Kyudo Pfeile basteln

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Ursus maximus
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von Ursus maximus » 11.03.2012, 09:15

wenn Du sie am WE siehst, wirst Du merken das die auch per Hand geschnitten sind.

Ich habe mir dazu eine Kunststoffschablone als Klemme gemacht. Klemme die Feder wie bei den Klemmen der Befiederungsgeräte dazwischen und schneide die Feder mit einer guten gebogenen Hautschere.

Klar, wird das nicht so sauber, wie wenn ich sie brenne oder stanze. Aber das war die schnellste und einfachste Art mir aus einer durchsichtigen Plastikplatte (vom Abfall) und ner Laufsäge zwei gleiche Schablonen zu sägen und die dann mit kleinen klammern zusammen zu halten.

Materialpreis für die Klammern "wer sie nicht hat beim Bauhaus" für 2,- €

Aber das Ergebnis denke lässt sich sehnen oder?

Die Wicklung ist nach dem Buch °Bogenschiessen Ausrüstung und Zubehör" gemacht. Geht super auch bei kurzen Wicklungen wie Du sie am Ende und Anfang machst.

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benzi
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von benzi » 11.03.2012, 10:38

Hallo Ursus maximus,

das mit den Inserts und den austauschbaren Spitzen hatte ich in meinem ersten Pfeilsatz auch versucht, aber meines Wissens nach gibt es keine Inserts für 2015 Schäfte......... haste Du passende aufgetrieben oder sind die für 2016 gemacht?

viele Grüße benzi
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Ursus maximus
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von Ursus maximus » 11.03.2012, 11:43

Hi Benzi,

benzi hat geschrieben:das mit den Inserts und den austauschbaren Spitzen hatte ich in meinem ersten Pfeilsatz auch versucht, aber meines Wissens nach gibt es keine Inserts für 2015 Schäfte......... haste Du passende aufgetrieben oder sind die für 2016 gemacht?


Es ist schwierig da hast Du recht!

Nun ich gehöre warscheinlich zu den wenigen die 1nen Kyudoladen und zwei Bognerladen in direckter nähe "fast vor der Haustür" haben.

Man nehme den Schaft, gehe zu den Bognerladen und probiere die verschiedenen Insetzs aus. Denn die einen sind locker im Schaft und die anderen gehen halt etwas stramm rein je nach Typ, Ausführung und Prodkutionstolleranzen. Wenn die Tolleranz bei der Produktion etwas nach oben geht passen die halt genau in die 7521 Schäfte.

Bestellen würde ich sie mir auch nicht. Da muss man halt in den Laden gehen, in die Schachtel greifen und probiern was passt.

Ich habe auch schon bei TopHat angefragt ob die nicht für Kyudo Spitzen und Insets produzieren wollen. Mal sehen, wenn genug Interesse und Nachfrage da ist, ob TopHat hier eine Charge produzieren würde.

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benzi
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von benzi » 12.03.2012, 13:01

shokunin hat geschrieben:Rein praktisch werden in Japan die Federn immer noch per Hand mit der Schere geschnitten.
Man macht erst die Federn an den Schaft und schneidet dann zu.
Das bedingt auch mit die Federform.
Am besten lassen sich lange gerade Schnitte machen.


ja was nun? ist es japanisch, den einfachen Weg zu gehen?

@ Ursus maximus

mach Dir keine Schablone! An einer Schablone entlang zu schneiden ist nicht der japanische Weg............

Nimm weiter die Scheere! Geh mit den Pfeilen schiessen, lass Dich nicht beirren! Und wenn jemand meint die Federform sei nicht japanisch, verweise hierauf:

japfederformen.jpg


ich weiß nicht ob es Dir als Vorlage diente und ob Du das Buch besitzt?

es stammt aus Shuko Jisshu Seite 31

viele Grüße benzi
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von shokunin » 12.03.2012, 22:45

@benzi

Ich hab' kein Problem mit Ursus' Federform.

Meinetwegen kann jeder basteln und schiessen was er lustig ist.
Ursus Pfeile sind schön gemacht, keine Frage, auch die Federn...
Es kann hier auch jeder rein tun was er meint... ich hab' da nix dagegen.
Wenn es etwas eigenwillig ist ist das auch ok.

Ich stelle lediglich fest dass es eben keine gängige Kyudo-Befiederung ist.

Ich persönlich würde mich damit nicht ein ein Kyu-Dojo stellen, das ist alles.

Ich hoffe das ist ok.

Dein Bild zeigt meines Erachtens, Federn die nicht so geschnitten wurden sondern so gewachsen sind zudem sind die Abbildungen 300 Jahre alt und nicht von Mato-Pfeilen, oder?

Mein Kommentar bez Schere etc erklärt lediglich die heute gängige Form. Man kann die Form mit Schablone machen, mach' ich auch. Japanische Profis machen sie halt mit der Schere. Was man nicht kann ist sie grob abändern und erwarten dass man sie noch als "für kyudo" erkennt.
Man sieht recht viele Varianten eigentlich, wenn man mal hinschaut, aber der Stil ist immer gleich, das kommt eben vom Gebrauch der Schere.
Das hat auch mit "einfacher Weg blabla" nix zu tun. Es ist schlichweg Resultat eines endlos widerholten Prozesses, es ist was am BESTEN geht nicht am leichtesten.
Und das interssante ist dass es Dutzende Varianten gibt - Höhen, Steigungen, Schrägen und Rundungen vorne, Hinten geschweift oder abgeschrägt... alle subtil anders aber doch alle gleich.

Heute ist es in Japan so dass Matopfeile alle eine standard Form haben und, ich nenne es jetzt einmal, "Ritualpfeile" mit natrubelassenen Federn bestückt werden.
Ich kann nix dafür, es ist halt so. Wie lange das nun schon so ist kann ich nicht sagen, lediglich dass ich noch nie was anderes gesehen habe auch nicht in historischen Pfeilen.
Wenn Du natürlich besser weisst was heute, oder die letzten 100 oder 200 Jahre im Kyu-Dojo gängig ist dann belehre uns bitte.

Also wie gesagt, mir ist es gleich was ein jeder schiesst.
Meinetwegen sind Ursus' Pfeile sogar "japanisch" wenn ihr meint.
Auch die Insert-Idee ist interessant und auf dem Parkur sicher sinnvoll.
Einzig die Kyudo-Tauglichkeit ist für mich fraglich und soviel werde ich ja wohl noch sagen dürfen... im Kyudopfeile Thread.
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von benzi » 09.05.2012, 10:18

shokunin hat geschrieben:@benzi

hier das was man bei Japancutters dazu zu sagen hat:

(http://japancutters.blogspot.com/2010/1 ... lagen.html)
Gerade bei hochwertigen Bambuspfeilen ist auf die überlieferte und korrekte Position der Nodien zu achten. Die Entfernung des ersten Nodie von der Spitze soll der Faust des Schützen entsprechen. Die erste und die dritte Nodie sollten auf der oberen Seite des Schafts, in Linie mit der Nockkerbe und einer Feder liegen. Die zweite Nodie sollten genau zwischen 1 und 3 liegen und anders als diese auf der unteren Seite des Schafts. Die dritte Nodie sollte bei 1/3 des Schaftes, gemessen von der Nocke, liegen. Die vierte Nodie sollte irgendwo in der Befiederung verborgen sein.
.


von 30 Bambusschäften, die ich zur Auswahl hatte, hat kein einziger diese Anforderungen erfüllt!

Ich habe zwei Dinge daraus übernommen:

1. eine Nodie ist immer eine Faust breit von der Spitze entfernt
2. bei den mittleren Nodien liegen die Blattansätze immer oben und unten, nicht irgendwo anders

bei einem Spine von 47# sind die fertigen Pfeile nun ca 2 Gramm leichter als die 2015er Alus

Grüße benzi
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von shokunin » 27.09.2013, 22:29

Nachdem dieser Thread an anderer Stelle wieder mal angesprochen wurde hab' ich auch wieder mal rein geschaut und mir gedacht: ...lange nix mehr gepostet... :(

So, hier daher nun ein paar Bildchen...

Ich zeige hier neben ein paar neuen Pfeilen (- die meisten Pfeile kann ich leider nicht zeigen :-X ) auch wieder etwas Werkstatt-Kram.
Zuerst ein kleines Werkzeug zum Markieren der Wicklungen und dann Färben von Federn mit Säurefarben.

Das Markierwerkzeug ist bloss eine kleine Lade, eingesägt und mit Nylongarn bespannt. Das Garn wird mit Lackstift (z.B.) eingeschmiert und der Schaft darüber gerollt. So kann man Federn und Wicklungen schnell und wischfest einheitlich anlegen.

Das Färben war ein Experiment. Resultat ist etwas wild, ich fand's aber ganz nett...
Säurefarben können mit Verdicker angemischt und aufgemalt oder getupft werden. Ich klemme die Federn dann stehend mit Garn oder Gummi auf ein Brett und schiebe das Ganze bei 60-70 Grad in den Ofen zum Fixieren (halbe Stunde ca).
Säurefarben sind reaktiv und somit absolut wasserfest.
Dateianhänge
DSC06717.jpg
DSC06658.jpg
DSC06609.jpg
geschnitten
DSC06606.jpg
bei 60 Grad im Ofen fixiert und gewaschen...
DSC06589.jpg
Federn mittels gespanntem Gummi aufgestellt
DSC06577.jpg
DSC06578.jpg
Säurefarben, Verdicker, Citronensäure
DSC07033.jpg
DSC07035.jpg
DSC07037.jpg
Zuletzt geändert von shokunin am 27.09.2013, 22:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von shokunin » 27.09.2013, 22:31

nochmal Pfeile...
Dateianhänge
DSC06738.jpg
DSC06645.jpg
DSC06780.jpg
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von apaloosa » 27.09.2013, 22:43

Shokunin,
die Federn sind ja so was von SUPER TOLL, sehen aus wie von einem Adler!!! GANZ GROSSES KINO!

Bitte nenne doch die Bezugsadresse der Farben/Verdicker/Citric...(Zitronenäurepulver?) und, sofern Lust und Zeit, etwas genauer die Vorgehensweise des Färbens.
Gänsefedern?

Vielen Dank
Harald
Zuletzt geändert von apaloosa am 27.09.2013, 23:07, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von shokunin » 27.09.2013, 23:03

Hi! und Danke :)

Farben usw gibt es hier in D z.B. bei Patchworkshop, meine sind z.T. auch von George Weil in UK.
George Weil ist mir mittlerweile lieber - ist aber bloss weil mir de Leut' dort lieber sind...
http://www.georgeweil.com/
http://www.patchworkshop.de/

Die Federn sind banaler Truthahn und Färben ist denkbar einfach. Farbe wird mit etwas Säure (Citronensäure, Essig usw) in Wasser angemischt. Zum Aufmalen ist Verdicker gut, sonst einfach in heissem Färbebad ziehen lassen.
Die Farbe reagiert mit der Feder oder jeder Proteinfaser wie Wolle, Seide und auch Nylon soweit ich weiss. Mit Haut reagiert sie auch gut :P - also besser mit Handschuhen arbeiten.
Die Farbe wird vom Material quasi "aufgesogen" und chemisch gebunden. Das Bad wird dabei klar - wenn sparsam dosiert wurde zumindest...
Die Federn hier wuden zuerst betupft, das mache ich indem ich einen Plastikbeutel beschmiere, zusammenknautsche und die Feder dann damit betupfe. Dann wird der Rest grob bemalt.

Ich war schon etwas auf eine Greifenfeder-Optik aus... ganz so der Hit war es bisher aber nicht.
Meine Experimente hier sind farblich noch zu hart. Die Farbe ist zu kräftig, das Schwarz ist zu stark, zu wenig braun und das Weiss der Rohfeder müsste auch noch irgendwie gebrochen werden.
Naja, ich werd' da noch experimentieren...
Gruss,
Mark
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von apaloosa » 27.09.2013, 23:31

Hi Mark,
vielen Dank für die schnelle Antwort. Werde mir mal was bestellen und Versuche starten, jetzt beginnt ja bald die Bastelzeit.

Beste Grüße
Harald

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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von Selfbower » 28.09.2013, 01:01

@shokunin: Gut gut... Guuuuut ;D jetzt habe ich wieder ne Menge neuer Ideen für meine nächten Pfeile im Kopf!

riesen Dank!!

LG. Daniel

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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von acker » 28.09.2013, 10:46

Wie immer ganz großes Tennis :) !
Der junge Mensch lernt, was die Erwachsenen wissen und verlernt was er als Kind gewusst hat.

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Markus
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von Markus » 30.09.2013, 08:18

Besten Dank für den Werkstattblick und wie immer schöne Arbeiten!
Weiter machen und weiter präsentieren ;D

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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von klaus1962 » 30.09.2013, 08:54

Tolle Anleitung. :) :) :) Vielen Dank für's zeigen, Shokunin.

@Acker
Könntest Du das vielleicht herauslösen und in's HowToBoard schieben ?
Allein schon die Markierungslade wär's wert. ;) ;)
Wenn ich nicht wüßte was Shokunin immer für tolle Sachen zeigt, würde ich sonst nicht in die Kyudo-Abteilung reinklicken.

Gruß
Klaus

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