Neuer Yumi - wieder mit Bildern

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Neuer Yumi - wieder mit Bildern

Beitrag von RoLi » 29.11.2010, 21:57

Ich habe die Tage, nach mehrwöchiger Pause, wieder begonnen, einen Yumi zu bauen und will das Ganze in groben Zügen hier darstellen.
Beim Bauen arbeite ich überwiegend mit „Handwerkzeugen“ und versuche so traditionell zu arbeiten, wie es mir bekannt ist. Wohl wissend, dass jap. Bogenbauer auch mit Elektrowerkzeugen und Kunstharzkleber arbeiten. Vor kurzem habe ich mir auch eine kleine Dickte (heißt das so) zugelegt, mit deren Hilfe und einer Schablone, ich den Kern des Yumi herrichte. Geht schneller und wird genauer als handhobeln.
Ich brauche nur eine geringe Anzahl an Werkzeugen, wobei ein Großteil der Arbeit mit einem Schnitzmesser erledigt wird.
Bild
Werkzeug

Bild
Arbeitsbank

Meinen Bambus bekomme ich in Form von Latten, die ich auf eine Breite von etwa 30 mm bringe.
Anschließend werden die Latten für den Bogenbauch über einem Holzkohlefeuer langsam gebräunt.
Dabei wird ein Großteil des enthaltenen Wassers verdampft. An den Enden der Latten und an den angeschnittenen Nodien tritt das Wasser als Dampf aus.
Bild
Deckbambus rösten

Edit Markus: Die Bilder dieses threads gingen beim letzten Severcrash verloren. RoLi hat sie mir dankenswerterweise geschickt und ich habe sie dann wieder eingefügt. Daher nicht wundern, dass die Quelle der Bilder nun bei mir ist.

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Re: Neuer Yumi

Beitrag von RoLi » 29.11.2010, 22:12

Gleichzeitig werden die Spleiße für den Kern geröstet. Bei den Spleißen wird mit großer Hitze gearbeitet.Bild
Bambusspleiß für den Kern

Danach werden die die Latten für Bauch und Rücken mit dem Schnitzmesser geglättet und auf etwa 4 mm Stärke gebracht.Bild
Deckbambus begradigen

Bild
Deckbambus begradigt

RoLi
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Re: Neuer Yumi

Beitrag von RoLi » 29.11.2010, 22:15

2,5 bis 3 mm würden reichen. Ich schaffe es aber noch nicht, mit dem Messer so gut zu arbeiten. Deshalb lasse ich sie dicker und hobele den Rest herunter.
Mit der Hand ... .
Bild
Deckbambus handhobeln

Oder auf de Dickte. Hier liegt die zu hobelnde Bambuslatte auf einer mit Moosgummi belegten Leiste. Durch den Anpressdruck der Maschine werden die Knoten in den Gummi gedrückt und es entsteht eine gleichmäßige Oberfläche.
Bild
Deckbambus maschinenhobeln

Fortsetzung folgt.

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Re: Neuer Yumi

Beitrag von the_Toaster (✝) » 29.11.2010, 22:19

Oha!

Bin gespannt, wie Du Deine Yumis baust.

Das mit dem Bambus in der Hand halten, wenn Du ihn herunterschnitzt finde ich mutig. - Finde ich auch von den Japanern mutig. - Denn ich hätte Angst mir Splitter einzureißen. Da benutze ich lieber einen Schnitzhund, der mir die Leisten festhält.

Bild
Schnitzhund
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Re: Neuer Yumi

Beitrag von acker » 29.11.2010, 23:04

Das finde ich eine gute Idee...muß ich ausprobieren :)

Bild

Könntest Du hier nochmal genauer drauf eingehen ?

"Gleichzeitig werden die Spleiße für den Kern geröstet. Bei den Spleißen wird mit großer Hitze gearbeitet."

Ich bin gespannt wie es weiter gehen wird :)
Danke schon mal , das DU dir die Mühe machst !
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Re: Neuer Yumi

Beitrag von skerm » 30.11.2010, 08:08

acker hat geschrieben:Ich bin gespannt wie es weiter gehen wird :)
Danke schon mal , das DU dir die Mühe machst !


Ich auch, und ich finde auch das timing hervorragend! :) Ich habe nämlich meiner Frau gesagt, daß sie zum nächsten Daumentechniktreffen unbedingt mitkommen muß, weil es auf einer Burg stattfinden und es einen Kyudoworkshop geben wird. Das geht natürlich nicht ohne Yumi! Ich hab gestern schon mit mal mit dem Artikel im Reflexbogenbuch angefangen, so zur Einstimmung.

Gruß,
Daniel

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Re: Neuer Yumi

Beitrag von benzi » 30.11.2010, 12:30

acker hat geschrieben:Ich bin gespannt wie es weiter gehen wird :)
Danke schon mal , das DU dir die Mühe machst !


dem schließe auch ich mich an!

ich "spiele" ja mit einem Glas-Bambus-Yumi rum in der Hoffnung irgendwann mal einen Bambusyumi zu schiessen

ich werde hier interessiert mitlesen

liebe Grüße benzi
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(Peaceful Warrior, Film)

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Re: Neuer Yumi

Beitrag von RoLi » 30.11.2010, 21:42

@toaster
Ich habe auch schon versucht, den Bambus und alles andere was ich schnitze irgendwie festzuklemmen. Am besten komme ich aber klar, wenn ich es mit der Hand halte. Die Bambussplitter sind bis jetzt alle wieder raus gewachsen. Es piekst halt a bissel.

@acker
Wenn ich Bambus für einen Yumi röste, röste ich zuerst die Spleiße für den Kern. Die sind so 13-15mm breit und etwa 5 mm dick. Die sind zu erst dran, wenn die Glut richtig heiß ist. Wie auf dem Bild zu sehen, wird der Spleiß richtig verkokelt, aber nur auf der Innenseite. Die Bambusaußenseite bleibt hell. Das Verkohlte wird mit Messer und Hobel weggenommen, bis wieder fester Bambus da ist. Der ist dann wie zu sehen dunkelbraun bis schwarz, aber eben fest.
Wenn die Glut nicht mehr so heiß ist, bräune ich die Latten. Das geht dann etwas langsamer, aber die Deckschicht verbrennt so nicht. Mache ich aber nicht immer. Ich erhitze ihn gelegentlich auch auf der Innenseite, so dass er außen hell bleibt.

@Daniel
Dann wünsche ich Deiner Frau, dass sie einen schießbaren Yumi mitbringt. Ich geb mir Mühe.
Grüße
Rolf

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Re: Neuer Yumi

Beitrag von RoLi » 30.11.2010, 22:33

Weiter gehts´s.
Die gerösteten Spleiße für den Kern werden erst mit dem Messer und dann mit dem Hobel auf eine Stärke von 2,5 -3 mm gebracht und dann mit den, in diesem Fall Escheleisten, in Keiltechnik verleimt. Die Spleiße werden möglichst so gelegt, dass die Knoten versetzt liegen. Die Außenseiten ( die nicht gerösteten) zeigen Richtung Holzleisten. Bei vier Spleißen je zwei nach links und rechts, bei fünf Spleißen drei nach rechts u. zwei nach links (verstanden??).
Die Escheleisten messen etwa 9x15 mm.
Die Keile für den Kern sind kürzer und breiter als die Keile für das verleimen des Bogens, und die Sohle ist ballig.Bild
Material für den Kern

Bild
Kern verleimt

Danach wird der Kern geglättet und von Hand oder auf der Maschine, mit Hilfe einer Schablone, auf die gewünschten Maße gehobelt.
Bild
Kern glätten

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Re: Neuer Yumi

Beitrag von RoLi » 30.11.2010, 22:51

Der Innen- und Außenbambus wird an beiden Seiten, etwa ab da wo beim Innenbambus der 2te und 5te Knoten sitzen um etwa 3 mm schmäler geschnitten. Hat der Bambus im Griffbereich 29 mm, mißt er an den Enden noch 26 mm.
Die wesentlichen Teile des Bogens sind jetzt fertig.
Bild
Kern, Innen- und Außenbambus

Jetzt fehlen noch die Seki Ita, die bei uns häufig Klanghölzer genannt werden. Sie haben aber eigentlich mit dem Sehnenklang, tsurune, beim Abschuss wenig zu tun.
Gruß

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Re: Neuer Yumi

Beitrag von the_Toaster (✝) » 30.11.2010, 22:59

Stimmt, Bambussplitter gehen noch.
Stahlwolle ist viel schlimmer.
Die sieht man kaum, bekommt sie mit der Pinzette nicht zu fassen und nerven fürchterlich.
Ich muss die immer mit einer Nadel herauspopeln...

Wenn Du also fünf Bambusleisten einbaust, gibst du vor, ob du einen Linkshand oder Rechtshandyumi baust.
Es hat keinen Sinn zu versuchen einen Sinn im Versuchen des Menschen zu erkennen.

Es ist traurig zu glauben, dass der Mensch stets schlecht sei.

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Re: Neuer Yumi

Beitrag von RoLi » 01.12.2010, 17:21

Hallo Toaster

the_Toaster hat geschrieben:Wenn Du also fünf Bambusleisten einbaust, gibst du vor, ob du einen Linkshand oder Rechtshandyumi baust.

Eine schwierige Frage. Japaner bauen ja grundsätzlich Yumi, die links gehalten werden.
Wenn ich davon ausgehe, dass, wie ein jap. Lehrer mir kürzlich sagte, ich den Bogen an der linken Seite durch schaben "schwächen" muss um ihn rechts stärker zu machen (wenn das Iriki ( Sehne rechts von der Bogenmitte) anders nicht zu korrigieren ist) dann würde das bedeuten, dass, wenn drei Spleiße rechts liegen, der Bogen rechts stärker ist.
Ich habe 3/4 eines alten lackierten, gewickelten Yumi. Da ist zu sehen, dass er mit drei Spleißen aufgebaut ist, von denen zwei nach links zeigen??. Der war sicher nicht für einen Linkshänder gemacht.
Bild
Querschnitt alter Yumi

Gruß
Rolf

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kra
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Re: Neuer Yumi

Beitrag von kra » 01.12.2010, 19:06

Der Querschnitt ist für mich sehr interessant. So vom Anschein her ist der BAmbus für die Mittenlage (Spleiss) besser (weil mit mehr Fasern) als die beiden Decklagen. Und das Ausmaß an Rösten (erkennbar an der Verfärbung) ist doch sehr erheblich.

Bis gespannt wie es weitergeht. Der Thread ist auf jeden Fall ertse Sahne. Vielen Dank dafür.

RoLi
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Re: Neuer Yumi

Beitrag von RoLi » 03.12.2010, 23:22

@ kra
Der Deckbambus war mindesten genauso gut wie der für die Spleiße. Du musst Dir rundum 1,5-2 mm Bambus/Holz dazu denken. Die hat ein jap. "Künstler" nämlich weggeschnitzt, um einen Tüllen-Yari (jap. Speer) zu montieren. Solche Bögen gab / gibt es tatsächlich, sie waren aber andes gearbeitet. Dieses Teil wurde gemacht, um eine "Langnase" übern Tisch zu ziehen, was gelungen ist. Sch... Internet.
So sieht das Teil aus.
Bild
Bogen mit Yari

Die Bambusfarbe würde ich eher auf das Alter als das Rösten zurück führen. Ich würde es Patina nennen.
Ich füge ein Bild eines Bogens bei, der vor ein paar Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Es war ein neuer Yumi. Die Farbe würde ich eher mit Weißbier als Kakau vergleichen. Das Bild ist etwas dunkel, und bitte nicht an dem einen, sehr dicken Deckbambus, aufhängen.
Das war ein untauglicher Versuch, den Bogen zu retten.
Bild
Querschnitt neuer Bogen

Gruß
Rolf

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Re: Neuer Yumi

Beitrag von RoLi » 03.12.2010, 23:53

Die Seki Ita schnitze ich aus, ich glaube es ist Palisander. Es ist zwar etwas schwer, sieht aber ganz gut aus.
Das Holz sollte so gewählt werden, dass die Jahresringe, wenn vorhanden, liegen. Beim stehenden Jahresring kann die anschlagende Sehne dem Holz ganz schon zusetzen.
Mittels Schablone wird der Verlauf der Recurves aufgezeichnet und mit Raspel und Ziehklinge wird die Unterseite der Hölzer ausgearbeitet.
Bild
Seki Ita

Danach werden die Seki Ita mit dem Schnitzmesser annähernd in ihre Endform gebracht.
Bild
Seki Ita schnitzen

Und so sehen sie fertig fürs Aufleimen aus.
Bild
Seki Ita fertig

Als nächstes geht es dann ans verleimen.
Gruß

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