Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Andere japanische Bögen und Techniken (Yabusame etc.)
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the_Toaster (✝)
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von the_Toaster (✝) » 01.05.2014, 00:47

Klar.

Wenn es um gesundheitliche Aspekte geht, dann gibt es nunmal nur eine gewisse Menge Wege, die man gehen kann, die dem Köper keinen Schaden zufügen. Dies ist in der Anatomie des Menschen begründet. Hier erweitert sich das Wissen aber und sollte beachtet werden.
Wenn es um Persönlichkeitsbildung geht, und als das verstehe ich JEDE Sportart oder Tätigkeit, die man neben dem tut, was man tun muss um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, dann gibt es mehrere Wege. Im Endeffekt so viele, wie es Persönlichkeiten gibt. Und hier treffen die Persönlichkeiten von Lehrer und Schüler aufeinander.
Kyudo ist nun eine dieser Sportarten, bei denen ein Dritter Aspekt hinzu kommt. Tradition. Und zwar eine tief in der japanischen Gesellschaft verankerte auch kriegerische Tradition.
Und jetzt wird es interessant. Warum assimiliert ein Deutscher eine alte japanische Tradition? Ich denke das hat mehrere Gründe:
Phaszination für das Fremde.
Sehnsucht nach Halt.
Das Bedürfnis eigene Traditionen, von denen man das Gefühl hat, dass sie einem von der Geschichte genommen wurden, zu ersetzen.
Und jetzt passiert etwas, was bei jedem Lebewesen ein natürliches Verhalten ist.
Man will den neuen Lebensraum, den man sich mit viel Mühe erobert hat, mit aller Macht verteidigen.
Dies habe ich zum Beispiel immer wieder bei Menschen beobachten können, die im Laufe ihres Lebens eine starke Verhaltensänderung durchgemacht haben. Sie haben beispielsweise das Rauchen aufgehört, oder den Alkohol oder Fleischkonsum aufgegeben.
Das erzeugt dann in meiner Wahrnehmung mitunter eine gewisse Militanz.

Und wenn man dann noch meint sich in einer kleinen Nische zu bewegen, die man als besonders empfindet, dann können schonmal Krallen gewetzt werden...

Was bedeutet das nun für einen potentiellen Lehrer?

Ein Lehrer sollte vor allem zur Reflexion fähig sein. Er sollte fähig sein, sein eigenes Verhalten und seine Wirkung zu erkennen. Auf Basis dieser Erkenntnis sollte es dann möglich sein sein Verhalten so weit zu ändern, dass man einen Schüler mit der Situation nicht überfordert.

Hilfreich ist es für mich zum Beispiel, dass ich am Ende einer Übungssession eine Manöverkritik durchführe.
Meine Erfahrung ist, dass dies für meine Autorität sehr förderlich ist.
Es hat keinen Sinn zu versuchen einen Sinn im Versuchen des Menschen zu erkennen.

Es ist traurig zu glauben, dass der Mensch stets schlecht sei.

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shokunin
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von shokunin » 01.05.2014, 06:47

Naja,...
einiges was Ihr beiden da schreibt ist schon wahr...
aber Kyudo hat in Deutschland mittlerweile eine 40-jährige Tradition und es läuft nicht schlecht.
In Deutschland üben mehr Leute Kyudo als in der gesamten nicht-japanischen Welt zusammen genommen.
Auch die Ausbildung von Trainern ist hier im Kyudobund organisiert - meine Lehrer bilden hier Kyudolehrer aus, und die Ausbildung ist umfassend und dauert eine ganze Weile. Sie geht auch Hand in Hand mit der japanischen indem eine gewisse Graduierung (4. Dan) eigentlich vorausgesetzt wird um Trainer werden zu können. Das ist in Japan noch keine Lehrer-Qualifikation, aber man wird eben doch gewissermassen auch von japanischen Lehrern geprüft.
Traditionelle Lehrmethoden stehen natürlich auch hier bei uns im Vordergrund - sie funktionieren auch - es gibt aber immer auch Impulse aus der allgemeinen Sportpsychologie, Medizin und natürlich auch aus Japan. Auch da macht man sich Gedanken wie man im Training den Zeiten, in denen wir leben, Rechnung tragen kann.

Wie gesagt, es läuft in Deutschland eigentlich sehr gut und die Infrastruktur ist besser als sonst irgendwo ausserhalb Japans.

Es wurde ja auch z.B. über Kosten gesprochen... in meinem Verein bekommen Anfänger Bögen (ink Bambus ;)), Pfeile und sogar etliche Handschuhe gestellt. Neueinsteiger bekommen 4 Abende "Privatunterricht" (aktuell 5 Schüler, 2 Lehrer) zum Reinschnuppern. Wenn man dann richtig einsteigen will bekommen die Anfänger immer zu Beginn des Trainings eine Einweisung, Korrekturen, es wird gemeinsam Form geübt und besprochen, Technik auch,... dann übt jeder für sich. Dann gibt es Pause mit mit Tee und Gummibären, die sind sehr wichtig. In der Pause wird neben allem was privat so passiert natürlich auch Vereins- und Kyudokram besprochen. Ist also auch eine Möglichkeit für Anfänger formlos Fragen zu stellen.
Wir haben ein eigenständigs Dojo, das erfahreneren Mitgliedern 7 Tage die Woche rund um die Uhr zur Verfügung steht. Unsere beiden Trainer haben fast 30 Jahre Erfahrung, sind bei den höchst-graduierten Schützen Deutschlands angesiedelt, haben jede erdenkliche Tainer-Aus- und Weiterbildung mit Japanischen Lehrern, Sportbund, Kyudobund nicht nur gemacht, sondern lehren nun selbst... besser geht es eigentlich nicht.
Und dann gibt es ja auch noch Dutzende Lehrgänge regional und national wo man mit anderen Lehrern und Gruppen aus D, UK, Jp,... üben und Impulse bekommen kann. Sowohl DKyuB als auch Landesverbände bieten da viel an - Technik, Form, Prüfungen, Wettkämpfe,...

Ich wüsste nicht was ein Anfänger sonst noch wollen könnte und bei uns bleiben langfristig auch nur sehr sehr wenige.

Das geht schon mal ein paar Wochen, Monate oder auch mal ein paar Jahre. Langfristig bleiben aber sehr wenige.
Das liegt natürlich an vielen Faktoren - nicht zuletzt daran, dass unser aller Leben doch in der Regel schon recht voll sind. Oft bleibt nicht genug Zeit und ein Interesse schläft ein. Oft hat man nicht die Zeit entspreched zu üben und stagniert.
Oft ist einfach die Frustrationstoleranz von haus aus zu gering. Wir sind es gewohnt mit Wissen alleine zum Erfolg zu kommen. Kyudo muss man aber eben körperlich erfahren, erarbeiten, erüben... vielen geht das zu langsam.
Und sehr sehr oft erfüllt sich eben die Erwartung nicht die man sich da dank YouTube usw aufgebaut hat...
Sei es weil der Lehrer kein Mr Miyagi ist, oder kahlköpfiger Mönch, sondern halt irgend ein Otto-Normal-Typ...
Sei es weil man erst einmal Bogenschiessen lernen muss ehe man Zen machen kann
Sei es weil sogar das Erlernen des banalen Schiessens mit dem Yumi Jahre dauert,...
oder die Gruppe ist halt nicht das was man sich vorstellt, oder Aspkte des Tainings machen einem keinen Spass oder, oder, oder...

Es gibt hundert Gründe nicht mit etwas weiter zu machen was eine grosse und sehr langfristige Investition an Zeit und Energie fordert.

Das Hauptproblem im Kyudo, ist dass alles eben sehr lange dauert. Man hört das hier ja auch: "ich würd' mich nicht Wochen mit dem Gummiband hinstellen, Monate auf 'ne Strohtonne schiessen..."
Das ist immer ein Thema...
Interessant auch, dass das im wieder-auflebenden Osmanischen Bogenschiessen eben auch zum Training gehört - Kapze - Trockenübungen...
Naja, vielen ist das eben zu trocken und dauert zu lang - auch wenn man heute eh schon ständig versucht es irgendwie zu verkürzen.

Ich denke, wie Markus schon sagte, man muss da einfach klar und ehrlich sagen: so läuft es...
Man muss die Erwartungen der Interessenten managen und sehen: was will der/die? können wir das in unserer Gruppe bieten?
Und man muss eben zusehen, dass man lokal eine Präsenz hat, möglichst viele Leute anspricht... nur ein winziger Bruchteil interessiert sich überhaupt und die meisten fallen eben wieder ab.
Das geht über Kurse, Mitwirkung bei Veranstaltungen im Hauptverein, Wettkämpfe, Pressearbeit... jeder liest das lokale Käseblatt und das Käseblatt druckt meist auch bereitwillig alles was man ihnen lokalen "Sportmeldungen" schickt.

Wie schon gesagt, es liegt in der Natur der Sache, dass wenige nur bleiben. Ich würd' da niemandem hinterher rennen, der Aufwand lohnt nicht. Und ich würde ganz sicher nicht etwas Anderes anbieten als man halt selbst übt und lebt.

Gruss,
Mark
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Daemonday
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Daemonday » 01.05.2014, 08:37

Das ,,wie es nach außen wirkt`` ist aber ein genereles Problem der japanischen Kampfkünste. Entweder es kommt in Deutschland total verwässert an (z.B. Jûdô, Aikidô oder Bujinkan Budô) und es wird nicht so traniert wie es in Japan üblich ist, oder es wird übelst streng befolgt (z.B. Kendô oder diverse Koryû) was dann auf außenstehende überheblich, oder verkniffen aber auf jedenfall befremdlich wirkt.

Japan ist nunmal eine andere Kultur und sehr viele Dinge die in dieser Kultur normal sind wirke auf uns befremdlich und gehen in vielen Fällen gegen unser Weltbild. Das können schon ganz alltägliche Dinge sein wie das es üblich ist nur zwei Wochen seines Jahresurlaubes auch wirklich zu nehmen, oder das Abtreibung die beliebteste Verhütungsmethode nach rausziehen ist.

Und so ist eben auch das Ausbildungssystem in Japan anders. Schon bei Berufen haben Handwerke teilweise 8-12 Jahre Lehrzeit, wovon man die ersten Jahre meist damit verbringt aufzuräumen und Werkzeuge zu reichen.
Eine Vereinsstrucktur gibt es in Japan quasi nicht. Vereine so wie wir sie kennen gibt es sogut wie garnicht. Auch ist in Japan das Intresse, einen Sport der breiten Masse zugänglich zu machen bestenfalls gering.
Sprich wenn man etwas erlernen will beugt man sich den Regeln der Schule.

Heki Ryû (die in der BRD am meisten praktizierte form des Kyûdô) ist auch nur eine solche Schule und auch noch eine die dem Westen gegenüber offen ist und die ganze Sache noch relativ locker angeht.
Es gibt auch Schulen die sagen ,,keine Ausländer´´ oder einem nur als Schüler nehmen wenn man einen festen Wohnsitz in der nähe der Schule hat.
So wurde mir beispielsweise bei der Ogasawara Ryû gesagt das ich zwar Schüler werden könnte, aber nur wenn ich auch jede Woche ins Training kommen könne. 1-2x im Jahr für ne Woche kommen is nich.
Bei der Tôgô Jigen Ryû (eine Schwertschule) wurde mir gesagt das man nur mit festem Wohnsitz in Kagoshima Mitglied der Schule werden könne.
Trotz Vitamin B durfte ich in die Ogasawara Ryû nur reinschnuppern und mit viel Überredungskunst auch mal aufs Pferd. Das darf man sonst erst nach ca. einem Jahr Training auf Holzpferden usw.

Das dürfte den meisten Deutschen äußerst befremdlich vorkommen. Hier geht man in einen Verein und hat meist von vorne herein die selben Rechte und Pflichten wie jedes andere Mitglied.

Wenn nun jemand sich das Recht erworben hat soetwas in Deutschland weitergeben zu dürfen, wird er auch sein möglichstes tun dieses Privileg in Ehren zu halten.
Werbung ist den meisten egal, solange man einen funktionierenden Trainingsbetrieb gewährleisten kann und die Weitergabe der Lehrtradition an die nächste Generation gesichert ist.
Aber auch da gibt es Schulen in Japan die lieber ihre Kunst untergehen lassen als es ,,verwässert´´ weiterzugeben.

Wie gesagt eine andere Kultur.

Man kann nur sagen das man sich damit abfinden muss, oder man muss sich etwas anderes suchen. Und man kann natürlich auch mit einem Yumi schießen (bestimmt auch mit guten Ergebnissen) ohne Kyûdô oder Kyûjutsu zu üben. Aber es ist dann eben keine japanische Tradition die man betreibt.

Lg
Micha
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Bujinkan Dōjō Wakagi Nürnberg
Mein Blog kokagenokuma

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von shokunin » 01.05.2014, 09:00

Hi Micha!

Schön mal von jemandem zu lesen, der Erfahrung mit Training in Japan hat - und auch mit verschiedenen Schulen und Disziplinen :)

Ja, wir sind als Kultur halt viel demokratischer...
In unsere Vereine "darf" prinzipiell jeder der halt will. Das wird quasi auch als "Recht" in Anspruch genommen im TSV-Irgendwas.
"Ich will aber Kyudo machen... ich will es halt nicht SO machen..." Ist ja mein gutes Recht, ist doch ein gemeinnütziger Verein, organisiert in Sportbund und TSV-Irgendwas...
In Japan gäbe es die Diskussion gar nicht erst. Und Vereine - die ganze Infrastruktur - gibt es eben auch nicht. Wir sind da sehr gut aufgestellt und sehr sehr offen in Deutschland - Vereine, Lehrgänge, Trainer-Aus- und Fortbildung noch und nöcher,...

Und wir versuchen hier aber eben doch auch der japanischen Tradition zu folgen, ihr gerecht zu werden und in grösstmöglicher Anlehnung an japanische Normen zu üben. Rangprüfungen (Dan Grade) werden ja schliesslich nur von japanischen Lehrern abgenommen im Kyudo. Sie setzen den Masstab und prüfen ihn auch.

Gruss,
Mark
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Wilfrid
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Wilfrid » 01.05.2014, 09:10

Mark, was die Trockenübungen angeht, nichts anders mache ich bei halben Anfängern und Grobmotorikern auf nem MA -Markt auch. Bei anderen wirds gezeigt und dann , nachmachen...
Und ansonsten
ein traditioneller intuitiver Bogenschütze schießt nur auf den Zielsack .Es gibt selbst im Verein selten ein anderes Ziel.
Wir haben hier in Wolfenbüttel eine Firma, http://www.bsc-wf.de/, auch dort nur große , blaue plastikteile und o-Ringe zum Aufhängen
Ansonsten
Auf nem Müllsack ist ein Kreuz, Entfernung wählt man selbst, Sack bringt jeder seinen mit, die Entfernung wählt jeder selbst.

Und dann wird geschossen. Der Unterschied ist eigentlich nur, das der äußere Halt durch die Form fehlt und jeder eben den Stil schießt, von dem er glaubt, das das für ihn der richtige ist. Und es bleiben dann von denen, die 1 Jahr dabei bleiben, eigentlich alle bis ins hohe Alter. Jetzt nicht im Verein, aber beim Schießen.
Bei den wettkampf orientierten a´la Olympic hängen wesentlich mehr den Bogen auf Dauer an die Wand. Weil sie nie so gut werden, Zeit fehlt usw. Ein häufiges Argument bei denen zum Umstieg auf intuitiv ist: Es gibt mir nichts , auf 100 m den 5€ Schein zu treffen, dauernd. Immer das gleiche.
Und dann gehen sie auf den Platz, stellen ihren Zielsack und machen immer das gleiche. Allerdings ohne Wettbewerbsdruck ..

Es gibt da ja auch allerdings die, die jetzt auf Deibel komm raus aufs Treppchen wollen, man lese sich auf free-archers mal den Streit durch über Bogenklassen. Aber das sind nach meinen Beobachtungen die wenigsten, die Bogenschießen. Die Mehrzahl der traditionellen europäischen Bogenschützen sieht man eigentlich nur auf Spaßturnieren außerhalb von Vereinen.

Vielleicht fehlt den Leuten, die Aufhören, beim Kyudo eben doch der Weg zum Selbst, verstellt durch die Form und den Wettbewerb. Beim traditionellen europäischen Schießen ist es nicht wichtig, was Du nach außen richtig machst, sondern was Du innen richtig tust, dann fühlst Du Dich, und das tut gut. Du tust etwas für Dich selbst.

"Wer nicht bereit ist, sich für mich richtig das Gewand anzuziehen, warum soll ich dem was lehren" ????
Stimmt und stimmt nicht, denn eigentlich müßte man in dem Fall das Gewand für sich richtig anlegen, damit der Lehrer den Respekt sieht und einen was lehrt. Am Ende ist alles Äußere dann für viele eine leere Hülle, das frustriert.

Und dann kommt irgendwo ein zufriedener und zeigt einem das, ohne "lange Übung" und man sieht, so elitär, wie man meint, ist man garnicht.
Liebe Kyudoka, ich mache diesen Sport jetzt mit Unterbrechungen seit 50 Jahren und bin immer noch nicht am Ziel, ich werde es auch nie sein. Denn Bogenschießen ist das Üben der Geduld mit sich selbst, egal welcher Stil.

Und wenn jetzt die halbe Kyudowelt aufschreit, weil Benzi durch den Wald tobt oder Toaster mit links schießt und schreit "das ist kein Kyudo", dann hat sie recht. Es ist nicht ihr "Weg des Bogens", genausowenig, wie den Bogen nicht zu drehen , sondern auf den Boden klatschen lassen usw. Aber was ist daran so schlimm, das ein Schüler nicht einen höheren Dan erreichen will?

Wenn ihr ihn auf den Weg zu sich selbst führt, und ihn da begleitet,dann wird er ihn erreichen.
Aber Ungeduld ist nun mal auch für Lehrende ein Grund, eine Menge Pfeile fliegen zu lassen um wieder auf Anfang zu kommen.

Und wenn ich das über die japanischen Lehrer da oben lese....
Da setze ich dann mal VOLL meine ostfälische Arroganz dagegen: Die müssten aber mal eine Menge Pfeile fliegen lassen, aber Hallo, so 4 Wochen Trappistenkloster ...
Ändert natürlich wenig an der Einstellung "Du kannst bei mir lernen, aber nur was ich lehre, willst du das nicht, gehe wo anders hin" Und wenn ich eben die Prüfung vor einem japanischen Lehrer bestehen will, muß ich auch die Aufgaben erfüllen.

Man kann ja auch nicht mit nem viktorianischen Scheibenbogen in der english Warbow Society mitspielen und da Trainer werden...

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von shokunin » 01.05.2014, 09:36

Naja,...
vieles ist in der Tat exakt gleich... wir schiessen auch nur Bogen...
vieles eben nicht... denn wir tun es im japanischen Stil.

Wir "toben" aber z.B. demnächst auch hier mit einem benachbarten 3D-Verein durch den Wald... die haben Jubiläum, unsere Trainer waren da schon bei der Gründung mit von der Partie und wir gehen da selbstredend wieder hin und feiern mit.
Wir ballern hier auch gern mal zur Entspannung auf alles von Luftballon und Fächer (uuuuhhh asiatisch ;D ) bis Bratpfanne. Von Kriegsschiessen bis Grillfest gibt es hier alles.
Es hat aber alles eine Form und man übt eben auch all die formellen Aspekte und Umgangsformen um ein gerundeter Schütze zu werden.

Und das mit den Lehrern ist eben so in Japan. Wenn Dich ein japanischer Lehrer korrigiert und schaut dich 10 Minuten später an und Du übst diesen speziellen Korrektur-Punkt nicht... der sagt nix... der sagt gar nix mehr... das war Deine letzte Korrektur.

Ein japanischer Meister wie der besagte Herr Onuma, der war auch Oberhaupt einer Schule mit langer Tradition, der stand eben auf dem Standpunkt: Du hast kein Recht auf Unterricht. Wenn Du von mir etwas willst, dann kann ich auch etwas von Dir erwarten.
Hier geht das sehr gerne nur in eine Richtung. Ich will was bei gebracht bekommen, mich aber in kleinster Weise anpassen...

Wenn, im traditionellen System, sich ein japanischer Lehrer darauf einlässt Dich zu unterrichten, dann ist der Dein Lehrer auf alle Zeit. Diese Beziehung geht er nur mit jemandem ein von dem er meint er kann etwas aus ihm machen. Einen Kandidaten der bei allem erst einmal "Warum, Wieso?" und "...mag ich aber nicht" sagt nimmt so ein Lehrer eben nicht an.
Der Wille und Offenheit sich etwas beibringen zu lassen muss einfach da sein.
Das signalisiert man eben z.B. indem man leicht gemachte Formsachen einfach mal ohne grosses Gedönz macht... Begrüssung, Kleidung usw...

Gruss,
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von the_Toaster (✝) » 01.05.2014, 10:11

Daemonday hat geschrieben:Das dürfte den meisten Deutschen äußerst befremdlich vorkommen. Hier geht man in einen Verein und hat meist von vorne herein die selben Rechte und Pflichten wie jedes andere Mitglied.


Dann kennste das Innere von TEUTSCHEN Vereinen aber schlecht...

Zum Lehrer/Schüler-Problem:

Die meisten Trainer sind halt keine Pädagogen. Da denkt der Trainer halt wenig darüber nach was richtig für den Schüler ist, sondern was richtig für den Sport/den Verein/das eigene Rennomee ist...

But thats a complete different story...
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von shokunin » 01.05.2014, 10:32

Naja, dass es in jedem Verein irgendwie "menschelt" ist klar...
...und nicht selten ist das ein Grund wieso es jemandem nicht behagt. Das stimmt auch.
Wer verbringt schon gern seine Freizeit mit Leuten die ihm nicht liegen.
Die "Chemie" muss da immer passen - kann man aber nicht erzwingen.

Was unsere Trainer angeht...
die werden durchaus pädagogisch ausgebildet und betreut. Der Kyudobund ist da sehr drum bemüht und auch unsere japanischen Lehrer. Schau' mal beim DKyuB rein was da an Trainer-Ausbildung und Fortbildung läuft...
Nicht jeder ist gut, nicht jeder hat so viel freie Zeit zu opfern wie andere gerne in Anspruch nehmen würden (um sonst natürlich) und nicht jeder hat Charisma.
Leute zu begeistern ist halt etwas das man nur schwer lehren und lernen kann.
Was man aber sagen kann, ist dass die meisten Übungsleiter hier Feuer und Flamme sind für ihren Sport, und dass das auch rüber kommt.
Und wenn jemand der den ganzen Tag gearbeitet hat sich seinen Feierabend um die Ohren haut... dann kann man bei Gott nicht mehr verlangen, als dass er sein Bestes gibt - und das tun sie alle.

Man muss das einfach auch ganz klar sagen: es kostet fast null und man bekommt hier anderer Leute Freizeit hinterhergeworfen. Dafür hat derjenige schon ein wenig Respekt und auch Kooperation verdient finde ich.

Gruss,
Mark
Zuletzt geändert von shokunin am 01.05.2014, 15:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Arquerine » 01.05.2014, 10:42

Ich wollte garnicht sagen, dass diese Art von üben nicht wichtig ist. Mir ist klar warum man erst mit der Gummizwille übt und dann lange auf kurze Distanz. Ich mache auch Techniktraining auf diese Weise. Und mein Kopf wird dabei schön frei, ich der Bogen und die Holzwolle. Ich weiß auch warum stumpfes Tonleiter auswendig lernen beim Klarinettespielen so wichtig ist. Nur wenn man die Technik quasi im Schlaf beherrscht kann man auch gut werden, weil der Geist sich von der Ausführung lösten kann. Das dauert eine Weile. Das versteht aber ein Außenstehender nicht gleich. Es sieht ohne Erklärung wie eine Tradition aus, die eben so fortgeführt wird. Wenn ihr auch zwischendurch einfach mal "spielt" muss das finde ich nur bekannter werden. Ich glaube vielen Anfängern ist nicht klar, dass sie erst Arbeit investieren müssen, bis sie gut werden das sieht ja immer soooo einfach aus. Und ich finde gerade den Bewegungsablauf beim Kyudo schwieriger als die mediterrane Technik. Mit der Drehung des Bogens habe ich zum Beispiel sehr lange gekämpft. Einen schwierigeren Weg muss jemand gehen wollen.

Grüße
Martina

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von the_Toaster (✝) » 01.05.2014, 10:43

shokunin hat geschrieben:Man muss das einfach auch ganz klar sagen: es kostet fast null und man bekommt hier anderer Leute Freizeit hinterhergeworfen. Dafür hat derjenige schon ein wenig Respekt und auch Kooperation verdient finde ich.


DAS sind mal wahre Worte...
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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Wilfrid » 01.05.2014, 10:55

Mark, das ist so weit vom Flitzebogen , klassisch, nicht weg...
Ich muß dir das ja nicht beibringen, das Bogenschießen. Mich verwundert allerdings, das die nie gelernt haben, loszulassen...
Also den Schüler , wenn er alles das kann, was ich lehren kann, als gleichberechtigt zu sehen und auf eine andere Ebene zu heben.
Und dann, weggehen, den Schüler alleine üben zu lassen, geht garnicht. Hier wird ja allgemein über die japanischen Wege zum Bogen gesprochen, wenn ich dieses Unterforum richtig verstehe und speziell über den Weg einer sehr großen Schule.
Es mag als eine japanische Eigenart angesehen werden, so zu lehren, aber es gibt genug "europäische A...geigen" die genau so sind. Von sich selbst überzuckert, alle anderen haben keine Ahnung und entweder schießt Du so, wie ich das will oder Du bleibst in meinen Augen ne Pfeife. Und die machen Dich dann auch noch gnadenlos in der Öffentlichkeit nieder oder versuchen es zumindest. Und die sind dann ziemlich pikiert, wenn Du auf nem Spaßturnier ihre Schüler gnadenlos deklassierst. Es mag eine japanische Besonderheit sein, das solche Vögel dort vermehrt auftreten ;-) bzw. in einer Gesellschaft, die sehr viel Wert auf Selbstdiziplin u.ä. legt, nach außen anerkannt erscheinen. So Typen wie Kassai...
Und sonen Quengelpott läßt auch ein europäischer Trainer auf kurz oder lang laufen, eher auf kurz, wenn er nicht von ihm abhängig ist, sprich vom Trainieren lebt und auf den zahlenden Schüler angewiesen ist. Es gibt auch in Europa ne Menge Trainer/Lehrer, die meinen , die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Ein paar davon haben tatsächlich ne Ahnung..., ne leise meist aber nur.

Das ändert aber nichts daran, das, will ich diesen Weg gehen, ich mich anpassen muß.
Umgekehrt aber auch, will ich andere auf meinen Weg schicken/führen, muß ich ihn anderen zeigen und mich selbst fragen, ist der auch für die anderen richtig?? Und da sind wir wieder auf Post 1. Warum gehen die diesen Weg nicht mit??

Das einzig japanische daran ist, das es den Führenden nicht stört, wenn er alleine läuft. Und noch nicht einmal das ist besonders japanisch, denn es gibt genug Europäer, die genauso denken. Nur machen die nicht so viel Geschrei drum.

Naja, und andere gucken da auch nicht sooo hin, weil es nicht so exotisch aussieht. Ansonsten schießt Ihr Bogen nach einer bestimmten japanischen Schule, eine Form des japanischen Bogenschießens..., eine Form des Bogenschießens...
Nicht "Bogenschießen im japanischen Stil", denn es gibt da auch noch sehr viel mehr als den Yumi

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von acker » 01.05.2014, 10:57

Mir ist es völlig wumpe, wer wie wo wann womit und warum Kyudo betreibt.-oder halt meint einfach mit einem Yumi zu schießen weil es ihm Freude bereitet.

Wenn ich es richtig über die Jahre verfolgte, so geht es hier auch im Hauf überhaupt nicht um Kyudo sondern im Mehr um Leute die ein Bogenschießen / bau betreiben (versuchen) mit japanischen Bogen.
Das sind halt 2 paar Schuhe, die bis auf das Equipment, kaum eine andere Schnittmenge hat.
Jene die Kyudo ernsthaft betreiben sind von denen welche halt nur so einen Bogen, in seinem speziellen Design, schießen möchten nicht besonders angetan.
Kann man sich wohl so vorstellen wie ein Zusammentreffen von einem aus der Gruppe "Mittelalter-Rattan-Elb" mit jener : "Warbow society"
Entweder der "Mittelalter-Rattan-Elb" Typ passt sich an oder er zieht halt weiter seiner Wege.

Nur hier verhält es sich so das die Gruppe "ich schieß nen japanischen Bogen" Beachtung haben möchte aus dem Kyudo-Bereich. Was aber nur geht wenn man von dem "hey ich habe nen japanischen Bogen, also bin ich ein Kyudo Schütze " zu dem wechselt " hey, ich habe einen japanischen Bogen, der macht spaß und nun gehe ich in einen Verein und erlerne das Kyudo"
Dort ist es dann genau wie überall anders auch, es gibt Regeln , Vorschriften, Traditionen usw usf , wie auch im FC. Man fühlt sich in dieser Gemeinschaft dann entweder wohl und bleibt oder geht halt bei nicht gefallen .

Da hier die Gruppe der " hey ich habe nen japanischen Bogen " ganz klar überwiegt und dieses nun mal nichts mit Kyudo zu tun hat, werde ich Markus sein Anliegen überdenken.
Vielleicht tut dem Kind ein anderer Name gut.
Der junge Mensch lernt, was die Erwachsenen wissen und verlernt was er als Kind gewusst hat.

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von the_Toaster (✝) » 01.05.2014, 11:23

@ Acker: Am einfachsten wäre es dann wohl das Wort "Kyudo" weg zu lassen.
Vielleicht entspannt das die Situation tatsächlich...
Kann aber ne Weile dauern, bis das durch sickert.
Es hat keinen Sinn zu versuchen einen Sinn im Versuchen des Menschen zu erkennen.

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von benzi » 01.05.2014, 11:34

@Micha danke für Deine Ausführungen! sie beschreiben schön die kulturellen Unterschiede... und es kann sehr spannend sein, sich darauf einzulassen!

@Mark das was Du als "menscheln" bezeichnest, ist für mich heute ein größeres Hindernis, als die Art des Übens!
das gilt für mich auch bei anderen Kampfsportarten in Deutschland, das meinte ich mit Musashi...

@acker
gute Idee dem Kind einen anderen Namen zu geben!
die Zeit scheint reif für einen Umgang mit dem japanischen Bogen jenseits der Kyudo Tradition

liebe Grüße benzi
"Du hast den Verstand verloren, weißt Du das?" "Dafür hab ich ein Leben lang üben müssen"
(Peaceful Warrior, Film)

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Re: Werbung für Kyudo - Anfängertraining

Beitrag von Wilfrid » 01.05.2014, 11:51

naja, es ist eben ein Unterschied, ob ich Blankbogen im DBSV schießen will oder einfach Selfbogen ohne alles....
Kyudo heißt einfach" Weg des Bogens" , ohne Angabe der Schule ist das eben jedes Bogenschießen.
die Anfangsfrage war eben, warum kann ich so wenige durch VHSKurse für meinen Weg begeistern.
Muß ich da etwa moderner werden?
Markus ist da der Ansicht, das das dann kein Kyudo mehr ist. Zumindest kein Kyudo seiner Schule.
Womit er dann ja recht hat. Und scheinbar kann sein "Verein" in Wolfsburg genug Leute so begeistern, das immer genug da sind , um mit ihm zusammen zu üben.

Es schreiben ja in anderen Bereichen des Bogensports auch genug Leute nicht und lesen nur mit.

Und mit über 1000 Leuten im Verband ist das schon ein mächtig großer Verband für nur eine Bogenart, die ziemlich exotisch daher kommt. Und die alle organisiert in einem Verband.

Der DSB hat Bundesweit ~40 000 Mitglieder, da sind aber alle Bogenklassen vertreten, vom Selfbow ohne alles bis zum Compound mit Visier. Ich denke mal, die Werbung der "Kyudoka" ist doch sehr erfolgreich ;-)

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