Ein botanischer Fauxpas

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klaus1962
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Ein botanischer Fauxpas

Beitrag von klaus1962 » 06.07.2020, 09:51

Da hier normalerweise nur über ernsthafte Themen über Bogen-, Pfeil- und Messerbau geschrieben wird, dachte ich, ich bring mal einen Schwank von meinen Pflanzexperimenten zwecks sommerlicher Unterhaltung zum besten.

Die Vorgeschichte:
In einem Thread vom Lord Hurny kam die Rede neben Gleditschien auch auf Blauglockenbäume und dass ich gerne welche züchten würde.
Da hatte ich erwähnt, dass in unserer Stadt zwar einige schöne Exemplare mit Unmengen an Samenkapseln stehen.
Leider kann man diese in 6m Höhe aber nicht erreichen und alles was runterfällt wird von den Stadtgärtner säuberlich weggeräumt. Die Grünflächen müssen ja ordentlich aussehen !?!
Mit der Stehleiter oder sonstigen Hilfsmitteln ausgerechnet vor dem Landhaus (Sitz unseres Stadtmagistrats) eine unangemeldete Kapselernteaktion zu starten, ist auch nicht gerade mein Ding.
So hat sich der FC-Kollege wantostart (Dirk) spontan bereit erklärt, mir aus dem fernen Deutschland ein Briefchen mit Samen vom Blauglockenbaum zu schicken.
Am Tag vor Weihnachten kam dann das Briefchen mit den Samen und der Anzucht ab Februar des Folgejahres stand nichts mehr im Weg.

Aussaat und Keimung:
Nach intensiven Recherchen in diversen Gärtnerforen war ich mir sicher, dass Blauglockenbäume ausgesprochen Keim- und Wuchsfreudig sein sollen.
So war es auch. Nach einer knappen Woche kam das erste Grün in der Saatschale zum Vorschein.
Jetzt muss man aber bedenken, dass ich selbstgemachte Komposterde aus dem Garten zur Anzucht verwendet habe und deshalb alles mögliche keimte.
Dummerweise sehen Keimlinge (bis zu 10mm Höhe) irgendwie alle gleich aus. Lediglich grasiges war zu identifizieren und wurde von mir ausgezupft.
Bei den anderen Keimlingen habe ich alles ausgezupft, was zu klein war und nur die größten stehen lassen. Mein Annahme war ja, Blauglockenbaum wächst am schnellsten.

Der Verdacht:
Nachdem die Pflänzchen nach einem Monat ca. 10cm hoch waren, kam mir schon die Blattform etwas komisch vor. Sie hatten ein gezahnter Rand.
Ich dachte mir, was sollst, vielleicht muss sich das noch entwickeln, wenn erst mal ein Baum daraus wird.
Im Mai habe ich dann die Pflänzchen in einzelne Töpfe gesetzt und in den Garten geschafft.
Beim Umtopfen kam mir der zweite Verdacht. Wieso beißen denn die kleinen Scheißerchen, wenn man sie anfasst ? ???

Die Gewissheit:
Nach 3 Monaten waren die Pflanzen ca. 75cm hoch und sahen genauso aus, wie ein gewisses Unkraut das im Garten wild wächst.
Ich habe also Brennnesseln kultiviert und aufgezogen.
Jede für sich in einem Anzuchttopf.
:-[ :-[ :-[

Also zurück an den Start.
Aber diesmal habe ich im Baumarkt "keimfreie" Kräuter- und Anzuchterde gekauft. (10 Eur/3kg !)
Die neuen, diesmal hoffentlich richtigen Keimlinge sind schon wieder ca. 10mm hoch.

LG
Klaus

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Markus
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Re: Ein botanischer Fauxpas

Beitrag von Markus » 06.07.2020, 12:04

Hallo Klaus,

herzlichen Dank für diesen ehrlichen Bericht, den - wenn man ehrlich ist - wohl fast jeder Gärtner so oder ähnlich verfassen könnte ;D ;D

Schönen Gruß,
Markus

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locksley
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Re: Ein botanischer Fauxpas

Beitrag von locksley » 06.07.2020, 14:44

Herrlich. Könnte von mir sein. Wer hat schon handgezogene Brennesseln, im Garten. ;D Damit hast Du quasi Deine eigenen
Bogensehnen gezüchtet. Handverlesen sozusagen. ;D

Die Linzer Nesselsehne wird Geschichte schreiben.
Ein grosser Mann wird weder vor dem Kaiser kriechen, noch einen Wurm zertreten (Benjamin Franklin)

Wenn das Atmen schwieriger waere, haetten wir weniger Zeit um Unsinn zu reden.

Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd (Sprichwort)

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Ravenheart
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Re: Ein botanischer Fauxpas

Beitrag von Ravenheart » 06.07.2020, 15:00

::) ….jetzt habe ich Kaffee auf den Bildschirm geprustet! ;D ;D ;D

Klasse Geschichte!
Viel Glück beim 2. Versuch!! :)

Rabe

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Snake-Jo
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Re: Ein botanischer Fauxpas

Beitrag von Snake-Jo » 09.07.2020, 08:51

Tatsächlich lassen sich viele Pflanzen vm Spezialisten anhand der ersten Blätter, die sich nach den Keimblättern bilden, bestimmen. Dafür gibt es Schlüssel
https://www.botanik-bochum.de/pflanzenb ... mlinge.htm
und eventuell auch schon eine App fürs Smartphone.
LG Jo, Biologe

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Markus
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Re: Ein botanischer Fauxpas

Beitrag von Markus » 09.07.2020, 09:34

Wobei ich die Lernkurve im Falle von Klaus um ein wesentliches höher sein dürfte ;D

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nocona
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Re: Ein botanischer Fauxpas

Beitrag von nocona » 09.07.2020, 21:44

Schön etwas von dir zu lesen Klaus. Und dann ne echt super gute Geschichte!
:D

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