bei vielen Vereinen, die "Olympisch" anbieten. Bei einigen kriegst Du als Rechtshandschütze, der normal über den Daumen schießt, noch nichtmal nen Linkshandbogen beim Spaßturnier, mit dem eigenen darfst Du sowieso nicht antreten.
Der Unterschied ist nur, bist Du zahlendes Mitglied und der Verein hat den Trainerschein bezahlt, muß sich der Trainer mit Dir beschäftigen, solange Du halbwegs bei den Regeln bleibst. Ob der das tut??

Was glaubst Du wohl, wie oft ich belächelt werde bzw. auch direkt angegriffen... Auch hier im FC. Kann ich mit leben.

Ich bin überhaupt nur hier im Forum, weil ich angegriffen wurde.

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von benzi » 01.05.2014, 12:42

Zeit für etwas Neues bedeutet nicht, dass das Alte schlecht ist oder ausgedient hat, es ist einfach nur anders!

liebe Grüße benzi
"Du hast den Verstand verloren, weißt Du das?" "Dafür hab ich ein Leben lang üben müssen"
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Daemonday » 01.05.2014, 13:05

@Wilfrid
Also ich bin ein ganz unbedeutendes Licht bei uns im KPSG Cadolzburg. Aber ich schieße da Yumi, Hankyû, Jagdcompound und Jagdrecurve und solange ich keinen grob fahrlässigen Scheiß baue und ich unter 60-70lbs bleibe ist es dem Verein herzlichst egal was ich wie schieße. Laut Trainer bin ich mim linken Auge Dominant und sollte mit links ziehen, aber als ich gesagt habe ich will lieber rechts ziehen weil ich mich da wohler fühle, war das absolut kein Problem.
Ansonsten bin ich Kampfkunstmässig im VfL Nürnberg Langwasser und auch da ist der Verein total unkompleziert wenn man von der üblichen Vereinsmeierei mal absieht.
Auch beim Kendô und Jûdô sowie Teakwondo hatte ich früher nie großartige Probleme.

Das es auch anders laufen kann ist mir bewusst, aber ich halte das dann doch für eher die Ausnahme als die Regel.

Lg
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Wilfrid » 01.05.2014, 13:47

Daemonday, es bessert sich ;-), und gerade die jüneren Abteilungen , so seit 2000 sind ziemlich tolerant. Da sind die alten Säcke ja auch nicht sooo tonangebend. Ich sage mal, Glück gehabt, die richtigen getroffen.
Toleranz anderen gegenüber ist aber auch in Deutschland nicht überall angesagt noch lange nicht.

Und was Japan angeht, wo der "Verein" quasi dem "Trainer" gehört, na, da erwartet man die besser auch nicht. solange genug ihm folgen, warum soll der Zeit und Material an unwillige verschwenden?

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Daemonday » 01.05.2014, 15:21

Naja der Unterschied ist eben die komplette kulturbezogene Einstellung der Länder.

Wenn jemand in Deutschland sagt du musst das so und so machen oder geh wo anders hin, halten ihn viele für einen ***, wenn er eine gewisse Reputation hat evtl. noch für einen Exentriker mit harten Mitteln.
In Japan würde sich keiner anmaßen den Lehrer in Frage zu stellen zumindest nicht die ersten 20 Jahre :P

Das ist teilweise richtig krass, hab ich so im Kendô erlebt, Alle üben Suburi (trockenschwertschnitte) und der Lehrer korrigiert. Die Ausländer setzen ab und an mal ab und schütteln sich die Arme aus, oder trinken kurz was.
Die Japaner machen wie Maschinen weiter. Selbst wenn der Lehrer 30 Minuten die Anfänger korrigiert und scheinbar vergessen hat das die Fortgeschrittenen immernoch Suburi machen.
Das geht sogar soweit das Leute eher aus erschöpfung oder dehydration zusammenklappen als die vom Lehrer angeordnete Übung zu unterbrechen.

Und nein das ist keine Übertreibung oder eine Ausnahme, dass ist die Regel.

In Deutschland hab ich es regelmässig das Anfänger ohne Vorahnung mir widersprechen oder mit einem ,,aber was wäre wen so und so???" kommen. Und das finde ich als Lehrer teilweise schon sehr ermüdent wenn jemand mit Filmen und Youtube Wissen versucht mich zu belehren oder alles in Zweifel zieht. Ich verstehe es ja noch wenn jemand von einem anderen lehrer oder aus einem anderen Stil zu uns wechselt, da währe ich an den Unterschieden auch intressiert.

Aber diese Konsumhaltung die sehr viele in Deutschland an den Tag legen finde ich persönlich schrecklich und sie wäre in Japan undenkbar.

Nicht falsch verstehn, ich will die Japaner etz nicht in den Himmel Loben, dass Ameisendenken das sie teilweise an den Tag legen ist ein Grund warum ich bisher nicht dauerhaft ausgewandert bin. Außerdem ist Toleranz in Japan großtenteils ein Fremdwort wenn es um Kulturgüter geht. Und einige Schulen sagen wie gesagt klipp und klar ,,No Gajin´´ (Keine Ausländer). Aber ich versuche hier verständlich machen warum Kyûdô oder die japanischen Kampfkünste im Allgemeinen so elitär und teilweise versnobbt nach außen wirken. Und ich entschuldige mich auch das ich so viele Bezüge aus den Kampfkünsten abseits des Bogensports bzw. Kyûdô bringe, aber ich hab in den anderen Disziplienen deutlich mehr erfahrungen machen können.

Lg
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von jbf0404 » 01.05.2014, 15:28

Hallo,
zunächst damit es keine Missverständnisse gibt: ich leite keinen VHS-Kurs bin auch kein Trainer, sondern "nur" 4-jähriger Anfänger der gerne Kyudo macht.
Ich möchte auch nicht Kyudo aufweichen, so wie es sich mir so traditionell darstellt ist es gut für mich (mittlerweile, im Anfang hatte ich auch meine Probleme).
Danke für die Liste der Marketing-Tools ich hab derartiges versucht, es ist aber sehr schwer in einem Verein solche Markt-Analysen durchzuführen, letztlich müßte man diese Arbeit selbst und alleine machen oder es dem Deutschen Kyudo-Bund überlassen.
Ich glaube man muss zwei Situationen unterscheiden: es geht mir nicht um Gruppen, die einen Nettozuwachs von >1 pro Jahr haben, diese haben bei einer Nischen/Randsportart wie Kyudo ein Luxus-Problem. Schwierig wird es bei Vereinen/Gruppen, die unter einer "kritischen Masse" von 5 zahlenden Mitgliedern sind. Das wird existentiell. Auf diese Gruppen zielte mein Vorschlag Kyudo-Varianten zu fördern wie kürzere Distanzen, weniger Formal, Kleiderzwang etc.. Ich persönlich bin ein Verfechter von Hakama etc. bei jedem Training und es gbt kein formloses Kyudo-Training für mich, aber für andere schon. Ich würde das akzeptieren, weil Vereine auf zahlende Mitglieder angewiesen sind, ob sie sich nun im Kyudo üben oder was anderes machen. Ich glaube herauszuuhören das dieses eben nicht gemacht werden sollte, auch auf die existentielle Gefahr hin dass sich ein Gruppe auflöst, was bei uns nicht der Fall ist, aber sein könnte. Dieser Weg ist für mich noch nicht entschieden.
Was von der Diskussion für mich, unter anderem, bleibt ist die Frage wie kann man das was Kyudo ist nach aussen darstellen und einem Interessierten erklären. Antworten (plural) auf die Frage was Kyudo ist finden sich in Aufsätzen wie "yumi no kokoro http://www.bogensport-rheinland.de/Organisationen/Kyudo-yuminokokoro_deutsch_Genshiro_Inagaki.pdf von Inagaki sensei, Aufsätze von Onuma sensei in "Illuminates spirit", aber auch im Kyudo-Manual über shin zen bi natürlich auch kan -chu -kyu. (Geschrieben mit dem Bewußtsein dass jetzt wieder ein Diskussion einsetzt und in der Hoffnung, das diese uns alle etwas weiterführt.)
Also wie kann man das am besten zeigen?
Gruss und noch ein schönes langes Wochenende Johannes.

RoLi
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von RoLi » 01.05.2014, 16:07

Ich habe versucht, den Faden komplett zu lesen, was für mich im Moment nicht so einfach ist. Mein Tinitus pfeift mir dauernd dazwischen.
Ich bewundere die Geduld von Mark und Markus, aber auch die der „anderen Seite“. Ich denke, wenn man Kyudo, nicht irgendwie einen Yumi schießen, einigermaßen verstehen will, muss man es sich in einem Dojo wenigstens anschauen. Youtube, oder hier mitlesen, reicht nicht.
Ich schreibe eigentlich, weil es im Ursprung um Werbung für Kyudo geht, alle Gruppn damit ihre Probleme haben und wir in dieser Woche wieder einen Kurs an der VHS begonnen haben und ich kurz schildern möchte, wie es bei uns abläuft.
Bei uns geht der Kurs über zehn Abende a zwei Stunden, wobei es nie bei den zwei Stunden bleibt. Die VHS lässt den Kurs nur starten wenn er belegt ist, d. h. zwölf Teilnehmer sich angemeldet haben. Wir sind zwei Trainer C.
Wir können jedem der Teilnehmer einen Bogen, Pfeile und einen „Däumlinghandschuh“ zur Verfügung stellen. Das ist alles privates Gerät. Von der VHS gibt es nix dazu.
Wir üben an vier Makiwara, so dass jeder sechs Teilnehmer an zwei Makiwara betreut (zumindest am ersten Abend).
Bevor wir mit dem ersten Training beginnen, machen wir eine Vorstellungsrunde wo jeder der Kursbesucher kurz erläutert, was seine Gründe sind, diesen Kurs zu besuchen.
Die Gründe sind dann
- Hat mir meine Frau geschenkt. Ich weiß eigentlich gar nicht worum es geht.
- Ich habe schon einen Kurs in indischem Bogenschießen gemacht. Da haben wir viel mit geschlossenen Augen geschossen.
- Ich hab das mal gesehen. Mir hat das gefallen mit den Schläppchen und so.
- Ich hab das im Programm gelesen. Es hat mich angesprochen.
- Ich habe einen Langbogen, selbst gebaut aus Ratan und Bambus. Den hab ich auch dabei und mit dem möchte ich schießen.
Ich könnte das fortführen, will aber nur zeigen, dass kaum einer sich vorher informiert hat, worauf er sich einlässt.
Im Anschluss an die Runde erläutere ich dann was wir machen und zwar so, dass jeder sich wiederfindet.
Ich sage den Leuten auch ganz klar, dass wir nicht böse sind, wenn es sich einer bereits nach dem ersten oder zweiten Abend anders überlegt. Wir müssen uns nicht weiter mit ihm beschäftigen und er bekommt von der VHS sein Geld zurück.
Danach schießen wir zwei Pfeile vor dem Makiwara vor, so dass die Leute sehen, was wir überhaupt machen und wo sie hin sollen.
Der Langbogenschütze hat am ersten Abend erkannt, dass dies nichts für ihn ist. Er hat das auch klar gesagt.
Erfahrungsgemäß, es ist unser siebter Kurs, beenden wir den Kurs mit vier bis sechs Teilnehmern, die dann ganz begeistert sind. Geblieben sind bis jetzt zwei Leute, die nach dem Kurs weiter Kyudo üben.
Die besten Erfahrungen haben wir mit Leuten gemacht, die „etwas“ gesucht haben und dabei auf Kyudo gestoßen sind. Da sind sogar Linkshänder dabei, die keine Probleme damit haben ihren Kaffee oder Tee aus einer Rechtshändertasse zu trinken ;D . Die wollen nämlich Kyudo lernen/üben/praktizieren und weniger mit einem exotischen Bogen schießen. Das sind aber in der Regel Leute, die einfach im Training vorbei kommen, nicht über die VHS gehen und nur indirekt durch Werbung angesprochen wurden.
Ich kann Johannes nur raten es weiter zu versuchen, auch wenn keiner hängen bleibt. Ich nehme aus jedem der Kurse etwas für mich mit.
Grüße
Rolf

Noch was. Ich glaube nicht, dass man etwas ändert, wenn man der Sache einen anderen Namen gibt.

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Wilfrid » 01.05.2014, 16:24

Wie willst Du zeigen, das intuitives Bogenschießen nur dann wirklich gelingt, wenn Du , wie Arquerine schreibt, nur den Bogen, Dich und die Holzwolle fühlst und nur das Ziel siehst???
Und weiter, wenn der Schütze da schon ist, wie willst Du zeigen, das Killfieber vom Kopf kommt?
Und wie willst Du zeigen, das der wirkliche Schütze beim Anfall von Killfieber jede Stellung seines Körpers, jeden Teil der Körperspannung abnickt und in den Zustand der Versenkung in sich mit dem genauen Bild des Ziels im Kopf (der linken oberen Facette des Auges der Ameise, die links neben de, Gold sitzt)...
Das ist, was Inagakisensei schreibt, oder was ich verstanden habe. Der Sinn des Bogenschießens, wenn man nicht treffen will, sondern nur den Pfeil im Ziel stecken lassen will. Die gübte Form, die verinnerlicht im Tun nach außen dringt und den Pfeil im Ziel versenkt. Ich weiß, schwere Kost, aber die servieren alte Männer nun mal...

Aber 100 Pfeile /Tag braucht man nicht, wenn der Lehrer eben die entscheidenden 2x 6 Stunden für einen alleine da ist.

Brutaler Drill, ständig korrigiert, bis der erste Pfeil geschossen ist. Und dann auf Anfang... 50 x, der trifft spätestens mit Pfeil 50. Nur ein pfeil. Jeder Fehler, sofort korrigiert, zurück auf Anfang nach korrekt zeigen...
Dann üben lassen, wenn dann das Kopfkino einsetzt, die Routine ausführen lassen und immer wieder bestätigen, das er nicht denken muß, sondern weiß, das Fehler angesagt werden. Dann kommt der übern Punkt und "weiß", das alles richig ist.
Dann wird er immer genau den Punkt treffen, auf den er beim Ablaß geguckt hat. Mitte !!! Nur schade, das das nicht immer Mitte Ziel ist :-)) Die Frage "Warum" erhält die Antwort "Mach", keine Diskussion ...

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von benzi » 01.05.2014, 18:12

RoLi hat geschrieben:Ich bewundere die Geduld von Mark und Markus, aber auch die der „anderen Seite“.

danke Rolf!

wenn ich acker richtig verstanden habe, dann geht es nicht darum etwas Bestehendem einen anderen Namen zu geben.

Kyudo machen und einen japanischen Bogen japanisch schiessen SIND zwei verschiedene Dinge, das lesen wir hier nun seit Jahren und die Probleme hier enstehen zu einem großen Teil aus der Vermischung der Begriffe.

In Japan wird ein Yumi auf viele Arten geschossen.
2011-07-03_10-55-09.jpg

Nein, Kyudo verwässern um mehr Mitglieder zu gewinnen kann es nicht sein!

Schiessen mit dem Yumi anzubieten ist was Anderes, etwas Neues!

liebe Grüße benzi
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von shokunin » 01.05.2014, 19:59

@RoLi
schön Dich hier wieder mal zu lesen :)
Ist wohl die Zeit der Anfängerkurse, bei uns ging gestern auch einer an... ;)


So, ich arbeite hier mal ein paar Beiträge auf, die mich direkt oder indirekt betreffen, die aber im Thread irgendie untergingen weil das Thema etwas "mäandert"...


@acker, Markus und Kyudo-Ecke dicht machen,
ich fände es nicht nur schade meine perönliche Bastelecke zu verlieren ;D , nachdem ich ja der Einzige bin der da was zeigt, ich hab' auch die Hoffunung für ein Kyudo-Forum noch nicht aufgegeben.
Eine Umbenennung des Unterforums in "japanisches Bogenschiessen", "Japanische Bögen", "jp Bogenbau" usw, halt eben ohne explizite Nennung von "Kyudo" als Kategorie wäre für mich kein Problem, eine explizite Meidung von Kyudo aber durchaus...

@Benzi
mit "es menschelt" meinte ich eben nur, dass jeder Verein aus unterschiedlichsten Menschen besteht, von denen einem nicht jeder liegen kann...
In jedem Verein gibt es kleine interne Reibereien und Machtkämpfe. Ich denke aber nicht, dass das etwas mit Kampfsport zu tun hat.
Ich würde mich wetten trauen, dass es in den grossen Abteilungen unseres TSV z.B. auch viel grössere Zwischenmenschliche Probleme gibt als bei uns.
Dass, das irgend etwas mit Kampfsport, germano-asiatischer Kultur, oder sonst etwas zu tun hat ist Deine Interpretation, basiered auf Deiner vorgefertigten Meinung. Ich habe das so in keinem Kyudo-Verein den ich kenne erlebt.

@arquerine
Danke für die Kommentare :)
Wie schon gesagt, das Gespräch war dann immer schon weitermäandert bis ich zum Schreiben kam...
Ich hab' Dich da schon verstanden mit dem Gummiband usw. Das war nicht unbedingt auf Dich gemünzt, man hört das halt immer wieder mit dem "ich würde nicht...". Aber wenn man mur mal rein-schnuppern will, dann will man natürlich 'nen Bogen in die Hand bekommen - das ist was Anderes und es wird ja auch allerorts so gemacht. Total frustrieren wollen wir die Leute ja auch nicht ;D
Man übt aber schon eben am Anfang auch immer mal mit der Zwille, zum Aufwärmen z.B.

Ich stimme Dir auch zu bez. Üben allegemein... wenn man ein Musikinstrument gelernt hat (oder Handwerk in meinem Fall), dann hat man kein Problem mit der Disziplin des abstarken Übens.
Für Leute die das nicht verstehen ist der Weg natürlich noch härter. Wobei es auch so ist, dass man durch das was man sich wirklich erkämpfen musste auch mehr wächst.


@jbf0404
Also, das mit verkürzter Distanz usw wird sowieso schon gemacht.
Du hattest das ein paar mal angesprochen.
In der Phase, in der Anfänger von Makiwara-mae zu Mato-mae übergehen, wird das bei uns durchaus gemacht. Man schiesst vielleicht auf 10m, dann 15, dann die vollen 28.

Was das Vermitteln der Essenz dessen was Kyudo ist angeht... was sagt man Leuten was es ist um sie zu begeistern...?
Naja, wie Du schon bei RoLi gelesen hast, viele kommen recht unvorbereitet oder halt mit irgend einer Idee im Kopf, die aber auch nicht wirklich recherchiert ist...
Da muss man einfach erklären, zeigen, machen lassen... und eben völlig emotionslos jedem die Wahl geben ob er das machen will oder nicht. Also eben nicht mit der Erwartung: jetzt hab' ich's Dir gezeigt, wieso bist Du nicht begeistert...? ;)

Und das Begeistern ist eben auch so eine Sache...
Wenn Du mit Leuten der "Generation Inagaki" sprichst - die also, die ihn noch kannten. Da bekommt heute noch jeder glasige Augen wenn er nur davon erzählt.
Wenn ich an meine Jugend zurück denke... alles war im Bruce Lee-Fieber, alles wollte Kung Fu lernen... ;D
Eine charismatische Persönlichkeit erreicht mehr als 100 Aufsätze.

Am besten "verkauft" man Kyudo indem man es zeigt und dabei eine beeindruckene Figur macht die die Leute inspiriert das auch machen zu wollen, denke ich.
Viele Schützen haben wir nicht die wirklich einen Raum elektrisieren können, aber das ist eigentlich die einzige Werbung die wirklich funktioniert, denke ich.

Gruss,
Mark
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von RoLi » 01.05.2014, 20:21

Mark,
shokunin hat geschrieben:Am besten "verkauft" man Kyudo indem man es zeigt und dabei eine beeindruckene Figur macht die die Leute inspiriert das auch machen zu wollen, denke ich.
Viele Schützen haben wir nicht die wirklich einen Raum elektrisieren können, aber das ist eigentlich die einzige Werbung die wirklich funktioniert, denke ich.

Ich kann Dir hier nur Recht geben. Es ist aber hier nicht der Platz, darüber zu sprechen.
Grüße
Rolf

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Wilfrid » 01.05.2014, 21:40

Ich lese hier immer ein Verhältnis 4:1,Schüler Lehrer.
Nach meiner bescheidenen Erfahrung ist der Ottonormalverbraucher nicht in der Lage, alleine zu üben, zumindest als Anfänger.
Man zeigt ihnen was, läßt es unter Aufsicht 2x nachmachen, kümmert sich einen Moment um einen anderen un d schon, machen se Blödsinn. Also nicht das gezeigte..
Man muß so lange dabei bleiben, bis wenigstens eine Passe im Ziel ist. Ohne Hilfe...
Dann machts Spaß, dann wirds auch wiederholt un d erstemal vonmal zu mal besser...

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von shokunin » 01.05.2014, 22:54

Also zum einen schiessen wir im Kyudo immer nur einen Pfeil... denn wir schiessen als Anfänger auf ein 1,5m entferntes Strohziel.
Dann tritt der Nächste an und schiesst.
Es wird also zu Anfang jeder einzelne Schuss unter Aufsicht gemacht.
Und Treffen ist da eben nicht das Thema - nur nachdem das auch schon mehrmals aufkam...
Wenn 2 Trainer da sind, dann stehen in aller Regel auch 2 Übungsziele und jeder Schuss wird gesehen und wo es nützlich ist kommentiert oder es wird auch mal konkret assistiert.

Mit fortschreitendem Training (und weil die Lehrer selber auch etwas Anderes zu tun haben mit ihrem Feierabend) wird die Überwachung weniger. Es werden nur exemplarisch Schüsse korrigiert. Das Augenmerk ist dabei darauf dem Stand des Schützens entsprechend sehr gezielt zu korrigieren - meist eben nur eine (wichtigste) Korrektur die bearbeitet werden soll. Das kann der Übende dann durchaus selbst machen. Und das ist dem Fortschritt auch dienlicher als fünferlei Baustellen gleichzeitig zu eröffnen.

Im Dojo steht auch der Rang-älteste ganz links - er hat also alle Anderen vor sich und ist so in der Lage zu überwachen und zu korrigieren, auch wenn er selbst schiesst. Übende werden also ständig überwacht und der Lehrende hat ein gutes Bild woran gearbeitet werden muss. Von aussen gesehen könnte man meinen es sei halt ein Formalismus... es ist aber dem Ablauf und dem Lehren dienlich, dass alle dem Rang nach geordnet und in die gleiche Richtung stehend sortiert sind und im selben Rhythmus schiessen.

Das System funktioniert soweit ganz gut - und ist ja auch schon ein paar hundert Jährchen in Gebrauch.

Wobei, im traditionellen japanischen System wird sehr wenig gelehrt oder erklärt (wobei sich das eben auch gewandelt hat).
Traditionell muss der Übende sich alles abschauen und durch probieren erarbeiten was geht und was nicht. Er muss viel mehr selbst erarbeiten und bekommt wenig serviert so wie man "Unterricht" hier bei uns kennt.

Nicht dass es nicht interessant ist mal die westliche Sicht zu hören, aber es ist im Kyudo schon so, dass die Methoden ihren Grund haben. Und es sind halt andere Aspekte wichtig.
Das geht zurück bis Konfuzius. Das formelle Schiessen, wie es heute praktiziert wird, hat seine Wurzeln auf dem Schlachtfeld, im Shintoismus und im chinesischen Buddhismus. Eine Tradition die man mehrere Jahrtausende zurück verfolgen kann.
Das nur um zu sagen: Nicht alles was uns hier praktisch erscheint ist übertragbar, denn im Kyudo sind Dinge wichtig die hier niemand auch nur mit Bogensport in Verbindung bringen würde.

Die Tradition ist halt eine ganz andere.

Es geht auch sehr um gute klare Form. Es wird also am Anfang sehr darauf geachtet, dass man sich eine saubere Form angewöhnt - sehr viel mehr, als dass man trifft. Treffen kann man immer lernen, eine schludrige Form wieder raus zu bringen ist schwerer. Die kommt dann besonders in Stress-Situationen gern zum Vorschein, weil das halt am tiefsten eingeprägt ist. Wenn man am Anfang eine Gute Form hat, dann ist die immer irgendwo drin und man findet auch schneller wieder zu ihr.

Es ist also nicht damit getan zu sagen: so lernt man intuitiv treffen. Das hat mit Kyudo nix zu tun. Kyudo arbeitet in mancher Hinsicht sogar ganz explizit gegen diesen "Automatismus".
Man soll alles sehr genau und sehr bewusst machen und den Abschuss bis ins letzte ausreitzen.
Zack und weg und nächster Pfeil ist im Kyudo ein Unding.

Ich dachte das ist als Hintergrund Info evtl mal hilfreich.
Ich will nicht in Markus' Kerbe schlagen von wegen: "Leute die nix von Kyudo wissen..." ich freu' mich über die Teilnahme hier.
Aber Kyudo hat Jahrhunderte alte tradierte Lehrsysteme. Die braucht man hier nicht neu erfinden zumal es eben absolut nicht passt. Es ist ein ganz anderes Üben und ein anderer Aethos dahinter.

Gruss,
Mark
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von benzi » 02.05.2014, 16:04

RoLi hat geschrieben:Mark,
shokunin hat geschrieben:Am besten "verkauft" man Kyudo indem man es zeigt und dabei eine beeindruckene Figur macht die die Leute inspiriert das auch machen zu wollen, denke ich.
Viele Schützen haben wir nicht die wirklich einen Raum elektrisieren können, aber das ist eigentlich die einzige Werbung die wirklich funktioniert, denke ich.

Ich kann Dir hier nur Recht geben. Es ist aber hier nicht der Platz, darüber zu sprechen.
Grüße
Rolf


das ist für mich in jeder Hinsicht eine schöne Zusammenfassung!

liebe Grüße benzi

PS Mark, Deine Pfeile und andere Schätze werden genauso in FC Begeisterung hervorrufen, wenn sie in einem board präsentiert werden, das nicht "Kyudo" heißt!
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