Mythos Bambusyumi

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benzi
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Mythos Bambusyumi

Beitrag von benzi » 02.08.2010, 21:36

Hallo zusammen,

wir habe viel über Bambusyumis geschrieben.........

Hier ein Beispiel dafür, dass Anfängern Bambus-Yumis für die ersten Schüsse in die Hand gedrückt werden:

http://www.hanare.org/zmm_200608/3%20Fi ... index.html

die Bilder stammen von hier:

http://www.zenkyudo.org/home.html

Kann natürlich sein die Anfänger müssen die Bogen vorher kaufen  ;D ;D ;D

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kra
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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von kra » 02.08.2010, 22:00

Schau mal Bild 4240-4242 an, wo der Bogen im unteren WA (zumindest bei dieser Sequenz) arbeitet. Schon interessant
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Markus
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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von Markus » 02.08.2010, 22:17

Benzi - was willst Du mit diesem Beitrag sagen?

Dass man Anfaengern einen Bambusbogen in die Hand druecken kann, ist klar. Ob es Sinn macht, ist dem Bogenbesitzer ueberlassen.

Ich verstehe die Intention Deines Beitrages nicht ...
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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von the_Toaster (✝) » 02.08.2010, 22:31

Ist doch völlig klar.

Gebe einem Anfänger niemals einen Bambusyumi. Ist ja alle Nase lang zu lesen. Erst nach zehn Jahren oder so kann man dann von Carbon nach Bambus wechseln.
Ich frage mich allerdings wie das die Leute vor 50 bis 60 Jahren gehandhabt haben. Da gabs noch kein Plaste an Bögen.
Zuletzt geändert von the_Toaster (✝) am 02.08.2010, 23:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von RoLi » 02.08.2010, 23:25

Die müssen die Bögen nicht kaufen. Die wollen das. Ich war auf einem Lehrgang der Chihurin Ha hier in Deutschland, bei dem auch Shibata-sensei anwesend war, den ich kenne und schätze. Bei diesem Lehrgang schoss der blutigste Anfänger mit einem Bambusbogen und es war teilweise nicht mit anzusehen, was die Leute machten. Man muss aber auch sehen, dass es da Bambusbögen gibt, die nicht wesentlich teurer sind als ein Glasfaser Renshi. Mir schien, dass das Flair des kaiserlichen Bogenbauers die Feder ist, die dort so manche/manchen antrieb und auch die Suche nach etwas, was andere Schulen nicht bieten.
Ich lerne und unterrichte seit über 30 Jahren das Kyudo der Heki Ryu Insai Ha und ich gehöre nicht zu denen, die es an einer Anzahl Kyudojahre festmachen, ob man Bambus oder Kuststoff schießen soll/darf. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es von jedem einzelnen Schützen abhängt. Ich rate nur jedem, sich erst einen Bambusbogen zu kaufen, wenn er schon einen Glasfaserbogen hat. Dann hat er wenigstens noch einen Bogen, wenn dr Bambus sich verabschieden sollte.
Ich selbst habe nach knapp zwei Jahren Kyudo meinen ersten Bambusbogen geschossen. Den hatte Inagaki-sensei, so wie es damals war, in Japan ausgesucht und mit nach Hamburg zum Lehrgang gebracht. Ich habe nie gehört, dass er das Schießen eines Bambusbogens an irgendetwas fest machte.
Grüße und Gute Nacht

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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von benzi » 03.08.2010, 12:45

@kra

Bild

das Bild war mir auch aufgefallen!

aber ich verstehe nicht was ich da sehe:

der Pfeil ist noch auf Gesichthöhe, während ich meine die Sehne schon fast in ihrer Ausgangsposition zu erkennen, das geht doch nur wenn sie aus der nocke rausgerutscht ist, oder irre ich in meinem Sehen und Überlegen? Dann wäre das was die WA da machen praktisch ein Leerschuss, oder die Sehne ist gerissen.......  ;D

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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von kra » 03.08.2010, 12:50

Geht mir beim 2. Blick ähnlich. Gut, die Sehe traue ich mir nicht zu, sicher zu erkennen, aber es scheint so, das der Bogen in dem Moment direkt unter dem Griff am meisten arbeitet (Ausdellung) und der Bogen zugleich weggedreht wurde.

Aber da müßten Fachleute ran...
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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von Yabusame » 03.08.2010, 13:23

RoLi hat geschrieben:Ich lerne und unterrichte seit über 30 Jahren das Kyudo der Heki Ryu Insai Ha und ich gehöre nicht zu denen, die es an einer Anzahl Kyudojahre festmachen, ob man Bambus oder Kuststoff schießen soll/darf. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es von jedem einzelnen Schützen abhängt. Ich rate nur jedem, sich erst einen Bambusbogen zu kaufen, wenn er schon einen Glasfaserbogen hat. Dann hat er wenigstens noch einen Bogen, wenn dr Bambus sich verabschieden sollte.


Ob man sagt, erst Glasfaserbogen und dann Bambus oder erst x Jahre mit Glasfaserbogen üben und dann Bambus ist gehupft …………….
Fakt ist doch, dass jeder Bambus-Bogen ein Unikat mit speziellen Eigenschaften ist um die man sich kümmern muss und es die ersten Jahre um die Umsetzung der Technik gehen sollte.
Die Umsetzung der Heki-Technik innerhalb der ersten 10 Jahre dürfte nur einem Genie gelingen und auch das nur bei täglicher Übung.
Meinen Beobachtungen nach ist m.E. bei der Mehrzahl der dt. Bambusbogen-Schützen ein Hang zum Fetischismus unverkennbar.
Wenn man u.a. erlebt, dass bei einem Wettkampf einem Bambusbogen-Schützen pro Durchgang 1x der Bogen umschlägt……… aber gut, dafür war der Bogen sehr schön.

Ich habe nie gehört, dass er das Schießen eines Bambusbogens an irgendetwas fest machte.


Das macht auch kein Japaner, die sagen nicht NEIN. Wenn Du ihn allerdings explizit gefragt hättest, was er empfiehlt…………


Grüße
Yabusame



edit: unnötige Bemerkungen hinsichtlich Dritten gelöscht. Markus
Zuletzt geändert von Markus am 03.08.2010, 13:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von the_Toaster (✝) » 03.08.2010, 13:31

Ja das ist ne Sehne die aus der Nock gerutscht ist.
Wäre die Sehne noch in der Nock, wäre das Biegungsbild ein anderes.
Es würde eher einem Bogen auf Vollauszug ähneln.
Der obere Wurfarm macht übrigens auch bei einem normal verlaufenden Schuss ähnliche Kapriolen.
Siehe hier:

http://www.youtube.com/watch?v=DaMzl3uo9Sk
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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von benzi » 03.08.2010, 13:44

ohne Worte:

Bild

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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von Markus » 03.08.2010, 14:11

Yabusame hat geschrieben:...
1: )Fakt ist doch, dass jeder Bambus-Bogen ein Unikat mit speziellen Eigenschaften ist um die man sich kümmern muss und es die ersten Jahre um die Umsetzung der Technik gehen sollte.
...
2. )Meinen Beobachtungen nach ist m.E. bei der Mehrzahl der dt. Bambusbogen-Schützen ein Hang zum Fetischismus unverkennbar.
Wenn man u.a. erlebt, dass bei einem Wettkampf einem Bambusbogen-Schützen pro Durchgang 1x der Bogen umschlägt……… aber gut, dafür war der Bogen sehr schön.

Ich habe nie gehört, dass er das Schießen eines Bambusbogens an irgendetwas fest machte.


3.) Das macht auch kein Japaner, die sagen nicht NEIN. Wenn Du ihn allerdings explizit gefragt hättest, was er empfiehlt…………


Grüße
Yabusame


Das 1.) ist auch ein Grund, warum ich persönlich davon abrate, zu schnell einen Bambusbogen zu kaufen. Die Gefahr, ihn durch unwissendes Handeln kaputt zu machen, ist m.E. zu hoch. Das wird dann auch dem Bogenbauer nicht gerecht. Inwiefern ihm das egal ist oder nicht, ist eine andere Diskussion.

zu 2.) das ist zwar sehr spitz formuliert, aber grundsätzlich steckt da meiner Meinung nach ein wahrer Kern drin. Denn ich schieße nicht automatisch besser, wenn ich mit Bambus schieße. Es macht evtl. aber mehr Freude. Die Verbesserungen im eigenen Schießen durch den Gebrauch eines Bambusyumis sind vermutlich erst nach vielen Jahren intensiven Trainings spürbar.
Auch die Japaner in Japan - zumindest die, die ich kennen lernen durfte - schießen gerne Bambus, aber mir fällt im Moment keiner ein, der unter einem 4. Dan mit Bambus schoss. Bevor hier die Dan-Diskussion auflebt - damit will ich eine Zeitspanne nennen, die man braucht, um einen 4. Dan zu erreichen, was mit einem gewissen technischen Level zu assozieren ist. Normalerweise bei normalem Schießen sind das auch in Japan m. Erfahrung nach mind. 6-8 Jahre - eher viel mehr.

zu 3.) auch daran ist was Wahres.
Als Inagaki-sensei vor 30 Jahren Bambusbögen nach D brachte, gab es vermutlich auch in Japan nur sehr wenige und vermutlich auch qualitativ schlechtere Glasbögen. Daher war es naheliegend, Bambusyumis mitzubringen. Ich vermute ! aber auch, dass es nicht die teuersten und besten Bambusyumis waren, die er damals den Anfängern in Hamburg in die Hand drückte.

Aber wie gesagt, das sind nur Vermutungen.
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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von Snake-Jo » 03.08.2010, 14:43

Als Bogenbauer kann man dazu Grundsätzliches sagen:

- Ein Holzbogen oder Grasbogen, egal welchen Typs, erfordert immer besondere Sorgfalt im Umgang, in der Pflege und Handhabung. Man muss das Material achten, kennen und entsprechend behandeln.

- Ein Bambus-Yumi ist aufgrund seiner Machart nochmals etwas empfindlicher.
(aber nicht so empfindlich, wie manche deutschen Kyudoschützen meinen, die ihren Bogen nur mit Glace-Handschuhen anfassen. Dies ist manchmal noch verständlich, wenn es sich um einen sehr teuren und besonderen Bogen handelt. )

- Auch ein Anfänger kann einen Bambusbogen schießen, wenn er Punkt 1 beachtet bzw. umsetzt oder anders herum:
auch einem fortgeschrittenen Kyudoschützen, der immer nur sein Glasfaserteil geschossen hat, würde ich keinen Bambusbogen in die Hand geben, wenn ich nicht sicher bin, dass er da weiß, was er tut.  :o

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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von Markus » 03.08.2010, 14:53

Letztlich ist es doch nur eine Frage des Preises.
Wer das Geld hat, der kann sich zu jeder Zeit einen Bambusyumi kaufen. Wie lange der dann lebt, hängt entscheidend von ihm selbst ab.

Am Rande - wer's kann, kann seinen Bogen dann ggf. auch reparieren. Ich habe neulich einen Bambusbogen gesehen, der 2005 in meinem Beisein (ich hab aber nur geschaut, nicht geschossen  ;D ) auf einem Lehrgang in D gebrochen ist. Die obere Spitze ging dabei samt Schlagholz und vermutlich mehr kaputt. Der Bogen wird heute wieder intensiv geschossen. Was letztendlich kaputt war, werde ich demnächst nachfragen.

edit: Rechtschreibung
Zuletzt geändert von Markus am 03.08.2010, 17:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von benzi » 03.08.2010, 14:56

Ich hab ja die Bilder vom Anfängertraining von Don Symanski hier an den Anfang der Diskussion gestellt um zu zeigen, dass HEUTE Anfängern Bambus Yumis in die Hand gegeben werden, was für mich, bis ich die Bilder sah, ja völlig neu war!

Da Don Symanski selber Bogenbauer ist, denke ich

a. er weiß was er tut

b. halte ich es für unwahrschenlich, dass er seine Kunden dadurch verschreckt, dass sie, aufgrund flascher Handhabung, jede Woche einen neuen Bogen bei ihm kaufen müssen

Welche Frage in diesem Zusammenhang für mich interesant ist, ist die, ob es dem Bogen mehr schadet KEINE aktive Drehung der Bogenhand durchzuführen oder eine falsch ausgeführte Drehung?

Wobei ich sagen muss, dass ich meine auf den Bildern beides zu sehen, also Schüsse ohne jede Drehung, sowie Schüsse mit dem Ansatz zur Drehung, verständlicherweise ohne deren Beherrschung bei den ersten Schüssen.

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Re: Mythos Bambusyumi

Beitrag von Rackhir » 03.08.2010, 15:02

Hallo,

bei falscher Handhabung, wird sich ein Bambusyumi immer aus der "Form" gehen.
Ich habe auf mehreren Lehrgängen gesehen, wie dann erfahrene Kyudoka diese wieder
gerichtet haben.

Ein guter Kompromiss ist übrigens, ein Bambusyumi mit Carbon einlage, da viel Formstabiler
als ein reiner Bambusyumi.

Gruß

Uwe
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