Hanfgeflecht Waraji

Andy K
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Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von Andy K » 16.06.2020, 19:23

Mein Senf dazu: ich trage das Kusune vor dem Erstellen des Nakashikake auf die gesamte Sehne auf, direkt danach lässt sich das Nakashikake (ohne Ponal) besser wickeln, da die Sehne noch leicht klebrig ist. Dann kommt Ponal auf das Nakashikake, um die Fasern zusammenzuhalten und alles schön sytematisch in die gleiche Drehrichtung wie die Sehne, nur von oben nach unten und mit relativ viel Kraft "festziehen". Vor dem nächsten Schießen geht es dann mit dem Sehnenreiber drüber. Die Optik der Sehne ist besser, sie neigt weniger dazu unaufgespannnt Knicke = potenzielle Bruchstellen zu bilden. Runter ziehen kann man das Nakashikake auch relativ gut, wenn es mit Ponal gemacht wurde. Bloss ist es dazu generell hilfreich, das Nakashikake in einem einzigen Strang zu wickeln und nicht mehrere Schichten übereinander bis es irgendwann passt. Das geht aber nur mit Augenmaß und einigen Dutzend Sehnen Erfahrung. Wobei aus meiner Erfahrung ein gut gemachtes Nakshikake in Verbindung mit ordnungsgemäß vorbereiteten Nocken (wenn man Nocken oder Pfeile kauft sind sie in aller Regel es nicht ) auch bei synthetischen Sehen vielleicht 1-2 mal in der Lebensdauer mit einigen Fasern Hanf verstärkt werden müssen, um Verschleiss auszugleichen. Wenn ein Nakashikake sich teilweise von der Sehne löst, ist es nicht korrekt gemacht, wenn es rasch an Durchmesser verliert, die Nocken meist nicht korrekt abgerundet.

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shokunin
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Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von shokunin » 18.06.2020, 08:32

Danke für den Senf ;D
Ich gehe da so ziemlich 100% konform mit Dir.
Und ich freu' mich, hier mal die praktischen Erfahrungen Anderer zu lesen.

Mit den Nocken hast Du auch absolut recht. Ich schiesse relativ kräftige Sehnen und erweitere und verrunde daher auch meine Nocken. Es reissen ja über 90% aller Sehnen am Nockpunkt und dazu tragen gratige oder zu enge Nocken natürlich maßgeblich bei.
Wieviel man hingegen durch Pflege herausschinden kann... ich denke fast gar nix.

Ich pflege immer noch null-komma-null, stelle aber zunehmend fest, dass der grösste Unterschied in der Sehne selbst liegt.
Ich habe lange Sehnen der Marke "Hikari" geschossen.
Die ist evtl vergleichbar der hier gängigen "Froschsehne", aber haltbarer - kostet auch das Doppelte. Froschsehne in Jp ca €5 und Hikari ca €10 das Stück.
Über die Senbon Sehne, die wir hier ja auch bekommen, brauchen wir kaum reden. Die ist eine totale Zumutung - und kostet in Japan eben ca €3. Die billigste Sehne, die man bekommen kann.
Vor ein paar Jahren hatte ich dann Sehnen bestellt, und die Hikari war aus. Der Händler hat mir als Alternative die etwas teureren Tenkyu Sui Sehnen empfohlen - ca €15.
Diese Sehnen sind super haltbar, weich und geschmeidig wie eine frische Hanfsehne, klingen gut,... viel angenehmer und auch haltbarer, als alles was ich bislang hatte.
Es hat einen Grund, warum die Senbon Sehne in Japan 3 Euro kostet und die Sui 15.

Gruss,
Mark
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Markus
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Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von Markus » 18.06.2020, 11:32

shokunin hat geschrieben:
18.06.2020, 08:32
Wieviel man hingegen durch Pflege herausschinden kann... ich denke fast gar nix.
Meinst Du hier Pflege der Nocken oder der Sehne?

Nockenpflege halte ich für sehr wichtig, gerade bei neuen Nocken oder nach einem Streifschuss.

Sehnenpflege - eine ausgefranste Sehne mit kusune zu pflegen halte ich für lebensverlängernd. Ob's tatsächlich so ist - keine empirischen Erfahrungen.
Wichtiger sind aber die Wicklungen an der Sehne im Bereich am oberen sekiita bzw. kiritsume besonders bei den Bögen, die dort eine scharfe Kante ausbilden. Abschleifen der Kante/sekiita bringt natürlich auch was, aber die Sehne lebt dann doch deutlich länger zumal bei Schützen, die weniger Augenmerk auf eine korrekte Aufspannhöhe haben ::)
Zudem ich halte auch eine verstärkende Wicklung über der unteren Sehnenschlaufe für sinnvoll, weil dort häufig angefasst und die Sehne eingedreht wird. Die meisten Sehnen besonders bei Anfängern reißen kurz über der unteren Sehnenschlaufe.

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Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von kyudodetmold » 18.06.2020, 12:53

Markus schrieb: Die meisten Sehnen besonders bei Anfängern reißen kurz über der unteren Sehnenschlaufe.

Bei mir letzte Woche passiert. Vermutlich (nach einem Jahr!) auch mein Fehler, weil ich nicht nach dem Abspannen diesen Teil der Sehne „knicklos" mit einem Haargummi am unteren Wurfarm befestigt habe.

Foto: So sollte es besser sein...
kaerutsuru.jpg
Wie befestigt ihr eure Sehne?
Olympischer Bogen seit 1989 - Kyudo seit 1998

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Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von Markus » 18.06.2020, 13:20

Jetzt wird's zwar OT aber um eine Antwort zu geben - gar nicht, weil es auch ohne geht.
Viele ähnlich die Du.

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shokunin
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Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von shokunin » 18.06.2020, 16:02

@Markus,
Ich hatte schon die Sehne gemeint mit der Pflege.
Meine Nocken bringe ich eigentlich nur einmal in Form und dann sollte es passen.

@O/T
Das mit dem Riss am unteren Ende kenne ich auch.
Ich denke das liegt manchmal daran, dass man zu bequem ist oben neu zu knoten weil man dann ja auch den Nockpunkt neu machen muss. Statt dessen wird dann unten jedes Mal wie wild eingedreht damit die Länge stimmt.
Da kann man dann drüber philosophieren, ob sich der Riss eh schon angekündigt hatte, weil ja die Sehne angefangen hat sich zu längen,... oder ob er hauptsächlich vom Eindrehen kam.
Und ich denke der Grund, wieso Anfänger vermehrt diese Probleme haben, ist dass man erst mit Erfahrung weiss, was man lassen kann und was man gleich richten muss. Und für Anfänger erscheint vieles auch komplizierter und mehr Aufwand als es tatsächlich ist.

Naja, wäre aber schon mal interessant zu verfolgen, wie viele Schüsse oder Trainingseinheiten verschiedene Sehnen mitmachen.
An Wochen und Monaten kann man es ja schlecht messen - der Eine schiesst täglich, der Andere einmal die Woche.

Gruss,
Mark
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